Gregg Hurwitz

Biographie

Gregg Hurwitz schreibt neben Thrillern Drehbücher für die großen Hollywood-Studios sowie Comicbücher für so prestigeträchtige Verlage wie Marvel (Wolverine, Punisher) und DC (u.a. Batman). Mit seinen Büchern hat er den Weg auf die New York Times-Bestsellerliste gefunden und seine 15 Thriller sind mittlerweile in 22 Sprachen übersetzt worden.

Mit dem Autor haben wir ein Interview geführt, das wir für Sie unten auf dieser Seite platziert haben.

Foto: © Gary Fleder

Alle Romane von Gregg Hurwitz

Interview mit Gregg Hurwitz

Sie schreiben Romane, Comics sowie Drehbücher – und das sehr erfolgreich. Nutzen Sie dabei verschiedene kreative Herangehensweisen?

Ja, die habe ich tatsächlich. Ein Film ist ein wunderbarer Teamerfolg, bei dem ich auf einen Regisseur, die Schauspieler, Set Designer, Maskenbildner, Requisiteure und eine ganze Crew zurückgreifen kann, um meine Idee der Story zu verwirklichen. Bei den Comics habe ich mit dem Zeichner einen kreativen Partner an meiner Seite. Aber bei einem Roman hat der Autor all diese Aufgaben inne. Wenn ich einen Thriller wie Orphan X schreibe, muss ich all diese Rollen selber übernehmen. Deswegen ist Recherche für mich auch so wichtig.

Sobald ich wusste, was für ein Charakter Evan Smoak ist, verbrachte ich Monate mit Nachforschungen. Ich bin nach Las Vegas gefahren, um einen meiner Berater zu besuchen, einen weltbekannten Scharfschützen und Waffenschmied. Er hat mich auf all die Waffen gebracht, die in dem Buch auftauchen: von Benelli-Schrotflinten bis zur maßangefertigten Wilson-Combat-Pistole. Ich habe Mixed-Martial-Arts trainiert - währenddessen sind mein Gesicht und die Trainingsmatte zu guten Bekannten geworden. Ich habe Männer interviewt, die an Einsätzen beteiligt waren, die man aus den Nachrichten kennt; Soldaten, die auf feindlichem Gebiet in totaler Geheimhaltung operiert haben. Alles mit dem Ziel, glaubhaft schildern zu können, wie ein ängstlicher Waisenjunge aus East Baltimore zu Orphan X, einem legendären Undercover-Agenten, werden konnte.

Letztendlich tue ich das alles, um dem Leser einen Platz mitten in der Action zu ermöglichen.

Evan Smoak hat sein Attentäterdasein hinter sich gelassen und ist untergetaucht. Inwiefern unterscheidet sich seine Situation von der anderer Ex-Agenten, die von ihren ehemaligen Auftraggebern gejagt werden?

Im Gegensatz zu z.B. Jason Bourne, weiß Evan, wer er ist. Er weiß, wozu er fähig ist und all die schrecklichen Dinge, die er getan hat. Und trotzdem entscheidet er sich dafür, Gutes zu tun. Das ist es, was mich an ihm so fesselt.

Und während er den Rest seines Lebens im Untergrund verbringen muss, während er als Außenseiter am Rande der Gesellschaft steht und beobachtet, besitzt er die Fähigkeiten eine Sache zu tun: aus dem Schatten heraus, Menschen zu helfen, die sich mit ihrem Problem an niemanden wenden können. Es bedarf eines Wolfes, um die Wölfe zu vertreiben.

Das ist das, was mich bei dieser Figur auf Anhieb berührt hat. Er verschreibt sich selbst dem Schutze anderer, damit sie ihre Leben weiterführen können. Ein Leben, das er so niemals haben kann. Darin liegt eine gewisse Tragik. Was ist, wenn der Kodex nach dem du lebst gleichzeitig auch ein Fluch ist?

Können Sie sich einen Hilferuf vorstellen, auf den der Nowhere Man nicht reagieren würde?

Nein. Aber ich weiß definitiv von einem, von dem er sich wünscht, er hätte ihn nicht beachtet …

Ein sehr interessanter Aspekt an Evan sind seine Gebote, denen er sein Handeln völlig unterordnet. Wie kamen Sie auf diese?

Alle meine Lieblingshelden haben einen Kodex. Und trotz all der furchtbaren Dinge, die sie deshalb vielleicht tun, liebt man sie dafür. Was Evan so einzigartig macht, ist der Umstand, dass er einer der weltbesten Attentäter war - und dennoch niemals gegen seine moralischen Überzeugungen gehandelt hat. Zum einen, weil er stets seinem moralischen Kompass folgte. Zum anderen, weil Jack Johns, sein Vorgesetzter und Vaterfigur, wichtige Lektionen in diese Zehn Gebote für Evan verpackt hat.


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Gregg Hurwitz interviewt "Orphan X"

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EINSTUFUNG TOP SECRET

 

Datum: 23. Januar 2018

Ort: XXXXX

Einheit: XXXXX

Mitschrift angefordert von XXXXXX, XXXX

 

Thema: Gregg Hurwitz‘ Interview mit Orphan X, aka The Nowhere Man, aka Evan XXXX

 

 

GH: Evan, schön dich zu sehen. Ist doch einfacher sich zu unterhalten, wenn ich nicht gerade tippe.

[unverständlich]

GH: Ähm, wir müssen uns unterhalten. Es geht um RACHE DER ORPHANS.

[nervöses Gelächter]

GH: Also, das Buch erscheint in ein paar Wochen und …

[ein Stuhl wird über den Boden geschoben, mehr Lärm]

GH: Alter, X, was zum T…

[Stoff reißt]

GH: Ich bin nicht verwanzt. Mein Diktiergerät liegt direkt vor uns. Ich habe dir doch vorher gesagt, dass ich unser Gespräch aufnehmen werde.

X: Stelle nur sicher, dass du nicht noch andere Pläne hast.

GH: Es gibt keine anderen Pläne. Komm schon, wie lange kennen wir uns jetzt? Fast fünf Jahre?

X: Fünf Jahre, zwei Monate, sieben Tage.

GH: Ich denke, da sollten wir uns doch ein wenig vertrauen können.

[unverständlich]

GH: Wir haben ‘ne Menge zusammen durchgemacht.

X: Dieses Mal ist es anders.

GH: Stimmt. Wegen Jack. Weil er in Schwierigkeiten steckt.

X: Und mein Instinkt sagt mir, dass du damit was zu tun hast.

GH: Ich? Moment mal … wieso ich?

X: Du steckst doch hinter allem anderen, oder etwa nicht? Denk mal drüber nach.

GH: Das ist Van Sciver. Nicht ich.

X: Wer sagt mir, das du nicht derjenige bist, der Van Scivers Fäden zieht?

GH: Naja, in etwa so vielleicht, wie ich deine Fäden ziehen. Aber ich kann dir soviel verraten: Wenn du ans Ende von RACHE DER ORPHANS kommst, wirst du erfahren, wer hinter Van Sciver steht. Wer hinter allem steht.

X: Erklär mir mal, warum ich es nicht sofort aus dir rausprügeln sollte.

GH: Äh, hallo, Agent? Agent? Agent!?

X: Da draußen steht kein Agent.

[unverständlich]

GH: Was meinst du damit?

X: Er ist anderweitig beschäftigt.

GH: Aber wie … Wie kann das sein? Ich kam nach dir an. Er führte mich rein und schloss die Tür hinter mir ab.

X: Ich hab Vorkehrungen getroffen.

GH: Okay, hör zu …

X: Wo ist Jack? Wer hat ihn?

GH: Jetzt setz‘ dich doch erst mal. Entspann dich für ‘ne Sekunde, okay?

X: Ich will nicht sitzen. Ich will mich nicht entspannen. Ich will Jack finden. Und du betest besser dafür, dass ihm nichts passiert.

[unverständlich]

X: Was?

[unverständlich]

X: Du stammelst unverständliches Zeug. Benutze Wörter und Sätze. Das solltest du doch können, so als Schreiberling.

GH: Schreiberling?

X: Antworte. Jetzt.

GH: Ich kann dir nicht einfach sagen wo Jack ist; also, mal angenommen ich wüsste es …

X: Und warum nicht?

GH: Das … nun, damit würde ich alles verraten … Wie erklär ich das bloß? So funktioniert Geschichten erzählen nicht, einfach zu sagen w… OKAY, OKAY! Setz dich hin, in Ordnung? Lass uns drüber reden.

[ein Stuhl kratzt über den Boden]

GH: Gut, also, es ist so: Ich kann nicht einfach alles verraten. Aber ich kann dir einen Hinweis geben, dem du folgen kannst. Vielleicht findest du Jack ja vorher … bevor … Was ich sagen will: Du kannst ganz allein rausbekommen wer dahinter steckt. Ich geb‘ dir ‘ne faire Chance. Und dann kannst du sie dir holen.

X: Oh, ich hole sie mir. Jeden Einzelnen, der damit zu tun hat.

GH: Warum guckst du mich so an?

[langes Schweigen]

GH: Hör mal, vielleicht sollten wir das Ganze überdenken. Was sagte Konfuzius noch? „Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber.“

X: Ich fürchte, das werden einige mehr als zwei werden.

[Explosionsgeräusch*]

[*späteres Vorfallprotokoll verzeichnet einen kompletten Stromausfall]

GH: Heilige Sch…

[verschiedene panische Geräusche und Schreie; konnten später GH zugeordnet werden]

[elektronisches Brummen des Notfallgenerators setzt ein]

[Klacken der Türverriegelung]

Agent XXXX: Hände! Ich will die Hände sehen!

GH: Ich bin’s nur! Gottseidank, dass Sie da sind. Wo ist er?

Agent XXXX: Wo ist wer?

GH: Orphan X. Der Typ der hier gerade saß. Den ich interviewt habe. Der mich verhört hat. Oder was auch immer hier vor sich ging.

Agent XXXX: Beruhigen Sie sich, Sir. Hier ist niemand sonst. Die Tür war die ganze Zeit verschlossen.

GH: XXXX XXX XXXX! Das ist doch lächerlich. Ich will mit dem Special Agent in Charge reden. Besorgen Sie sich das Video der Überwachungskamera.

Agent XXXX: Das Videosignal für diesen Raum ist ausgefallen. Wir haben keine Bilder. Deshalb kam ich rein. Deshalb und wegen Ihres Gekreisches.

GH: Ich habe nicht gekreischt. Vielleicht können wir … Wir haben die Aufnahme von meinem Diktiergerät … Warum bin ich überhaupt noch hier? Ich will mit dem SAC sprechen. Man hat mir meine Sicherheit garantiert, für den Fall, dass ich mich bereiterkläre … bescheuertes Promo-Material … [unverständlich] … verdammte Lesereisen … [unverständlich] … ich glaube kaum, dass Franzen seinen Arsch für sowas … [unverständlich] Also? Wo ist der SAC?

Agent XXXX: Ich leite Ihre Anfrage gerne weiter. Aber ich empfehle Ihnen, ruhig zu bleiben.

GH: Ich bin ruhig! Hören Sie, ich muss auf Lesereise, nächste Woche, und Sie haben mich hier drin unbewacht gelassen, während die Situation fast eskalierte. Und er ist jetzt irgendwo da draußen und die Sache wird sehr, sehr gefährlich werden. Verstehen Sie? Ich kenne ihn. Soweit man ihn kennen kann … Dieses Mal ist es persönlich. Es wird …

Agent XXXX: Die Rache des Orphan?

GH: Halten Sie sich für lustig? Glauben Sie, dass hier ist ein Witz?

Agent XXXX: Nein, Sir.

GH: Sie müssen ihn finden. Sofort. Das kann für einige Leute sonst sehr böse enden.

Agent XXXX: Meinen Sie für Sie selbst?

GH: Nein, für … Naja, vielleicht, wenn … Darum geht’s gerade nicht. Es geht mir um die anderen Leute. Wir verschwenden hier unsere Zeit. Sie müssen ihn unbedingt finden.

Agent XXXX: Wenn er der ist, der Sie behaupten – haben Sie eine Ahnung wie unsinnig diese Forderung ist?

[langes Schweigen]

GH: Ja.

 

[Ende der Tonaufnahme]

 

 

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cc:

            XXXX

            XXXXXXX, Esq.

            XXXXX