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Jung, schön, blond, sucht …

Wie konnte das geschehen? Eben noch sprechen die Polizisten Nicole und Jake über einen Mordfall - Sekunden später küssen sie sich mit einer Heftigkeit, die Nicole wehrlos vor Verlangen macht. Denn eigentlich wollte sie sich niemals auf einen Kollegen einlassen …


  • Erscheinungstag: 03.04.2018
  • Seitenanzahl: 170
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955768195
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. Kapitel

An die Bar gelehnt, beobachtete Jake Ford die Blondine, die sich mit der Gewandtheit eines erfahrenen Taschendiebs an den Hochzeitsgästen vorbeischlängelte. Zu jeder anderen Zeit und an jedem anderen Ort hätte jemand, der sich derart geschickt durch eine Menschenmenge bewegte, seinen inneren Radar in Alarmbereitschaft versetzt. Das war heute Abend nicht der Fall. Die Frau hatte nicht die Absicht, die gut situierten Gäste um einen Teil ihrer Habe zu erleichtern, und außerdem war er heute als Gast da und nicht als Polizist.

Sie war die Schwester des Bräutigams. Das wusste er nur, weil seine Berufspartnerin Whitney Shea – seit anderthalb Stunden Whitney Taylor – ihm bereits mehrfach von ihrer zukünftigen Schwägerin vorgeschwärmt hatte. Toll war der Ausdruck gewesen, den sie gewählt hatte, um Nicole Taylor zu beschreiben.

Und damit hatte sie nicht übertrieben.

Die Lampen der von der Decke hängenden Kronleuchter tauchten den verspiegelten Ballsaal des Hotels in ein funkelndes Licht. Ein Pianist entlockte einem Flügel ein sehnsüchtiges Liebeslied, zu dessen Klängen sich die Paare auf der Tanzfläche bewegten. Während Jakes Blicke immer noch Nicole Taylor folgten, drangen das Rascheln von Seide und einzelne Satzfetzen an sein Ohr.

Ihr glänzendes blaues Kleid hatte einen tiefen Rückenausschnitt und einen Schlitz an der Seite, der immer wieder einen Moment lang ein Bein freigab, das er unwillkürlich bewunderte. Ab und zu ließ sie etwas – vermutlich ihre Visitenkarte – in die Brusttasche eines maßgeschneiderten Anzugs oder in eine sorgfältig manikürte Damenhand gleiten.

Er fragte sich, womit eine Frau, die aussah, als wäre sie den verlockendsten Träumen eines Mannes entstiegen, wohl ihren Lebensunterhalt bestreiten mochte.

Jake musterte ihr Profil, die ausgeprägten Wangenknochen, den Schwung des Kinns, in dem man einen leichten Anflug von Trotz ausmachen konnte. Das blonde Haar, das ab und zu golden im Licht aufleuchtete, hatte sie sich zu einem langen Zopf geflochten, der ihr über den Rücken fiel. Selbst aus der Entfernung konnte Jake sehen, dass die Farbe ihres Kleides das leuchtende Blau ihrer Augen unterstrich. Sein Blick wanderte zu ihren glänzenden korallenroten Lippen, die sich zu einem vertraulichen Lächeln verzogen, als sie ihre Karte in die Brusttasche eines hoch gewachsenen schwarzhaarigen Mannes mit dunklem Teint gleiten ließ, der sie mit seinen lüsternen Blicken förmlich verschlang.

Jake beobachtete mit fest aufeinander gepressten Kiefern, wie sie mit ihren lackierten Fingernägeln über die Jackettaufschläge des Mannes strich. Er war absolut nicht erfreut, festzustellen, dass der Anblick ihrer vollen Lippen heißes Verlangen in ihm weckte.

Jetzt riss Jake den Blick von ihr los und sah in sein Glas Tonic. Mit einem Mal wünschte er sich sehnsüchtig einen Whiskey. Aber Whiskey gehörte ebenso wie vieles andere, das er früher genossen hatte, der Vergangenheit an. Wie Zigaretten zum Beispiel. Oder Frauen.

Besonders Frauen.

Er schloss die Augen. Nachdem er zwei Monate lang regelmäßig den Polizeipsychologen konsultiert hatte, hatte er gehofft, nicht mehr von diesem Albtraum gequält zu werden. Immerhin war er einige Wochen nicht in kaltem Schweiß gebadet aufgewacht und hatte nicht wie üblich bis zum Morgengrauen in Gedanken an seine Frau und seine beiden Töchter an die Decke gestarrt. Aber dann war ihm klar geworden, dass er sich geirrt hatte. Er konnte die Vergangenheit nicht einfach von sich abschütteln. Schließlich war ihm nichts anderes übrig geblieben, als sein Leben so zu nehmen, wie es war.

Und zu akzeptieren, dass er nur noch seinen Job hatte.

Er trank einen Schluck und verzog bei dem süßlichen Geschmack das Gesicht, ehe er einen Blick über die Schulter warf. Als er Nicole Taylor nirgends mehr entdeckte, verspürte er einen leisen Stich der Enttäuschung.

Jake sah zu den Tischen auf der anderen Seite der Tanzfläche. Sie waren weiß gedeckt und mit Blumenvasen, in denen dunkelrote samtige Rosen standen, geschmückt. Mehrere Plätze waren mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Morddezernat besetzt, die größtenteils ihre Ehepartner oder Lebensgefährten mitgebracht hatten. Aus dem Schulterklopfen und Lachen ließ sich schließen, dass sich alle prächtig amüsierten. Bei jeder anderen Gelegenheit hätte Jake sich dazugesetzt, aber heute Abend nicht. Nicht bei einer Hochzeit.

Heute wollte er lieber allein sein.

Als in seiner Nähe Gelächter ertönte, wandte er den Kopf. Die Braut und der Bräutigam, ihre Eltern und Schwiegereltern, Großeltern und Geschwister hatten sich einige Schritte von der Bar entfernt zu einem Gruppenfoto versammelt und lächelten in eine Kamera. Jake sah das Glück, das sich in den Augen des stellvertretenden Bezirksstaatsanwalts Bill Taylor spiegelte, als er sich herabbeugte, um seine Braut zu küssen. Whitney, die ein perlenbesticktes langes weißes Kleid aus schimmernder Seide trug und das kastanienbraune Haar elegant hochgesteckt hatte, lächelte selig.

Jakes Mundwinkel hoben sich. Die beiden waren wirklich ein perfektes Paar. Ihre strahlenden Gesichter ließen jenes Glück erkennen, das es nur einmal im Leben gab und das auch er einmal gehabt hatte. Doch das war lange vorbei.

Genau aus diesem Grund machte er normalerweise einen großen Bogen um Hochzeiten. Sie erinnerten ihn an das, was er früher einmal gehabt … und verloren hatte. Aber er war es Whitney einfach schuldig gewesen zu kommen, was allerdings nichts daran änderte, dass es für ihn jetzt Zeit wurde zu gehen.

Er drehte sich wieder um und trank sein Glas leer. Gleich würde er auf seine Harley steigen und durch die laue Septembernacht fahren. Vielleicht lockerte sich dadurch ja die Anspannung, die sich zwischen seinen Schulterblättern eingenistet hatte, ein bisschen. Bis er zu Hause war, würden sich die Erinnerungen, die heute Abend in ihm aufgestiegen waren, hoffentlich verflüchtigt haben.

»Noch einen?«, fragte der Barkeeper, als Jake sein geleertes Glas auf dem Tresen abstellte.

»Nein, danke. Ein alkoholfreier Drink ist mein Limit.«

Nachdem er etwas Trinkgeld in einen Kognakschwenker am Ende der Bar geworfen hatte, drehte Jake sich um und wäre fast mit der Braut zusammengestoßen.

»Willst du tanzen, Hübscher?«

Er taxierte Whitney mit leicht geneigtem Kopf. »Sollte die Braut an ihrem Hochzeitstag nicht an der Seite ihres Bräutigams sein?«

»Sie sollte auch mit ihrem Partner tanzen«, behauptete Whitney, wobei ihre Augen wie Smaragde funkelten. »Das ist ihr recht.«

»Schau, Whit, ich bin ein bisschen eingerostet. Ich wollte eben …«

»Noch nicht.« Sie griff nach seiner Hand und zog ihn an dem langen Büfett vorbei, das sich unter schweren Silbertabletts mit aufgeschnittenem Fleisch, Salaten, Käse, Obst und Champagnerkübeln bog. »Tanzen ist wie Sex«, erklärte sie. »Man verlernt es nie.«

»Das glaubst du«, brummelte er.

Nachdem sie auf der Tanzfläche standen, fuhr sie fort: »Davon abgesehen, bringt es Unglück, wenn man der Braut an ihrem Hochzeitstag eine Bitte abschlägt.«

»Wem?«

»Dem, der es macht.« Sie trat einen Schritt vor und ließ ihm keine Wahl, als eine Tanzhaltung einzunehmen. »Wenn du nicht kooperierst, schieße ich dir ins Knie.«

Er grinste, während sie begannen, sich langsam im Takt der Musik zu bewegen. »Und ich soll dir abnehmen, dass du unter diesem Hochzeitskleid eine Waffe trägst?«

»Vertrau mir, Ford, du solltest es besser nicht herauszufinden versuchen.«

»Wahrscheinlich hast du recht.«

Whitney sagte im Vorbeitanzen einige Worte zu einem Paar, dann wandte sie sich wieder an Jake: »Lieutenant Ryan wirkte heute richtig glücklich.«

Jake folgte ihrem Blick zu den Tischen, wo ihr Vorgesetzter gerade seine Frau umarmte. »Ja.«

»Das haben Hochzeiten so an sich«, fuhr Whitney fort, dann seufzte sie. »Sie erinnern die Leute an glückliche Zeiten.«

»Das stimmt.«

Irritiert schaute sie ihn an. Gleich darauf drückte sie seine Hand. »Entschuldige, Jake. Ich weiß, wie sehr du Annie und die Mädchen vermisst.«

Es überraschte ihn nicht, dass Whitney seine Gedanken erraten hatte. Immerhin arbeiteten sie schon lange zusammen, und irgendwann in dieser Zeit hatte jeder seine private Hölle durchgemacht. Seine hatte vor zwei Jahren begonnen, als auf das Flugzeug, in dem seine Frau und seine beiden kleinen Zwillingstöchter saßen, ein Bombenattentat verübt worden war, bei dem alle drei ums Leben gekommen waren.

»Ja, ich vermisse sie«, erklärte er ruhig. »Aber ich halte durch.«

»Sicher?«

»Ganz sicher.«

Um zu verhindern, dass Whitney sich auch noch an ihrer Hochzeit um ihn sorgte, beschloss er, das Thema zu wechseln. »Während du am Strand von Cancún in der Sonne schmorst, werde ich den Quintero-Fall aufklären«, verkündete er, wobei er auf die Schießerei anspielte, bei der ein elfjähriger Junge getötet worden war, der das Pech gehabt hatte, zur falschen Zeit an der falschen Straßenecke gewesen zu sein. »Und wenn es mir gelingt, Cárdenas zu schnappen, werde ich die ganzen Lorbeeren allein einheimsen.«

Sie warf ihm einen kühlen Blick zu. »Träum ruhig davon. Dafür müsstest du erst mal Cárdenas’ Freundin aufspüren. Und selbst wenn du es schaffst, gebe ich dir Brief und Siegel darauf, dass du sie nicht dazu bringst, irgendetwas zu verraten.«

»So wenig traust du mir also zu«, bemerkte Jake trocken. »Vielleicht solltest du ja dableiben und den Fall aufklären, während ich nach Cancún fahre.«

Whitney gab vor, über seinen Vorschlag nachzudenken, bevor sie den Kopf schüttelte. »Ich glaube nicht, dass Bill da mitspielen würde.«

»Wo würde ich nicht mitspielen?«, fragte der soeben Erwähnte, der mit seiner Schwester an ihnen vorbeitanzte.

Jake zuckte zusammen, als sein Blick dem von Nicole Taylor begegnete. Diese Augen, die von der anderen Seite des Raums aus wie Saphire gefunkelt hatten, wirkten aus der Nähe noch faszinierender.

Scheu lächelte Whitney ihren Ehemann an. »Du würdest mich doch nicht hier lassen und mit Jake nach Cancún fahren, oder?«

Der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt musterte seine Schwester mit hochgezogenen Augenbrauen. »Ich habe keine Ahnung, was hier vorgeht, aber mir scheint, dass ich genau zur rechten Zeit gekommen bin. Macht es dir etwas aus, wenn wir die Tanzpartner tauschen?«

Nicoles Blick glitt wieder zu Jake, und ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. »Na schön, hau ab, großer Bruder.«

Er ist nicht mein Typ. Nicole dachte es in demselben Moment, in dem Whitney geschmeidig von ihrem Tanzpartner zu ihrem frisch Angetrauten glitt, während sie selbst sich in den Armen des fremden Mannes wiederfand.

Er war hoch gewachsen und schlank, sein glattes, leicht verwildert wirkendes Haar war so schwarz wie sein Anzug. Das Gesicht war markant geschnitten mit ausgeprägten Wangenknochen und einem kantigen Kinn. So ein Mann zog weibliche Blicke geradezu auf sich. Ihren Blick hatte er jedenfalls schon seit einer geraumen Weile immer wieder auf sich gezogen, während er an der Bar gelehnt und hin und wieder einen Schluck aus seinem Glas getrunken hatte. Er erinnerte sie an einen schwarzen Panther kurz vor dem Sprung. Der abweisende Ausdruck in seinen Augen hatte niemanden ermuntert, ihm Gesellschaft zu leisten.

Und diese Augen bewirkten jetzt, dass sie alarmiert war. Sie hatten die Farbe von altem, jahrelang gereiftem Whiskey, Augen, in denen man sich verlieren konnte … genauso wie sie sich vor Jahren in andere dunkle verloren hatte.

Die Erinnerung an dieses Desaster veranlasste sie, sofort ihre durcheinander wirbelnden Gedanken zu ordnen.

»Ich bin Nicole Taylor«, sagte sie, während sie zusammen über die Tanzfläche glitten. »Bills Schwester.«

»Jake Ford.«

»Whitneys Partner, richtig?«

»Richtig.«

Nicole ließ sich von ihm führen und bewegte sich im Takt der langsamen, sinnlichen Musik. Entspann dich! befahl sie sich. Es war schließlich nichts weiter als ein Tanz. Trotzdem empfand sie seinen Körper als beunruhigend nah.

»Ich habe schon von Ihnen gehört.«

»Und warum tanzen Sie dann trotzdem mit mir?«, fragte er, wobei er ihr fest in die Augen schaute.

Von Weitem war er ihr schon unwiderstehlich erschienen. Aus der Nähe hatten seine dunkle Erscheinung und die markanten Gesichtszüge eine absolut verheerende Wirkung auf sie. Ebenso wie die Wärme seines Körpers und sein nach Moschus duftendes Aftershave, das ihr in die Nase stieg.

»Weil ich gern tanze«, antwortete sie. Sie wusste, dass das gedämpfte Licht und die leisen Klänge des Pianos eigentlich beruhigend wirkten, trotzdem fühlte sie sich seltsam angespannt. »Tanzen soll gut für die Blutzirkulation sein. Die Blutgefäße weiten sich und können mehr Sauerstoff aufnehmen.«

Jake runzelte die Stirn. »Schon möglich.«

Sie seufzte kaum hörbar. Ein Konversationsgenie war der Mann offenbar nicht. Nur gut, dass sie eins war.

»Auf jeden Fall«, fuhr sie im Plauderton fort, »wusste Whitney nur Erfreuliches über Sie zu berichten.«

»Ich zahle ja auch gut.«

Nicole beugte den Kopf ein wenig nach hinten und musterte ihn eingehend. Nein, sie entdeckte kein humorvolles Aufblitzen in seinen Augen. »Und was hätte Whitney zu berichten gehabt, wenn Sie nicht gut dafür zahlen würden, dass sie nur Erfreuliches über Sie erzählt?«

»Dass Sie mir besser aus dem Weg gehen sollten.«

Trotz seiner abweisenden Worte beschleunigte sich Nicoles Pulsschlag. Sie war sich plötzlich dem Druck seiner Hand, die auf ihrer Taille lag, überdeutlich bewusst. Ebenso wie der Tatsache, dass nur eine dünne Stoffschicht zwischen seiner Handfläche und ihrer Haut war.

»Warum sollte sie das denn sagen?«

Sein Blick ruhte fest auf Nicole. »Das ist eine lange Geschichte.«

Unwillkürlich umfasste sie seine Schulter fester. Sie spürte, wie angespannt er war.

»Sind Sie im Dienst, Sergeant Ford?«

»Nein. Warum?«

»Sie verhalten sich aber so.«

»Wie meinen Sie das?«

»Na ja. Wie ein Polizist im Dienst eben.« Sie massierte leicht seine Schulter. »So kalt und abweisend.«

»Was wissen Sie denn über Polizisten?«

Sie lächelte. »Oh, ich habe für einige die passenden Partner gefunden.«

Argwöhnisch kniff er die Augen zusammen. »Die passenden Partner?«

»Leute zusammenzubringen ist mein Beruf.«

Unverwandt schaute er sie an.

Hatte er einen durchdringenden Blick! Und er sah so gut aus. »Ich habe eine hohe Erfolgsquote. Ich spüre, wenn zwei Menschen zueinander passen, das ist ein besonderes Talent.« Nach dieser Eröffnung zog sie eine Visitenkarte aus der Abendhandtasche, die ihr an einer dünnen Kette von der Schulter baumelte. »Hier, falls Sie irgendwann Bedarf haben.«

Jake nahm die Hand von ihrer Taille, um die Karte entgegenzunehmen. »Meet Your Match«, las er laut vor, dann schaute er sie wieder an. »Dort arbeiten Sie?«

»Ja. Und die Agentur gehört mir auch.«

Er betrachtete erneut mit hochgezogenen Augenbrauen die Visitenkarte. »Sie sind also Inhaberin einer Partnervermittlungsagentur?«

»Richtig.« Sie war stolz auf den Erfolg, den sie mit ihrem Unternehmen hatte.

Er schwieg eine Weile. Gedämpfte Wortfetzen drangen an ihre Ohren, während sich die Paare auf der Tanzfläche im Rhythmus der sanften Musik bewegten.

»Sie lassen sich von Leuten dafür bezahlen, dass Sie für sie ein Blind Date vereinbaren«, bemerkte er schließlich.

»Kein ›Blind Date‹. Unsere Klienten müssen bei Vertragsabschluss einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen, sodass die Personen bereits vor dem ersten Treffen ziemlich viel übereinander wissen, einschließlich des Aussehens.«

Verstohlen schaute sie auf die kräftige Linke, die ihre Rechte hielt. Ihr Interesse – das natürlich nur beruflich bedingt war, wie sie sich einredete – erwachte, als sie sah, dass er keinen Ehering trug. »Gibt es in Ihrem Leben eine Frau, Sergeant Ford?«

»Nein.«

»Vielleicht möchten Sie ja unsere Dienste in Anspruch nehmen.«

Er gab ihr die Karte zurück. »Bestimmt nicht.«

Diesmal legte er ihr die Hand auf den Rücken, wo es zwischen seiner Handfläche und ihrer Haut nichts Trennendes mehr gab. Obwohl seine Berührung nur leicht war, verschlug es ihr für einen Moment den Atem. Sie versteifte sich, während sie sich zwang, weiterzutanzen und seinem Blick nicht auszuweichen.

Scheinbar gelassen beobachtete er sie, aber ihr entging nicht, wie seine Augen aufleuchteten.

»Ist alles in Ordnung mit Ihnen?«, fragte er.

»Ja sicher.« Sie brauchte dringend Sauerstoff. Es hatte keinen Sinn, sich etwas vorzumachen. Jake Ford erinnerte sie an einen anderen Mann aus ihrer Vergangenheit. Sein Aussehen, sein Verhalten … seine Berührung – dies alles war so verführerisch. Zu verführerisch.

Jetzt, wo sie seine Hitze fühlte, wünschte sie, er möge sie enger an sich ziehen.

Nichts wird passieren, ermahnte sie sich nachdrücklich. Sie würde nie mehr eine Beziehung eingehen, bei der ihre Gefühle die Oberhand über ihren Verstand gewannen. Das hatte sie mit ihrem Ex schon einmal gehabt und war dabei tüchtig auf die Nase gefallen. Heute war sie klüger. Und sie hatte gelernt, wie man sich einem Problem stellte. Was in diesem Moment hieß, dass sie, um aus der Defensive herauszukommen, die Führung übernehmen musste.

Sie würde sich viel besser – sicherer – fühlen, wenn Jake Ford tabu für sie war. Und dafür konnte sie sorgen.

»Ich habe eine Klientin, die genau die Richtige für Sie wäre«, erklärte sie, während sie ihm die Visitenkarte in die Brusttasche schob. »Sie ist Ärztin, intelligent und sieht umwerfend gut aus. Sagen Sie mir Bescheid, falls Sie Ihre Meinung …«

Als er Nicole am Handgelenk packte, brachte sie keinen Ton mehr heraus. Hart wie Stahl war sein Griff.

Er musterte sie aus zusammengekniffenen dunklen Augen. »Ich bin nicht interessiert. Und ich werde meine Meinung nicht ändern.«

Sie stellte sich vor, wie diese kräftigen Hände ihren Körper Zentimeter für Zentimeter erkundeten. Hastig verdrängte sie diese Bilder, während ihr die Röte in die Wangen schoss.

In seinen Augen glomm ein Funke auf und erlosch sogleich wieder. Er ließ ihr Handgelenk los. »Entschuldigen Sie.«

»Schon gut.« Nicole spitzte die Lippen, während sie ihre Visitenkarte wieder aus seiner Brusttasche zog und in ihre Tasche zurückschob. »Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Ihr Biorhythmus im negativen Bereich sein könnte?«

Er verpasste einen Schritt, dann fiel er wieder in den Takt ein. »Mein was?«

»Ihr Biorhythmus. Sie kommen mir übermäßig angespannt vor, deshalb wäre es möglich, dass er im negativen Bereich ist. Sebastian sagt, wenn der Biorhythmus einer Person negativ ist, ist es schwer, auf gewissen Gebieten Pluspunkte zu machen.«

»Wer, zum Teufel, ist Sebastian?«

»Sebastian Peck, mein Fitnesstrainer.«

Jake lächelte ironisch. »Ah, dieser Schickimicki-Verein im Nordwesten der Stadt.«

»Genau genommen ist es ein Fitnessclub.«

»Ich wette mit musikalischer Dauerberieselung und einer Saftbar.«

»Stimmt.«

»Nicht mein Geschmack. Da trainiere ich lieber im Polizeisportverein.«

Nicole ließ die linke Hand von seiner Schulter nach unten gleiten und berührte seinen harten Bizeps, der regelmäßige sportliche Betätigung verriet.

»Sebastian nimmt derzeit keine neuen Kunden an, aber er schuldet mir noch einen Gefallen«, erklärte sie unerschrocken. »Ich könnte einen Termin für Sie vereinbaren, sodass er Ihren Biorhythmus kartiert. Es dauert nicht lange.« Bis dahin hätte sie vielleicht herausgefunden, wie sie Jake Ford davon überzeugen konnte, sich mit der aufregenden Ärztin zu treffen.

»Meinem Biorhythmus geht es hervorragend.«

»Denken Sie darüber nach. Sie finden meine Nummer im Telefonbuch – rufen Sie mich einfach an, falls Sie Ihre Meinung ändern.«

Die Musik verklang. Von der anderen Seite der Tanzfläche verkündete ein Onkel der Braut, dass sich das Brautpaar zum Aufbruch bereit machte.

»Wir sollten ihnen noch alles Gute wünschen«, meinte Nicole.

»Richten Sie es ihnen von mir aus«, gab Jake unbewegt zurück. »Ich bin sowieso schon viel länger geblieben, als ich eigentlich vorhatte.« Seine Hand lag leicht auf ihrem Ellbogen, während er Nicole zum Rand der Tanzfläche führte.

Nachdem sie dort angelangt waren, straffte sie die Schultern und reichte ihm die Hand. »War nett, Sie kennenzulernen, Jake. Rufen Sie mich an, wenn Sie beschließen, meine Dienste in Anspruch zu nehmen.«

Er zögerte einen Moment, ehe er ihre Hand ergriff, und grinste. »Ihre Dienste?«

Ihre Kehle fühlte sich plötzlich wie zugeschnürt an. Obwohl ihr Verstand ihr riet, sofort die Hand zurückzuziehen, tat sie es nicht. Es war ihr erst einmal im Leben passiert, dass ein Mann eine derartige Wirkung auf sie ausübte. Damals hatte sie sich von ihren Gefühlen leiten lassen statt von ihrem Verstand, was am Ende dazu geführt hatte, dass sie verletzt auf der Strecke geblieben war.

Jetzt riet ihr eine innere Stimme, auf dem Absatz kehrtzumachen und davonzulaufen. Und doch blieb sie stehen.

»Die Dienste meiner Agentur natürlich«, sagte sie betont locker. »Vielleicht beschließen Sie ja eines Tages, dass Sie die Ärztin doch kennenlernen möchten.«

Wie gebannt blickte sie ihn an, während sein Daumen auf der Innenseite ihrer Handgelenke kleine Kreise beschrieb. Ihr Herz pochte heftig.

»Bestimmt nicht.«

Obwohl er sich bereits von ihr abgewandt hatte, wich sie einen Schritt zurück. Und dann noch einen.

Sie ballte die Hände zu Fäusten, als sie spürte, dass ihre Haut immer noch von seiner Berührung prickelte. Atemlos blickte sie ihm nach und wartete darauf, dass sich ihr Pulsschlag verlangsamte. Fürs Erste umsonst.

Und auch zwei Stunden später, als sie schon längst im Bett lag, klopfte ihr Herz schneller, wenn sie nur an ihn dachte.

2. Kapitel

Er hätte nicht mit ihr tanzen sollen. Hätte sie nicht berühren, ihr nicht mit den Daumen über die Handgelenke streichen sollen. Warum hatte er das bloß getan?

Jake fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Seit Bills und Whitneys Hochzeit war mehr als eine Woche vergangen. Er wusste schon längst nicht mehr, wie oft er seitdem Nicole Taylor immer wieder aus seinen Gedanken hatte verbannen müssen. Selbst jetzt, in diesem Zivilstreifenwagen, stiegen vor seinem geistigen Auge Bilder von ihr in jenem Ballsaal empor. Und er erinnerte sich an das berauschende Gefühl, sie in den Armen zu halten, glaubte, ihren verführerischen Duft in der Nase zu haben.

»Verdammt!« Wenn das so weiterging, würde er noch verrückt werden. Die Lippen zusammengepresst, versuchte er, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Er blickte durch die Windschutzscheibe auf das verwahrloste Backsteinhaus, das in der Dunkelheit auf dem mit hohem Unkraut überwucherten Rasen wie ein zusammengekauertes Monster aussah. Über der Haustür hing eine nackte Glühbirne, die ihr fahles Licht in eine mondlose Nacht schickte. Sein Informant hatte geschworen, dass die Freundin von Ramon Cárdenas, dem Hauptverdächtigen in dem Mordfall Enrique Quintero, heute Nacht hier auftauchen würde.

Jake lag seit dem frühen Abend auf der Lauer, doch bis jetzt war die Frau noch nicht auf der Bildfläche erschienen.

Er lehnte sich zurück und trank den letzten Rest Kaffee, den er sich vorhin aus dem Laden an der Ecke geholt hatte, dann warf er den Plastikbecher der Einfachheit halber auf den Rücksitz, der bereits mit allem möglichen Papiermüll von den Fertigmahlzeiten dieser Woche übersät war. Bis Whitney in einigen Tagen aus den Flitterwochen zurück war, würde er den Wagen schon halbwegs in Ordnung gebracht haben.

Noch mit dem bitteren Nachgeschmack des Kaffees auf der Zunge griff er in seine Brusttasche. Seine Miene verfinsterte sich, als er die Hand leer wieder hervorzog. Verdammt! Er hatte seit zwei Monaten, fünf Tagen und sieben Stunden nicht mehr geraucht. Warum, zum Teufel, hörte er nicht endlich auf, nach einem Zigarettenpäckchen zu kramen, das nicht da war?

Rauchen ist das Letzte, was du vermisst, erinnerte Jake sich, während sich seine Laune noch weiter verschlechterte. Was ihm wirklich fehlte, war der wohltuend beißende Geschmack von altem Whiskey. Oder die Wärme einer Frau. Einer Frau mit strahlend blauen Augen. Einer Frau, die so gut duftete, dass ein Mann sich unwillkürlich fragte, wie es wohl sein mochte, wenn sie sich in der Dunkelheit unter ihm bewegte.

Einer Frau wie Nicole Taylor.

Er atmete langsam aus. Immer noch konnte er spüren, wie sich ihr Pulsschlag unter seinem Daumen beschleunigt hatte. Er hatte sich schwer zusammenreißen müssen, um nicht seinen Mund auf die Stelle zu pressen, weil es ihn gedrängt hatte, herauszufinden, ob sie ebenso gut schmeckte ,wie sie duftete.

Nur gut, dass es ihm wenigstens in diesem Punkt gelungen war, sich zurückzuhalten.

Aber weil er dem Impuls nachgegeben hatte, ihre Hand einen Moment länger als nötig zu halten, konnte er jetzt nicht mehr vergessen, wie sie darauf reagiert hatte.

Diese Erinnerung war jedoch nicht das Einzige, was ihm zu schaffen machte.

Bis zu jenem Abend vor etwas mehr als einer Woche hatte er sich nur gewünscht, endlich diesem Albtraum von der Explosion, deren Folgen sein Leben zerstört hatte, entfliehen zu können. Und seit einigen Tagen litt er nicht mehr so darunter, wenn er sich jenes Ereignis ins Gedächtnis rief, genau wie es ihm der Polizeipsychologe vorausgesagt hatte. Das Problem war nur, dass ihn jetzt etwas anderes quälte. Die Gedanken an Nicole. Und diese Vorstellungen waren noch weitaus beunruhigender, weil es keine Therapie dagegen gab, kein Mittel, die Frau aus seinem Kopf zu bekommen.

Sie war da. In ihm. Und sein Gefühl sagte ihm, dass es verdammt lange dauern würde, bis er sie vergessen würde. Aber irgendwann würde er es tun. Er musste es.

Auf die harte Tour hatte er lernen müssen, dass das Leben einen nicht immer mit Samthandschuhen anfasste. Auf die schrecklichste Art hatte er erfahren, wie schnell sich alles ändern konnte. Wie im Bruchteil einer Sekunde Gefühle des Glücks in die tiefster Verzweiflung umschlugen.

Von schmerzlichen Erinnerungen überschwemmt, rieb Jake sich mit dem Handballen die Stelle, unter der sein Herz schlug. Nie wieder. Nie wieder würde er dem Schicksal Gelegenheit geben, ihn derart zu beuteln. Und genau darum war in seinem Leben kein Platz für eine Frau. Auch nicht für Nicole Taylor. Ganz besonders nicht für sie.

Das plötzliche Schrillen seines Handys zerschnitt die Stille und riss ihn aus seinen Gedanken. Jake drückte auf den Knopf und meldete sich.

»Ryan hier.«

»Was liegt an, Boss?«

»Hat sich bei Ihnen schon was ergeben?«

Überrascht zog Jake die Augenbrauen hoch. Um diese Dinge kümmerte sich Lieutenant Michael Ryan normalerweise nicht. »Bis jetzt nicht. Ich wollte der Freundin eigentlich noch zwei Stunden geben. Es sei denn, Sie brauchen mich woanders.«

»Deshalb rufe ich an. Ich möchte, dass Sie Notruf sieben übernehmen«, sagte Ryan und nannte ihm die Adresse, wo eine Frau eine Leiche gefunden hatte.

»Alles klar.« Jake schaute über die Straße auf das heruntergekommene Mietshaus. Heute kam er mit Cárdenas nicht mehr weiter, aber irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft würde er den Schweinehund festnageln. Schon allein deshalb, weil er es der Mutter des kleinen Enrique Quinteros schuldig war. Jake wusste zu gut, wie schlimm es war, wenn man sein Kind verlor.

»Haben Sie auch den Namen der Frau, die die Leiche gefunden hat, Lieutenant?«, fragte er, während er den Wagen startete.

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