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Lockender Ruf der Liebe

Die Frauen stehen Schlange bei Cesare. Und er kann es nicht fassen, dass seine hinreißende Geliebte Bianca ihn verlassen hat. Unter einem Vorwand lockt er sie auf seine sonnige Insel vor Sizilien und verführt sie. Aber nur, damit er ihr den Laufpass geben kann …


  • Erscheinungstag: 04.06.2018
  • Seitenanzahl: 170
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955768232
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. Kapitel

»Habt ihr schon gehört? Peter Croft lässt sich von seiner dritten Frau scheiden und ist auf dem Weg zu Nummer vier!«

Claudia Neill blickte über die festlich geschmückte Tafel. Ihre schwarzen Augen funkelten voller Schadenfreude. Ein kalter Schauer lief Bianca Jay den Rücken hinunter, als Cesares jüngere Schwester genüsslich fortfuhr: »Amanda ist natürlich am Boden zerstört. Das arme Ding war ja am Rande eines Nervenzusammenbruchs, seit Peter bei der Oscarverleihung mit diesem vollbusigen Filmsternchen fotografiert wurde – wie heißt sie doch gleich –, na, ihr wisst schon, wen ich meine. Spielt meistens kleine Nebenrollen und hat früher in einer Popgruppe gesungen. Allerdings wird die arme Amanda außerordentlich großzügige Unterhaltszahlungen bekommen …«

Claudia zuckte gelangweilt die Schultern. »Aber egal wie hoch die Abfindung ausfällt, es wird ihr nicht darüber hinweghelfen, für ein jüngeres Modell sitzen gelassen zu werden. Aber was hat die arme Amanda denn erwartet? Sie hat schließlich einen Mann geheiratet, der einen Ruf als Playboy zu verlieren hat und der außerdem mehr Geld besitzt, als er jemals ausgeben kann: da sollte sie sich glücklich schätzen, dass sie ihn länger als ein, zwei Jahre halten konnte.«

Wurde darauf etwa eine Antwort von ihr erwartet? Bianca wünschte sich zum hundertsten Mal, dass sie nicht eingewilligt hätte, herzukommen. Cesare hatte sie darum gebeten. »Es tut mir wirklich leid, besonders weil es mein erster Abend wieder in London ist. Aber meine kleine Schwester hat Geburtstag, und ich habe ihr ein Abendessen in meiner Wohnung versprochen. Nur wir vier, du und ich, Claudia und Alan. Sie bleiben sicher nicht lange, denn soweit ich weiß, kann ihr Babysitter nicht länger als bis elf – es ist ihr zu anstrengend, darüber zu wachen, dass diese beiden kleinen Monster im Bett bleiben! Und dann haben wir den Rest der Nacht ganz für uns.«

Und wie immer war es ihr unmöglich gewesen, ihm zu widerstehen. Das war gefährlich.

Während des ganzen Abends hatte Bianca, wie auch in den vergangenen Wochen, über ihre Beziehung nachgedacht. Sie schluckte. Cesare mitzuteilen, dass ihre Affäre, die jetzt schon seit sechs Monaten bestand, zu Ende war, würde ihr das Herz brechen. Aber sie musste es tun, bevor sie gänzlich verloren war. Oder sie würde weitermachen wie bisher und wissen, dass er eines Tages mit ihr Schluss machen würde. Sie musste eine Entscheidung treffen.

»Zum Glück«, gurrte Claudia mit einem Seitenblick auf ihren Ehemann, »ist Alan nicht reich genug, um mich auszutauschen, also bin ich wohl ziemlich sicher.« Sie ließ ein perlendes, gekünsteltes Lachen hören, dann fiel ihr Blick auf Bianca. »Du und Cesare, ihr wisst wenigstens genau, wo ihr steht, nicht wahr? Ihr habt all den Spaß einer unverbindlichen Affäre ohne die ehelichen Pflichten.«

»Pflichten?«, fragte Alan mit gespielter Entrüstung.

»Na, du weißt schon, Darling – mit dir über meine Kleiderrechnungen streiten, mit den Wutanfällen der Zwillinge fertigwerden, Babysitter organisieren …«

Bianca hörte gar nicht mehr zu. Das war ein unmissverständlicher Seitenhieb auf ihren Status als Geliebte gewesen. Ein Status, auf den sie nicht stolz war. Die Trophäe eines reichen Mannes, die er überall zur Schau stellen konnte und die fallen gelassen wurde, sowie sein Interesse von einer anderen aufregenden Frau gefesselt wurde.

Sie hatte Cesare Andriotti durch ihre Arbeit in einer PR-Agentur kennengelernt, als sie die Eröffnungsveranstaltung für ein weiteres Haus der Andriotti-Hotelkette organisierte. Schon auf den ersten Blick war eine unglaubliche Anziehungskraft zwischen ihnen spürbar gewesen. Bianca hatte gewusst, dass er ihr gefährlich werden konnte. Dennoch hatte sie nicht Nein sagen können.

Es hatte auch nicht geholfen, sich immer wieder zu versichern, dass Cesare Andriotti die Art von Mann war, die sie am meisten verabscheute.

Steinreich, von umwerfend gutem Aussehen, mit massenhaft italienischem Charisma und jener Spur von Arroganz, die auf alle Frauen in seiner Umgebung wirkte. Er gehörte zu den Männern, die sich Geliebte nahmen, diese mit Geschenken überhäuften, und die sich dann berechtigt fühlten, diese Geliebten wieder fallen zu lassen, wenn ihnen danach war – auf sehr höfliche, sehr charmante Weise selbstverständlich.

Bianca hatte versucht, auf Distanz zu bleiben, aber innerhalb eines Monats nach diesem ersten Treffen war sie seine Geliebte geworden. Sie hatte einfach nichts dagegen tun können. Er hatte sie bestürmt und hatte sich über all ihre Einwände hinweggesetzt.

Seine Augen ruhten jetzt auf ihr, das konnte sie spüren. Er hatte sie beobachtet, seit seine Schwester diese spitze Bemerkung von sich gegeben hatte.

Bianca widerstand dem Impuls, den Kopf zu drehen und ihn anzusehen, den Blick dieser unglaublichen schiefergrauen Augen zu treffen, ihren Blick auf seinen vollen Lippen verweilen zu lassen oder die Umrisse dieses durchtrainierten Körpers mit den Augen zu verschlingen. Wenn sie das tun würde, wäre sie verloren, und ihre wachsende Entschlossenheit, diese Affäre zu beenden, würde hinweggefegt von dem glühenden Verlangen ihres Körpers.

»Darf ich um einen Gefallen bitten, Sir?«, fragte Alan und wurde rot, als er hinzufügte, »Cesare.«

Alan Neill war Leiter der Buchhaltung der englischen Niederlassung des riesigen Andriotti-Finanzimperiums und hatte sich in Claudia Andriotti verliebt, als sie Cesare in London besucht hatte. Er hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass sein Boss nun auch sein Schwager war.

Bianca hatte Mitleid mit ihm.

Mit vierunddreißig Jahren stand Cesare an der Spitze dieses Imperiums, seit sein Vater sich vor vier Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, und flößte allen, die ihn kennenlernten, Respekt ein. Da konnte Alan nicht mithalten. Er war durch und durch sympathisch, zu loyal und phlegmatisch, um auch nur daran zu denken, seine hübsche, temperamentvolle Frau zu betrügen; Claudia würde nie befürchten müssen, gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht zu werden.

Alan sprach jetzt stockend weiter: »Könnten wir vielleicht Anfang August den Firmenjet haben? Ich weiß, es ist eine etwas unverschämte Bitte, aber es wäre ein Albtraum, mit den Zwillingen einen regulären Flug zu nehmen. Sie würden nicht still sitzen, überall herumflitzen, und ihr wisst ja, wie durchdringend die Stimmen dreijähriger Steppkes sein können, wenn sie überdreht sind.« Er fuhr sich mit den Fingern durch sein dickes lockiges Haar und versuchte vergeblich, entspannt zu lachen. »Das kann man den anderen Passagieren einfach nicht zumuten.«

»Liebling«, Claudia legte eine Hand auf den Arm ihres Mannes, »hör auf zu faseln. Natürlich hat Cesare nichts dagegen.« Sie lächelte ihrem Bruder zu. »Mamma e papà bestehen darauf, dass wir im August mit den Kindern zur Feier ihres Hochzeitstages nach Kalabrien kommen. Du hast doch sicher auch schon deinen Marschbefehl erhalten? Nimmst du uns mit?«

Bianca bemühte sich, höflich interessiert zu lächeln. Aber dieses Gespräch ging sie nichts an, sie würde ohnehin an diesem Familientreffen nicht teilnehmen. Das Zusammentreffen mit Cesares Schwester hatte sich bei einigen gesellschaftlichen Anlässen nicht vermeiden lassen. Deshalb war sie auch heute bei dieser privaten Geburtstagsfeier dabei. Ansonsten kam es ihm nur darauf an, die Nächte mit ihr zu verbringen, jedenfalls im Moment. Aber sie war ihm nicht wichtig genug, um sie zu einem Besuch bei seinen Eltern mitzunehmen.

Gleich zu Beginn ihrer Bekanntschaft hatte er auf Biancas etwas ungeschickte Bemerkung, dass sie grundsätzlich nicht an einer festen Beziehung interessiert sei, erwidert: »Ich auch nicht. Warum sollte ich heiraten? Meine Schwester hat ja schon ihre Pflicht erfüllt und der Familie Zwillinge präsentiert.« Ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. »Unser Arrangement ist genau das Richtige für mich.«

Wenigstens ist er ehrlich, dachte sie, als der Kellner vom Partyservice den Kaffee servierte. Wie sie aus schmerzlicher Erfahrung wusste, heirateten und trennten sich die meisten Männer, die so vermögend wie er waren, mit monotoner Regelmäßigkeit. Allerdings hatte dieses Gespräch in ihrer Anfangszeit stattgefunden, und die Beziehung änderte sich allmählich. Cesare begann, Dinge von ihr zu verlangen, die sie nicht bereit war zu geben.

Deshalb war es jetzt an der Zeit, einen sauberen und entschlossenen Schnitt zu machen, bevor sie mit gebrochenem Herzen zurückblieb. Sie legte ihre Serviette auf den Tisch und murmelte: »Das war ein ganz reizender Abend, aber ich muss jetzt gehen. Noch einen schönen Geburtstag, Claudia.«

Mit höflichem Lächeln stand Bianca auf. Innerlich zitterte sie. Es würde nicht leicht werden, ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Claudia meinte mit falschem Bedauern: »Liebling, musst du wirklich schon weg? Ich hoffe, Alan und ich haben dir nicht den Abend vermasselt!«

»Keineswegs«, erwiderte Bianca leichthin und wandte sich Alan zu, der sich erhoben hatte. »Bitte, lasst euch durch mich nicht stören.« Dann zwang sie sich dazu, das elegante Esszimmer anmutig und ohne Hast zu verlassen.

Wie sie erwartet hatte, stand Cesare auf, um ihr zu folgen. Im benachbarten Wohnzimmer nahm Bianca ihr Handy aus der Abendtasche und tippte mit zittrigen Fingern die Nummer ihres üblichen Taxiunternehmens. Als sie den Anruf beendet hatte, stand Cesare neben ihr und fragte: »Was hast du denn, cara mia, ist etwas nicht in Ordnung? Du wolltest doch heute Nacht hierbleiben. Geh nicht. Seit drei Wochen habe ich mich nach dir gesehnt.«

Er legte ihr die Hände auf die Schultern, und sie fühlte, wie ihr Körper sich versteifte. Seine tiefe Stimme war so sinnlich, dass sie von Verlangen überflutet wurde, und der besitzergreifende Druck seiner Finger brannte durch die Seide ihres Kleides. Sie verspürte das Bedürfnis, sich in seine Arme zu werfen, die Hände um seinen schön geformten Kopf zu legen, ihre Finger in seinem seidigen pechschwarzen Haar zu vergraben und in der Leidenschaft seines Kusses zu versinken.

Bianca kämpfte gegen diese übergroße Gefahr an, indem sie zur Seite trat, um die nötige Distanz aufrechtzuerhalten, und versuchte, die beginnende Tränenflut wegzublinzeln. Er hatte sie gefragt, was nicht in Ordnung war. Nichts war in Ordnung. Ihre unbeschwerte Beziehung wurde ernster, zumindest von ihrer Seite aus.

Sie wurde zu abhängig von ihm, neigte dazu, übermäßig verärgert und verletzt zu sein, wenn er ein Treffen absagen musste; sie vermisste ihn so, dass es wehtat, und konnte nur an ihn denken, wenn er nicht in London war, immer mit einem Ohr beim Telefon in Erwartung seines Anrufes.

Sie hatte sich in ihn verliebt, das war die Antwort auf seine Frage!

Aber das konnte sie ihm keinesfalls sagen. Unmöglich!

Liebe gehörte nicht zu ihrem »Arrangement«.

Mit einem Schritt stand er ihr wieder gegenüber. Sein männlicher Duft überwältigte sie so, dass ihr die Worte, die sie unbedingt sagen wollte, im Halse stecken blieben.

»Bleib«, sagte er sanft. »Ich brauche dich. Wenn es ein Problem gibt, was immer es auch ist, kümmere ich mich darum.« Der leichte, aber unerbittliche Druck seiner Fingerspitzen an ihrem Kinn zwang sie dazu, ihm in die Augen zu sehen. Diese schiefergrauen rätselhaften Augen mit den dichten Wimpern über den hervorstehenden Wangenknochen, die schmale, gerade Nase, die irgendwie im Widerspruch stand zur wilden Leidenschaft seines wunderschönen Mundes. Er sah so umwerfend gut aus, dass es wehtat.

Er ging offenbar davon aus, dass er mit Leichtigkeit alle Probleme lösen könnte, an denen normale Sterbliche scheitern würden. Nicht etwa, weil er reich und einflussreich war, sondern aufgrund seiner ungezügelten Männlichkeit und seiner dynamischen Persönlichkeit.

»Ich kann nicht«, gelang es Bianca hervorzupressen.

»Warum nicht? Ich dachte, das wäre geklärt.« Mit seinen langen, schlanken Fingern streichelte er ihre Wange und beugte den Kopf zu ihr hinunter. Um sie zu küssen?

Das Risiko wollte Bianca nicht eingehen, deshalb zog sie abrupt den Kopf weg. Natürlich hatte sie bleiben wollen, denn sie wurde von ihm angezogen, wie die sprichwörtliche Motte vom Licht. Nur die plötzliche Erkenntnis der Gefahr hatte sie gerettet, bevor es zu spät war. Während sie die Finger in das weiche Leder ihrer Handtasche krallte, formulierte sie im Geist die Worte, die sie, wenn sie sie einmal ausgesprochen hatte, nicht mehr rückgängig machen konnte.

Cesare würde das, was sie zu sagen hatte, mit ein, zwei Sätzen des Bedauerns akzeptieren. Er war viel zu stolz, um sie zu bitten, es sich noch einmal zu überlegen. In dem Moment, in dem sie die Worte ausgesprochen hätte, wäre es endgültig vorbei.

Bianca atmete tief durch und straffte die Schultern. »Es ist aus, Cesare. Wir werden uns nicht mehr sehen.«

Sie hatte es geschafft. Um diese Worte zu sagen, hatte sie ihre ganze Entschlusskraft gebraucht.

Cesare biss die Zähne zusammen und musste seine gesamte Selbstbeherrschung aufbieten, um dem Impuls zu widerstehen, sie in die Arme zu nehmen und so lange zu küssen, bis sie ihre Worte zurücknahm.

Sie konnte ihn nicht verlassen. Er würde das nicht zulassen.

Er sog lautlos die Luft ein und schloss für einen Moment die Augen, bevor er seinen Blick wieder auf ihrem Gesicht ruhen ließ. Bildschön. Sie wirkte ein wenig exotisch mit ihrer zarten Haut, dem glatten schwarzen Haar, dem üppigen Mund und den großen bernsteinfarbenen Augen. Ihr schlanker Körper war perfekt geformt und wurde von dem goldbraunen Seidenkleid optimal zur Geltung gebracht.

Sie konnte das Zittern ihrer Lippen nicht verbergen, aber die kalte Entschlossenheit in ihren Augen verriet ihm, dass nichts ihren Entschluss würde ändern können – obwohl die Berührung seiner Lippen und die langsame Bewegung seiner Hand von ihren Schultern zu ihren Brüsten, die sich so verführerisch unter der dünnen Seide abzeichneten, in ihnen beiden eine unbezähmbare Leidenschaft entzündeten.

Schon seit mehreren Wochen hatte er ein vages Unbehagen über die Entwicklung ihrer Beziehung verspürt. Sie hatte sich geweigert, zu ihm zu ziehen, hatte mit gequältem Blick die Geschenke zurückgewiesen, mit denen er ihr doch eine Freude bereiten wollte, und hatte ihn nie zu sich nach Hause eingeladen. Seinen Fragen nach ihrer Familie, ihrer Erziehung und ihren Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft war sie immer ausgewichen.

Er wusste jetzt genauso wenig über sie wie damals, als er sie kennengelernt hatte und ihm sofort klar war, dass er sie in seinem Bett haben wollte.

Entgegen allen Gerüchten hatte er bei Weitem nicht so viele Geliebte gehabt, wie ihm angedichtet wurden. Wenn es unweigerlich irgendwann Zeit für eine Trennung geworden war, war es in beiderseitigem Einverständnis geschehen, ohne Bitterkeit oder Liebeskummer.

Lag es an dem Geheimnis, das sie umgab, dass er bei ihr anders reagierte? Er wusste es nicht, er wusste nur, dass er so noch nie gefühlt hatte. Sein übliches Selbstbewusstsein hatte ihn verlassen, stattdessen erfüllte ihn eine schmerzhafte Sehnsucht.

Er widerstand der Versuchung, sie an sich zu ziehen, und steckte die Hände in die Hosentaschen. Mit einer Impulsivität, die ihn selbst erschütterte, sagte er: »Heirate mich, Bianca.«

2. Kapitel

Ihn heiraten!

Bianca erstarrte vor Schreck. Nur ihr Herz schlug heftig. Erst das Erscheinen von Denton, Cesares Kammerdiener, riss sie aus dem Traumland heraus, in dem sie und Cesare auf immer und ewig in Liebe vereint waren, und brachte sie schlagartig wieder in die Realität zurück.

»Ihr Taxi wartet, Miss Jay.«

Diese fünf Worte bewirkten, dass ihr Kopf wieder klar wurde und ihre Entschlossenheit zurückkehrte. Sie lächelte Denton zu und dankte ihm, dann wandte sie sich Cesare wieder zu und presste ein »Ciao« hervor.

Als sie den Raum verließ, legte sich der Schmerz wie ein festes Band um ihr Herz, denn sie kehrte dem Mann den Rücken, den sie gerade leidenschaftlich zu lieben begann. Sie hatte seinen Heiratsantrag demonstrativ ignoriert, so als ob er unter ihrer Würde sei – mit dieser letzten Beleidigung hatte sie wohl ihrer Beziehung den Todesstoß versetzt.

Während das Taxi sich langsam durch den abendlichen Verkehr quälte, presste Bianca die Fingerspitzen auf ihre Augenlider. Sie würde nicht weinen. Diesen Luxus durfte sie sich nicht erlauben. Es tat ihr auch nicht gut, über diesen überraschenden Heiratsantrag nachzudenken. Das machte alles noch viel schlimmer.

Hatte Cesare ihr nicht versichert, dass eine feste Beziehung das Letzte war, was er wollte?

Woher kam dann dieser Sinneswandel?

Ihr Magen verkrampfte sich, sodass ihr ganz übel war, aber sie zwang sich dazu, die Fakten zu überdenken. Ganz offensichtlich schienen ihn ihre Nächte voll glühender Leidenschaft nicht zu langweilen. Cesare begehrte sie noch immer körperlich, vielleicht, weil die Zeit, die sie zusammen verbracht hatten, durch seine häufigen Dienstreisen begrenzt war. Auch weil sie sich geweigert hatte, mit ihm zusammenzuziehen und, wann immer sie bei ihm gewesen war, darauf bestanden hatte, im Morgengrauen mit dem Taxi nach Hause zu fahren. In das Haus, in dem sie mit ihrer Mutter wohnte.

Die gemeinsame Zeit mit ihr war also kostbar für ihn. Ihre Beziehung war nie zur Routine erstarrt und war ihm deshalb noch nicht langweilig geworden. So war es dann wohl zu diesem erstaunlichen Antrag gekommen. Er wollte sie legal an sich binden, bis er ihrer überdrüssig war. Genauso wurde das in seinen Kreisen gehandhabt. Mit verheerenden Folgen, wie sie nur zu gut wusste.

Es war aus, sagte sie sich, als das Taxi in ihre Straße einbog. Sie war vernünftig gewesen und hatte genau das Richtige getan. Jetzt musste sie Cesare Andriotti und diese kurze, hoffnungslose Affäre vergessen, die ihr schon viel zu viel bedeutete. Sie musste sich jetzt auf das, was ihr an Problemen unmittelbar bevorstand, konzentrieren.

Sie zahlte und stieg aus. Dankbar dafür, dass ihre Tante Jeanne bereit gewesen war, ihr zu Hilfe zu kommen, blieb Bianca eine Weile in der Wärme des Maiabends vor dem Haus stehen und sammelte Kraft.

Sie musste jetzt ihren eigenen Schmerz beiseiteschieben und mit der Liebe und den Verpflichtungen ihrer Mutter gegenüber zurechtkommen. Wenn Tante Jeanne nicht da wäre, hätte sie heute Abend nicht an Claudias Geburtstagsfeier teilnehmen können. Und dieser Anlass hatte ihr schließlich geholfen, sich endlich zur Trennung von Cesare durchzuringen.

Ohne das Hilfsangebot ihrer Tante, der Schwester ihrer Mutter, hätte Bianca ihre Chefin Stazia um eine längere Beurlaubung bitten müssen, mindestens so lange, bis die Probleme ihrer Mutter gelöst wären.

Mit einem Seufzer wandte sie sich dem Haus mit der eleganten Fassade und den überdachten Eingangsstufen zu, das nicht mehr sehr lange das ihre sein würde. In diesem Moment flog die Tür auf und ein Jüngling mit golden schimmernder Haut, nur mit Unterhemd und Boxershorts bekleidet, fiel mehr oder weniger die Treppe hinunter, gefolgt von diversen Kleidungsstücken. Dazu erklang höhnisch die glasklare Stimme ihrer Mutter: »Verdammter Bengel! Was denkst du denn von mir? Dass ich so verzweifelt bin?«

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