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Verliebt bis über beide Herzen

Als Buch hier erhältlich:

Ganz New York verehrt Molly als Ratgeberin in Liebesfragen. Nur hält sie sich selbst nie an das, was sie anderen empfiehlt. Wozu auch? Ihre große Liebe hat sie bereits gefunden. Er ist treu, sportlich, und seine dunklen Augen sind von betörender Schönheit: ihr Dalmatinerhund Valentine. Doch als sie im Central Park den zynischen Scheidungsanwalt Daniel trifft, bringt er ihre Expertise ganz schön durcheinander. Denn Daniel hat seine ganz eigenen, verführerischen Ansichten von der Liebe …

"Sarah Morgans brillantes Talent hört nie auf, zu begeistern."


Romantic Times Book Review

"Morgan verzaubert ihre Leser"


Publishers Weekly

"Der Roman hat alles, was ein Liebesroman haben sollte - eine große Freude."


Veronica Henry, Autorin von Nachts nach Venedig

  • Erscheinungstag: 05.03.2018
  • Aus der Serie: From Manhattan With Love
  • Bandnummer: 4
  • Seitenanzahl: 384
  • ISBN/Artikelnummer: 9783956497780

Leseprobe

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich wahnsinnig, mit diesem Roman meine in New York City spielende Serie fortzuführen.

Als Kind war ich eine unersättliche Leseratte, und eines meiner Lieblingsbücher war Hundertundein Dalmatiner von Dodie Smith. Mir haben vor allem die Warmherzigkeit und Originalität der Geschichte gefallen – und dass jeder Hund einen ganz eigenen Charakter hatte.

In meinen Büchern kommen oft Hunde vor, haben bisher aber eher eine kleine Nebenrolle gespielt. Bis ich letzten Winter über ein Foto von einem Dalmatiner mit einer herzförmigen Nase gestolpert bin. Ich wusste, ich musste ihm eine zentrale Rolle in einem Buch geben, und ich wusste, dass er Valentine heißen sollte.

Einigen Menschen fällt es leichter, Hunde zu lieben als andere Menschen, und genauso geht es Molly, der Heldin dieser Geschichte. Sie ist Expertin darin, anderen Leuten Beziehungsratschläge zu erteilen, aber ihr fehlt dieses Talent, wenn es um ihr eigenes Liebesleben geht. Sie kann sich nicht vorstellen, irgendwen mehr zu lieben als ihren Hund Valentine. Doch dann lernt sie den Anwalt Daniel kennen. Daniel weiß mehr über eidesstattliche Aussagen als über Hunde, aber er tut, was immer nötig ist, um Mollys Aufmerksamkeit zu erregen, selbst wenn er sich dazu einen Hund ausleihen muss.

Anfangs scheinen Molly und Daniel sehr viel gemeinsam zu haben, aber als die Wahrheit nach und nach ans Licht kommt, sind beide gezwungen, alles zu hinterfragen, was sie über sich selbst zu wissen glaubten.

Dies ist eine Geschichte darüber, die Vergangenheit loszulassen, aber auch eine Geschichte über Freundschaft und Liebe (zu Menschen und Hunden!), über Familien und Gemeinschaft, und wieder spielt sie vor dem glamourösen Hintergrund New York Citys. Von den belaubten Wegen des Central Parks bis zu den glitzernden Wolkenkratzern bietet New York für jeden etwas. Und manchmal, entdeckt Molly, ist die Stadt, die niemals schläft, der perfekte Ort, um die Liebe zu finden.

Ich hoffe, euch gefällt das Buch. Danke fürs Lesen!

Alles Liebe,
Sarah
xxx

Für die Washington Romance Writers,

eine lustige, fabelhafte Gruppe von Menschen.

Danke, dass ihr mich zu eurem Erholungsurlaub eingeladen habt.

»Einige meiner besten Filmpartner waren Hunde und Pferde.«

Elizabeth Taylor

1. Kapitel

Liebe Aggie, ich habe meiner Freundin zum Geburtstag eine teure Kaffeemaschine gekauft. Erst hat sie geweint, dann hat sie sie auf eBay verkauft. Ich verstehe die Frauen nicht.

Dein Entkoffeinierter

Lieber Entkoffeinierter, die wichtige Frage, die man sich in jeder Beziehung stellen sollte, lautet: Was will meine Partnerin? Was macht sie glücklich? Ohne die Einzelheiten zu kennen, kann ich nicht genau sagen, warum deine Freundin geweint und die Kaffeemaschine verkauft hat, aber als Erstes stellt sich mir die Frage: Trinkt deine Freundin Kaffee?

Molly hielt im Tippen inne und schaute zum Bett. »Bist du wach? Das musst du dir anhören. Es ist vollkommen offensichtlich, dass er ein Kaffeetrinker ist und das Geschenk eher für ihn war. Warum machen Männer so etwas? Ich habe so ein Glück, dich zu haben. Okay, wenn du meine Kaffeemaschine auf eBay verkaufen würdest, müsste ich dich natürlich umbringen, aber das ist kein Ratschlag, den ich online posten werde.«

Der Körper auf dem Bett rührte sich nicht, was angesichts der sportlichen Verausgabung am Vortag nicht verwunderlich war. Nach den Stunden, die sie miteinander verbracht hatten, war sie verschwitzt und erschöpft gewesen. Heute tat ihr alles weh – eine kleine Erinnerung daran, dass ihr Fitnesslevel zwar gestiegen war, seitdem sie ihn kannte, seine Ausdauer ihre jedoch immer noch um Längen übertraf. Seine ausdauernde Energie war eines der vielen Dinge, die sie an ihm bewunderte. Wann immer sie geneigt war, eine Sporteinheit auszulassen, brauchte es nur einen Blick von ihm, damit sie zu ihren Laufschuhen griff. Er war der Grund, warum sie seit ihrer Ankunft in New York vor drei Jahren abgenommen hatte. An einigen Tagen schaute sie in den Spiegel und erkannte sich selbst nicht wieder.

Sie sah schlanker und straffer aus.

Aber vor allem sah sie glücklicher aus.

Wenn jetzt jemand aus ihrem alten Leben hier hereinspazieren würde, würde er sie vermutlich nicht wiedererkennen.

Nicht dass es wahrscheinlich wäre, dass jemand aus ihrem alten Leben auf ihrer Türschwelle auftauchte.

Drei Jahre waren vergangen. Drei Jahre, und endlich hatte sie ihren zerstörten Ruf wiederhergestellt. Auch beruflich gesehen war sie in der Spur. Aber persönlich? Sie schaute erneut zum Bett und spürte, wie sie innerlich weich wurde. Sie hatte sich nicht vorstellen können, jemals wieder jemandem so nahe zu sein – schon gar nicht so nah, dass sie ihn in ihr Leben oder ihr Zuhause, geschweige denn in ihr Herz lassen würde.

Und doch war sie verliebt.

Sie ließ ihren Blick einen Moment auf den perfekten Formen seines athletischen Körpers verweilen, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder der E-Mail zuwandte. Sie hatte Glück, dass so viele Männer Probleme damit hatten, Frauen zu verstehen. Ansonsten wäre sie arbeitslos.

Ihr Blog Frag ein Mädchen war gut besucht, was wiederum die Aufmerksamkeit eines Verlegers erregt hatte. Ihr erstes Buch Verbunden fürs Leben – Tipps, um den perfekten Partner zu finden stand sowohl in den USA als auch in Großbritannien auf den Bestsellerlisten. Das wiederum hatte zu einem zweiten Buchvertrag geführt, ebenfalls unter ihrem Pseudonym Aggie. Damit war sie sowohl anonym als auch finanziell abgesichert. Sie hatte ihr Unglück in ein Vermögen verwandelt. Nun, vielleicht nicht wirklich in ein Vermögen, aber in genügend Geld, um hier in New York City gut leben zu können und nicht nach London zurückkriechen zu müssen. Sie hatte ein Leben hinter sich gelassen und war in ein neues geschlüpft, so wie eine Schlange sich ihrer Haut entledigte.

Endlich war ihre Vergangenheit da, wo sie hingehörte. Hinter ihr. Und sie hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, nicht mehr in den Rückspiegel zu schauen.

Glücklich setzte sie sich in ihrem Lieblingssessel bequemer hin und konzentrierte sich wieder auf den Laptop.

»Okay, Entkoffeinierter, lass dir von mir zeigen, was du falsch gemacht hast.«

Sie fing wieder an, zu tippen.

Eine Frau will einen Mann, der sie versteht, und ein Geschenk sollte ihr dieses Verständnis zeigen. Es geht nicht um den Wert, sondern um das Gefühl dahinter. Wähle etwas aus, das zeigt, dass du sie kennst und dass du ihr zuhörst. Wähle etwas, …

»Und hier kommt der wichtige Teil, Entkoffeinierter, also pass gut auf«, murmelte sie.

… etwas, was keiner anderen Person einfallen würde ihr zu schenken, weil niemand sie so gut kennt wie du. Wenn du das tust, garantiere ich dir, dass deine Freundin sich für immer an ihren Geburtstag erinnern wird. Und an dich.

Zuversichtlich, dass der Mann, wenn er auf ihren Rat hörte, eine halbwegs gute Chance hätte, die Frau, die er liebte, glücklich zu machen, griff Molly nach ihrem Glas mit stillem Wasser und sah auf die Uhr an ihrem Laptop. Es war Zeit für ihren Morgenlauf. Und sie hatte nicht vor, allein zu gehen. Egal, wie viel sie zu tun hatte, das hier war die Zeit, die sie immer gemeinsam verbrachten.

Sie klappte den Computer zu, stand auf und streckte sich, wobei die Seide ihres Pyjamas sanft über ihre Haut strich. Sie hatte eine Stunde lang über den Laptop gebeugt gesessen und geschrieben, und nun war ihr Nacken verspannt. Es wartete immer noch ein Stapel individueller Fragen auf sie, aber um den würde sie sich später kümmern.

Durch das Fenster sah sie, wie die Dunkelheit allmählich nachließ und von einem Hauch Sonnenschein ersetzt wurde. Einen Moment lang sah sie nur Streifen aus poliertem Gold und blitzendes Glas. New York war eine Stadt voller heißer Ecken und Möglichkeiten, die bis in den Himmel ragten, dessen dunklere Seiten heute von dem Schimmer des Sonnenscheins verborgen wurden.

Jede andere Stadt würde um diese Uhrzeit langsam aufwachen, aber das hier war New York. Man konnte nicht aufwachen, wenn man niemals schlafen ging.

Schnell tauschte sie ihren Pyjama gegen ein lockeres T-Shirt, ihre Trainingsleggins und ihre dunkelroten Lieblingslaufschuhe. Im letzten Moment schnappte sie sich noch ein Sweatshirt, weil ein früher Frühlingsmorgen in New York City sehr frisch sein konnte.

Sie band die Haare zu einem unordentlichen Zopf zusammen und griff nach ihrer Wasserflasche.

Auf dem Bett rührte sich immer noch nichts. Er lag mit geschlossenen Augen vollkommen regungslos zwischen den Laken.

»Hey, Hübscher.« Amüsiert stupste sie ihn an. »Habe ich dich gestern endlich ausgepowert? Das wäre das erste Mal.« Er befand sich in der Form seines Lebens und war fit und atemberaubend attraktiv. Wenn sie im Park zusammen joggten, schauten sich die Menschen neidisch nach ihnen um, was sie vor Stolz strahlen ließ, schließlich konnten die anderen zwar gucken, aber sie war diejenige, die ihn später mit zu sich nach Hause nahm.

In dieser Welt, in der es beinahe unmöglich war, den richtigen Menschen zu treffen, hatte sie jemanden gefunden, der beschützend, loyal und voller Zuneigung war, und er gehörte ihr ganz allein. Tief in ihrem Herzen wusste sie, dass sie sich immer auf ihn verlassen konnte. Sie wusste, dass er sie auch ohne Ehegelöbnis in Gesundheit und in Krankheit, in Armut und in Reichtum, bis an das Ende seines Lebens lieben würde.

Sie hatte so ein wahnsinniges Glück.

Was sie miteinander teilten, war frei von dem Stress und den Herausforderungen, die Beziehungen so oft zerstörten. Was sie teilten, war perfekt.

Ihr Herz war bis zum Bersten erfüllt mit Liebe, als sie beobachtete, wie er gähnte und sich langsam streckte.

Dunkle Augen fingen ihren Blick auf.

»Du«, sagte sie, »bist unglaublich attraktiv und alles, was ich je in einem Mann gewollt habe. Habe ich dir das schon mal gesagt?«

Er sprang schwanzwedelnd vom Bett, bereit für Action, und Molly ging auf die Knie, um ihn zu umarmen.

»Guten Morgen, Valentine. Wie geht es dem tollsten Hund auf der ganzen weiten Welt heute denn so?«

Der Dalmatiner bellte einmal und leckte ihr übers Gesicht. Molly grinste.

Ein weiterer Tag dämmerte in New York City, und sie war bereit, ihn zu erobern.

»Damit ich das richtig verstehe: Du willst dir einen Hund ausleihen, um eine Frau kennenzulernen, die Hunde mag? Hast du denn gar kein Schamgefühl?«

»Nein.« Daniel ignorierte das Missfallen seiner Schwester und zupfte ein Hundehaar von seinem Anzug. »Aber ich verstehe nicht, was das mit meiner Frage zu tun hat.«

Er dachte an das Mädchen im Park. Die mit den endlosen Beinen und dem dunklen Zopf, der wie ein Pendel über ihren Rücken schwang, wenn sie lief. Seit dem Tag, an dem er sie zum ersten Mal gesehen hatte, wie sie über einen der vielen belaubten Wege gelaufen war, die sich wie ein Spinnennetz durch den Central Park zogen, während ihr Hund vor ihr hersprang, war er hingerissen von ihr. Es war nicht nur ihr Haar, das seine Aufmerksamkeit anzog, oder diese unglaublichen Beine. Es war ihre selbstbewusste Ausstrahlung. Daniel fühlte sich von Selbstbewusstsein angezogen, und diese Frau sah aus, als hätte sie das Leben an der Kehle gepackt und würde alles aus ihm herauspressen.

Er hatte seine frühmorgendlichen Joggingrunden immer genossen. In letzter Zeit jedoch hatten sie eine neue Dimension angenommen. Er hatte angefangen, sie zeitlich so zu legen, dass sie mit ihren zusammenfielen, auch wenn er dadurch ein wenig später ins Büro kam. Trotz dieser Opfer auf seiner Seite hatte sie ihn bisher noch nicht bemerkt. Überraschte ihn das? Ja. Denn was Frauen betraf, hatte er sich noch nie sonderlich anstrengen müssen. Sie bemerkten ihn einfach. Doch das Mädchen im Park schien durch das Joggen und den Hund schon voll und ganz beschäftigt zu sein – eine Situation, die ihn zu der Entscheidung geführt hatte, dass er etwas ändern und kreativ werden müsste.

Aber zuerst musste er eine seiner Schwestern überzeugen, und bisher sah das nicht gut aus. Er hatte auf Harriet gehofft, stattdessen aber Fliss erwischt, die wesentlich schwieriger zu überreden war.

Die Augen leicht zusammengekniffen pflanzte sie sich vor ihm auf und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ernsthaft? Du willst so tun, als hättest du einen Hund, um eine Frau anzumachen? Findest du das nicht etwas inszeniert oder verlogen?«

»Das ist nicht verlogen. Ich behaupte ja nicht, dass der Hund mir gehört. Ich gehe nur mit ihm spazieren.«

»Was eine Liebe zu Tieren vortäuscht.«

»Ich habe kein Problem mit Tieren. Darf ich dich daran erinnern, dass ich es war, der letztes Jahr den Hund in Harlem gerettet hat? Ehrlich gesagt wäre er der perfekte Kandidat. Ich leihe ihn mir aus.« Die Tür ging auf und Daniel zuckte zusammen, als ein lebhafter Labrador ins Zimmer stürmte. Er hatte kein Problem mit Tieren, solange sie seinem Anzug nicht zu nahe kamen. »Er wird mich doch nicht anspringen, oder?«

»Weil du ja so ein Hundeliebhaber bist.« Fliss packte den Hund entschlossen am Halsband. »Das ist Poppy. Harriet hat sie gerade zur Pflege. Ich hoffe, dir ist das sie in dem Satz aufgefallen. Sie ist ein Mädchen, Dan.«

»Das erklärt, warum sie mich unwiderstehlich findet.« Er unterdrückte sein Lachen, streckte die Hand aus und spielte mit den Ohren des Hundes. »Hallo, meine Hübsche. Wie würde dir ein romantischer Spaziergang im Park gefallen? Wir könnten uns den Sonnenaufgang anschauen.«

»Sie will weder im Park spazieren gehen noch sonst irgendetwas. Du bist nicht ihr Typ. Sie hat eine schwere Zeit hinter sich und ist nervös im Umgang mit Menschen. Vor allem mit Männern.«

»Ich bin gut mit nervösen Frauen. Aber wenn ich nicht ihr Typ bin, dann sag ihr, dass sie aufhören soll, ihre blonden Haare auf meinem Anzug zu verteilen. Ich muss in ein paar Stunden vor Gericht sein.« Daniel spürte sein Handy vibrieren, zog es aus der Hosentasche und las die Nachricht. »Die Pflicht ruft, ich muss los.«

»Ich dachte, du wolltest zum Frühstück bleiben. Wir haben dich eine Ewigkeit nicht zu Gesicht bekommen.«

»Ich hatte viel zu tun. Wie es aussieht, hat halb Manhattan beschlossen, sich scheiden zu lassen. Also hast du morgen früh um sechs einen Hund für mich?«

»Nur weil eine Frau alleine joggen geht, heißt das nicht, dass sie Single ist. Vielleicht ist sie verheiratet.«

»Sie ist Single.«

»Ach ja?« Fliss schaute ihn finster an. »Selbst wenn, das bedeutet nicht, dass sie eine Beziehung will. Es macht mich wahnsinnig, wenn Männer davon ausgehen, eine alleinstehende Frau wartet nur auf einen Mann. Nehmt euch nicht so wichtig.«

Daniel musterte seine Schwester. »Bist du heute mit dem falschen Fuß aufgestanden?«

»Ich kann mit dem Fuß aufstehen, mit dem ich will. Ich bin Single.«

»Leih mir einen Hund, Fliss. Und keinen kleinen. Er muss eine gewisse Größe haben.«

»Und ich dachte schon, du wärst dir deiner Männlichkeit sicher. Dabei bist du so ein großer Macho. Hast du wirklich Angst, mit einem kleinen Hund gesehen zu werden?«

»Nein.« Da er damit beschäftigt war, eine Nachricht zu tippen, schaute Daniel nicht auf. »Die Frau, an der ich interessiert bin, hat einen großen Hund, also brauche ich einen, der mithalten kann. Ich will den Hund beim Joggen nicht tragen müssen. Stell dir vor, wie lächerlich das aussehen würde – ganz zu schweigen davon, dass es für den Hund nicht sonderlich angenehm wäre.«

»Um Himmels … Hör auf, auf dein Handy zu starren! Hier ist ein Tipp, Dan. Wenn du mich um einen Gefallen bittest, gönne mir wenigstens einen Hauch deiner Aufmerksamkeit. Das wäre ein Zeichen von Liebe und Zuneigung.«

»Du bist meine Schwester. Ich kümmere mich um deine ganzen juristischen Angelegenheiten, ohne sie dir in Rechnung zu stellen. Das ist meine Art, Liebe und Zuneigung zu zeigen.« Er beantwortete eine weitere E-Mail. »Hör auf, so zu übertreiben. Ich will einfach nur einen süßen Hund. Einen, bei dem eine Frau stehen bleibt und ganz große Augen bekommt. Den Rest mache ich.«

»Du magst Hunde nicht mal.«

Daniel runzelte die Stirn. Mochte er Hunde? Die Frage hatte er sich noch nie gestellt. Ein Hund war eine Komplikation, und die versuchte er aus seinem Leben herauszuhalten. »Nur weil ich keinen Hund habe, heißt das nicht, dass ich sie nicht mag. Ich habe nur einfach in meinem Leben keine Zeit für einen Hund.«

»Das ist eine Ausrede. Viele Menschen, die arbeiten, haben einen Hund. Wenn sie das nicht täten, wären Harriet und ich arbeitslos. The Bark Rangers machen über …«

»Ich kenne euren Umsatz. Ich kann dir jede Zahl aus eurer Bilanz auswendig aufsagen. Das ist mein Job.«

»Du bist Scheidungsanwalt.«

»Aber ich kümmere mich auch um das Geschäft meiner Schwestern. Und weißt du, warum? Weil es ein Zeichen meiner Liebe und Zuneigung ist. Und wieso habe ich keinen Hund? Weil ich hundert Stunden die Woche arbeite. Das ist kein Leben für einen Menschen. Und ganz sicher kein Leben für einen Hund. Und darf ich darauf hinweisen, dass der dramatische Anstieg eures Gewinns ein Ergebnis eurer neuen Beziehung mit dem aufsteigenden Conciergeservice Urban Genie ist und ich diese Beziehung durch meinen Freund Matt arrangiert habe? Gern geschehen.«

»Manchmal bist du so selbstgefällig, dass ich dich schlagen könnte.«

Daniel lächelte, schaute aber immer noch nicht auf. »Also wirst du mir nun helfen oder nicht? Wenn nicht, frage ich Harry. Du weißt, dass sie Ja sagen wird.«

»Ich bin Harry.«

Endlich schaute Daniel hoch. Er musterte sie genauer und fragte sich, ob ihm ein Fehler unterlaufen war. Dann schüttelte er den Kopf. »Nein, du bist Fliss.« Das war ein Spiel, dass die Zwillinge während seiner Kindheit Tausende Male gespielt hatten.

Welcher Zwilling bin ich?

Seine Trefferquote lag bei einhundert Prozent. Bisher war es ihnen noch nie gelungen, ihn hereinzulegen.

Ihre Schultern sackten zusammen. »Wie machst du das?«

»Wie ich euch auseinanderhalten kann? Abgesehen davon, dass du so kratzbürstig wie ein Stachelschwein bist, bin ich dein großer Bruder. Ich übe das seit achtundzwanzig Jahren. Ihr beide habt mich noch nie reinlegen können.«

»Eines Tages wird es uns gelingen.«

»Nein. Wenn du wirklich tun willst, als wärst du Harriet, musst du dich ein wenig mehr zurückhalten. Versuch, ein wenig weicher zu sein. Selbst in der Wiege warst du diejenige, die immer geschrien hat.«

»Weicher?« Ihre Stimme hatte einen gefährlichen Unterton. »Du sagst mir, ich soll weicher sein? Was für ein sexistischer Kommentar ist das denn bitte? Vor allem, weil wir beide wissen, dass man mit Weichheit gar nichts erreicht.«

»Das ist nicht sexistisch, und ich sage dir nicht, dass du weich sein sollst. Ich gebe dir nur einen Tipp, wie du jemanden möglicherweise davon überzeugen könntest, Harriet zu sein. Und dieser jemand bin übrigens nicht ich, also spar dir die Mühe.« Er sah zur Tür, die aufging.

»Das Frühstück ist fertig. Ich habe dir dein Lieblingsessen gemacht – Pfannkuchen mit krossem Speck.« Harriet betrat den Raum. In den Händen hielt sie ein Tablett. Sie hatte die gleichen Haare wie ihre Schwester – glatt und buttermilchblond –, aber sie hatte sie unordentlich auf dem Kopf zusammengesteckt, als hätte sie sie einfach aus dem Weg haben wollen, damit sie sie bei ihrer Arbeit nicht störten. Körperlich waren sie identisch. Sie hatten die gleichen zarten Gesichtszüge, die gleichen blauen Augen, das gleiche herzförmige Gesicht. Vom Temperament her hätten sie jedoch nicht unterschiedlicher sein können. Harriet war nachdenklich und ruhig, Fliss dagegen impulsiv und stürmisch. Harriet liebte Yoga und Pilates, Fliss zog Kickboxen und Karate vor.

Als sie die angespannte Atmosphäre spürte, blieb Harriet stehen und schaute zwischen den beiden hin und her. Dann veränderte sich ihre Miene. »Habt ihr euch schon wieder gestritten?«

Wie können drei Geschwister aus der gleichen Familie so unterschiedlich sein, fragte Daniel sich. Und wie konnten Zwillinge, die äußerlich für die meisten Menschen nicht zu unterscheiden waren, innerlich überhaupt keine Ähnlichkeit haben?

»Wir? Streiten? Niemals.« Fliss’ Stimme troff nur so vor Sarkasmus. »Du weißt, wie sehr ich unseren großen Bruder anbete.«

»Ich hasse es, wenn ihr euch streitet.« Der angespannte Ausdruck in Harriets Augen verursachte ihm Schuldgefühle, und er tauschte einen Blick mit Fliss. Es war ein Blick, den sie im Laufe der Jahre Millionen Male geteilt hatten. Eine stillschweigende Übereinkunft, die Feindseligkeiten einzustellen, solange Harriet im Raum war.

Sie alle hatten ihren eigenen Weg gefunden, mit Konflikten umzugehen. Harriet versteckte sich vor ihnen. Als Kind war sie unter den Tisch gekrochen, um den lautstarken Streitereien zu entgehen, die von Anfang an Teil ihres Familienlebens gewesen waren. Einmal hatte Daniel versucht, sie hervorzuziehen, um sie aus der Schusslinie zu bringen. Sie hatte die Augen fest zusammengepresst und sich die Hände über die Ohren gehalten, als würde etwas, wenn sie es nicht sah und nicht hörte, auch nicht passieren.

Er erinnerte sich, wie ungehalten er damals gewesen war. Bei der Erinnerung daran hatte er ein schlechtes Gewissen. Sie waren alle so selbstbezogen gewesen, ihre Eltern eingeschlossen, dass keiner verstand, was mit Harriet los war. Es war so offensichtlich gewesen, und selbst jetzt, zwanzig Jahre später, konnte er nicht an den Abend an der Schule denken, ohne in Schweiß auszubrechen.

Oberflächlich betrachtet wirkte Harriet nicht sonderlich tough, aber er und Fliss hatten gelernt, dass es unterschiedliche Arten der Zähigkeit gab. Auch wenn sie nicht so aussah, konnte Harriet knallhart sein.

Er beobachtete, wie sie das Tablett abstellte und sorgsam die Teller und die Servietten verteilte.

Servietten. Wer machte sich für ein lockeres Frühstück mit der Familie Mühe mit Servietten?

Harriet. Sie war die Architektin der Behaglichkeit, die in der Wohnung herrschte, die sie sich mit ihrer Schwester teilte.

Es gab Zeiten, da fragte er sich, ob sie drei ohne Harriet immer noch eine Familie wären.

Als Kind war sie besessen von ihren Puppen und ihrem Puppenhaus gewesen. Mit der Intensität eines Achtjährigen hatte er das als typische Mädchensache abgetan, aber im Rückblick erkannte er, dass sie damals schon selbst erschaffen wollte, was ihr damals fehlte. Harriet hatte sich an ihr Bild von einem Heim und einer Familie geklammert, das sie in ihrem eigenen Leben nicht besaß. Sie hatte darin eine Form von Stabilität für ihre Welt gefunden, wohingegen er und Fliss andere Wege gesucht hatten, den Rissen und emotionalen Schwankungen der Ehe ihrer Eltern auszuweichen.

Als Harriet und Fliss in diese Wohnung gezogen waren, hatte Harriet sie zu einem Heim gemacht. Sie hatte die Wände sonnengelb gestrichen und einen Teppich in gedämpften Grüntönen ausgewählt, um den Holzfußboden weicher wirken zu lassen. Allein sie war es, die die Blumen auf dem Tisch arrangierte, die Kissen auf den Sofas aufklopfte und sich um die Pflanzen kümmerte, die in einer dschungelähnlichen Gruppe zusammenstanden.

Fliss würde sich niemals eine Pflanze zulegen. Genau wie er würde sie nicht die Verantwortung für etwas übernehmen wollen, das Pflege und Aufmerksamkeit bedurfte. Das war der Grund, warum keiner von ihnen Interesse an einer festen Beziehung hatte. Der einzige Unterschied zwischen ihnen war, dass Fliss es versucht hatte. Nur ein Mal, aber das hatte ihr gereicht, um einen Punkt dahinter zu setzen.

Keiner von ihnen sprach darüber. Die Geschwister Knight hatten gelernt, der einzige Weg, einen schlechten Tag, einen schlechten Monat oder ein schlechtes Jahr zu überleben, war der, weiterzumachen.

»Wir haben uns nicht gestritten«, sagte Daniel langsam und bemüht lässig. »Ich habe ihr einen brüderlichen Rat gegeben, mehr nicht.«

Fliss verengte die Augen. »Wenn der Tag kommt, an dem ich deinen Rat brauche, werde ich dich danach fragen. Und übrigens, bevor dieser Tag anbricht, friert die Hölle achtmal zu.«

Daniel schnappte sich ein Stück Bacon vom Teller, und Harriet schlug ihm leicht auf die Hand.

»Warte, bis ich den Tisch gedeckt habe. Und bevor ich es vergesse, Fliss, wir haben zwei weitere Aufträge über Urban Genie erhalten. Wir haben einen geschäftigen Tag vor uns.«

»Genau wie Daniel.« Auch Fliss stahl sich ein Stück Speck. »Und er bleibt nicht zum Frühstück.«

»Nicht?« Harriet reichte ihm eine Serviette. »Aber ich dachte, das wäre der Grund für seinen Besuch.«

Daniel runzelte die Stirn unter der Anschuldigung, dass er immer nur kam, wenn er Hunger hatte. Stimmte das? Nein. Er besuchte sie trotz – oder wegen – seiner kampfeslustigen Beziehung zu Fliss. Und er behielt Harriet gerne im Auge. Aber es stimmte, seine Besuche fielen meistens mit einem Essen zusammen. Solange dieses Essen von Harriet zubereitet wurde, war er glücklich. Fliss schaffte es sogar, Wasser anbrennen zu lassen.

»Ich habe eine Nachricht von der Kanzlei bekommen, also ist das hier nur ein kurzer Besuch. Aber es ist schön, dich zu sehen.« Aus einem Impuls heraus stand er auf und umarmte seine Schwester, wobei er Fliss etwas murmeln hörte.

»Ja, alles klar, spiel ruhig den liebevollen Bruder. Harry wird darauf hereinfallen.«

»Es wird mir ja wohl erlaubt sein, meine Schwester zu umarmen.«

Fliss warf ihm einen bösen Blick zu. »Ich bin auch deine Schwester, und mich umarmst du nicht.«

»Ich habe keine Zeit, den restlichen Tag damit zu verbringen, mir deine Stacheln aus dem Fleisch zu ziehen.«

»Worauf falle ich herein?« Harriet erwiderte die Umarmung, und Daniel wurde von einem Beschützerinstinkt gepackt. Er wusste, sie hatte ihre perfekte Nische im Leben gefunden, aber trotzdem sorgte er sich um sie. Wenn Fliss ein Problem hätte, würde ganz Manhattan das innerhalb weniger Minuten erfahren. Harriet hingegen behielt ihre Probleme für sich.

»Wie geht es dir?«, fragte er.

Fliss schnaubte. »Charmealarm. Er will etwas, Harry.« Sie lud sich eine großzügige Portion Speck auf ihren Teller. »Komm zum Punkt, Dan, vorzugsweise, bevor ich mein Frühstück wieder erbreche.«

Daniel ignorierte sie und lächelte Harriet an. »Ich brauche einen Hund.«

»Natürlich brauchst du den.« Erfreut erwiderte sie das Lächeln. »Dein Leben ist so auf deine Arbeit konzentriert und emotional so leer. Ich sage dir schon seit Jahren, dass du einen Hund brauchst. Der wird dir eine gewisse Stabilität geben, etwas, das du wirklich lieben kannst und mit dem du dich verbunden fühlst.«

»Er will den Hund aber nicht aus diesen ehrenwerten Gründen.« Den Mund voller Bacon wedelte Fliss mit ihrer Gabel. »Er will einen Hund, um eine Frau aufzureißen.«

Harriet wirkte verwirrt. »Wie soll ein Hund dabei helfen?«

Fliss schluckte. »Gute Frage, aber wir reden hier über unseren großen Bruder, was der beste Hinweis ist. Er will ein Accessoire. Er ruft ›Fass‹ – und der Hund bringt ihm das Mädchen.« Sie spießte ein weiteres Stück Bacon auf. »Selbst wenn es dir mit deinem Hundeplan gelingen sollte, diese Frau kennenzulernen, würdest du es niemals schaffen, sie zu halten. Was passiert, wenn du sie zu dir einlädst und sie sieht, dass der Hund gar nicht bei dir lebt? Hast du darüber mal nachgedacht?«

»Ich lade Frauen niemals zu mir ein, also sehe ich darin kein Problem. Meine Wohnung ist eine hundefreie, frauenfreie, stressfreie Zone.«

»Trotzdem, früher oder später wird sie merken, dass du kein Hundemensch bist, und dann wird sie dich verlassen.«

»Ich bin sicher, wenn es so weit ist, werden wir beide sowieso genug voneinander haben, also klingt das in meinen Ohren perfekt. Es wird eine einvernehmliche Trennung.«

»Der Herzensbrecher. Hast du niemals Schuldgefühle, weil du in ganz Manhattan eine Spur aus schluchzenden Frauen hinter dir herziehst?«

Daniel ließ Harriet los. »Ich breche keine Herzen. Die Frauen, mit denen ich ausgehe, sind genauso wie ich.«

»Unsensibel und aufdringlich?«

»Er ist nicht unsensibel.« Harriet versuchte, den Frieden zu wahren. »Er hat nur ein wenig Angst vor einer festen Bindung, das ist alles. Genau wie wir. Damit steht Daniel kaum alleine da.«

»Ich habe keine Angst vor festen Bindungen«, erwiderte Fliss unbekümmert. »Ich bin mir, meinem Glück und meinem persönlichen Wachstum verbunden.«

»Ich habe auch keine Angst.« Daniel spürte, wie ihm im Nacken der Schweiß ausbrach. »Bin ich vorsichtig? Ja, denn das liegt an meinem Job. Ich bin der Typ Mann, der …«

»… eine Frau dazu bringt, lieber Single bleiben zu wollen?« Fliss nahm sich einen Pfannkuchen.

»Ich will nicht Single sein«, sagte Harriet. »Ich will jemanden lieben und geliebt werden. Aber ich bin mir nicht sicher, wie ich das anstellen soll.«

Daniel fing Fliss’ Blick auf. Keiner von ihnen war in der Position, ihr dazu einen Ratschlag zu geben.

»Angesichts dessen, dass ich sämtliche meiner extrem langen Arbeitstage in der Woche damit zubringe, die Leben derjenigen in Ordnung zu bringen, die einmal beschlossen hatten, nicht länger Single zu sein«, sagte er, »würde ich sagen, die Frauen sollten mir dankbar sein, dass ich mich dafür entschieden habe, keine langfristigen Bindungen einzugehen. Wenn man nicht heiratet, kann man auch nicht geschieden werden.«

»Na, das sind ja mal fröhliche Aussichten.« Fliss goss Ahornsirup über ihren Pfannkuchen. »Irgendwann wird eine sehr kluge Frau dir ein paar Lektionen über Frauen erteilen. Die sind köstlich, Harry. Du solltest ein Restaurant eröffnen. Ich helfe dir auch.«

Harriet errötete. »Ich würde nur die Bestellungen durcheinanderbringen, und so sehr ich dich auch liebe, ich würde dich niemals in die Nähe einer Küche lassen. Das wäre der New Yorker Feuerwehr gegenüber nicht fair.«

»Ich brauche keine Lektionen über Frauen.« Daniel stahl sich ein Stück Bacon vom Teller seiner Schwester. »Ich weiß schon genau, was mich erwarten würde.«

»Du glaubst nur, alles über Frauen zu wissen, was dich tausendmal gefährlicher macht als den Mann, der zugibt, keine Ahnung zu haben.«

»Ich habe durchaus Ahnung. Mit euch beiden aufzuwachsen war eine Intensivausbildung im Verständnis weiblichen Denkens und Fühlens. Ich weiß zum Beispiel, dass du, wenn ich nicht schnellstens von hier verschwinde, explodieren wirst. Also ziehe ich mich zurück, solange wir noch Freunde sind.«

»Wir sind keine Freunde.«

»Du liebst mich. Und wenn du nicht gerade so finster dreinschaust wie jetzt, liebe ich dich auch. Und …« Er lächelte Harry an. »Fliss hat recht. Du bist eine unglaubliche Köchin.«

»Wenn du mich lieben würdest«, stieß Fliss zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, »würdest du zum Frühstück bleiben. Du benutzt mich genauso, wie du alle Frauen benutzt.«

Daniel griff nach seiner Jacke. »Hier ist ein Tipp direkt aus dem Gehirn eines Mannes. Hör auf, so unleidlich zu sein, sonst kriegst du nie ein Date.« Er sah, wie seine Schwester dunkelrot anlief.

»Ich bin freiwillig Single«, zischte sie. Dann seufzte sie und funkelte ihn an. »Du machst das absichtlich. Warum erkenne ich das nicht? Du treibst mich in den Wahnsinn, und dann kann ich nicht mehr klar denken. Das ist eine deiner Taktiken, und ich kenne sie, aber trotzdem falle ich jedes Mal darauf herein. Bist du vor Gericht auch so nervtötend?«

»Noch schlimmer.«

»Kein Wunder, dass du immer gewinnst. Der Anwalt der Gegenseite will vermutlich einfach nur so schnell und so weit weg von dir wie möglich.«

»Das ist mit ein Grund. Und nur fürs Protokoll, ich benutze Frauen nicht. Ich lasse mich von ihnen benutzen, vorzugsweise nach Einbruch der Dunkelheit.« Er beugte sich vor, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. Seine Schwester zu ärgern war nach Poker sein Lieblingsspiel. »Also, um wie viel Uhr kann ich morgen den Hund abholen?«

2. Kapitel

Liebe Aggie, wenn Männer vom Mars sind, wann fliegen sie wieder zurück?

Herzlichst, deine verzweifelte Erdgebundene

Als Erstes fiel ihr sein Hund ins Auge. Ein großer Deutscher Schäferhund, der genauso stark und athletisch war wie sein Besitzer. Sie hatte die beiden in der letzten Woche jeden Tag direkt nach Sonnenaufgang gesehen. Und sie hatte sich den einen oder anderen Blick erlaubt, denn … nun, sie war auch nur ein Mensch, nicht wahr? Sie wusste den männlichen Körper genauso zu schätzen wie andere Frauen, vor allem, wenn dieser Körper so gut in Form war bei diesem Mann. Außerdem war es ihr Job, Menschen zu beobachten.

Wie so viele andere, die sich um diese Uhrzeit im Park befanden, trug er Laufkleidung, aber etwas an der Art, wie er sich bewegte, verriet ihr, dass er sonst eher Anzüge trug und in irgendeiner leitenden Position war. Seine Haare waren dunkel und kurz. Arzt? Banker? Buchhalter? So selbstbewusst, wie er rüberkam, war er sicher gut in dem, was auch immer er tat. Wenn sie weitere Überlegungen über ihn anstellen müsste, würde sie sagen, er war äußerst fokussiert, verbrachte zu viel Zeit bei der Arbeit und hatte Schwierigkeiten, Mitgefühl aufzubringen, wenn jemand Schwäche zeigte. Er würde natürlich eigene Schwächen haben, die hatte jeder. Und da er klug war, würde er das sogar wissen, sie aber trotzdem verbergen, weil Schwäche etwas war, was er anderen nicht zeigte. Er war der Typ Mann, der lachen würde, wenn er erfuhr, womit sie ihren Lebensunterhalt verdiente, und dann wäre er überrascht, dass irgendjemand überhaupt Ratschläge zu einer so selbstverständlichen Sache wie Beziehungen benötigte. Ein Mann wie er hätte keine Ahnung, wie es sich anfühlte, zu wenig Selbstbewusstsein zu haben und nicht den Mut aufzubringen, eine Frau anzusprechen, die man interessant und attraktiv fand.

Er war der gleiche Typ Mann wie Rupert.

Sie runzelte die Stirn. Wo war der Gedanke nur hergekommen? Sie achtete sorgfältig darauf, niemals an Rupert zu denken. Sie hatte genügend Einsicht, um zu wissen, dass ihre Erfahrung mit ihm ihren Blick auf die Welt getrübt hatte. Vor allem ihren Blick auf Beziehungen. Vermutlich war dieser Mann überhaupt nicht wie Rupert.

Das einzige Detail, das mit ihrer Einschätzung von ihm nicht übereinstimmte, war die Tatsache, dass er einen Hund hatte. Sie hätte nie erwartet, dass ein Mann wie er die Verantwortung für einen Hund tragen wollte. Vielleicht gehörte der Hund einem kranken Freund, oder vielleicht hatte er einem verstorbenen Familienmitglied gehört. Aber wenn das der Fall wäre, hätte sie von einem Mann wie ihm erwartet, einen Hundesitter zu engagieren, so wie sie Valentine ab und zu in die Hände der Bark Rangers gab.

Der Hund war das einzige Puzzlestück, das nicht so recht zu dem Bild passen wollte, das sie sich von ihm gemacht hatte.

Entschlossen, sich nicht dabei erwischen zu lassen, wie sie ihn anstarrte, lief sie weiter. Ihre Füße trommelten in dem Rhythmus auf den Boden, den sie inzwischen instinktiv fand. Joggen war ein Weg, sich selbst zu testen. Sich aus der Komfortzone herauszubegeben. Was ihr bewusst machte, wie stark und kräftig ihr Körper war. Es erinnerte sie daran, dass sie, wenn sie glaubte, nichts mehr geben zu können, immer noch mehr finden konnte.

Auch wenn es noch früh war und der Park noch nicht für den Verkehr geöffnet, herrschte reger Betrieb. Jogger vermischten sich mit Radfahrern. In ein paar Stunden würden sie den Eltern mit Kinderwagen weichen, den Touristen, die das dreihundertvierzig Hektar große Gelände erkundeten, das von der 59th bis zur 110th Street und in Ost-West-Richtung von der Fifth Avenue bis Central Park West reichte.

Sie konnte sich nie entscheiden, welches ihre Lieblingsjahreszeit in New York war, aber im Moment hätte sie sich für den Frühling entschieden. Die Bäume bogen sich unter den Knospen, und in der Luft lag eine schwere Süße. Holzapfel-, Kirsch- und Magnolienbäume tauchten den Park in ein cremig-pinkfarbenes Licht, und exotische Vögel aus Zentral- und Südamerika versammelten sich für den Frühlingszug.

Sie dachte gerade darüber nach, wie der Park in seiner Pracht beinahe einer geschmückten Braut ähnelte, als Valentine vorschoss und sie fast über ihn gestolpert wäre.

Er rannte dem Schäferhund nach, der aufgeregt herumtollte und dabei den Befehl, zurückzukommen, vollkommen ignorierte.

»Brutus!« Die Stimme des Mannes donnerte durch den Park.

Molly verlangsamte ihre Schritte. Hatte er seinen Hund ernsthaft Brutus genannt?

Der Hund ignorierte ihn weiter. Er drehte nicht einmal den Kopf in Richtung seines Besitzers. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass die beiden sich überhaupt kannten.

Molly entschied, dass Brutus entweder ein Hund war, der es liebte, Autoritäten herauszufordern, oder er sich nur selten in Gesellschaft anderer Hunde befand und nicht vorhatte, seinen Gehorsam über eine ordentliche Portion Spaß unter Kumpels zu stellen.

Mochten die Leute in ihrem Leben noch so mächtig sein, einen unerzogenen Hund konnte niemand kontrollieren. Gab es einen besseren Gleichmacher?

Sie pfiff nach Valentine, der mit seinem neuen Freund Spaß hatte.

Sofort hob er den Kopf, und ihre Blicke trafen sich über die weite Rasenfläche hinweg. Er dachte den Bruchteil einer Sekunde nach, dann kam er so elegant und graziös wie ein Balletttänzer auf sie zugelaufen. Sie hörte das gedämpfte Aufkommen seiner Pfoten auf dem weichen Gras, sein rhythmisches Keuchen, bevor er direkt vor ihr stehen blieb und sein hündisches Freudenbarometer, den Schwanz, so heftig hin und her wedeln ließ, dass sein gesamtes Hinterteil mitschwang.

Es gab definitiv keine erhabenere Begrüßung als einen wedelnden Schwanz. Er übermittelte so viel – Liebe, Wärme und bedingungslose Akzeptanz.

Valentines neuer Freund, der Deutsche Schäferhund, war ihm gefolgt und kam ebenfalls direkt vor ihr schlitternd zum Stehen. Er glich eher einem Türsteher als einem Balletttänzer. Hoffnungsvoll und nach Bestätigung heischend sah er zu ihr hoch.

Molly fand, dass er trotz seines etwas rüpelhaften Wesens süß war. Aber wie alle bösen Jungs brauchte er eine feste Hand und klare Grenzen.

Das gilt vermutlich genauso für seinen Besitzer.

»Ah, bist du nicht bezaubernd?« Sie ging in die Knie, um ihm den Kopf zu streicheln und seine Ohren zu kraulen. Sie fühlte die Wärme seines Atems auf ihrer Haut und seinen Schwanz, der gegen ihre Beine schlug, während er sich ganz aufgeregt im Kreis drehte. Er versuchte, seine Pfoten auf ihre Schultern zu legen, wobei sie fast mit dem Po im Staub gelandet wäre. »Nein. Sitz.«

Der Hund sah sie tadelnd an und machte Sitz. Ganz eindeutig fand er ihre Auffassung von Spaß nicht sonderlich amüsant.

»Du bist süß, aber das heißt nicht, dass ich deine dreckigen Pfoten auf meinem T-Shirt haben will.«

Der Mann blieb neben ihr stehen. »Er hat sich tatsächlich für Sie hingesetzt.« Sein Lächeln war entspannt, sein Blick warm. »Für mich macht er das nie. Was ist Ihr Geheimnis?«

»Ich habe ihn nett darum gebeten.« Sie stand auf und war sich der verschwitzten Strähnen bewusst, die an ihrem Nacken klebten, und sofort war sie genervt, weil es ihr etwas ausmachte.

»Wie es aussieht, haben Sie ein magisches Händchen. Oder vielleicht steht er auch nur auf den britischen Akzent. Brutus …« Der Mann bedachte den Hund mit einem strengen Blick. »Brutus.«

Brutus drehte nicht einmal den Kopf in seine Richtung. Es war, als wüsste der Hund gar nicht, dass der Mann mit ihm sprach.

Molly war verwirrt. »Ignoriert er Sie oft?«

»Ständig. Er hat ein Verhaltensproblem.«

»Verhaltensprobleme sagen normalerweise mehr über den Besitzer aus als über den Hund.«

»Autsch. Tja, das hab ich wahrscheinlich verdient.« Sein Lachen hatte einen vollen, sinnlichen Klang. Hitze stieg in ihr auf und sammelte sich in ihrem Unterleib.

Sie hätte erwartet, dass er auf ihre Bemerkung defensiv reagieren würde. Doch stattdessen fühlte sie sich jetzt in der Defensive. Sie hatte Mauern und Grenzen aufgebaut, die niemand überwinden konnte, aber sie war sicher, dass dieser Mann mit den gefährlich blauen Augen und der sexy Stimme keine Grenzen kannte. Sie fühlte sich atemlos und ein wenig schwindelig, was sie überhaupt nicht gewohnt war.

»Er braucht nur ein wenig Training. Er ist nicht gut darin, das zu tun, was man ihm sagt.« Sie konzentrierte sich lieber auf den Hund als auf den Mann. So musste sie sich nicht mit den amüsiert blitzenden Augen seines attraktiven Besitzers herumschlagen.

»Ich war auch nie gut darin, Befehle zu befolgen, also werde ich ihm das nicht vorwerfen.«

»Es kann gefährlich werden, wenn ein Hund Autoritäten herausfordert.«

»Ich habe nichts dagegen, herausgefordert zu werden.«

Das überraschte sie nicht. Ein Blick hatte ihr verraten, dass dieser Mann genau wusste, was er wollte und wie er es bekommen konnte. Sie spürte außerdem, dass die ebenmäßigen Schichten aus Charme und Charisma, die ihn umhüllten, einen Kern aus Stahl verbargen. Er war ein Mann, den nur ein Dummkopf unterschätzen würde. Und sie war kein Dummkopf.

»Sie erwarten keinen Gehorsam?«

»Sprechen wir immer noch über Hunde? Denn wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert, und ich würde mich selbst als fortschrittlich einschätzen.«

Wann immer eine Situation oder ein Mensch sie verunsicherten, versuchte sie, sich zurückzuziehen und sich vorzustellen, welchen Rat sie als Aggie geben würde.

Sich in Gegenwart eines Mannes atemlos zu fühlen und einen Knoten in der Zunge zu haben, kann unangenehm sein, aber vergiss nicht, egal, wie attraktiv er ist, unter seiner Fassade hat er seine eigenen Unsicherheiten, auch wenn er die nicht zeigen mag.

Das sorgte auch nicht dafür, dass es ihr besser ging. Sie fing an zu glauben, dass dieser Mann nicht eine einzige Unsicherheit hatte.

Es ist egal, wie du dich innerlich fühlst, solange du es nicht nach außen zeigst. Lächle und gib dich cool, dann muss er nie erfahren, dass er dein Inneres in Wackelpudding verwandelt.

Lächeln und cool tun.

Das schien ihr der beste Ansatz zu sein.

»Sie sollten mit ihm eine Hundeschule besuchen.«

Er hob eine Augenbraue. »So etwas gibt es?«

»Ja. Und es könnte helfen. Er ist ein wunderschöner Hund. Haben Sie ihn von einem Züchter?«

»Er ist aus der Tierrettung. Das Opfer einer hässlichen Scheidung in Harlem. Der Ehemann wusste, dass seine Frau Brutus mehr liebte als alles andere auf der Welt, also hat er während der Scheidung um ihn gekämpft. Sein Anwalt war besser als ihrer, deshalb hat er gewonnen und stand dann da mit einem Hund, den er nicht wollte.«

Molly war so entsetzt, dass sie das seltsame Gefühl in ihrem Bauch vergaß. »Wer war sein Anwalt?«

»Ich.«

Anwalt. Diese Möglichkeit hatte sie auf ihrer Liste an möglichen Berufen ausgelassen. Jetzt fragte sie sich, warum, denn es passte perfekt. Es war leicht, sich vorzustellen, wie er die Gegenseite einschüchterte. Er war mit Sicherheit ein Mann, der es gewohnt war, jede Schlacht zu gewinnen, in die er zog.

»Warum hat er Brutus nicht seiner Frau zurückgegeben?«

»Erstens, weil sie zu ihrer Mutter nach Minnesota zurückgezogen ist. Zweitens wäre ihm nicht im Traum eingefallen, etwas zu tun, was seine Exfrau glücklich gemacht hätte. Und drittens, so sehr die Frau den Hund liebte, so sehr hasste sie ihn. Sie wollte ihm das Leben so schwer wie möglich machen, also hat sie dafür gesorgt, dass er den Hund behalten musste.«

»Das ist eine schreckliche Geschichte.« Molly, die in ihrem Leben schon viele schlimme Geschichten gehört hatte, war schockiert.

»So sind Beziehungen eben.«

»Das war eine Scheidung und nicht alle Beziehungen. Also haben Sie ihn gerettet?« Diese Erkenntnis pulverisierte alle Vorstellungen, die sie sich von ihm gemacht hatte. Sie hatte angenommen, er wäre jemand, der sich immer an erste Stelle setzte und für niemanden irgendwelche Unannehmlichkeiten auf sich nahm, aber er hatte diesen wunderschönen verletzlichen Hund gerettet, der den einzigen Menschen verloren hatte, von dem er je geliebt worden war. Der Mann mochte attraktiv und wortgewandt sein, aber offensichtlich war er ein guter Mensch. »Ich finde es toll, dass Sie das gemacht haben.« Traurig darüber, dass dieser Hund dafür hatte bezahlen müssen, dass zwei Menschen ihre Differenzen nicht aus dem Weg räumen konnten, streichelte sie Brutus über den Kopf. Wenn Beziehungen zerbrachen, waren die Konsequenzen oft sehr weitreichend. Sie wusste das besser als jeder andere. »Armer Kerl.« Der Hund stieß hoffnungsvoll mit der Schnauze gegen ihre Tasche, und sie lächelte. »Suchst du ein Leckerli? Darf er?«

»Aber sicher. Wenn Sie eins übrig haben.«

»Ich habe immer welche für Valentine dabei.« Als er seinen Namen hörte, war Valentine sofort an ihrer Seite.

»Valentine?« Der Mann sah zu, wie sie den beiden Hunden jeweils ein Leckerli gab. »Soll er so was wie ein Mann für Sie sein?«

»Nein. Als ich letztes Mal nachgeguckt habe, war er definitiv noch ein Hund.«

Er ließ ein anerkennendes Grinsen aufblitzen. »Ich dachte, vielleicht hätten Sie die Männer aufgegeben und sich mit der Liebe eines braven Hundes zufriedengegeben.«

Das kam der Wahrheit näher, als er sich vorstellen konnte, aber das würde sie niemals zugeben, schon gar nicht gegenüber jemandem, dem die Welt zu Füßen zu liegen schien. Was würde er schon darüber wissen, wie es sich anfühlte, seine Schwächen öffentlich entblößt zu sehen? Gar nichts.

Und sie hatte nicht vor, ihn aufzuklären.

Ihre Vergangenheit gehörte ihr und ihr allein. Sie war privater als ein Bankkonto, sicher hinter einer Firewall verborgen, die niemand überwinden konnte. Wenn sie ein Passwort hätte, wäre es Versagerin. Oder vielleicht Mega-Versagerin.

»Valentine ist kein Ersatz für irgendetwas oder irgendjemanden. Er ist mein Hund. Mein bester Freund.«

Ihre Blicke trafen sich, und sie spürte die Verbindung wie einen Blitzschlag.

Sie war nervös, und sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das zum letzten Mal gewesen war. Es waren seine Augen. Sie hätte wetten können, dass diese teuflischen Augen mehr als ein paar Frauen dazu gebracht hatten, alle Vorsicht in den Wind zu schießen. Vermutlich hatte er irgendwo ein Etikett kleben, auf dem stand: Mit Vorsicht handhaben.

Ihr Kopf versuchte zu ignorieren, was sie fühlte, aber ihr Herz war da anderer Meinung.

Oh nein, Molly. Nein, nein, nein. Ihr E-Mail-Eingang war voller Fragen von Frauen, die wissen wollten, wie man mit Männern wie ihm umging, und auch wenn sie gut darin war, Ratschläge zu geben, endete ihre fachliche Kompetenz genau hier.

Als spüre er, dass er das Thema der Unterhaltung war, wedelte Valentine mit dem Schwanz.

Sie hatte ihn gefunden, als er noch ein Welpe gewesen war.

Sie erinnerte sich noch gut an seinen Gesichtsausdruck. Ein wenig verwirrt und sehr verletzt, als könnte er nicht richtig fassen, dass jemand ihn lieber in der Gosse ausgesetzt hatte, als ihn zu behalten. Als wenn diese Tat ihn alles hatte infrage stellen lassen, was er jemals über sich geglaubt hatte.

Das Gefühl kannte sie.

Sie hatten einander gefunden, zwei verlorene Seelen, und sofort eine Verbindung geknüpft.

»Ich habe ihn Valentine genannt, weil er eine herzförmige Nase hat.« Das war das Einzige, was sie gewillt war mit diesem Mann zu teilen. Es war an der Zeit, zu gehen. Bevor sie noch etwas sagte oder tat, das sie auf den falschen Weg führen würde. »Genießen Sie Ihre Runde.«

»Warten Sie …« Er hob eine Hand, um sie aufzuhalten. »Ich sehe Sie heute nicht zum ersten Mal hier. Wohnen Sie in der Gegend?«

Zu wissen, dass er sie beobachtet hatte, während sie ihn beobachtet hatte, ließ ihren Puls in die Höhe schnellen.

»Nicht weit weg.«

»Dann werden wir uns wiedersehen. Ich bin Daniel.« Er streckte ihr die Hand hin, und sie nahm sie, wobei ihr Körper die Warnungen ihres Kopfes ignorierte. Seine Finger schlossen sich fest um ihre. Sie stellte sich vor, dass er wusste, was er mit diesen Händen anstellen musste, was ihren Atem flacher gehen ließ und das Denken beinahe unmöglich machte.

Sie hatte Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, während er sie die ganze Zeit erwartungsvoll und abwartend anschaute.

»Versuchen wir das noch mal«, murmelte er. »Ich bin Daniel, und Sie sind …«

Ihr Name. Er wartete darauf, dass sie ihm ihren Namen sagte. Und angesichts des amüsierten Funkelns in seinen Augen wusste er genau, warum sie einen Knoten in der Zunge hatte.

»Molly.« Es gab immer noch Tage, an denen es sich unnatürlich anfühlte, diesen Namen zu benutzen, was unlogisch war, denn Molly war ihr Name. Oder zumindest einer davon. Es sollte keinen Unterschied machen, dass sie ihn erst benutzte, seitdem sie nach New York gezogen war.

Sie gab ihm nicht mehr als diesen Namen, aber trotzdem sah sie, dass er ihn sich merkte. Sie spürte, dass er ein Mann war, der nicht viel vergaß. Er war klug. Aber selbst wenn er ihren Nachnamen herausfinden und sie online suchen würde, würde er nichts finden. Das hatte sie schon überprüft.

»Leisten Sie mir bei einem Kaffee Gesellschaft, Molly.« Er ließ ihre Hand los. »Ich kenne da ein nettes Café gleich hier in der Nähe, das den besten Kaffee an der Upper East Side macht.«

Das war irgendwo zwischen einer Einladung und einem Befehl. Clever und glatt. Ein müheloser Vorschlag von einem Mann, der das Wort Zurückweisung nicht kannte.

Aber nun würde er es lernen, denn auf keinen Fall würde sie mit ihm einen Kaffee trinken oder sonst irgendetwas.

»Danke, aber ich muss zur Arbeit. Genießen Sie den Morgen, Sie und Brutus.«

Sie gab weder ihm die Gelegenheit, zu widersprechen, noch sich selbst die Zeit, ihre Entscheidung anzuzweifeln, sondern lief einfach los. Sie rannte durch den von Sonnenschein gesprenkelten Park, durch den Duft der Blüten, Valentine an ihrer Seite und die Versuchung auf den Fersen. Sie schaute sich nicht um, obwohl gerade das ihren Nacken schmerzen ließ und sie eine größere Willenskraft dafür aufbringen musste, als für alles andere in letzter Zeit. Beobachtete er sie? War er genervt, dass sie ihn abgewiesen hatte?

Erst als sie eine, wie sie fand, sichere Entfernung erreicht hatte, verlangsamte sie ihr Tempo. In der Nähe einer der knöchelhohen Trinkfontänen für Hunde blieb sie stehen, um zu Atem zu kommen und den durstigen Valentine trinken zu lassen.

Leisten Sie mir bei einem Kaffee Gesellschaft …

Und was dann?

Dann nichts.

Was Beziehungen anging, war sie in der Theorie großartig, aber ganz schlecht in der Praxis. Wie schlecht genau, war öffentlich ausgebreitet worden. Erst kam die Liebe. Dann kam der Schmerz.

Du bist eine Beziehungsexpertin, aber was Beziehungen angeht, bist du ein hoffnungsloser Fall. Weißt du überhaupt, wie verrückt das ist?

Oh ja, das wusste sie. Genau wie ein paar Millionen Fremder. Was der Grund dafür war, dass sie sich heutzutage nur noch an die Theorie hielt.

Und was den geschmeidigen Anwalt Daniel anging, schätzte sie, dass er ungefähr fünf Minuten brauchen würde, um sie zu vergessen.

Sie ging ihm nicht aus dem Kopf.

Genervt und auch ein wenig fasziniert von dieser Erfahrung drückte Daniel auf den Klingelknopf, woraufhin Harriet ihm die Tür öffnete.

Er roch frischen Kaffee und etwas Köstliches, das im Ofen backte.

»Wie war die Runde?« Sie trug einen winzigen Chihuahua unterm Arm, und Daniel krampfte die Finger fester um Brutus’ Halsband, um den enthusiastischen Ausbruch an Energie abzufangen, mit dem der Hund durch die Haustür stürmen wollte.

»Willst du die beiden wirklich zusammenlassen? Brutus könnte ihn mit einem Happs verschlingen.«

Harriet wirkte verwirrt. »Wer ist Brutus?«

»Das hier ist Brutus.« Daniel machte die Leine ab, und der Deutsche Schäferhund tobte in die Wohnung, wobei er mit dem Schwanz eine von Harriets Pflanzen umwarf und die Scherben und Erde auf dem ganzen Fußboden verteilte.

Harriet stellte den winzigen Hund auf den Boden und sammelte, ohne sich zu beklagen, die spärlichen Überreste ihres Blumentopfes ein. »Der Hund heißt Ruffles. Und er ist zu groß für diese Wohnung.«

»Ich kann nicht mitten im Central Park stehen und ›Ruffles‹ rufen, also habe ich ihn umbenannt. Rieche ich da Kaffee?«

»Du kannst einen Hund nicht einfach umbenennen.«

»Kann ich schon, wenn jemand so dumm war, ihn Ruffles zu nennen.« Daniel schlenderte in die helle, vom Sonnenlicht erleuchtete Küche und nahm sich einen Kaffee. »Was für ein Name ist das bitte für einen großen, männlichen Hund? Da muss er ja eine Identitätskrise kriegen.«

»Das ist nun mal der Name, der ihm gegeben wurde«, sagte Harriet geduldig. »Es ist der Name, den er kennt und auf den er reagiert.«

»Dieser Name ist ihm peinlich. Ich habe ihm einen Gefallen getan.« Daniel trank einen Schluck Kaffee und sah auf die Uhr. Er war immer viel beschäftigt, und in den letzten Tagen hatte er nie ausreichend Zeit gehabt, was zum Teil an seinen verlängerten morgendlichen Joggingrunden lag.

»Du bist später als üblich. Ist etwas passiert? Hat sie endlich mit dir gesprochen?« Harriet warf die Scherben des Blumentopfes weg und hob die Pflanze auf.

Daniel wusste, in dem Moment, wo er fort wäre, würde sie die Pflanze wieder sorgfältig eintopfen und ihr alle nötige Aufmerksamkeit schenken, damit sie sich erholte.

»Äh, ja, wir haben geredet.« Die paar Worte, die sie gewechselt hatten, konnte man nicht wirklich als Unterhaltung bezeichnen. Er hatte ein paar Fragen gestellt. Sie hatte geantwortet. Aber ihre Antworten waren kurz gewesen und dazu gedacht, ihn auf keinen Fall zu ermutigen. Sie hatte klargemacht, dass sie mehr an seinem Hund als an ihm interessiert war, was die Seele eines in Beziehungsangelegenheiten weniger erfahrenen Mannes sicher zerstört hätte.

Aber auch wenn es keinerlei verbale Anzeichen gegeben hatte, dass sie an ihm interessiert war, hatte es nonverbale Zeichen gegeben.

In dem Bruchteil der Sekunde, bevor sie ihre Mauer hochgezogen hatte, hatte er Interesse gesehen.

Er fragte sich, wer für diesen Schutzschirm verantwortlich war. Vermutlich ein Mann. Eine Beziehung, die schlecht gelaufen war. Beispiele dafür sah er täglich bei seiner Arbeit. Menschen hatten Affären, lebten sich auseinander oder entliebten sich einfach. Liebe war eine Pralinenschachtel voller Herzschmerz und Katastrophen, aus der sich jeder seine Lieblingssorte auswählen konnte.

»Sie hat mir dir gesprochen?« Harriet strahlte. »Was hat sie gesagt?«

Sehr wenig.

»Wir gehen es langsam an.«

»In anderen Worten, sie ist nicht interessiert.« Fliss kam in die Küche. Sie trug eine Yogahose, ein Sweatshirt und schwarze Laufschuhe mit einem neonfarbenen Streifen. Sie schnappte sich die Schlüssel vom Tresen. »Offensichtlich eine Frau mit Verstand. Entweder das, oder dir geht dein glückliches Händchen verloren. Heißt das, du wirst morgen nicht mit Ruffles joggen gehen?«

»Ich habe mein Händchen nicht verloren, und natürlich werde ich mit Brutus joggen gehen. Übrigens, er hat ein paar Verhaltensprobleme, am schlimmsten ist, dass er nicht kommt, wenn ich ihn rufe.«

»Das muss für dich eine ganz neue Erfahrung sein.«

»Sehr lustig. Habt ihr irgendwelche Tipps?«

»Ich habe keine Beziehungstipps, außer vielleicht, lass es sein.«

»Ich habe von dem Hund gesprochen.«

»Oh. Du könntest zum Beispiel damit anfangen, ihn bei dem Namen zu rufen, den er tatsächlich kennt.« Fliss ging zur Tür. »Und wenn er Verhaltensprobleme hat, dann habt ihr beide wenigstens eine Gemeinsamkeit.«

3. Kapitel

Liebe Aggie, wenn es Männer wie Fische im Meer gibt, warum ist mein Netz dann immer leer?

Molly schloss die Tür zu ihrer Wohnung auf, legte die Schlüssel auf die Ablage und ging direkt unter die Dusche.

Zehn Minuten später saß sie wieder an ihrem Computer. Valentine hatte sich in dem Körbchen unter ihrem Schreibtisch zusammengerollt und seinen Kopf auf die Pfoten gelegt.

Sonnenlicht flutete durch die Fenster, spiegelte vom gebohnerten Eichenparkett wider und erhellte den handgewebten Teppich, den sie bei einem Ausflug an den Union Square in einem Textildesignstudio gekauft hatte. In einer Ecke des Zimmers stand eine große Giraffe aus Holz, die ihr Vater ihr aus Afrika geschickt hatte. Niemand, der einen Blick auf ihre überquellenden Bücherregale warf, hätte daraus viel über ihren Charakter ableiten können. Biografien und Klassiker drängten sich an Thriller und Liebesromane. Auf dem Regal standen außerdem ein paar übrig gebliebene Exemplare ihres ersten Buchs, Verbunden fürs Leben – Tipps, um den perfekten Partner zu finden.

Mach, was ich sage, aber tu nicht, was ich tue, dachte sie. Sie hatte es ihrem Vater gewidmet, aber vermutlich hätte sie es Rupert widmen sollen. Für Rupert, ohne den dieses Buch niemals geschrieben worden wäre.

Aber das hätte bedeutet, Gefahr zu laufen, enttarnt zu werden, und sie hatte nicht vor, irgendjemanden die wahre Person hinter »Dr. Aggie« sehen zu lassen.

Nein. Ihr Vater war die bessere Option gewesen. So konnte sie sicherstellen, dass alles erhalten blieb, was sie sich aufgebaut hatte. Und sie konnte die ganze Episode mit Rupert, wie ihr Vater es nannte, in eine gedankliche Schublade mit der Aufschrift »Lebenserfahrung« stecken.

Als sie nach New York gezogen war, hatte sie sich am Rand von Brooklyn ein schäbiges Apartment mit drei Frauen geteilt, die süchtig nach Bierpong und nächtlichen Partys waren. Nach sechs Monaten, in denen sie jeden Tag einhundertzweiundneunzig Stufen hinaufgeschnauft (sie hatte jede einzelne davon gezählt) und mit der U-Bahn nach Manhattan gefahren war, hatte Molly ihre letzten Ersparnisse für eine kleine Zweizimmerwohnung im zweiten Stock eines Gebäudes ausgegeben, das nur wenige Straßenzüge vom Central Park entfernt lag. Sie hatte sich auf den ersten Blick in die Wohnung und das Gebäude mit den fröhlichen grünen Türen und verschnörkelten Eisengeländern verliebt.

Und sie hatte sich in ihre Nachbarn verliebt. Im Erdgeschoss wohnte ein junges Pärchen mit einem Baby und eine Etage darüber Mrs. Winchester, eine Witwe, die schon seit sechzig Jahren in der gleichen Wohnung lebte. Sie hatte die Angewohnheit, ihre Schlüssel zu verlieren, also hatte Molly einen Ersatzschlüssel. Direkt über Molly wohnten Gabe und Mark. Gabe arbeitete in der Werbung, und Mark war Kinderbuchillustrator.

Sie hatte sie an ihrem ersten Abend in der Wohnung kennengelernt, als sie versucht hatte, das ungezogene Schloss an ihrer Tür zu reparieren. Gabe hatte ihr geholfen, und Mark hatte ihr etwas gekocht. Seitdem waren sie Freunde, und, wie sie entdeckt hatte, neue Freunde waren manchmal verlässlicher als alte.

Die Freunde aus ihrer Kindheit hatten sie in Scharen im Stich gelassen, als ihr Leben zusammengebrochen war, weil sie nicht in den tödlichen Treibsand ihrer Demütigung mit hineingezogen werden wollten. Anfangs hatte es noch ein paar unterstützende Anrufe gegeben, aber als die Situation sich verschlimmerte, waren Unterstützung und Freundschaften versandet. Sie hatten sich benommen, als wäre ihre Situation ansteckend. Als würden sie sich, wenn sie zu ihr stünden, die gleiche Krankheit einfangen.

Und auf gewisse Weise konnte sie es ihnen nicht verübeln. Es war grauenhaft, wenn Reporter vor dem Haus campierten und der eigene Ruf im Internet zunichte gemacht wurde. Wer brauchte schon so was?

Viele Leute sehnten sich nach Ruhm und Geld, aber scheinbar wollte niemand die Topnachricht auf Twitter sein.

Das hatte ihr die Entscheidung, London zu verlassen, leichter gemacht. Sie hatte ein neues Leben unter einem neuen Namen angefangen. Hier in New York hatte sie neue Leute kennengelernt. Leute, die nichts davon wussten. Die Menschen in ihrem Wohnblock waren wundervoll, genau wie die Upper East Side. Inmitten der rauen mit Bäumen eingefassten Straßen der Stadt hatte sie ein Viertel entdeckt, das vor New Yorker Geschichte und Tradition nur so strotzte. Sie liebte alles daran – von den verzierten Vorkriegsgebäuden bis zu den Reihenhäusern aus braunem Backstein und den klassischen Villen an der Fifth Avenue. Es fühlte sich wie ein Zuhause an, und sie hatte hier schon ein paar Lieblingslokale. Wenn sie keine Lust hatte zu kochen, ging sie kurz um die Ecke, um sich ein Panini oder hausgemachte Pasta im Via Quadronno zwischen der Madison und der Fifth zu holen, und wenn ihr feierlich zumute war, ging sie ins Ladurée und gönnte sich eine Auswahl an Macarons.

Sie hatte Manhattan erkundet und versteckte Salsa-, Kunst- und Jazzclubs entdeckt. Sie war durch Galerien gestreift, durch das Met, das Frick- und das Guggenheim-Museum. Aber ihr Lieblingsort war immer noch der Central Park, der zu Fuß nur zehn Minuten von ihrer kleinen Wohnung entfernt lag. Gemeinsam mit Valentine brachte sie Stunden damit zu, seine verborgenen Ecken zu erkunden.

Sie schaltete ihren Laptop an und griff nach ihrem Wasser, während sie darauf wartete, dass er hochfuhr. Auf ihrem Schreibtisch herrschte das reinste Chaos. Papierstapel, Kritzeleien und Notizen, zwei vergessene Kaffeebecher. Wenn sie arbeitete, war sie voll konzentriert, und dazu gehörte, die Unordnung auszublenden.

Ihr Telefon klingelte. Sie sah auf das Display und ging sofort ran. »Dad! Wie geht es dir?« Sie hörte zu, als ihr Vater ihr von seinem letzten Abenteuer erzählte. Er war ein paar Monate, bevor sie in Ungnade gefallen war, aus London weggezogen, wofür sie für immer dankbar sein würde. Nachdem er von seinem Job in einer Elektronikfirma in Rente gegangen war, hatte er sich ein Wohnmobil gekauft und sich auf eine epische Fahrt durch die USA gemacht, auf der er sein Heimatland Staat für Staat erkundete. In einer staubigen, von der Sonne ausgetrockneten Stadt in Arizona hatte er Carly kennengelernt, und seitdem waren sie zusammen.

Molly hatte sie einmal kennengelernt und mochte sie, aber was ihr am besten gefiel, war, ihren Vater so glücklich zu sehen. Sie erinnerte sich daran, wie er die ersten Jahre, nachdem ihre Mutter ihn verlassen hatte, durch sein Leben gestolpert war. Sein Selbstvertrauen war in der Bugwelle einer monumentalen Zurückweisung beinahe vollständig ertrunken.

Sie wusste nicht mehr genau, wann sie angefangen hatte, ihn zu ermutigen, wieder auszugehen. Es musste noch während der Schulzeit und sie ein Teenager gewesen sein, als sie gemerkt hatte, dass sie mehr daran interessiert war, die Beziehungen von anderen Leuten zu beobachten, als selbst eine zu haben. Und durch Beobachtung hatte sie die Fähigkeit entwickelt, Menschen zu verkuppeln. Sie sah so deutlich, wer gut zusammenpassen würde und wer nicht. Wessen Beziehung halten und wessen beim ersten Anflug von rauer See an den Klippen zerschellen würde. Schnell machte das Wort die Runde, dass sie eine Gabe hatte. Und sie liebte es, diese Gabe zu benutzen. Und warum auch nicht? Es war schwer, in dieser übervölkerten, verrückten Welt den richtigen Partner zu finden. Manche Menschen brauchten einfach ein wenig Hilfe.

Sie hatten sie die Kupplerin genannt. Was wesentlich besser war als der Name, den man ihr ein paar Jahre später verpasst hatte.

Als sie noch zur Schule ging, verbrachte sie die meisten Pausen und einen Großteil ihrer Abende damit, Beziehungsratschläge zu geben. Nachdem sie gesehen hatte, wie ihr Vater sich bei dem Versuch verausgabt hatte, ihre Mutter zufriedenzustellen – und dabei gescheitert war –, ermutigte sie die Menschen immer, sie selbst zu sein. Wenn man nicht so geliebt wurde, wie man war, hatte eine Beziehung keine Zukunft. Das wusste sie. Wenn man für jemanden nicht genug war, würde man nie genug werden.

Egal, wie sehr er sich auch bemüht hatte, ihr Vater war für ihre Mutter nicht genug gewesen.

Und Molly auch nicht.

Die Stimme ihres Vaters hallte durch den Hörer und holte sie in die Gegenwart zurück. »Wie geht es meiner Kleinen?«

»Sehr gut.« Mit einem Tastendruck löschte sie ein paar E-Mails. »Ich habe viel zu tun. Ich arbeite gerade an den Korrekturfahnen meines nächsten Buchs.«

»Ah, du hilfst immer noch anderen Menschen mit ihren Beziehungen. Wie sieht es bei dir aus? Und ich rede nicht von Valentine.«

»Ich habe ausreichend Männer in meinem Leben, Dad. Und einen vollen Terminkalender. Dienstags und freitags gehe ich Salsa tanzen. Am Donnerstag ist mein Spinningkurs. Mittwoch habe ich meinen Kochkurs, Montag die Theatergruppe – und überall dort sind auch Männer.«

»Aber du bist Single.«

»Das stimmt. Und nur, weil ich Single bin, kann ich all diese Sachen machen.«

»Beziehungen sind wichtig, Honey. Das hast du mir immer gesagt.«

»Ich habe Beziehungen. Vor ein paar Tagen habe ich mit Gabe und Mark zu Abend gegessen. Mark macht gerade einen italienischen Kochkurs. Seine Tortellini sind unglaublich, die musst du mal probieren.«

»Gabe und Mark sind schwul.«

»Na und? Sie sind meine besten Freunde.« Auch wenn sie diese Freundschaft nie auf die Probe gestellt hatte. Sie hatte am eigenen Leib erfahren müssen, dass der Test für wahre Freundschaft war, ob man gewillt war, jemandem beizustehen, der beschimpft und gedemütigt wurde. Und sie hoffte aufrichtig, dass sie diesen Test nie wieder würde durchstehen müssen. »Eine Freundschaft ist auch eine Beziehung. Die beiden sind gute Zuhörer und sehr glücklich zusammen. Es ist schön, Zeit mit ihnen zu verbringen.«

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