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Völlig hundelos

hier erhältlich:

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Becca wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Dann wäre ihr Leben endlich "völlig hundevoll"! Aber in ihrer Familie herrscht über die Feiertage mal wieder Ausnahmezustand. Der kleine Bruder nervt, Beccas Mutter ist schwanger und obendrein hat sich ihre allerbeste Freundin Emily auch noch eine neue beste Freundin gesucht. Es scheint, als hätte sich die ganze Welt gegen Becca verschworen, bis ihr Cousin auf der Weihnachtsfeier eine dringende Bitte an sie richtet: Sie soll für eine Woche auf den Hund seines Schwarms Miranda aufpassen. Nichts lieber als das! Becca schafft es, ihre Eltern zu überreden. Aber Monty ist nicht nur ein im Vergleich zu Becca geradezu riesiger Hund, er ist auch vollkommen unerzogen und gehorcht überhaupt nicht.
Ein mit viel Wortwitz und augenzwinkerndem Humor erzählter Roman über Freundschaft, Verantwortung und Familie, gewürzt mit einer Prise Monty!


  • Erscheinungstag: 05.03.2020
  • Seitenanzahl: 288
  • Altersempfehlung: 8
  • Format: Hardcover
  • ISBN/Artikelnummer: 9783505142499

Leseprobe

 

1 Völlig hundelos 

Mehr als alles andere auf der Welt wünsche ich mir einen eigenen Hund, ganz für mich allein. Ein Hund ist der beste Freund eines Mädchens, da er einen immer lieben wird, im Gegensatz zu den Menschen, die manchmal vergessen, wer wirklich ihre besten Freunde sind. 

Ein Hund würde es sich einfach an meinem Bettende gemütlich machen und meine Füße kuschelig warm halten. Ein Hund würde alle Erbsen auflecken, die beim Essen aus Versehen auf den Boden fallen. Ein Hund würde bellen, wenn ich von der Schule nach Hause käme, um mir zu sagen, wie sehr er mich vermisst hat. Er würde mich bedingungslos und unter allen Umständen lieben und mein BHFFI sein – mein BESTER HUNDE­FREUND FÜR IMMER. 

Ich habe es wirklich satt, völlig hundelos zu sein, aber momentan sieht es nicht so aus, als würde sich daran so schnell etwas ändern, da Mama – sobald ich das H-Wort in den Mund nehme – immer sofort ruft: »Auf gar keinen Fall! Ich habe so schon alle Hände voll zu tun.« Dann schaut sie an ihrem Babybauch hinunter, und Papa stimmt ihr zu: »Ganz sicher nicht! Du würdest dich eh nicht anständig darum kümmern!« Dabei hebt er meine schmutzige Wäsche auf und schmeißt sie in den Wäschekorb. Und Stevie sagt: »Hunde sind ekelig, weil Hundekacke stinkt.« 

Mit der Hundekacke hat Stevie vermutlich sogar recht, aber die würde ich doch aufheben. Wenn ich einen eigenen Hund bekomme, werde ich eine sehr verantwortungsvolle Hundehalterin sein. 

Ich habe dieses wundervolle Buch Die Welt der Hunde. Auf jeder Seite ist ein supersüßes Bild von einem Hund, und daneben stehen alle Informationen zu der jeweiligen Rasse. Es ist wirklich nicht einfach, daraus einen Lieblingshund auszuwählen, da sie mir alle so gut gefallen. 

Als ich heute auf meinem Bett lag und versuchte, meinen Lieblingshund auszusuchen, kam Mama mit einem Müllbeutel in mein Zimmer. 

»Möchtest du irgendetwas aussortieren, Becca?«, fragte sie. 

»Nein, nichts«, antwortete ich und hielt mit einer Hand mein Buch und mit der anderen meine Bettdecke fest. 

Mama ist momentan immer auf der Suche nach Dingen, die sie ausmisten kann. Papa sagt, das sei der Nestbautrieb, der wohl alle Mütter befällt, kurz bevor sie ein Baby bekommen. Bisher habe ich sie zwar noch nicht mit irgendwelchen Ästen oder Federn erwischt, aber sie beäugt mein Zimmer trotzdem wie ein mögliches Nest. Sie fordert mich auf, Dinge auszumisten, um Platz für das Baby zu machen, aber dieser Raum gehört mir, mir und meinem Hund. 

»Ich denke, ich habe den perfekten Hund für uns gefunden«, sagte ich. »Er heißt Chloe.« Als ich meiner Mutter das geöffnete Buch hinhielt, war sie jedoch gerade damit beschäftigt, eine alte Fleecejacke in ihren Sack zu stopfen, sodass sie noch nicht einmal einen Blick auf meinen Traumhund geworfen hat, also habe ich das Bild gestreichelt. 

 

Chloe ist eine Deutsche Dogge. Sie hat ein wundervoll glattes, glänzend schwarzes Fell und einen markanten Kopf, ihre seidenweich aussehenden Ohren hängen ein wenig herab. Jedoch nicht so viel, dass sie bis in den Futternapf reichen würden und Gefahr liefen, dreckig zu werden. In Die Welt der Hunde wird Chloe als »freundlich, liebevoll zu Kindern und sehr verträglich im Umgang mit Menschen« beschrieben. Für mich klingt das perfekt. Ich weiß allerdings nicht genau, warum sie als »stattlich« bezeichnet wird, so groß sieht sie auf den Bildern gar nicht aus. Eher wie ein wirklich freundlicher Familienhund. Sicher wird Chloe gern gestreichelt. Und am liebsten bestimmt von mir. 

Es ist vermutlich ein schönes, beruhigendes Gefühl, so einen tollen Hund zu streicheln. Ich würde zu gern von Chloes Pfoten und Beinen umschlungen werden. Ich würde ausgiebige Spaziergänge mit ihr machen und jeden Tag ihr Fell pflegen, nachts würde sie mich wärmen. Wir wären ein tolles Gespann. 

»Hat irgendeines dieser Kuscheltiere sein Haltbarkeitsdatum überschritten?« Mama zeigte auf den Haufen aus Plüschhunden, die an meinem Bettende leben. 

»Auf keinen Fall!« Ich warf mich nach vorn und bedeckte die Hunde mit meinem Körper, damit Mama nicht auch nur einen von ihnen zu fassen bekam und in ihren Müllsack werfen konnte. Meine Hundesammlung wird ins Regal umziehen müssen, wenn Chloe bei uns einzieht, aber bis dahin bleibt sie erst einmal auf meinem Bett, und ausgemistet wird kein einziger der Hunde, niemals. 

Ein Hund ist fürs Leben, nicht nur für Weihnachten. Das gilt auch für Plüschhunde. 

Mama öffnete die oberste Schreibtischschublade und nahm etwas heraus. 

»Brauchst du das noch?« Sie hielt mein Tagebuch in die Höhe. 

Es ist von außen blau-weiß kariert, das Jahr in Gold eingeprägt, und darauf sieht man eine Katze, die an Verstopfung leidet. Natürlich weiß ich nicht, ob sie an Verstopfung leidet, aber sie hat einen so seltsamen Gesichtsausdruck, dass irgendetwas mit der armen Katze ganz sicher nicht stimmt. 

»Und ob. Das habe ich von Emily bekommen!«, erwiderte ich. »Das behalte ich für immer und ewig.« 

Emily sollte eigentlich meine beste Freundin sein, aber seitdem sie in die Theater-AG eingetreten ist, sehe ich sie nicht mehr so häufig. Ehrlich gesagt bin ich sogar ziemlich beunruhigt darüber, dass ich fast ebenso beste-freundinnen- wie hundelos bin. Und sicher wäre sie noch weniger freundinnig, wenn sie herausfinden würde, dass ich ihr letztes Weihnachtsgeschenk weggegeben habe. 

»Aber du hast doch gar nichts reingeschrieben.« Mama blätterte durch die Seiten der unter Verstopfung leidenden Katze. 

»Das geht dich nichts an, da ist mein ganzes Privatleben drin.« Ich sprang auf und riss ihr das Buch aus den Händen. Dann war es eben leer, na und? Das hieß noch lange nicht, dass ich keine tagebuchtauglichen Gedanken und Gefühle hatte, ich war einfach nur noch nicht dazu gekommen, sie aufzuschreiben. Ich schnappte mir einen Stift und notierte auf der Seite mit dem Datum von heute: 

 

Liebes Tagebuch, 

ich bin völlig hundelos.  

Das Tagebuch hielt ich Mama unter die Nase. 

»In Ordnung«, sagte Mama und seufzte. »Ich gebe auf. Auch wenn es etwas spät im Jahr ist, um ein Tagebuch zu beginnen. Wünschst du dir dieses Jahr ein neues vom Weihnachtsmann?« 

»Ja, warum nicht?«, sagte ich. »Vielleicht mit einem anderen Umschlagbild.« 

Mama nickte. 

»Musst du nicht auch noch Hausaufgaben machen?« 

Mein Magen zog sich sofort zusammen und schmerzte. Ich hatte eine wirklich furchtbare­ Hausaufgabe auf, zu der ich überhaupt keine Lust hatte. Genau deshalb las ich in Die Welt der Hunde

»Frag doch mal Papa, ob er dir hilft. Er macht gerade Abendessen.« Sie verzog den Mund, wie immer, wenn es ums Essen ging. Schon beim Gedanken daran wurde ihr übel. Das hat irgendetwas damit zu tun, dass sie ein Baby erwartet. Nestbautrieb und Übelkeit wechseln sich bei ihr ab. 

Ich schob Die Welt der Hunde und mein Tagebuch unter den Pullover, wo sie sicher waren, und versteckte alle meine Kuscheltiere unter der Bettdecke. 

»Werde ich jemals einen Hund bekommen?«, fragte ich. 

»Mmh«, sagte Mama und meinte »Nein«. »Noch irgendetwas zum Ausmisten?« 

Ich machte mir noch nicht einmal die Mühe, »Mmh« zu sagen. 

Mama watschelte aus dem Zimmer wie eine Ente auf der Suche nach einem Nest, nur ohne Schnabel. Hoffentlich wächst da nicht gerade ein Entenküken in ihrem Bauch heran, da wäre sie sicher enttäuscht. 

Mama möchte ein Baby. 

Ich möchte einen Hund. 

So einen wie Chloe oder einen ganz anderen. Das ist mir völlig egal. 

Nur ein Hund sollte es sein, ganz für mich allein. 

Außerdem möchte ich, dass es zwischen Emily und mir wieder so ist wie immer. Deshalb habe ich in mein Tagebuch geschrieben: 

PS Tagebuch, ich bin auch fast beste-freundinnenlos. 

Eine doofe Träne fiel aus meinem Auge und platschte auf das Wort »beste«, sodass es gar nicht mehr zu erkennen war. Also stand in meinem Tagebuch »ich bin auch fast freundinnenlos«, und genauso fühlte ich mich auch. 

2 Spaghetti bolosaurus 

Als ich nach unten kam, stand Papa am Herd und rührte in einer Soße. Es roch nach Spaghetti bolognese. Das gibt es momentan ziemlich häufig, seitdem er sich ums Essen kümmert. Spaghetti bolognese bis zum Abwinken ist auch eine Nebenwirkung davon, dass Mama ein Baby bekommt. Bisher habe ich mich nicht darüber beschwert, da Papa sich bei seiner neuen Aufgabe als Koch eigentlich ganz gut schlägt. Ich hoffe, dass er bald ein neues Rezept lernt. Ich setzte mich an den Tisch und schrieb in mein Tagebuch: 

 

Liebes Tagebuch, 

es gibt schon wieder Spaghetti bolo 

UND 

ich muss in der Schule einen Vortrag halten. 

ABER 

habe keine Ahnung, worüber. 

HILFE! 

Die Katze mit der Verstopfung war überhaupt keine Hilfe. Sie starrte mich stumm mit dem immer gleichen bescheuerten Gesichtsausdruck an. Katzen sind zu nichts zu gebrauchen. Deshalb bin ich auch der Hundetyp. 

»Mir geht es nicht gut«, sagte ich zu Papa. 

»Oje. Um welche Art von ›nicht gut‹ handelt es sich denn?« Papa überließ seine Töpfe und Pfannen sich selbst, kam zu mir herüber und setzte sich neben mich. Er setzte seinen besorgten Gesichtsausdruck auf, aber ich wusste, dass er nur so tat, weil seine Mundwinkel zuckten, als müsse er ein Lachen unterdrücken. 

»Ich habe Bauchschmerzen«, sagte ich und hielt mir den Bauch, um das Ganze noch zu betonen. 

»Und woher kommen die?«, fragte Papa. 

»Ich bin krank!« Ich legte meinen Kopf auf den Hausaufgabenzettel von Frau Travers. 

Papa fasste unter meine Wange und zog das Stück Papier hervor. 

»Ein Vortrag, das ist nicht ohne.« Papa tätschelte mir die Schulter. 

»Ich hätte bei der Theater-AG mitmachen sollen«, sagte ich. 

»Ich dachte, das wolltest du nicht«, antwortete Papa. 

»Wollte ich auch nicht, aber ich wette, dass alle, die daran teilnehmen, im Vorträgehalten super sein werden und unzählige Sternchen ­dafür bekommen. Ich vergesse sicher, was ich sagen wollte, und bekomme kein einziges.« 

Papa tätschelte mir wieder die Schulter. 

»Aber es geht sicher nicht die ganze Klasse zur Theater-AG«, sagte er. »Ich dachte eigentlich nur Emily.« 

»Und Lily Williamson«, ergänzte ich und ließ meinen Kopf wieder auf die Tischplatte fallen. 

Lily Williamson ist die größte Angeberin der Welt. Sie hat echte UGG-Boots und ein eigenes iPad, das sie jeden Tag bis Mitternacht benutzen darf. 

Lily ist direkt nach Emily in die Theater-AG eingetreten, ein weiterer Grund, weshalb ich nicht mitmachen möchte. Aber auch einer der Gründe, warum ich überlegt habe, doch mitzumachen, da Emily seitdem sehr nett zu Lily ist. 

Besonders donnerstags. 

Lilys Mutter hat Emilys Mutter gefragt, ob sie sich beim Fahrdienst zur Theater-AG abwechseln sollen. Das Ganze wurde auch noch zu einem gemeinsamen frühen Abendessen ausgeweitet. Also verbringen Emily und Lily nun jeden Donnerstag ein frühes Abendessen, zwei Autofahrten und die gesamte Theater-AG miteinander. 

»Ich wette, dass Lilys Mutter den Theaterlehrer überredet hat, ihr Privatstunden zu geben«, sagte ich zum Tisch, und ein paar weitere dicke Tränen rannen an meiner Nase hinab. Beim Gedanken an Lily Williamson musste ich manchmal weinen. »Lily wird bestimmt mindestens fünf Sternchen bekommen und ich kein einziges, weil ich nichts habe, worüber ich reden kann. Aber egal, ich bin eh viel zu krank, um in die Schule zu gehen.« 

»Du musst zur Schule«, sagte Papa. Er schob ein Taschentuch zwischen den Tisch und meine Augen und wendete sich wieder dem Abendessen zu. »Dir fällt sicher etwas ein, worüber du reden kannst.« 

»Frau Travers sagt, dass wir über etwas sprechen sollen, das uns wichtig ist. Vielleicht aus einer anderen Perspektive.« Ich putzte mir die Nase, damit Papa meine Worte und nicht nur den Schnodder hören konnte. »Ich könnte über Hunde sprechen, aber das haben die anderen alles schon gehört.« 

Stevie kam brüllend in die Küche, in jeder Hand einen Dinosaurier. Er knallte einen Stegosaurus auf den Tisch und ließ einen Pterodaktylus darauf herniedersausen. Seine Dinosaurier kämpfen immer. Kein Wunder, dass sie ausgestorben sind. 

»Du könntest über Dinosaurier reden«, schlug Papa vor. 

 

»Grrr!«, brüllte Stevie. 

»Stevie kann dir helfen.« 

Stevie tat, als könne der Pterodaktylus den Stegosaurus in die Luft heben. Er kreiste mit ihnen um meinen Kopf herum und schrie und brüllte dazu. 

»Dinosaurier sind nicht wichtig«, sagte ich. »Es gibt sie nicht einmal mehr.« 

»Dinosaurier sind meine besten Freunde«, sagte Stevie und knallte die Köpfe der Dinosaurier gegeneinander. 

 

»Beste Freunde sprechen mit dir und hören dir zu, wenn du traurig bist«, sagte ich. »Sie spielen mit dir und geben dir nicht ständig mit ihren Klauen und Hörnern eins über den Kopf! Sie verstehen, was für dich das Wichtigste auf der Welt ist. Beste Freunde sind nicht ausgestorben. Sie sind echte Menschen wie Emily.« 

Da kam mir eine fantastische Idee, worüber ich bei meinem Vortrag sprechen könnte. 

 

Liebes Tagebuch, 

wenn ich einen Smiley für den heutigen Tag malen müsste, wäre er halb traurig und halb glücklich, beides gleichzeitig. Vielleicht sieht das ein bisschen seltsam aus, aber genauso fühle ich mich gerade. 

 

3 Meine BF ist nicht FI 

Als ich in die Schule kam, war Emily nicht da. Normalerweise wartet sie an unserem Treffpunkt in der Nähe des Basketballkorbs auf mich. Aber zum allerersten Mal war Emily spät dran, und es war bitterkalt. Ich sprang von einem Fuß auf den anderen und schlang die Arme um meinen Körper, aber mir wurde einfach nicht wärmer. 

Ich fragte mich, ob Emily wohl krank sei. Sie war noch nie so spät dran gewesen, da ihre Mutter sie auf dem Weg zur Arbeit absetzte. Frau Denaro hat eine wichtige Arbeit, sie richtet schicke Häuser ein. Ihr eigenes Haus ist so elegant, dass es manchmal für irgendwelche Zeitschriften fotografiert wird, und einmal kam sogar ein Kamerateam und drehte einen Werbefilm in ihrem Salon (so nennt Frau Denaro das Wohnzimmer, weil es so elegant ist). 

Ich wollte nicht, dass Emily ausgerechnet heute krank war, da sie dann meinen Vortrag verpassen würde. Ich brauchte sie dort drinnen. Es würde schließlich in meinem Vortrag um … 

Da hörte ich ein wohlbekanntes Lachen über den Spielplatz schallen. 

Emily rannte durch das Schultor, ihr wunderschönes langes, lockiges Haar umgab sie wie ein pechschwarzer Superheldinnenumhang. Meine Haare sind kurz und hell und kleben an meinem Kopf wie eine Superheldinnenunterhose. Nur weil keine Superheldin jemals ein gelbes Höschen tragen würde, war zum Glück bisher niemandem die Ähnlichkeit aufgefallen. Ich möchte wirklich nicht den Spitznamen Pupshose verpasst bekommen wie Rosie Jones, bei der sich der Rock in der Unterhose verfangen hatte, als sie einmal von der Toilette kam. 

Lily Williamson rannte hinter Emily her. Sie hat lange feuerrote Haare, die sie normalerweise für die Schule zu Zöpfen flicht, seit einiger Zeit jedoch trägt sie die Haare offen, wodurch sie auch wie eine Superheldin aussieht. 

Emily hielt nicht an, um in Richtung des Basketballkorbs oder zu mir zu schauen. Sie hakte sich bei Lily unter und lief mit ihr zusammen auf das Schultor zu, genauso, wie wir es sonst immer tun. 

Mein Magen schmerzte so sehr, dass ich Angst hatte, mich übergeben zu müssen. 

 

Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich ganz allein in die Schule gehen. Was die Sache jedoch noch schlimmer machte, war, dass ich diesen Vortrag vor mir hatte, der mich dumm dastehen lassen würde. 

Frau Binns blies in ihre Trillerpfeife, um den Schulbeginn anzuzeigen, aber ich lief nicht los. Ich wollte nicht. Da stand ich mitten auf dem leeren Schulhof, wie ein bestellter und nicht abgeholter Basketballkorb, und versuchte krampfhaft, mir ein neues Vortragsthema auszudenken. 

»Becca?«, rief Emily mir vom Schultor aus zu. Sie war immer noch bei Lily eingehakt, aber deutete ein Winken an, als wolle sie mich irgendwie einladen, sie zu begleiten. 

»Ich bin gleich bei euch«, antwortete ich, was eine glatte Lüge war. 

Niemals würde ich ein Trio zusammen mit Lily Williamson bilden. Außerdem musste ich so langsam wie möglich in das Schulgebäude hi­neingehen, um mir vor Unterrichtsbeginn noch ein neues Vortragsthema ausdenken zu können. In meinem Kopf herrschte jedoch völlige Leere. Da war nichts. Selbst mein gesamtes Hundewissen war verschwunden. 

»Beeil dich, Becca!« Frau Binns schob mich durch die Tür, und dann war ich auch schon im Klassenzimmer, und Frau Travers ging wie immer die Anwesenheitsliste durch. Die Stunde hatte begonnen. 

»Alles in Ordnung, Becca?« Emily berührte meine Hand, als ich mich neben sie setzte. Ihr Gesicht war vom Lachen ganz rot geworden, aber ihre Hand war eiskalt. 

Ich nickte, auch wenn ganz und gar nichts in Ordnung war. 

Frau Travers rief meine Klassenkameraden für den Vortrag auf, aber mein Kopf war so unglaublich leer, dass ich gar nicht hörte, worüber sie sprachen. Irgendwann war schließlich Emily an der Reihe. 

Lässig lief sie nach vorn. Sie war so selbstbewusst und cool, wodurch ich mir nur noch dümmer vorkam. Sie drehte sich zu uns allen um und begann. 

»Heute werde ich über die Theater-AG sprechen.« 

Lily klatschte begeistert. 

Emily erzählte davon, wie sie gelernt hatte, ein sich im Wind bewegender großer Baum zu sein. Sie pustete ihre Wangen leer und schüttelte ihre ­Superheldinnenumhanghaare, als sie den stürmenden Wind darstellte. Der war jedoch am Ende so stark, dass er den Baum umblies, sodass Emily wie ein Baumstamm zu Boden fiel. 

Sie war einfach fantastisch! Ich hatte gar nicht gewusst, was alles dazugehörte, um sich tot zu stellen. Wie sie davon erzählte, hörte sich die Theater-AG wirklich lustig an, weshalb ich mich fragte, ob ich nicht doch daran teilnehmen sollte. 

»Letzte Woche mussten wir für das Stück vorspielen, das im nächsten Halbjahr erarbeitet wird«, sagte Emily und stand dabei auf. »Und wisst ihr, was ich spielen werde?« Sie stemmte eine Hand in die Hüfte und zeigte mit der anderen auf ihre Zuhörer. Dann drehte sie die Hand ungefähr hundert Mal hin und her, als würde sie in Schallgeschwindigkeit Pfannkuchen wenden. 

Peinliches Schweigen, da die gesamte Klasse herauszufinden versuchte, was Emily wohl verkörperte. Eine lange, unangenehme Stille kann ich überhaupt nicht gut ertragen, besonders wenn meine beste Freundin der Grund dafür ist, also rief ich: 

»Den verrückten Pfannkuchenwender?« 

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