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Minecraft - Der Berg

hier erhältlich:

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Auf der Spur eines spektakulären Rätsels

Eine einsame Insel im Ozean. Bewohnt nur von einem einzigen Namenlosen. Er weiß nicht, wie er heißt und wo er sich befindet. Doch in dieser eigenartigen neuen Welt, in der er gelandet ist, muss er ums Überleben kämpfen. Er lernt, sich selbst zu helfen. Doch das Leben auf der Insel ist einsam und er weiß immer noch nicht, was ihm wiederfahren ist. Und so baut er sich eines Tages ein Boot und sticht in See. An einer eisigen Küste trifft er auf eine Fremde, die sein Schicksal offenbar teilt. Wird er bei ihr die Antworten finden, nach denen er sucht?

Ein Minecraft-Roman von Erfolgsautor Max Brooks


  • Erscheinungstag: 22.03.2022
  • Aus der Serie: Minecraft Roman
  • Bandnummer: 7
  • Seitenanzahl: 320
  • Altersempfehlung: 12
  • Format: Hardcover
  • ISBN/Artikelnummer: 9783505150210

Leseprobe

Für alle Kinder der Generation »Lockdown«.
Möge der Rest eures Lebens von großen Abenteuern erfüllt sein.

DIE FOLGENDE GESCHICHTE BASIERT AUF WAHREN BEGEBENHEITEN.

Prolog

Wenn du dieses Buch gefunden hast, kennst du bereits die eigenartige Welt um dich herum, die nur aus Blöcken besteht. Und wenn du mein erstes Buch gelesen hast, weißt du auch, wie ich sie kennengelernt habe. Du weißt, dass ich ganz allein in einem Ozean gespawnt bin, unweit einer Insel, und dass mich der Kampf ums Überleben nicht nur vieles über diese Welt gelehrt hat, sondern auch über mich.

Falls du all das noch nicht wusstest, weißt du es jedenfalls jetzt.

Wenn dieses Buch das erste ist, das du gefunden hast, ist das schon in Ordnung. Ich bringe dich in Kürze auf den neuesten Stand. Was du für den Anfang wissen solltest, ist Folgendes: Diese Geschichte beginnt dort, wo die vorige aufhörte, und obwohl ich damals dachte, ich hätte bereits eine Menge gelernt, ahnte ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass mir die echten Lektionen noch bevorstanden.

KAPITEL 1

lte.

Das Gefühl veränderte alles.

Es war gerade einmal anderthalb Tage her, dass ich meine kleine kantige Küste zurückgelassen hatte, und ich muss ehrlich zugeben, dass ich kurz davor war umzukehren.

Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal gewesen. Ein paar Tage nach meiner Ankunft auf diesem seltsamen neuen Land hatte ich genug übers Herstellen gelernt, um – praktisch aus Versehen – ein Boot ähnlich wie das, in dem ich gerade saß, zusammenzuschustern. Damals war ich so unerfahren und erschöpft und wild darauf, der Insel so schnell wie möglich zu entkommen, dass ich Hals über Kopf zum Strand rannte und in Richtung Horizont drauflospaddelte.

Diese unüberlegte Aktion hätte mich beinahe zum Verschollenen gemacht.

Diesmal – eine gefühlte Ewigkeit später – war ich fest entschlossen, denselben Fehler nicht noch einmal zu machen. Eine ganze Woche hatte ich damit verbracht, Proviant und Ausrüstung für die lange Reise vorzubereiten. Ich hatte eine Menge Nahrung eingepackt, Werkzeug und Rohmaterial zur Herstellung, und das Wichtigste: Hilfsmittel zur Navigation wie einen Kompass und eine fast leere Karte. Ich sage »fast«, weil meine kleine Insel ganz am östlichen Rand erschien … und zwar buchstäblich. Kaum hatte ich das Papier der Werkbank entnommen, breitete sich auf der zuvor bräunlichen Oberfläche das perfekte Abbild meiner Insel aus der Vogelperspektive aus.

Sogar ich war darauf zu sehen, dargestellt durch einen kleinen weißen Pfeil, der sich mit mir bewegte und drehte. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war. Das ist toll, dachte ich. Mit Karte und Kompass kann ich mich jetzt nicht mehr verirren!

Dank der Anleitung aus der Mine wusste ich, wie man eine Karte erweitert, indem man das Original mit acht Bögen Zuckerrohrpapier umringt. Diesen Vorgang hatte ich so oft wiederholt, bis die Insel nur noch ein kleiner, braun-grüner Fleck umgeben von einem dünnen, blauen Ring war. Der Rest blieb frei. Mein Stück Land wirkte in dieser riesigen unerforschten Welt winzig. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich gefühlt habe – ängstlich und aufgeregt zugleich. Was wohl da draußen ist?

Nun, ich würde noch ein paar Wochen warten müssen, bis ich es herausfand. Denn so lange dauerte es, mein erstes Buch zu schreiben. Ich wollte es hier zurücklassen – für andere, die mein Schicksal teilten. Es war ein Bericht all meiner Abenteuer und der Lektionen, die ich aus ihnen gelernt hatte. Die letzte dieser Lektionen war diejenige, die mich zurück aufs Meer trieb:

Um als Mensch zu wachsen, darfst du es dir nicht in deiner Komfortzone gemütlich machen. Du musst aus ihr ausbrechen.

Damals klang das ziemlich cool. So mutig und wahr.

Der Satz ging mir immer wieder durch den Kopf, während ich mich von meinen Tieren verabschiedete, und auch noch, als ich in Richtung Westen davonruderte. Immer wieder drehte ich mich um, und die altbekannte Umgebung wurde immer verschwommener.

Kleiner und kleiner, genau wie auf der Karte. Zuerst verschwand die Ebene, dann der Hügel und mein auf dem Gipfel stehendes Haus und schließlich der Wachturm aus Bruchstein, der sich hoch hinaus bis in die Wolken erhob.

»Um als Mensch zu wachsen, darfst du es dir nicht in deiner Komfortzone gemütlich machen«, sagte ich laut und drehte mich zur untergehenden Sonne um. »Du musst aus ihr ausbrechen.«

Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz wiederholte – sowohl in meinem Kopf als auch laut, während die Sonne am Horizont versank, der Himmel dunkler wurde und der blasse Halbmond hinter mir aufging. Seine Form erinnerte mich an meine Insel, und kaum hatte ich den Gedanken gefasst, bekam ich Heimweh.

Ich zögerte.

Da draußen muss es irgendwo Land geben, sagte ich mir. Früher oder später wirst du etwas entdecken. Es war nicht Angst, die mich innehalten ließ. Jedenfalls redete ich mir das ein. Bloß nichts in der Dunkelheit verpassen. Zum Beispiel eine weitere Insel – ebenerdig und ohne Hügel. Vielleicht ist meine nur der Anfang einer Kette. Nur nicht zu schnell rudern, sonst verpasst du noch etwas.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, während ich mich unablässig umsah und besonders darauf achtete, nicht vom Kurs abzukommen. Der Kompass war hilfreich. Die rote Nadel zeigte getreu auf meinen ursprünglichen Spawnpunkt direkt hinter mir. Die Karte half ebenfalls. Je weiter ich vorankam, desto länger wurde die gerade blaue Linie, die sich wie von Zauberhand auf dem Papier abbildete. »Kein Land«, vermeldete sie stumm. »Noch nicht.« Kurz erwog ich, anzuhalten und den Sonnenaufgang abzuwarten. So würde mir in der Finsternis wenigstens kein Land entgehen. Ich muss zugeben, ich traute der Karte zu diesem Zeitpunkt noch nicht recht. Vielleicht unterschied sich die Sichtweite darauf von meiner? Und wenn ich nur ein winziges Stück weiter sehen kann, als mir die Karte anzeigt …

Etwa in dem Moment überschritt ich den Rand.

Also den Rand der Karte, nicht den der Welt.

Als ich sie das nächste Mal betrachtete, fiel mir auf, dass ich mich jenseits des Westrands der Karte befand. Mein interaktiver Pfeil war nur noch ein unbeweglicher Kreis. Aber wie lange schon? Wann hatte ich das letzte Mal nachgesehen? Ich hätte Entfernung und Zeit mit einberechnen müssen …

Was, wenn ich wirklich vom Rand der Welt gefallen war? War es nicht so, dass die Menschen meiner Welt – meiner echten, in der ich geboren wurde – einst glaubten, sie sei flach? Und gab es nicht bis heute irgendwelche Wirrköpfe, die immer noch darauf bestanden, obwohl es inzwischen, anders als hier, genügend Beweise dafür gab, dass sie rund ist? Überhaupt war hier so vieles anders: Schwerkraft, Körperfunktionen und sogar die Zeit; schließlich dauerte ein Tag nur zwanzig Minuten! Bei all den Unterschieden konnte es doch gut sein, dass dieser Ozean in einen gigantischen Wasserfall mündete, den ich womöglich erst entdecken würde, wenn es zu spät war!

Keine Panik, dachte ich bei mir. Ich mache einfach eine neue Karte.

Nur ging das hier nicht. Zur Kartenherstellung brauchte ich eine Werkbank, aber um sie aufzustellen, brauchte ich einen festen Untergrund. Außerdem würde eine neue Karte rein gar nichts bringen, dachte ich nervös. Die Karte zeigt mir nur die Gebiete an, die ich bereits erkundet habe, aber nicht, wohin ich gehe. Ich habe keine Ahnung, wohin ich gehe!

Schon wieder verirrt!

Andererseits hatte ich noch den Kompass. Obwohl mir die kleine Metallscheibe mehr Nach- als Vorteile verschaffte – und zwar mentale. Irgendwann hatte ich nämlich angefangen, die Nadel wie besessen anzustarren. Ich konnte förmlich hören, wie sie mich zurück nach Hause lockte.

»Na komm«, schien sie zu säuseln, »folge mir. Keine Unbekannten und kein Kopfzerbrechen mehr darüber, was dort draußen ist.«

Ich versuchte wirklich, nicht an meine Insel, meine gemütliche kleine Hütte und mein bequemes Bett zu denken.

»Folge mir«, drängte mich der Kompass. »Ich führe dich geradewegs zurück in Sicherheit. Es ist so leicht. Mach schon!«

Der einzige Weg, diese Gedanken in Schach zu halten, war, sie weit hinter mir zu lassen. Ich wusste, wenn ich jetzt anhielt, würde ich umkehren. Und genau wie meine letzte Lektion mich dazu bewegt hatte, diese Expedition zu beginnen, trieb mich meine erste voran.

Weitermachen. Niemals aufgeben.

Daran hielt ich mich. Ich versuchte, mich aufs Jetzt zu konzentrieren. Auf die stetig plätschernden Geräusche der Ruder und das, was meine Augen sahen.

Plötzlich schoss etwas an mir vorbei. Etwas Schwarzes, inmitten winziger weißer Schaumwürfel. »Nur ein Tintenfisch«, sagte ich laut, um mich zu beruhigen. »Meeresmonster gibt es nicht.«

… jedenfalls ist dir bisher keins begegnet.

Flache Welt.

Meeresmonster.

»Folge mir einfach nach Hause«, spottete der Kompass.

Als endlich der Mond unterging und die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages meinen Rücken wärmten, hatte ich noch kein einziges Stückchen Land entdeckt.

»Nichts?«, rief ich der großen blauen Fläche zu. »Ernsthaft? Gar nichts?«

Es gab keinerlei Aussicht auf Rettung, wie etwa der Unterwasserberg, dessen Spitze meine Insel war. Nichts. Keiner der zahlreichen Hügel, die sich vom Meeresboden erhoben, erreichte auch nur im Entferntesten die Wasseroberfläche. Hier gab es nicht einmal ein vertrocknetes Riff, auf dem ich hätte Rast machen können.

»Weitermachen. Niemals aufgeben«, spornte ich mich an.

Aber wie lange noch? Wie sollte ich gleichzeitig meine eigenen Zweifel und die spöttische Stimme des Kompasses ertragen?

Vielleicht bringt es etwas, wenn ich ein kleines Stück zurückfahre. Nicht wieder nach Hause, aber denselben Weg zurück, um nachzusehen, ob mir nicht doch etwas entgangen ist.

Weitermachen.

Was ist denn so schlimm daran, wieder zur Insel zurückzukehren? Ein paar Tage ausruhen, um eine andere Richtung einzuschlagen …

Niemals aufgeben.

Es gibt immerhin drei andere Richtungen. Das sind drei Chancen, doch noch etwas zu finden. Das wäre kein Aufgeben, sondern nur ein Neubeginn, ein Neustart, neu …

Kälte.

Das Gefühl änderte alles.

Völlig in Gedanken versunken, war ich wie automatisch weitergerudert. Langsam, aber stetig. Und die kurze Strecke hatte ausgereicht, um mich in einen Bereich zu manövrieren, in dem die Luft kühler war.

»Brr«, machte ich, während mir die Kälte den Rücken hinaufkroch.

Ich hörte auf zu rudern und sah mich aufmerksam um.

War vielleicht gerade eine neue Jahreszeit angebrochen? Gab es in dieser Welt überhaupt Jahreszeiten? Und falls das hier das erste Anzeichen für den anbrechenden Herbst war, kam er nicht aus der falschen Richtung?

Mein Gesicht fühlte sich deutlich kälter an als mein Nacken. Die Seiten meines eckigen Kopfs waren ebenfalls kühl. Das bedeutete, dass die plötzliche Temperaturveränderung weder aus Norden noch aus Süden kam – sondern direkt von vorne, aus Westen. Wie ist das möglich? Verändert sich das Klima nicht von Norden nach Süden?

In meiner Welt vielleicht, aber nicht hier.

Wieder musste ich an eine meiner Insel-Lektionen denken: Nur weil Regeln für dich keinen Sinn ergeben, heißt das nicht, dass sie gar keinen Sinn ergeben.

»Also nach Westen«, sagte ich und begann erneut zu rudern. Langsam, um bloß nichts zu verpassen. Ich musste mir ganz sicher sein, dass mich mein Gefühl nicht trog.

Und tatsächlich behielt ich recht.

Je weiter nach Westen ich fuhr, desto kälter wurde es. An einer Stelle hielt ich kurz inne, weil sich mein Gesicht plötzlich wieder anwärmte.

Bin ich daran vorbeigefahren?, fragte ich mich. War es vielleicht doch nur ein komisches Wetterereignis, das Polarluft in diese Gefilde treibt? Nein. Es war die Sonne, die inzwischen so weit gewandert war, dass sie nun direkt vor mir am Himmel stand. Doch kaum begann ich wieder zu rudern, schlug mir ein neuerlicher Temperatursturz entgegen.

Ich ruderte den ganzen Tag und hielt nur einmal an, um eine gebackene Kartoffel zu verspeisen. Wenigstens blieben sie in dieser Welt ewig warm – eine hilfreiche Tatsache, die ich nur zu gern ausnutzte, denn mit der sinkenden Sonne schwand auch das letzte bisschen Wärme, und mir wurde kalt.

Meine Zähne klapperten, und ich wünschte mir, ich könnte meine Hände anhauchen oder wenigstens aneinanderreiben. Es war lange her, dass ich mir zum letzten Mal Gedanken um angemessene Kleidung gemacht hatte. Meine Rüstung taugte zwar bestens zum Schutz gegen Monster, aber in dieser Eiseskälte stellte ich schnell fest, dass die aufgemalten Klamotten darunter nichts als Deko waren.

Hätte ich doch nur einen Pulli eingepackt, dachte ich bei mir, während der kalte Wind mir eine Gänsehaut verschaffte. Wenn ich nur wüsste, wie man einen herstellt.

Vielleicht besaß ich bereits die erforderlichen Materialien für warme Kleidung. Jedenfalls hatte ich Wolle und Spinnenseide dabei. Vielleicht eins davon, oder beides kombiniert … Wieder hielt ich an und versuchte, die Gegenstände auf alle möglichen Arten zu kombinieren.

Dumme Idee. Nicht nur konnte ich keine Winterkleidung herstellen, der Stillstand beraubte mich auch noch jeglicher Wärme, die mir die Anstrengung des Ruderns beschert hatte. Außerdem hätte ich mehr auf die Sonne achten müssen. Nicht nur wegen ihrer wärmenden Strahlen, sondern vor allem wegen des Lichts.

Finsternis umfing mich, und ich erkannte kaum noch etwas. Ich musste langsamer werden, um nichts zu verpassen.

»Nur nicht … an die Kälte denken …« Ich bibberte vor mich hin, während mir die Nacht jegliche Wärme zu entziehen schien.

Meine Finger kribbelten, die flachen Ohrmuscheln waren bereits taub, und mein Kiefer schmerzte, die Muskeln verkrampft und steinhart.

Nicht an die Kälte denken. Konzentriere dich. Halte die Augen offen und suche nach …

Land?

Da vorn war etwas – etwas Dunkles, Massives, das die am niedrigsten stehenden Sterne verdeckte.

»LAND!«

Ein Hügel, genau wie der auf meiner Insel. Nein, es waren gleich mehrere, deren Umrisse sich deutlicher abzeichneten, je näher ich kam, und sie alle waren weiß. Schnee! Das war bestimmt Schnee!

»Ha!«, rief ich triumphal und wedelte wild mit den Rudern. »Endlich!«

Vor mir lagen also Hügel – eine ganze Kette, die sich von einem Horizont zum anderen erstreckte. Aber die Landschaft war nicht völlig weiß – hier und dort verdeckten dunkle Blöcke die Schneedecke.

Ist das ein Baum?

Ich erkannte erst einen, dann mehrere, die einen flachen, blassen Strand zierten.

»Ja!«, rief ich erfreut. »Es sind Bäume! Da ist wirklich Land! Ich habe es geschafft! Ich bin gerettet, ich …«

Vor lauter Aufregung achtete ich nicht auf das, was direkt vor mir lag. Mein Blick war so starr auf das rettende Land gerichtet, dass ich die Farbveränderung im Wasser nicht wahrnahm. Mir entging völlig die hellblaue Kruste, die sich von der Küste aus in meine Richtung erstreckte.

Rumms!

Das Boot krachte gegen irgendetwas und zerschellte. Ich stürzte ins Wasser und sank sofort nach unten.

Eisig!

Du kennst das Gefühl bestimmt. Diese erste Millisekunde nach einem Sprung ins Meer oder einen See oder einen Pool, von dem du dachtest, er sei geheizt, und dann feststellst, dass du dich geirrt hast. So ging es mir, während ich in Schockstarre weiter nach unten schwebte.

Endlich fing ich mich, zappelte ein wenig und stieß einen stummen Schrei aus, während ich hastig in Richtung Oberfläche schwamm … und mir an irgendetwas den Kopf stieß.

Das hellblaue Wasser war hart.

Eis!

In Panik schlug ich auf die Blöcke ein. Winzige würfelförmige Risse taten sich auf, um gleich darauf wieder zuzufrieren.

Wo war der Rand?!

Verzweifelt sah ich mich in der Dunkelheit um, schwamm erst hierhin, dann dorthin, wie ein gefangener Fisch. Meine Lungen brannten. Luftblasen stiegen mir aus dem Mund.

Ich konnte es nicht fassen. Ertrinken, schon wieder, und der mir nur allzu vertraute Kampf in Richtung Oberfläche.

Über mir funkelten die Sterne, und ich drückte das Gesicht gegen das Eis.

Luft …

Ich kam nicht durch!

KRACK! Endlich ein Riss, im selben Moment, als mich mein letzter Atemzug verließ.

Dann Schmerzen, klar und grausam. Und mit ihnen Klarheit.

Panik vernebelt die Gedanken.

KRACK! Ich hatte nur noch Sekunden, aber die nutzte ich.

Ich nahm die Eisenspitzhacke vom Gürtel.

KRACK!

Ich schlug aufs Eis ein, und endlich gab es nach.

KRACK! KLIRR!

Die harte, glitschige Oberfläche zerschellte.

»Haaaaaahhhhh.« Ich atmete tief und keuchend ein.

Für eine Sekunde stand ich einfach da, weil es mir die Regeln dieser Welt nicht gestatteten, mich hinzulegen. Ich zitterte vor Schmerzen, zu benommen, um auch nur geradeaus sehen zu können.

Gute, alte Superheilung. Ein auf ewig geschätztes Geschenk. Während sich meine Lungen erholten und meine nach Sauerstoff gierenden Hirnzellen den Betrieb wieder aufnahmen, spürte ich, wie der Hunger den nachlassenden Schmerz ersetzte.

Dank der Eigenheiten dieser Welt waren das Essen und ich sofort wieder trocken! Brot, frisch gebacken, wenn auch nur warm statt heiß. Nicht ausreichend, um die Kälte zu vertreiben.

Wie heißt das noch gleich, wenn einem so kalt ist, dass man träge wird … Hypertherm? Hypo…irgendwas?

War es schon so weit? Wie würde es sich anfühlen zu erfrieren? Ich meinte, mich vage zu erinnern, dass man kurz vor dem Tod trügerische Wärme spürt.

Was bedeutet, dass es mir noch gut geht, dachte ich, während ich zittrig einen Bissen nach dem anderen nahm. Selbst wenn, kann es so schlimm nicht sein.

Aber was, wenn ich krank werde?!

Wem kalt ist, der erkältet sich, und im Winter passiert das doch jedem früher oder später! Schließlich ermahnen die Eltern meiner Welt ihre Kinder nicht umsonst, sich warm anzuziehen, ehe sie im Schnee spielen gehen. Was würde ich mir wohl einfangen? Welche Krankheiten lauerten hier auf mich?

Auf meiner Insel hatte es keine gegeben, aber dieses Stück Land war mir völlig unbekannt! Genauso war es doch auch in meiner Welt gewesen, oder? Forscher hatten sich auf den Weg gemacht, neue Länder zu entdecken, und neue Krankheiten gefunden … und mitgebracht. Manche hatten ganze Zivilisationen ausgerottet, weil sie Seuchen eingeschleppt hatten, welche die Körper der Ureinwohner nicht kannten. Aber was bedeutete das für mich? Was, wenn es in diesem Landstrich eine neue Krankheit gab, gegen die sich mein zitternder, geschwächter Körper nicht wehren konnte? Was, wenn sie wie Spinnengift wirkte oder wie der Trank einer Hexe oder so war wie die furchtbaren Magenschmerzen, die ich mir eingehandelt hatte, indem ich rohes Hühnchen aß?

»Konzentration«, murmelte ich laut und verschluckte den letzten Bissen meiner superheilenden Nahrung. »Ruhig bleiben.«

Ich atmete einige Male tief durch und entspannte die Muskeln, um der Panikspirale zu entkommen.

»Panik v-v-vernebelt die Gedanken«, stammelte ich zähneklappernd und sprang umher, um mich aufzuwärmen. Es funktionierte, zumindest ein wenig. Jedenfalls hatte ich genug Wärme generiert, um einen neuen stechenden Schmerz in den Zehen wahrzunehmen. »So ist es gut«, sprach ich mir zwischen tiefen Atemzügen Mut zu. »Nur nicht aufgeben.« Ich sprang und rannte im Kreis, bis ich meine Nasenspitze wieder fühlte.

»Ganz ruhig.« Langsam atmete ich ein und aus und spürte die ängstliche Anspannung aus den Gliedern weichen.

Mit der Ruhe kehrte auch die Klarheit zurück, und damit die Fähigkeit, sinnvolle Gedanken zu fassen – ein Prozess, den ich den »Weg des Würfels« nenne: Planen, Präparieren, Priorisieren, Praxis, Besonnenheit und Beharrlichkeit.

Priorisieren. Ich brauche einen Unterschlupf! Um mich aufzuwärmen und – wenn die Nächte hier genauso waren wie auf meiner Insel – um Monstern zu entk…

»Grraaahh.«

Ein altbekanntes Gurgeln in der Ferne.

Oh nein!

KAPITEL 2

Ich kannte das Geräusch – dieses blubbernde, knirschende Grollen. Ich wirbelte herum und suchte den Strand ab. Da war er. Seine torkelnde Silhouette zeichnete sich schwarz vom Schnee ab.

»Grraaahh!«

»Tolles Empfangskomitee«, murmelte ich und griff nach Schwert und Schild.

»Grraaahh.« Erhobene Arme. Lebloses Gesicht.

Hoffentlich sind diese Zombies nicht stärker als die auf meiner Insel.

Waren sie nicht. Jedenfalls dieser hier nicht. Ein einziger Hieb mit dem schimmernden Diamantschwert warf das Monster so heftig zurück, dass es übers Eis schlitterte.

»Guter Anfang«, sagte ich und stürmte für den zweiten Angriff voran.

Ich will ja nicht angeben … okay, doch, vielleicht ein bisschen. Falls du mein erstes Buch nicht gefunden hast, sage ich dir an dieser Stelle, dass ich genug der hirnlosen Kreaturen erledigt hatte, um zu verhindern, dass Frostgesicht hier mich auch nur mit einem seiner verrottenden Finger berühren konnte. Ein paar Hiebe, ein letzter Schnitt und Puff, schon war nichts als ein Stück müffelndes Fleisch von ihm übrig.

Nicht zu glauben, dachte ich bei mir und hob das Aas auf, dass es Zeiten gab, in denen ich so ausgehungert war, dass ich mich von diesem Zeug ernährt habe.

»War’s das?«, rief ich den weißen Hügeln zu. »Mehr habt ihr nicht zu bieten?«

WUPP!

Der Pfeil traf mich mitten zwischen die Schulterblätter und warf mich nach vorn.

KLICK

Klick-KLACK.

In dem Moment, als ich mich umdrehte, blieb ein weiterer Pfeil in der Stirnseite meines Diamanthelms stecken. Der Schütze, ein Skelett, legte bereits das nächste Geschoss an, als ich den Schild hob.

Kein Problem, dachte ich und berechnete, wie viele Schüsse ich wohl blocken müsste, ehe ich in den Nahkampf übergehen konnte.

Fopp! Noch ein Pfeil, diesmal in der rechten Schulter.

Ein zweites Skelett – nein, zwei weitere standen ein Stück entfernt am Strand.

Dann …

»Grraaaaaaahhhhh …«

»Sssssp!«

Klick, KLiCK, KLICK

Wie wild drehte ich mich um die eigene Achse, um die gesamte Szenerie zu erfassen.

Sie hatten mich umzingelt. Zombies, Skelette und Furcht einflößende Spinnen mit roten Augen, die in der Nacht funkelten.

Wie hatte ich nur so sorglos und arrogant sein können? Monster spawnten auf dunklem Land, und hier gab es mehr davon, als ich je gesehen hatte!

Wie hatte ich das nur so schnell vergessen können?!

Zu viel Selbstvertrauen kann ebenso gefährlich sein wie gar keins.

KLICK

»Ssssp.«

»Grraaahh.«

LAUF!

Ich hielt auf den einzigen Ausweg zu, den ich sehen konnte – eine schmaler werdende Lücke zwischen zwei herannahenden Zombies.

Ich wandte mich Richtung Inland, zu den Hügeln.

Wusch! Ein Pfeil sauste an meinem Ohr vorbei.

Im Zickzack!, riet mir mein vor Angst vernebelter Verstand.

Von rechts nach links flitzend führte ich das Manöver aus, das mich schon so oft gerettet hatte.

»Grraaahh!« Eine verrottende Hand griff nach mir. Ausweichen! Keine Zeit für Konter. Lauf, lauf, lauf!

Ich rannte zum Hügel mit dem flachsten Anstieg. Vielleicht gab es dort eine Höhle, oder meinetwegen auch einfach nur ein Loch, das ich hinter mir versiegeln konnte.

Hinauf! Über Erde und Felsen.

FOPP! Ein Pfeil bohrte sich in den Steinblock direkt neben meinem Kopf.

Ausweichen und gleichzeitig klettern ist schwierig.

Eine Zombiehand griff nach meinem Fuß.

Höher! Fast geschafft!

Das Zischen einer Spinne genau hinter mir.

Der Gipfel!

Oben angekommen ließ ich den Blick über die vor mir liegende Landschaft schweifen …

… um gleich darauf die wahre Bedeutung von Ironie zu erkennen.

Vor einer gefühlten Ewigkeit, als ich den Hügel auf der fremden Insel zum ersten Mal erklommen war, war es mein sehnlichster Wunsch gewesen, mehr Land zu entdecken. Ich hatte so darauf gehofft, an der Spitze eines Kontinents gelandet zu sein, anstatt auf einer Insel, die mir im riesigen Meer wie ein Staubkorn vorgekommen war. Jetzt wurde mein Wunsch wahr.

Eine eisige Tundralandschaft erstreckte sich bis zum Horizont. Ein endloses, weißes Ödland, mit vereinzelten Bäumen, nackten Felsen und beweglichen Gestalten, die höchstwahrscheinlich Monster waren.

Zu viel Land. Zu viele Gefahren.

Was tun? Wohin jetzt?

Ein Licht!

In der Ferne. Klar und hell. Kein Stern, dafür war es zu orange – fast rötlich. Vielleicht ein Haus?

Moment! Gab es hier etwa andere Menschen?!

»Grraaahh!«

Ich hatte keine Wahl. Hastig machte ich mich an den Abstieg Richtung Westen und tat mein Bestes, nicht auszurutschen. Gerade jetzt konnte ich einen verstauchten Knöchel nicht gebrauchen – Superheilung hin oder her. Ich hatte ja keine Zeit zum Essen. Aus allen Richtungen kamen Monster auf mich zu. Schnelle Spinnen, robuste Zombies und die ewig KLACKernden knöchernen Bogenschützen.

Dann …

Bisher hatte ich keine gesehen, aber das war natürlich kein Grund, sie nicht zu erwarten.

Sssss …

Ein Blitzen im Augenwinkel: ein Creeper, kurz vor der Explosion. Ich machte einen Satz zur Seite, und die Druckwelle erwischte mich mitten im Flug.

Wie eine Kanonenkugel wurde ich durch die Luft geschleudert und landete in einem flachen Graben. Meine Knöchel taten weh, die Ohren klingelten und die rechte Gesichtshälfte fühlte sich an, als würde ich einen Ofen umarmen.

Lauf weiter! Immer auf das Licht zu!

Doch wo war es hin? Durch die Explosion desorientiert und ohne die freie Sicht vom Hügelgipfel hatte ich es verloren.

Streng deinen Grips an!, ermahnte ich mich. Nicht in Panik geraten.

Langsam drehte ich mich auf der Suche nach dem Hügel um die eigene Achse. Er lag direkt hinter mir, was bedeutete, dass sich das Licht genau vor mir befinden musste.

Wieder lief ich los – anfangs humpelnd, doch dank Superheilung ging es bald besser.

Da war es wieder! Schon näher! Mit jedem Schritt wurde es größer.

Ein Pfeil schoss kaum einen Miniwürfel weit entfernt an mir vorbei. Noch ein Skelett, das in der Nähe eines einsamen Baums lauerte.

Weiter!

Ich wich mehr Pfeilen aus und hielt Ausschau nach Creepern.

Überall waren Feinde – selbst der Untergrund war mir feindlich gesinnt! Du hast richtig gelesen – auf und ab ging es über unebenes Terrain, Gräben und flache Hügel, und dann auch noch ein Fluss! Genau vor mir, am Grund einer Rinne.

Fopp! Ins Kreuz getroffen, purzelte ich ins unter mir liegende Eis.

Schon wieder Schmerzen. Und Hunger. Meine Superheilung war verbraucht. Ich rappelte mich auf, bereit, weiterzurennen, und hielt schlitternd an, als sich der Schnee vor mir plötzlich bewegte.

Es war ein großes, weißes Tier, das träge auf allen vieren vor sich hin schlurfte. Zuerst hielt ich es für … hm … eine arktische Kuh? Nein, zu groß. Außerdem waren die Ohren zu klein, die Nase zu schwarz und die Schnauze zu lang – fast wie die eines Hundes.

Ein Eisbär! Hatte ich vielleicht in dem Buch mit dem Titel Wilde Kreaturen von ihnen gelesen? Ich erinnerte mich nicht. Wahrscheinlich eher nicht. Den Abschnitt hatte ich bestimmt übersprungen, weil ich mir sicher gewesen war, ohnehin nie einem zu begegnen.

Nichts im Leben ist sicher!

Nun, selbst wenn ich das Buch nicht für andere Gestrandete auf der Insel zurückgelassen hätte, an dieser Stelle wäre mir ohnehin keine Zeit zum Lesen geblieben. Wenn dieser Fleischfresser so gefährlich war wie die rundere Variante in meiner Welt …

Der Bär drehte den Kopf in meine Richtung und starrte mich aus schwarzen Knopfaugen an. Ich tauschte Schwert gegen Bogen.

Mit einem Glückstreffer oder vielleicht auch zweien …

Ich legte an und zog die Sehne zurück. Unsere Blicke trafen sich.

Die Augen eines Säugetiers, wie die der Tiere, mit denen ich mich auf meiner Insel angefreundet hatte. Kühe und Schafe. Wärme und Gefühl las ich darin.

Nur weil jemand aussieht wie du selbst, ist er nicht automatisch ein Freund.

Der Bär regte sich nicht.

Ich spannte die Bogensehne.

»Okay«, hauchte ich, »ich will dich nicht umbringen, aber sterben will ich noch weniger … also wenn du nur den kleinsten Schritt in meine Richtung machst …«

WUPP!

Ein Pfeil schoss durch die eisige Nachtluft und bohrte sich in den massigen Bärenkörper.

Nicht meiner! Ich hatte den Bogen inzwischen gesenkt. Der Schuss kam von irgendwo hinter mir – von dem Skelett, das mich bis hierher verfolgt hatte.

»Brrrmm!« Der schneeweiße Gigant blitzte rot, wandte sich mir zu und rannte mit enormer Geschwindigkeit los.

»Hey, hey, hey!«, rief ich und ließ vor Schreck den Bogen fallen. »Das war ich nicht! Ich habe …!«

Doch da war er schon an mir vorbeigerauscht. Ein weiterer Pfeil traf sein Ziel, als sich das Tier auf die Hinterbeine stellte und auf das armselige Skelett stürzte.

»Wow«, wisperte ich und sah wie hypnotisiert zu, wie das arktische Raubtier seinen Peiniger mit unglaublicher Kraft pulverisierte.

Das hätte ich sein können …

Das Skelett war kaum verpufft, als sich der Bär wieder mir zuwandte.

»Hey, jetzt warte mal«, sagte ich und griff nach dem Bogen. »Wir zwei sind cool, oder? Du greifst nur an, wenn du dich wehren musst, richtig? Jedenfalls kamst du mir eben ziemlich neutral vor, und da du offensichtlich nicht bei bloßem Augenkontakt zuschlägst wie die gruseligen Endermen, kommen wir bestimmt super miteinander klar. Moment …« Ich durchsuchte meinen Rucksack nach Nahrung. Fressen Bären Gemüse und Gebäck?

»Hast du Hunger?«, fragte ich. »Heilst du dich auch mit Essen?« Ich steckte den Bogen weg und nahm eine Karotte zur Hand. »Tut mir leid, ich habe keinen Fisch oder Fleisch, aber …« Ich machte einen Schritt nach vorn und hielt dem Tier mein Friedensangebot hin. »Möchtest du sie haben?«

Vielleicht können wir Freunde werden, dachte ich. Genau wie Muh auf meiner Insel. Das wäre so cool! Mit diesem starken Kerl an meiner Seite könnte uns niemand etwas anh…

FFP.

FFP.

Zwei Pfeile blieben im Eis zwischen uns stecken.

»Vielleicht später«, rief ich über die Schulter und nahm die Beine in die Hand. Zwei neue Skelette klapperten über den Rand der Wasserrinne. Ich war bereits auf der anderen Seite angekommen und sah mich um. Eine Spinne, drei Zombies und ein stiller Creeper waren mir ebenfalls auf den Fersen.

Ich wollte mich lieber nicht darauf verlassen, dass mich der Bär noch einmal rettete. Der Pfeil war sicher ohnehin für mich bestimmt gewesen. Wieder einmal hatte ich keine andere Wahl, als auf das Licht zuzulaufen und zu hoffen, dass dort die Rettung wartete.

Die meisten Monster geben die Verfolgung üblicherweise nach einiger Zeit auf, und Zombies sind zu langsam, um mit mir mitzuhalten, wenn ich renne.

Ein Pfeil flog an meinem Gesicht vorbei.

Noch ein Skelett, diesmal zur Linken.

Moment, war das wirklich ein Skelett?

Es trug Kleidung. Besser gesagt, graue Lumpen, die ihm von den Knochen hingen. Schon wieder eine Überraschung …

Genau wie der Pfeil, der mich in die linke Ferse traf.

»Waaaaaas zuuuuum …«

Mit einem Mal wurde mir die Zunge schwer, und meine Muskeln verkrampften sich. Auf der Insel hatte mich einmal eine Hexe mit einem Trank der Langsamkeit getroffen. Der Effekt dieses Pfeils fühlte sich haargenau so an.

»Aaaach, mannoooo!«, lallte ich und versuchte, auszuweichen, während mich neue Pfeile in Hüfte und Arm trafen.

Schleppend bewegte ich mich vorwärts.

Ich hörte die Zombies näher kommen – nur wegen dieses komischen zerlumpten Skeletts. Hatte ich einfach Pech, oder arbeiteten die Monster neuerdings zusammen?

Ein weiterer Pfeil schoss an mir vorbei und blieb im Schnee stecken. Graue Bläschen stiegen von ihm empor.

Ausweichen, weiterlaufen, Augen geradeaus, immer auf das größer werdende Licht zu!

Fast da! Es schimmerte wie eine orangefarbene Wand, die höher reichte als jeder Hügel in der Umgebung.

Fackeln vielleicht?, fragte ich mich. Eine Burg? In dieser Welt voller Rüstungen und Schwerter erschien mir diese Möglichkeit jedenfalls nicht abwegig. Vielleicht war es eine Burg mit anderen Menschen wie mir! Bewaffnet, gerüstet und bereit, mich vor den finsteren Gefahren dieses gruseligen Kontinents zu beschützen!

Ganz bestimmt!, dachte ich und spürte Hoffnung in mir aufkeimen. Fast da …

Lava.

Ich war jetzt nahe genug, um zu erkennen, dass die grelle Wand nur ein Strom aus flüssigem Gestein war.

Ich hatte den ganzen gefährlichen Weg unter Beschuss zurückgelegt, nur um feststellen zu müssen, dass es sich bei dem orangefarbenen Licht um eine Art Vulkan handelte.

Ich sah mich nach meinen Verfolgern um.

»Nein, nein, nein«, seufzte ich, »was kann denn noch alles schiefg…«

Schon stürzte ich ab.

Direkt durch den Schnee!

Hinein in einen halb gefrorenen Teich am Boden eines schwarzen, schneebedeckten Lochs.

»Uff!«, grunzte ich, als ich sah, dass es keinen Ausweg gab. Außerdem war es stockfinster. Ich suchte die Tasche nach einer Fackel ab und wollte sie gerade an der Wand befestigen, als ich das Stöhnen und Zischen der näher kommenden Monster über mir vernahm.

GRABEN!

Es war kein bewusster Entschluss, sondern reiner Instinkt.

Oft genug hatte ich in der Vergangenheit meine Haut gerettet, indem ich einfach drauflosgegraben hatte. Zum Beispiel bei meinem allerersten Gefecht mit einem Inselzombie, oder das letzte Mal, als ich mich in der Mine von Monstern eingekesselt fand.

Graben, graben, graben!

Ich zückte die Schaufel und machte mich an der hart gefrorenen Erde zu schaffen.

Hinunter! Diagonale Stufen, immer weiter nach unten.

Ich verschloss die Öffnung über mir … und war in Sicherheit.

Auf der oberen Stufe platzierte ich eine Fackel und wandte mich dann zur Erdwand um.

»Nicht übel«, sagte ich laut, während sich meine Atmung beruhigte und meine Gedanken in Fahrt kamen. »Genau das wollte ich schließlich schon am Strand tun – einen Unterschlupf graben und bis zum Morgengrauen schlafen. Kein Problem.«

Nach einem erfrischenden Snack aus Karotten und Brot fing ich an, eine kleine Kammer auszuheben, die gerade genug Platz zum Stehen bot.

»Okay«, sagte ich und stellte das Bett auf. »Morgen verbrennen die Monster. Dann kann ich mir einen Überblick darüber verschaffen, wo ich bin.«

Ich schlüpfte unter das rote Laken und gähnte. »Schlaf ist genau das, was ich jetzt brauche. Körper und Geist ausruhen.« Ich spürte, wie mir die Augen schwer wurden. »Ein wenig Schlaf kommt mir jetzt gerade recht.«

Aber es ging nicht.

»Gaaaahh!« Ich hörte einen Zombie durch die Erde. Er befand sich offenbar nur wenige Blöcke über mir, und es kamen immer mehr Monster dazu. Ich hatte keine Ahnung, ob es sich dabei um meine Verfolger oder neue Monster handelte, aber den Geräuschen nach zu urteilen, fand dort oben eine regelrechte Party statt. KLACKern und Zischen wechselten sich mit dem fast lautlosen Gleiten der Creeper ab.

Können die auch, ohne mich zu sehen, in die Luft gehen?, fragte ich mich. Wenn es unterschiedliche Skeletttypen gibt, vielleicht lauern da oben ja auch andere Creeper.

»Sssp.« Das Zischen der Spinne jagte mir einen gehörigen Schrecken ein. Ich stellte mir rot glühende Augen vor, die mich wie Sensoren selbst durch die Decke erfassen konnten.

Beruhige dich und denk nach!

Wenn sie könnten, wären sie längst hier unten.

Mehr Gestöhne und Zischen.

Ich wusste, hier unten könnten sie mich nicht erreichen, aber trotzdem rief ich der Erddecke zu: »Ich kriegt mich nicht!«

»Gaaahh«, stöhnte ein Zombie, als wolle er mir antworten: »Mag sein, aber immerhin können wir dafür sorgen, dass du heute Nacht kein Auge zutust.«

»Das hättest du wohl gern!«, blaffte ich zurück. Ich sprang aus dem Bett und verstaute es wieder, ehe ich erneut die Schaufel zückte, um mich tiefer nach unten zu graben.

»Tiefer!«, rief ich den Monstern über mir zu. »Nur ein wenig tiefer, damit ihr Biester mir nicht mehr im Kopf herumspukt!«

Ich wusste genau, dass ich mir die Gefahr nur einbildete und mich in etwas hineinsteigerte. Umso sinnvoller erschien es mir, einfach tiefer zu graben, anstatt mir die ganze Nacht einen Kopf zu machen.

»Perfekt!«, flötete ich erfreut, als die Erde in Stein überging, und tauschte Schaufel gegen Spitzhacke. »Nicht einmal Creeper-Explosionen können mehrere Schichten solides Gestein durchdringen.«

Kurz darauf hatte ich einen Bunker ausgehöhlt. Ich versiegelte den Ausgang mit Bruchstein, befestigte einige Fackeln an der Wand, stellte das Bett auf dem harten Steinboden auf und kletterte hinein. Ich war in Sicherheit, und obendrein aufgewärmt von all der Arbeit. Ich verspeiste eine gebackene Kartoffel, um die verbrauchten Kalorien auszugleichen, und hätte mich sowohl körperlich als auch geistig nicht besser fühlen können.

Geschafft, dachte ich und kuschelte mich unter die Bettdecke. Ich habe neues Land entdeckt, bin einer Armee aus Monstern entkommen und kann endlich meine Suche fortsetzen.

Noch ein Gähnen, dann schlossen sich meine Augen.

Morgen wird ein guter Tag. Vielleicht finde ich ja sogar den Weg nach Hause …

KAPITEL 3

Kälte!

Schon wieder!

Sie war noch beißender als beim ersten Mal im Boot.

Ich erwachte zitternd und durchgefroren bis auf die Knochen.

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