Nicole C. Vosseler

Biographie

Nicole C. Vosseler wurde 1972 in Villingen-Schwenningen geboren und studierte nach dem Abitur Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und in Konstanz, wo sie heute – mit Blick auf den Bodensee – lebt. Mit ihrem Bestseller „Sterne über Sansibar“ gilt sie als Mitbegründerin des Love and Landscape-Genres und ist darüber hinaus erfolgreiche Autorin von Jugendbüchern. Ihre Bücher wurden bereits in acht Sprachen übersetzt.
Vosseler, die selbst einmal im Jahr eine Fernreise unternimmt und sich dabei gern als „Food-Ethnologin“ unter Beweis stellt, hat mit „Der englische Botaniker“ wieder eine neue Gattung definiert: den magisch-sinnlichen Abenteuerroman.

Foto: ©Jörg Brochhausen

Mit der Autorin haben wir ein Interview geführt, das wir für Sie unten auf dieser Seite platziert haben.

Alle Romane von Nicole C. Vosseler

Lesen Sie hier das Interview, das wir mit der Autorin geführt haben.



Interview mit Nicole C. Vosseler

1) Der englische Botaniker führt die Leser ins ferne China. Sie selbst haben das Land noch nicht bereist. Was genau hat Sie an dem Stoff gereizt?

Ein Botaniker aus England, der in der Verkleidung eines chinesischen Mandarins Teesetzlinge aus dem Land schmuggelt – das klang so unglaublich, dass ich sofort wusste: darüber muss ich schreiben, das will ich erzählen. Umso mehr, als dieser Botaniker uns von dort den Blauregen mitbrachte, farbenprächtige Päonien und das Tränende Herz, die Kumquat und die Kiwi.

Es war ein spannender Prozess, den historisch verbürgten Kern aus dem Leben und den Reisen Robert Fortunes herauszulösen und mit einer Wuxia-Geschichte zu verflechten, um daraus etwas Neues zu erschaffen: einen Abenteuerroman mit einer feminine Note, der ebenso Elemente eines historischen Romans enthält wie des magischen Realismus.

Diese Kombination aus verschiedenen Elementen und Ebenen sollte sich auch in der Schilderung des Schauplatzes widerspiegeln. Zwar ist das China im Roman an das China des 19. Jahrhunderts angelehnt, trotzdem sollte es ein magischer, fast mythischer Ort sein –im Einklang mit der Erzähltradition des Wuxia, aber auch mit der Wahrnehmung des viktorianischen Englands, die in den Aufzeichnungen des historischen Robert Fortune durchscheint. Ein Ort, der für den Robert Fortune des Romans die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen lässt.
 

2) Wenn Sie die Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse 2017 halten dürften: Was würden Sie der Branche und den Lesern als Erstes sagen?

Ich wünschte, ich wüsste jetzt schon, wie unsere Welt im Herbst 2017 aussehen wird.

Jetzt gerade, da ich diese Frage beantworte, fluten jeden Tag Meldungen und Bilder von Krieg und Terror in unser Leben. Von Unruhen und wachsendem Nationalismus, von Rassismus, Amokläufen und Gewalt. Und immer mal wieder stolpere ich über Auswüchse eines Sexismus, von dem ich überzeugt war, wir hätten ihn längst hinter uns gelassen. Momentan kommt mir die Welt ein gutes Stück hässlicher vor als noch vor ein paar Jahren – zumindest liegt diese Hässlichkeit gerade offen vor unseren Augen.

Mir ist bang dabei, und gleichzeitig gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass auch diese schwierigen Zeiten vorübergehen werden. Halt habe ich immer in Büchern gefunden. Eskapismus ist ein hässliches Wort, weil darin der Vorwurf der Feigheit mitschwingt – aber ich finde nichts falsch daran, in schweren Zeiten, wenn die Welt aus dem Lot geraten ist, in einer Geschichte abzutauchen.

Können Bücher die Welt besser machen? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Worte machtvoll sind. Ich würde mir wünschen, dass wir im Herbst 2017 zurückblicken und sagen können: wir haben es geschafft, wir haben diese Zeit überstanden.
 

 3) Ihr schönstes Erlebnis?

Da gab es so viele, im Laufe der Jahre: Zum ersten Mal bei der Geburt von Welpen dabei zu sein und sie dann in ihrem Wachsen und Werden zu begleiten. Sternschnuppen in Wüstennächten. Die Stille oben auf dem Dante’s View im Death Valley und das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit dort oben. Einem Baby-Elefanten in die Augen zu sehen und mit ihm zu spielen. Im Helikopter in die Rauchwolke eines Vulkans hineinzufliegen, ganz dicht über dem aktiven Krater, und das Glühen des Kraters in der Nacht, unter einem überwältigenden Sternenhimmel. Das erste Mal, seit ich angefangen habe, meine Höhenangst aktiv zu bekämpfen, ohne Panik in der Gondel eines Riesenrads zu sitzen. In der Kealakekua Bay auf Hawaii vom Boot aus ans Ufer zu schwimmen, zu dem Denkmal, das an den gewaltsamen Tod Captain James Cooks dort erinnert – etwas, von dem ich fast zwanzig Jahre lang geträumt hatte, seit der Arbeit an meinem allerersten Roman.
 

4) Was darf in Ihrer Handtasche nie fehlen?

Neben Geldbeutel, Handy, Schlüssel: Tempotaschentücher, Heftpflaster und eine Mini-Notfallapotheke. Notizbuch, Stifte und eine kleine Digitalkamera. Kaugummi, Schokolade und Taschenschirm. Noch nicht ganz auf dem Level von Mary Poppins, aber auch nicht allzu weit davon entfernt.