Was uns erinnern lässt

Was uns erinnern lässt

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh am Rennsteig im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Schon lange findet kein Wanderer mehr den Weg dorthin. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postauto noch Krankenwagen mehr dort hinauf. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen.
 
2017: Die junge Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser besondere Ort lässt sie nicht los, sie spürt Christine auf, um mehr zu erfahren. Die Begegnung verändert beide Frauen: Während die eine lernt, Erinnerungen anzunehmen, findet die andere Trost im Loslassen.

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Was uns erinnern lässt

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh am Rennsteig im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Schon lange findet kein Wanderer mehr den Weg dorthin. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postauto noch Krankenwagen mehr dort hinauf. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen.
 
2017: Die junge Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser besondere Ort lässt sie nicht los, sie spürt Christine auf, um mehr zu erfahren. Die Begegnung verändert beide Frauen: Während die eine lernt, Erinnerungen anzunehmen, findet die andere Trost im Loslassen.

Erscheinungstag: Fr, 01.03.2019
Erscheinungstag: Fr, 01.03.2019
Bandnummer: 100193
Bandnummer: 100193
Seitenanzahl: 400
Seitenanzahl: 400
ISBN: 9783959678056
ISBN: 9783959672474
E-Book Format: ePub oder .mobi

Dieses E-Book kann auf allen ePub- und .mobi -fähigen Geräten gelesen werden, z.B.
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Kati Naumann wurde 1963 in Leipzig geboren. In Sonneberg, im ehemaligen Sperrgebiet im Thüringer Wald, verbrachte sie einen Großteil ihrer Kindheit. Die studierte Museologin schrieb bereits mehrere Romane sowie Songtexte für verschiedene (…)

Kundenbewertungen

Gegenwart und Vergangenheit-gut verpackt - 15.05.2019 15:28:57 - Claudis Test- und Hobby-Ecke

Der Schreibstil ist sehr flüssig und spannend. Man kann diesem sehr gut folgen. Es gibt zwei Handlungsstränge. Auch diesen kann man gut folgen. Die Situationen und die Charaktere werden gut beschrieben und erklärt. Man fühlt sich in die Zeit um 1977 zurück versetzt und erlebt viel Deutsch-deutsche Geschichte. Man kann sich gut in die Familie hineinversetzen und erlebt mit Ihnen die Geschehnisse und Schikanen mit. Manchmal kann man es nicht fassen und bleibt fassungslos zurück.

Nach einigen Startschwierigkeiten dann doch noch gefesselt - 08.05.2019 18:24:17 - Buchmomente

Die Geschichte braucht lange, um in Fahrt zu kommen und mich dann auch zu fesseln. Manche Charaktere fand ich leider sehr überzogen und wenig authentisch, andere dagegen machten neugierig, weil sie etwas zu verstecken schienen. Das Thema der Zwangsumsiedlung fand ich sehr interessant, und hier habe ich tatsächlich auch einiges Neue erfahren. Insgesamt hat es aber lange gedauert, bis ich in der Geschichte richtig drin war, so dass ich knappe 4 von 5 Sternen vergebe.

Skandal im Sperrgebiet ... - 29.04.2019 12:40:15 - Isabel Rommel (engineerwife)

Schon als ich den Klappentext gelesen hatte, wusste ich, dieses Buch muss ich lesen. Was ich nicht wusste war, dass die bewundernswerte Schriftstellerin Kati Naumann hier einen Teil ihrer eigenen Vergangenheit aufgearbeitet hat, wohnten doch damals ihre Großeltern in genau diesem beschriebenen Grenzstreifen, dem Sperrgebiet an der deutsch/deutschen Grenze. Nachdem ich dieses Buch zugeklappt hatte war mir auch klar, dass man diese im Buch vorhandene Atmosphäre nur schaffen kann, wenn man auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Es ist schon ungeheuerlich, was dort hinter dem Stacheldrahtzaun für Schicksale entschieden wurden. Wie fast jeder jeden bespitzelte und viele auch mit Denunzierungen so gar nicht zimperlich waren.
Geschickt flicht Kati Naumann hier ein Band, das seinen Anfang bereits während des Zweiten Weltkriegs findet, sich schließlich durch die 50er und 60er Jahre schlängelt und in den 70er Jahr auf einmal in einem dicken Knoten endet. Das war einfach nicht richtig, die Zwangsumsiedlung, die Enteignung und der Hass, den die Dressels erfahren mussten. Was für ein Glück, dass Milla so hartnäckig ist, und was für ein noch größeres Glück, dass sie sich so gut mit Christine versteht. Gemeinsam arbeiten sie ihre Gefühle und Erfahrungen auf und schaffen es sogar, die restliche Familie mit ins Boot zu holen. Ich bin total begeistert von dem Buch und spreche ein unbedingte Empfehlung aus. Mal wieder durfte ich ein Stück Geschichte erfahren, das mir als Wessi und damals sowieso noch als junges, unbedarftes Mädchen, bisher verborgen geblieben war.
Übrigens ist auch Katis Mann kein Unbekannter. Sie ist nämlich mit dem Frontmann der Band „Die Prinzen“ – Tobias Künzel – verheiratet.

Unterhaltsamer Roman, den man nicht mehr weglegen kann... - 24.04.2019 13:44:27 - Kathrins Home

Alles in allem ein unterhaltsamer Roman, der sich an den Erinnerungen der deutschen Geschichte entlang hangelt, aber nicht den Anspruch auf ein Geschichtsbuch erheben möchte, sondern den Leser unterhalten will. Dies ist Kati Naumann meines Erachtens sehr gut gelungen und daher kann ich diese Roman-Neuerscheinung wirklich empfehlen.

Ein Blick in die Vergangenheit - 16.04.2019 16:30:39 - mrs rabes bookaccount

Milla begeistert sich für „Lost Places“. Bei einer Wanderung im Thüringer Wald stößt sie auf einen verschütteten Keller. Es sind die letzten Überreste eines ehemaligen Hotels, dass sich in der DDR Sperrzone befand. Milla nimmt Kontakt zu den verbliebenen Familienmitgliedern auf und begibt sich dadurch auf eine ganz besondere Reise in die Vergangenheit.
Kati Naumann erzählt in ihrem Roman Was uns erinnern lässt über den Irrsinn und die Willkür der DDR Diktatur und dem Leben von Betroffenen „danach“. In zwei Zeitsträngen – heute und damals – rollt sie die Geschichte der Familie Dressel auf, einst Besitzer des Hotels Waldeshöh. Sie erzählt vom Alltag im Realsozialismus, von Repressalien und widersinniger Bürokratie, aber auch vom Verlust des Zuhauses und den verzweifelten Bemühungen nach Wiedergutmachung. Es ist eine Familiengeschichte voller Höhe und Tiefen, von der Verbundenheit zur Natur und Heimat, von nicht rückgängig zu machenden Entscheidungen. Dabei bleibt das Buch gute und solide Unterhaltungsliteratur, das sich weitestgehend flott und flüssig lesen lässt, ein Stück Zeitgeschichte schicksalhaft verpackt.

Eine wundervolle Familiengeschichte! - 09.04.2019 23:24:46 - Booklove15_11.

Als erfahrener Leser merkt man schnell, hier hat die Autorin mit Herzensblut geschrieben und sehr gut recherchiert. Für mich war die Thematik neu und sehr informativ. Eine bewegende und berührende Familiengeschichte, die die Leser nach Kriegszeiten in die DDR mitnimmt. Wer solcher Bücher mag, soll es unbedingt lesen.

Skandal im Sperrgebiet ... - 09.04.2019 16:55:44 - Isabel (engi)

Schon als ich den Klappentext gelesen hatte, wusste ich, dieses Buch muss ich lesen. Was ich nicht wusste war, dass die bewundernswerte Schriftstellerin Kati Naumann hier einen Teil ihrer eigenen Vergangenheit aufgearbeitet hat, wohnten doch damals ihre Großeltern in genau diesem beschriebenen Grenzstreifen, dem Sperrgebiet an der deutsch/deutschen Grenze. Nachdem ich dieses Buch zugeklappt hatte war mir auch klar, dass man diese im Buch vorhandene Atmosphäre nur schaffen kann, wenn man auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Es ist schon ungeheuerlich, was dort hinter dem Stacheldrahtzaun für Schicksale entschieden wurden. Wie fast jeder jeden bespitzelte und viele auch mit Denunzierungen so gar nicht zimperlich waren.
Geschickt flicht Kati Naumann hier ein Band, das seinen Anfang bereits während des Zweiten Weltkriegs findet, sich schließlich durch die 50er und 60er Jahre schlängelt und in den 70er Jahr auf einmal in einem dicken Knoten endet. Das war einfach nicht richtig, die Zwangsumsiedlung, die Enteignung und der Hass, den die Dressels erfahren mussten. Was für ein Glück, dass Milla so hartnäckig ist, und was für ein noch größeres Glück, dass sie sich so gut mit Christine versteht. Gemeinsam arbeiten sie ihre Gefühle und Erfahrungen auf und schaffen es sogar, die restliche Familie mit ins Boot zu holen. Ich bin total begeistert von dem Buch und spreche ein unbedingte Empfehlung aus. Mal wieder durfte ich ein Stück Geschichte erfahren, das mir als Wessi und damals sowieso noch als junges, unbedarftes Mädchen, bisher verborgen geblieben war.
Übrigens ist auch Katis Mann kein Unbekannter. Sie ist nämlich mit dem Frontmann der Band „Die Prinzen“ – Tobias Künzel – verheiratet.

Ein Stück Vergangenheit - 29.03.2019 19:31:44 - Daniela

Für „Was uns erinnern lässt“ habe ich mich interessiert, da es in meiner unmittelbaren Umgebung spielt. Der Rennsteig, Sonneberg, Coburg etc. sind alles Orte, die nur einen Katzensprung von mir entfernt sind und so konnte ich mir die Umgebung sehr gut vorstellen.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart ist Milla, Sekretärin in einer Anwaltskanzlei, auf der Suche nach einem Lost Place für ihr Internetforum. Als ihr tatsächlich ein Fund gelingt, scheut sie allerdings davor, diesen publik zu machen. Sie kontaktiert die ehemaligen Besitzer und freundet sich schnell mit diesen an.

Parallel dazu wird die Geschichte der Familie Dressel erzählt, die mitten im Wald, in der Sperrzone der DDR leben. Dort sind sie allerhand Schikanen ausgesetzt. Allen voran, dass sie ihr Familienhotel nicht mehr eröffnen dürfen. Besuch zu empfangen ist nahezu aussichtslos und tägliche Passkontrollen stehen auf der Tagesordnung.
Es ist erschreckend, dass es solche Zustände vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich in Deutschland gegeben hat und es ist kaum vorstellbar, dass Leute gezwungen waren, ein solch isoliertes Leben zu führen.
Die Familie Dressel, insbesondere die Kinder, sind es jedoch nicht anders gewohnt und ertragen ihr Schicksal. Die Hauptsache ist, dass sie in ihrem Haus bleiben dürfen.

Die Handlung fokussiert insbesondere auf dem Familienleben. Kinder werden geboren, wachsen heran, heiraten selbst. Der Roman umfasst eine Zeitspanne von nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre, als die Dressels ihren geliebten Forst verlassen mussten und endet damit etwas abrupt.

„Was uns erinnern lässt“ ist ein ruhiges Buch, dass mich leider weniger berührt hat, als ich erwartet hatte. Ich hatte auf mehr Einblicke in das Leben in der DDR gehofft. Überwiegend ging es hier um private Familiengeschichten.
Der Handlungsstrang in der Gegenwart konnte mich auch nicht so richtig überzeugen. Es kommt mir nicht realistisch vor, dass man einer fremden Person, die an der Tür klingelt, so freigiebig seine ganze Lebensgeschichte erzählt.
Millas Sohn Neo mochte ich allerdings sehr gerne.
Für meinen Geschmack hätte alles ein wenig fesselnder, emotionaler sein können, deswegen vergebe ich nur drei Sterne.

Interessant und fesselnd - 28.03.2019 22:42:27 - nellsche

Im Jahr 1977 lebt die vierzehnjährige Christine in dem ehemals mondänen Hotel Waldeshöh im Thüringer Wald, direkt im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze. Ohne Passierschein darf hier niemand hinkommen. Es scheint so, als wenn die DDR das Hotel und deren Bewohner vergessen hat. 
2017 stößt die junge Milla im Wald, abseits der Wege, auf das alte Hotel Waldeshöh. Da dieser Ort sie nicht mehr loslässt, beginnt sie zu recherchieren und trifft dabei auf Christine. Die Begegnung verändert beide Frauen. 

Als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich das Buch lesen möchte. Auch das tolle und passend gestaltete Cover trugen dazu bei. 
Das Buch ließ sich leicht lesen und ich konnte sehr gut in die Geschichte eintauchen. Die Geschichte wurde in zwei Strängen erzählt, die ich bestens auseinanderhalten und somit den Abläufen und Geschehnissen prima folgen konnte. 
Die Charaktere empfand ich als authentisch und menschlich. 
Milla mochte ich sofort gerne. Ich konnte ihre Leidenschaft für ihr Hobby und das alte Hotel sehr gut nachempfinden. Ich hatte meine Freude dabei, sie zu begleiten und mit ihr in die Vergangenheit einzutauchen. 
Auch Christine wurde gut dargestellt, sie dass ich mich in sie hineinfühlen konnte und sie sympathisch fand. Man spürt, wie sehr sie an der Vergangenheit und dem Hotel hängt. Das war sehr schön und warmherzig. 
Die Geschichte selbst empfand ich sehr dicht und atmosphärisch. Ich bekam einen super Einblick in damals, fand das hervorragend recherchiert und anschaulich dargestellt. Alles wurde fesselnd beschrieben, sie dass ich neugierig am Buch hing. 

Ein toller Roman, den ich genossen und verschlungen habe. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Wiedergefundene Wurzeln - 25.03.2019 17:39:26 - Bibliomarie

In ihrer Freizeit sucht Milla nach „Lost Places“ und im ehemaligen Grenzgebiet der DDR, unweit des Rennsteigs macht sie eine sensationelle Entdeckung. Mitten im Wald findet sie Bauschutt und eine Falltür die zu einem Keller führt. Geschirr, Leinen, Silberbesteck – alles mit dem Namen Hotel Waldeshöh. Aber auch alte Schulhefte findet sie, mit den Namen Andreas und Christine Dressel.
Es gelingt ihr Christine ausfindig zu machen und sie erfährt von Dressels Forst und der Geschichte des Hotels und der Familie.
In Rückblenden erzählt die Autorin von der Kriegszeit und den Anfängen der DDR. Wie schwierig es für die Familie Dressel im Grenzgebiet wurde. Eingeschlossen im Sperrgebiet und immer von der Ausweisung bedroht werden die Jahre 1957 bis 1977 prägend für die Familienmitglieder. Kein Gang ins nächste Dorf ohne Passierschein, kein Spaziergang im umgebenden Wald ohne die ständige Angst auf Grenzbeamte zu treffen, abgeschnitten von der Umgebung hoffen die Dressels immer noch, das Haus zu erhalten, vielleicht als Ferienheim für den FDGB, zumindest als Heimat. Aber die Schikanen werden immer perfider, der Überwachungsstaat hat sich perfektioniert und schon lange ist Freundschaft keine Garantie mehr für Loyalität.
Diese Familiengeschichte ist warmherzig erzählt. Die Nachkriegszeit und die Geschichte der frühen DDR wird hier im Einzelschicksal lebendig. Dabei gelingt es der Autorin Gegenwart und Vergangenheit zu verschmelzen und ihren Hauptfiguren Milla und Christine so viel Leben einzuhauchen, dass ich meinte, sie sprechen und erzählen zu hören. Wie die beiden Frauen zu Freundinnen werden und wie sie gemeinsam an eine Zukunft von Dressels Forst glauben, gefiel mir außerordentlich gut. Dabei kommen sie Geheimnissen auf die Spur, die Familie bis ins Mark erschüttern.
Ein ruhiger dahinfließender Erzählstil passt zu diesem Roman, es ist anrührend, aber ohne falsche Sentimentalität geschrieben. Eine schöne und bereichernde Lektüre.

Das unbeschreibliche Gefühl von Heimat - 20.03.2019 19:19:55 - heidi_59

Ich bin begeistert !
“Was uns erinnern lässt” ist mein Lesehighlight für das erste Quartal von 2019 und für mich einer der schönsten Romane , die ich in letzter Zeit gelesen habe . Die Geschichte der Familie Dressel und ihrem Hotel Waldeshöhe im tiefen Thüringer Wald, wird mit so viel Wärme und Geborgenheit in jedem Satz , bildlich dargestellt und mit ganz viel Herz erzählt .
Die Liebe zur Heimat und zu den Menschen , ist greifbar, in jedem Wort spürbar . Ich war noch nie im Thüringer Wald, aber Kati Naumann hat es geschafft und “Dressels Forst” , mit all seinen Bewohnern aus ihrer wunderbaren Erzählung zu mir nach Hause gebracht . Es war ein wunderschönes und sehr emotionales Leseerlebnis für mich . Zu Gast bei den liebenswerten und trotz der Repressalien immer zufriedenen und glücklichen Dressels , in ihrem Hotel Waldeshöhe am Rennsteig , im tiefen Thüringer Wald . Einfühlsam und ohne viel Verschnörkelung , aber dafür mit ganz viel Atmosphäre , erzählt die Autorin die berührende Familiengeschichte, die mich sofort “gefangen genommen” hat und nicht mehr loslässt. Selbst Tage später kreisen meine Gedanken noch immer um diesen tollen Roman , der seinen wohlverdienten Platz bei meinen Herzensbüchern bekommt.


Sehr gerne vergebe ich für den intensiven Roman gute
5 Sterne
und eine unbedingte Leseempfehlung für alle die gerne Familiengeschichten lesen und sich für unsere Geschichte interessieren .

Dressels Forst - 19.03.2019 09:19:23 - Rabea

Puh ... wie rezensiere ich dieses Buch ohne zu viel zu verraten? Es hat mich gefesselt und mitgenommen. Es hat mir gezeigt, dass für mich die DDR unheimlich weit weg war, da wir keinen Bezug zu ihr hatten. Es hinterlässt ein Gefühl von Traurigkeit und Wut in mir zurück. Wut auf ein Regime, dass so etwas zulassen kann, Traurigkeit wegen der vielen Schicksale, die so ungerecht verlaufen sind.

Während des Lesens hatte ich ziemlich Probleme mit dem Alter der Figuren. Milla muss um die zehn Jahre jünger als ich sein und Christine um die fünf älter und doch hatte ich das Empfinden, dass beide wesentlich älter sind. Vielleicht liegt es an dem "Weit-Weg-Sein", was die DDR für mich bedeutet. Dass sie einfach nicht präsent in meinen Gedanken ist und für mich einfach ein Stück Geschichte ist.

Die Geschichte um das Hotel Waldeshöh und ihre Bewohner beginnt Anfang der 40er - mitten im 2. Weltkrieg. Das Hotel liegt am Rennsteig in Thüringen und an der Grenze zu Bayern. Neben der alten Direktorin Marie, die nur noch eine kurze Rolle spielt, sind es vor allen Dingen Johanna und Arno, mit ihren Kindern Werner und Elvira und später dann die Schwiegertochter Gerda und die Enkel, die die Geschichte des Hotel Waldeshöh erzählen. Das Band zieht sich aus dem 2. Weltkrieg bis zum dem verhängnisvollen Tag im Sommer 1977. Dem Tag, der bei der Familie Dressel nur noch als davor und danach genannt wird.

Milla erzählt die Geschichte der Gegenwart und wie sie auf das Hotel Waldeshöh aufmerksam wird und beginnt den Faden zu packen und die Geschichte aufzurollen.

Ich finde die Geschichte sehr gut erzählt, fesselnd, beeindruckend und hinterlässt in mir einen sehr nachhaltigen Eindruck.

Herzensbuch - 16.03.2019 09:06:52 - Martinas Buchwelten

Kati Naumann - diesen Namen muss ich mir merken, denn ihr nächstes Buch werde ich definitv lesen! Ein Roman über die Bedeutung von Heimat und ein packendes Zeitzeugnis deutsch-deutscher Geschichte. Wunderbar erzählt, einfühlsam beschrieben und vorallem ohne zu verurteilen. Wieder ein Roman, der mich einiges gelehrt hat und sicherlich noch lange in Erinnerung bleibt. Von mir gibt es 5 Sterne, den Lieblingsbuch-Status und eine absolute Leseempfehlung!

Ein bewegendes Stück deutsch-deutscher Geschichte - 08.03.2019 14:35:14 - kelo24

Das Hotel Waldeshöh, idyllisch gelegen am Rennsteig mitten im Thüringer Wald, befindet sich seit Generationen im Besitz der Familie Dressel. Um diesen Ort ranken sich die zwei Handlungsstränge des Romans, die in der Vergangenheit sowie der Gegenwart spielen.
Milla, alleinerziehende Mutter ohne familiäre Bindungen, liebt ihr Hobby: das Ausspüren von sogenannten „lost places“ , über die sie in ihrem blog berichten will. Beim Streifen durch den Thüringer Wald entdeckt sie eher zufällig die Falltür zu einem Keller, in dem die Zeit scheinbar eingefroren worden ist. Dabei fällt ihr auch ein Tagebuch eines Mädchens mit Namen Christine Dressel in die Hände. Es muss ein einschneidendes Erlebnis vorgefallen sein, dass Millas Neugier weckt.
Sie sucht und findet Christine Dressel, begibt sich mit ihr auf Spurensuche und deckt auch ein lange gut gehütetes Familiengeheimnis auf. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Gegenwartspart, der mir bis dahin zeitweise etwas langatmig vorkam, spannend zu werden. Durch Christines Erinnerungen kann man leicht an der Familiengeschichte teilhaben, da sie realistisch beschrieben und dadurch leicht nachvollziehbar sind.
In den Rückblenden erfährt man zunächst viel über das Leben im Hotel Waldeshöh ab 1945 und lernt dabei auch Hildes Großmutter Johanna kennen, die über die Kriegszeiten bis hin zur Teilung Deutschlands und Einrichtung der Sperrzone immer die Fäden in der Hand hatte und nie die Hoffnung aufgab, dass der Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden würde.
Christines Kindheit und Jugend in den 60-er und 70-er Jahren ist so lebendig beschrieben, dass man sie fast miterleben kann. Vieles, was einem heute merkwürdig vorkommt, war für sie Alltag: das Leben in der Sperrzone war mitunter sehr einsam, für Christine und ihre Geschwister war es aber Heimat und der Ort für viele Erinnerungen. Umso härter hat die Familie dann die Zwangsumsiedlung getroffen.
Kati Naumann hat hier ein Stück deutscher Geschichte sehr detailliert und einfühlsam wiedergegeben. Ich habe doch einige neue Informationen zu Zwangsumsiedlungen und dem Leben in Sperrgebieten erfahren. Das vorangestellte Interview zeigt gleich zu Beginn, warum die Autorin so viel Herzblut in diesen Roman gesteckt hat.
Milla und Christine, diese 2 starken, aber so unterschiedlichen Frauen, habe ich sehr gerne auf ihrer Reise in die Vergangenheit begleitet und miterlebt, wie beide ihr Seelenheil finden, jede auf ihre ganz eigene Weise, aber doch zusammen.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und *****

Erinnerungen - 03.03.2019 11:03:48 - Schnuck59

In „Was uns erinnern lässt“ erzählt Kati Naumann die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen, die in der Sperrzone lebte und umgesiedelt wurde.

Kati Naumann wurde 1963 in Leipzig geboren, ist Schriftstellerin, Autorin und war Museologin in einem Buch- und einem Musikinstrumentenmuseum. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig und London. Die Themen Thüringer Wald und Sperrgebiet haben sie durch den Wohnort ihrer Großeltern immer begleitet und das Schreiben war für sie wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit mit glücklichen Erinnerungen.

Der Roman ist in zwei Erzählsträngen geschrieben. Die Geschichte der fiktiven Familie Dressel im Hotel Waldeshöh im Thüringer Wald von 1945 bis 1977 und von Milla, die 2017 auf ihrer Suche nach „Lost Places“ den überwucherten Keller des ehemaligen Hotels entdeckt.
Der Schreibstil ist flüssig und gefühlvoll. Der Inhalt ist sehr gut ausgearbeitet. Die eingearbeiteten Erinnerungen und vielen Hintergrundrecherchen ergeben einen guten und atmosphärischen Einblick in die gesellschaftspolitischen und persönlichen Situationen. Kati Naumann hat viele unterschiedliche reale Details eingearbeitet, durch die ein Teil unserer deutsch-deutschen-Geschichte dargestellt wird. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, lebendig und authentisch.

Mir hat dieser Roman mit einem Stück unserer nahen Zeitgeschichte rund um das Leben in der Sperrzone, mit Erinnerungen und Gedanken zur Heimat sehr gut gefallen.

Erinnerungen - 03.03.2019 11:02:55 - Schnuck59

In „Was uns erinnern lässt“ erzählt Kati Naumann die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen, die in der Sperrzone lebte und umgesiedelt wurde.

Kati Naumann wurde 1963 in Leipzig geboren, ist Schriftstellerin, Autorin und war Museologin in einem Buch- und einem Musikinstrumentenmuseum. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig und London. Die Themen Thüringer Wald und Sperrgebiet haben sie durch den Wohnort ihrer Großeltern immer begleitet und das Schreiben war für sie wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit mit glücklichen Erinnerungen.

Der Roman ist in zwei Erzählsträngen geschrieben. Die Geschichte der fiktiven Familie Dressel im Hotel Waldeshöh im Thüringer Wald von 1945 bis 1977 und von Milla, die 2017 auf ihrer Suche nach „Lost Places“ den überwucherten Keller des ehemaligen Hotels entdeckt.
Der Schreibstil ist flüssig und gefühlvoll. Der Inhalt ist sehr gut ausgearbeitet. Die eingearbeiteten Erinnerungen und vielen Hintergrundrecherchen ergeben einen guten und atmosphärischen Einblick in die gesellschaftspolitischen und persönlichen Situationen. Kati Naumann hat viele unterschiedliche reale Details eingearbeitet, durch die ein Teil unserer deutsch-deutschen-Geschichte dargestellt wird. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, lebendig und authentisch.

Mir hat dieser Roman mit einem Stück unserer nahen Zeitgeschichte rund um das Leben in der Sperrzone, mit Erinnerungen und Gedanken zur Heimat sehr gut gefallen.

Was geschah mit Hotel Waldeshöh? - 03.03.2019 07:17:54 - Juno Dean

Wie kam ich zu diesem Buch?
Durch Zufall wurde ich auf das Buch bzw. die Autorin aufmerksam. Es ist das erste Buch von Kati Naumann, das ich lese.

Wie finde ich Cover und Titel?
Das Cover lässt auf eine Geschichte in der Vergangenheit und trifft damit voll ins Schwarze. Der Titel, joa, passt auch, klingt auf jeden Fall gängig.

Um was geht’s?
Auf den Inhalt gehe ich an dieser Stelle nicht allzu detailliert ein, den Klappentext könnt ihr ja selbst lesen, und eine Zusammenfassung des Buches muss ja nun nicht in die Rezension. Lasst euch aber gesagt sein, dass so einiges passiert im beschaulichen Thüringer Wald, in einer Zeit, in der eigentlich nichts beschaulich war. Die Szenen wechseln sich zwischen heutiger Zeit und der Vergangenheit, beginnend im Krieg bis in die Siebziger, ab. Die Nachkriegszeit war nicht wesentlich schöner als die Kriegsjahre. Die Angst war lediglich eine andere, aber Entbehrungen gab es genauso. Es ist eins dieser Bücher, die ich so liebe, in denen die Geheimnisse der Vergangenheit in der Gegenwart aufgedeckt werden, und das natürlich Stück für Stück. Die Story ist demnach wirklich spannend aufgebaut und hatte einige für mich echt überraschende Wendungen.

Wie ist es geschrieben?
Es handelt sich um einen Einzelroman, der also problemlos ohne Vorwissen und Cliffhangergefahr gelesen werden kann. Der Schreibstil ist flüssig und zügig zu lesen (Ist halt auch ein Pageturner.), der Ausdruck ist gewählt, aber leicht zu verstehen. Sehr gut gefällt mir, dass die Erzählperspektive und auch die Zeit wechselt, so bekommt man sehr viel aus verschiedenen Sichtweisen mit. Die Beschreibungen sind nicht zu ausschweifend, aber detailliert und bildhaft genug, um gleich in der Story zu sein. Hin und wieder hat der aufmerksame Leser einen kleinen Aha-Effekt, wenn vorher kleine Andeutungen plötzlich eine größere Bedeutung oder die Fäden zusammenlaufen.

Wer spielt mit?
Die Charaktere und deren Entwicklung sind gut gezeichnet. Ich habe sie nach und nach kennengelernt, ich habe mitgefiebert und mitgelitten. Diese Familie hat – ebenso wie viele andere zu dieser Zeit, in vergleichbaren Gegenden - so viel Leid erfahren, und dennoch versuchten sie zusammenzuhalten und ihr Schicksal gemeinsam zu meistern. Die Gegebenheiten konnte ich mir sehr gut vorstellen. Sie empörten und erfreuten mich gleichermaßen.

Mein Fazit?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, somit erhält es von mir 5 von 5 Sternchen und kann und wird guten Gewissens weiterempfohlen werden. Es wird nicht das letzte Buch der Autorin sein, das ich lese.

Endstation Hoffnung - 01.03.2019 20:48:26 - hasirasi2

73 Jahre hat Familie Dressel im Hotel Waldeshöh im Dressels Forst gewohnt. Das kleine Hotel mitten im Wald in der Nähe des Rennsteiges beherbergte zuerst gutbetuchte Kurgäste und bot im 2. WK Frankfurter Schülern einen sicheren Unterschlupf. Nach 1945 durften nur noch die Dressels dort wohnen. Das Haus lag jetzt in einer militärischen Sperrzone. Aber jede Woche putzten die Frauen der Familie die Gästezimmer in der Hoffnung, dass bald wieder Wanderer oder FDGB-Urlauber zu ihnen kommen. 32 Jahre lang. Bis 1977.

Als Milla 2017 auf dem Gebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf der Suche nach einem Lost Place (verlassenen Ort) eine unter Schutt begrabene Falltür entdeckt, kann sie nicht widerstehen und öffnet diese. Sie ist überrascht, als sie einen komplett eingerichteten Keller entdeckt und den Hinweis, dass er früher zum Hotel Waldeshöh gehörte. Sie findet u.a. Schulhefte von Andreas und Christine Dressel, die letzten sind auf 1977 datiert. Was ist damals passiert? Milla ist von dieser Frage und dem verwunschen wirkenden Ort so fasziniert, dass sie Christine ausfindig macht und von ihrem Fund erzählt. Aber Christine will den Ort nicht sehen: „Ich kann dort nicht mehr hin. Es ist noch in meinem Kopf, so wie es davor war. Und das will ich nicht ändern.“ (S. 85)

Abwechselnd erzählt Kati Naumann die Geschichte der Dressels von 1945 bis 1977 und Millas Bestreben, ihnen nachträglich zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Denn diese versuchen seit der Wende erfolglos, Dressels Forst zurückzubekommen. Obwohl Milla und Christine sehr verschieden sind – immerhin trennt sie eine ganze Generation und eine unterschiedliche Vergangenheit – verstehen sie sich gut.
Milla fühlt sich verloren, seit der Vater ihres Sohnes sie verließ. Damals fing sie an, Lost Places zu suchen. An ihnen fühlt sie, dass sie nicht die Einzige ist, die verlassen wurde. Außerdem sie trennt sie sich seither regelmäßig von Dingen, die sie nicht mehr braucht – auch von unliebsamen Erinnerungen.
Christine hingegen hat ein ganzes Zimmer voller Unterlagen der Familie, die bis 1904 zurückreichen. Ein Zimmer voller Andenken. „Ich glaub, ich könnte mit all diesen Erinnerungen nicht leben.“ „Und ich vermutlich nicht ohne sie.“ (S. 227)
Durch das gemeinsame Aufarbeiten der Familiengeschichte ändert sich ihre jeweilige Sicht auf das Leben und bringt ein lang gehütetes Geheimnis ans Licht.

Da ich selber in der DDR aufgewachsen bin, war ich sehr neugierig auf das Buch. Mir war bis jetzt nicht wirklich bewusst, dass die innerdeutsche Grenze am Rennsteig verlief und jahrzehntelang ein recht großer Teil militärisches Sperrgebiet war.

Von Beginn an entwickelt das Buch einen unglaublichen Sog. Kati Naumann schreibt sehr komplex und verwendet eine dichte Erzählsprache.
Ich war fasziniert von der Familiengeschichte, wie die Dressels all die Jahre allein da oben im Wald ausharren und hoffen, obwohl sie immer größeren Repressalien ausgesetzt werden. Am Anfang dürfen sie noch Besuch von Freunden bekommen, bald brauchen sie selbst einen Passierschein, um das Gelände zu betreten oder zu verlassen. Ihnen wird das Telefon abgestellt, der Krankenwagen darf nicht mehr zu ihnen hochfahren, die Post müssen sie sich 8 km entfernt im nächsten Ort abholen. Sie stehen unter der dauernden Beobachtung der Grenzsoldaten. Auf ihren jahrzehntealten Wegen werden Stolperdrähte gespannt, damit sie nur den Hauptweg benutzen. Sie hören nachts immer wieder Schüsse, hochgehende Mienen, Schreie – und wissen nie, ob es ein Reh erwischt hat oder einen Republikflüchtling. „Du kannst Niemanden halten, der nicht bleiben will. Nicht mit Liebe und auch nicht mit Stacheldraht und Tretminen.“ (S. 343)
Ich glaube nicht, dass ich das ausgehalten hätte.
Aber sie lieben ihren Wald. Dressels Forst ist ihre Heimat, ihre Wurzel. Sie leben sehr naturverbunden, halten zusammen und hoffen, dass sie das Waldeshöh wieder als Hotel betreiben können. Um diese Hoffnung und den Zusammenhalt habe ich sie beneidet.

Das Buch ist sehr emotional und aufwühlend. Ich hatte beim Lesen immer wieder Beklemmungsgefühle und musste es kurz aus der Hand legen, über das Gelesene nachdenken. Ich weiß nicht, ob ich so hätte leben können oder wollen. Allein im Wald, und doch gefangen, nur an einer Stelle ein Schlagbaum als Tor zum Rest der Republik.
Ihre Devise hieß: Nur nicht auffallen. Und trotzdem kam immer wieder die Angst hoch, dass man ihnen diese Heimat doch noch wegnimmt.
Ich habe mich beim Lesen an vieles erinnert, was ich zum Teil ganz hinten im Gedächtnis vergraben hatte – wie man sich verhalten musste, was man wem sagen durfte und was nicht, welche Kleidung in der Schule verboten war und welche ausdrücklich erwünscht. Nur die Westpäckchen kenne ich leider nicht aus eigener Erfahrung.

Sehr gefallen hat mir Kati Naumanns poetische Sprache. Einer meiner Lieblingssätze ist: „Sie schob ihre Füße unter das Laub, als wären es Wurzeln, und blieb für einige Zeit unbeweglich, wie einer der Bäume.“ (S. 13)

„Was uns erinnern lässt“ ist eines der Bücher, das noch lange in mir nachhallen wird. Eine sehr emotionale und poetische Geschichte über ein wichtiges Stück verdrängte DDR-Geschichte. #gegendasvergessen

Endstation Hoffnung - 01.03.2019 20:46:33 - nichtohnbuch

Von Beginn an entwickelt das Buch einen unglaublichen Sog. Kati Naumann schreibt sehr komplex und verwendet eine dichte Erzählsprache. Es ist sehr emotional und aufwühlend. Ich hatte beim Lesen immer wieder Beklemmungsgefühle und musste es kurz aus der Hand legen, über das Gelesene nachdenken.
„Was uns erinnern lässt“ ist eines der Bücher, das noch lange in mir nachhallen wird. Eine sehr emotionale und poetische Geschichte über ein wichtiges Stück verdrängte DDR-Geschichte.

Hochemotional und sehr interesssant - 01.03.2019 09:20:38 - hope23506

Der Schreibstil lässt sich flüssig, wenn man von der emotionalen Seite absieht, da die Geschichte einem so zu Herzen geht, lesen, ist sehr spannend und interessant geschrieben. Auch merkt man der Umsetzung des Themas deutlich an, wie genau und detailverliebt die Autorin recherchiert hat. Kati Naumann mach dem Leser auch auf eine erschreckend deutiche Art klar, wie sich das Leben dort im thüringer Wald zu der DDR Zeit abgespielt hat. Eine sehr bedrückende und hiflose Stimmung,die man spürt.

Erinnern at its best - 28.02.2019 13:12:17 - Felix Leibrock

Deutsche Mittelgebirge sind nicht nur Naturdenkmäler. Sie sind auch Orte der Ideengeschichte, der politischen Geschichte und emotionale Heimat. Dass das auch für den Thüringer Wald und den ihn überziehenden Rennsteig gilt, wird einem in Kati Naumanns Roman auf beeindruckende Weise deutlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht mit der Gründung der DDR direkt an der innerdeutschen Grenze ein Sperrgebiet, das das vorher beliebte Hotel Waldeshöh immer mehr in einen Dornröschenschlaf verfallen lässt. 40 Jahre später, im Jahre 2017, entdeckt die Mutter eines pubertierenden Jungen, die entlegene und verwunschene Ort hobbymäßig sucht (lost places), in fast archäologischer Manier den zugewachsenen Keller des Hotels, mitsamt Dokumenten. Wer waren die Menschen, die in dem Hotel früher gelebt haben? Was sind die historischen Zusammenhänge? Wo und wie leben die ehemaligen Betreiber des Hotels heute? Eine packende Familien-, Entdeckungs- und Heimatgeschichte nimmt ihren Lauf.
Kati Naumann versteht es, Geschichte anschaulich zu machen. Geschickt verknüpft sie zwei Handlungsstränge aus Vergangenheit und Gegenwart und baut so eine Spannung auf, die sich das ganze Buch über durchhält. Den Wald als Schauplatz schildert sie so empathisch und anrührend, aber auch unheimlich, dass ich mich an meine frühen Lektüreerlebnisse erinnert gefühlt habe (zum Beispiel Karl May, Das Buschgespenst). Faszinierend, wie die Autorin immer wieder die Wechselwirkung zwischen Wald und Mensch herstellt (S.51: „Arno sagte auch darauf nichts und blieb still. Und dann merkte Johanna, dass er nicht der einzige war, der schwieg. Der Wald rauschte nicht mehr.“). Überhaupt begeistern mich die sprachlichen Bilder, der souveräne Duktus des Buches, die Symbolik, zum Beispiel der karge und doch so vielsagende Satz über den aus dem Krieg mehr oder weniger stumm zurückgekehrten Familienvater: „Arno schien nicht nur der Anzug, sondern sein ganzes Leben zu groß geworden zu sein.“ (S.66).
Ein deutsch-deutsches Buch, das 30 Jahre nach der Grenzöffnung zeigt, wie unterschiedlich die Lebenswelten waren, die sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Deutschlands entwickelt haben. Vor allem, wie hart es war, wenn man zufällig dort wohnte, wo die Alliierten künstliche Grenzen zogen und Orte im Sperrgebiet der DDR dem Untergang geweiht waren. Was das für die Bewohner*innen bedeutete, wird in ergreifender Weise in diesem Buch deutlich. Für mich das bisher beste Buch im Jahr 2019.


ein Stück Zeitgeschichte - 26.02.2019 22:41:48 - Wiechmann Petra

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh am Rennsteig im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Schon lange findet kein Wanderer mehr den Weg dorthin. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postauto noch Krankenwagen mehr dort hinauf. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen.
2017: Die junge Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh.
Auf der Suche nach den ehemaligen Bewohnern trifft sie auf Christine, die beiden Frauen freunden sich an.
Kati Naumann erzählt die Geschichte der Familie Dressel in kleinen Episoden die das genaue Spiegelbild des Lebens in der ehemaligen DDR ist. Vor allem die Repressalien die die Familie ausgesetzt ist, nur weil sie im Grenzgebiet leben sind unvorstellbar.
In der Gegenüberstellung die Gegenwart: Milla sucht Lost Places und möchte mehr darüber heraus finden. Sie hilft den Erben eine Wiedergutmachung zu beantragen.
Der Teil des Buches das in der Vergangenheit spielt ist einfach mitreißend und ungeheuer berührend, denn die Familie wird nicht nur vorgestellt und ihr Schicksal erzählt, sondern wir Leser werden mitgenommen in den Wald, in das Leben, in die DDR und auch in eine Familie die von Zusammenhalt und Hoffnung getragen wird.
In der Jetzt Zeit finden wir uns selber wieder. Internet, pubertierende Kinder, der Stress Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Frau Naumann schafft es Stimmungen mit ihrer bildhaften Sprache zu erzeugen die in dieser Art sehr selten ist, dadurch ist dieses Buch mit Sicherheit ein Lesehighlight in diesem Jahr für mich.

Eine bewegende und nachhaltig anwirkende Geschichte - 26.02.2019 07:52:54 - Bea S.

Was uns erinnern lässt von Kati Naumann
Kati Naumanns Geschichte war für mich ein Highlight. Sie wird in zwei Handlungsträngen erzählt.
In der Vergangenheit lernen wir Christine und ihre Familie kennen. Die Geschichte spieltin den 70igern. Christine lebt in einem ehemaligem Hotel am Rennsteig im Thüringer Wald lebt. Die guten Zeiten sind längst vorbei und dort wo sich früher viele Gäste tummelten leben sie nun ein einsames Leben hinter Stacheldraht, direkt an der Grenze. Kein Wunder, liegt es seit der Teilung Deutschlands völlig abgeschotten von der Aussenwelt, mitten in einem Waldstück das nur noch mit Passagierschein betreten werden darf. Weit weg von allem, einsam und wie es scheint vergessen von allen.
In der Gegenwart findet Milla bei einem ihrer Streifzüge durch den Thüringer Wald einen alten überwucherten Keller und stösst dabei auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser Ort zieht sie magisch an, lässt sie nicht mehr los und so macht sie sich auf die Suche nach den damaligen Besuchern. Sie spürt Christine auf um mehr über die damalige Zeit zu erfahren und diese Begegnung führt dazu das sich nicht nur beide Frauen, sondern auch ihr Leben verändern.
Die Frauen lernen Erinnerungen anzunehmen, aber auch loszulassen.

Kati Naumanns Geschichte hat mich vom ersten Moment an mitgenommen und sie wirkt auch nachhaltig noch an.

Der Schreibstil war flüssig und mitreissend, das die Geschichte in zwei parallel laufenden Handlungssträngen erzählt wurde fand ich richtig gut. So konnte man sich gut in Christine reinversetzen und ihre Erinnerungen an die damalige Zeit nachvollziehen. Es war richtig bewegend zu lesen was die Familie damals mitmachte und wie es letztendlich kam das sie ihre Heimat nach vielen Jahren doch verlassen mussten, Eine Heimat die sie nie vergessen konnten und nicht vergessen wollten. Viele Erinnerungen kommen bei ihr hoch als sie mit Milla über die damalige Zeit spricht, aber auch viele Fragen auf die sie nie eine Antwort bekommen hat. Als Leser fühlt man sich mittendrinnen. Kathie Naumann, hat mir Bilder vor Augen gezaubert und der Handlungsstrang der in der Vergangenheit spielte hat mich sehr berührt. Er gab mir eine ganz andere Sicht auf die damalige Zeit und die Geschichte von Christine und ihrer Familie hat mich sehr bewegt.

Mit Milla wurde ich am Anfang nicht so recht warm, aber sie hat sich in meinen Augen im Laufe der Geschichte sehr verändert und man spürte das sie einfach nur alleine war, versuchte diese Einsamkeit mit dem Aufspüren von alten, in Vergessenheit geratenen Orte, zu entfliehen. Die Geschichte vom Hotel Waldeshöh hat sie vom ersten Moment an fasziniert und sie lies nichts unversucht die alten Bewohner zu finden. Das war dann auch der Anfang zu einer besonderen Zeit, der Beginn einer Freundschaft. Vielleicht spürte sie das sie von Christine gebraucht wurde und dieses Gefühl sorgte dafür das ihr eigenes Leben in eine andere Richtung ging, sie veränderte sich in kleinen Schritten und wurde mir immer sympathischer.

Im Laufe der Geschichte laufen die beiden Handlungsstränge ineinander über und gemeinsam versuchen die beiden Frauen herauszufinden wer letztendlich daran Schuld war das Christine und ihre Familie die Heimat verlassen mussten, aber auch die Besitzrechte des ehemaligen Familienhotels wieder zu erlangen. Das war jedoch nicht so einfach und ich hoffte immerzu das es den beiden Frauen gelingen würde das Projekt „Heimat“ erfolgreich zu Ende zu führen. Das Hotel Waldeshöh verbindet die beiden Frauen vom ersten Moment an und aus zwei fremden Frauen werden innerhalb kürzester Zeit Freundinnen. Sehr schön beschrieben, sie treffen aufeinander und man spürt von Anfang an das die beiden Frauen sich gegenseitig helfen ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Das Buch hatte Hand und Fuss und man spürte immerzu das die Autorin genau recherchiert hat. Die Gefühlswelt in der Christine damals mit ihrer Familie gelebt hat, kam bei mir an. Ich konnte mich in sie einfühlen, nachvollziehen und es war als würde ich alles mit eigenen Augen sehen. Für mich war es nicht nur eine Geschichte, als Kind der 70iger Jahre im Westen augewachsen, war es für mich teilweise wirklich unfassbar und unvorstellbar was ich gelesen habe. Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet und mich in eine ganz andere Welt geführt und das habe ich in dieser Art und Weise noch nicht erlebt. Die Einblicke die ich durch die Autorin mit auf den Weg bekommen habe waren für mich ziemlich wertvoll und sie wirken auch nachhaltig an.

Ich kann „Was uns erinnern lässt“ von Katie Naumann allen nur wärmstens empfehlen, eine Geschichte die einem die Vergangenheit näher bringt und zeigt das Erinnerungen Gold wert sind, aber auch das man sein Leben in der Gegenwart leben sollte.

Für mich ein Highlight und es bekommt verdiente fünf Sterne.

Endstation Hoffnung - 25.02.2019 17:20:25 - hasirasi2

73 Jahre hat Familie Dressel im Hotel Waldeshöh im Dressels Forst gewohnt. Das kleine Hotel mitten im Wald in der Nähe des Rennsteiges beherbergte zuerst gutbetuchte Kurgäste und bot im 2. WK Frankfurter Schülern einen sicheren Unterschlupf. Nach 1945 durften nur noch die Dressels dort wohnen. Das Haus lag jetzt in einer militärischen Sperrzone. Aber jede Woche putzten die Frauen der Familie die Gästezimmer in der Hoffnung, dass bald wieder Wanderer oder FDGB-Urlauber zu ihnen kommen. 32 Jahre lang. Bis 1977.

Als Milla 2017 auf dem Gebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf der Suche nach einem Lost Place (verlassenen Ort) eine unter Schutt begrabene Falltür entdeckt, kann sie nicht widerstehen und öffnet diese. Sie ist überrascht, als sie einen komplett eingerichteten Keller entdeckt und den Hinweis, dass er früher zum Hotel Waldeshöh gehörte. Sie findet u.a. Schulhefte von Andreas und Christine Dressel, die letzten sind auf 1977 datiert. Was ist damals passiert? Milla ist von dieser Frage und dem verwunschen wirkenden Ort so fasziniert, dass sie Christine ausfindig macht und von ihrem Fund erzählt. Aber Christine will den Ort nicht sehen: „Ich kann dort nicht mehr hin. Es ist noch in meinem Kopf, so wie es davor war. Und das will ich nicht ändern.“ (S. 85)

Abwechselnd erzählt Kati Naumann die Geschichte der Dressels von 1945 bis 1977 und Millas Bestreben, ihnen nachträglich zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Denn diese versuchen seit der Wende erfolglos, Dressels Forst zurückzubekommen. Obwohl Milla und Christine sehr verschieden sind – immerhin trennt sie eine ganze Generation und eine unterschiedliche Vergangenheit – verstehen sie sich gut.
Milla fühlt sich verloren, seit der Vater ihres Sohnes sie verließ. Damals fing sie an, Lost Places zu suchen. An ihnen fühlt sie, dass sie nicht die Einzige ist, die verlassen wurde. Außerdem sie trennt sie sich seither regelmäßig von Dingen, die sie nicht mehr braucht – auch von unliebsamen Erinnerungen.
Christine hingegen hat ein ganzes Zimmer voller Unterlagen der Familie, die bis 1904 zurückreichen. Ein Zimmer voller Andenken. „Ich glaub, ich könnte mit all diesen Erinnerungen nicht leben.“ „Und ich vermutlich nicht ohne sie.“ (S. 227)
Durch das gemeinsame Aufarbeiten der Familiengeschichte ändert sich ihre jeweilige Sicht auf das Leben und bringt ein lang gehütetes Geheimnis ans Licht.

Da ich selber in der DDR aufgewachsen bin, war ich sehr neugierig auf das Buch. Mir war bis jetzt nicht wirklich bewusst, dass die innerdeutsche Grenze am Rennsteig verlief und jahrzehntelang ein recht großer Teil militärisches Sperrgebiet war.

Von Beginn an entwickelt das Buch einen unglaublichen Sog. Kati Naumann schreibt sehr komplex und verwendet eine dichte Erzählsprache.
Ich war fasziniert von der Familiengeschichte, wie die Dressels all die Jahre allein da oben im Wald ausharren und hoffen, obwohl sie immer größeren Repressalien ausgesetzt werden. Am Anfang dürfen sie noch Besuch von Freunden bekommen, bald brauchen sie selbst einen Passierschein, um das Gelände zu betreten oder zu verlassen. Ihnen wird das Telefon abgestellt, der Krankenwagen darf nicht mehr zu ihnen hochfahren, die Post müssen sie sich 8 km entfernt im nächsten Ort abholen. Sie stehen unter der dauernden Beobachtung der Grenzsoldaten. Auf ihren jahrzehntealten Wegen werden Stolperdrähte gespannt, damit sie nur den Hauptweg benutzen. Sie hören nachts immer wieder Schüsse, hochgehende Mienen, Schreie – und wissen nie, ob es ein Reh erwischt hat oder einen Republikflüchtling. „Du kannst Niemanden halten, der nicht bleiben will. Nicht mit Liebe und auch nicht mit Stacheldraht und Tretminen.“ (S. 343)
Ich glaube nicht, dass ich das ausgehalten hätte.
Aber sie lieben ihren Wald. Dressels Forst ist ihre Heimat, ihre Wurzel. Sie leben sehr naturverbunden, halten zusammen und hoffen, dass sie das Waldeshöh wieder als Hotel betreiben können. Um diese Hoffnung und den Zusammenhalt habe ich sie beneidet.

Das Buch ist sehr emotional und aufwühlend. Ich hatte beim Lesen immer wieder Beklemmungsgefühle und musste es kurz aus der Hand legen, über das Gelesene nachdenken. Ich weiß nicht, ob ich so hätte leben können oder wollen. Allein im Wald, und doch gefangen, nur an einer Stelle ein Schlagbaum als Tor zum Rest der Republik.
Ihre Devise hieß: Nur nicht auffallen. Und trotzdem kam immer wieder die Angst hoch, dass man ihnen diese Heimat doch noch wegnimmt.
Ich habe mich beim Lesen an vieles erinnert, was ich zum Teil ganz hinten im Gedächtnis vergraben hatte – wie man sich verhalten musste, was man wem sagen durfte und was nicht, welche Kleidung in der Schule verboten war und welche ausdrücklich erwünscht. Nur die Westpäckchen kenne ich leider nicht aus eigener Erfahrung.

Sehr gefallen hat mir Kati Naumanns poetische Sprache. Einer meiner Lieblingssätze ist: „Sie schob ihre Füße unter das Laub, als wären es Wurzeln, und blieb für einige Zeit unbeweglich, wie einer der Bäume.“ (S. 13)

„Was uns erinnern lässt“ ist eines der Bücher, das noch lange in mir nachhallen wird. Eine sehr emotionale und poetische Geschichte über ein wichtiges Stück verdrängte DDR-Geschichte. #gegendasvergessen

Anspruchsvoller Roman über die Bedeutung von Heimat und Vergangenheitsbewältigung - 23.02.2019 11:15:28 - Furbaby_Mom

Kati Naumann hat ein wichtiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte aufgegriffen, indem sie mit dem Schicksal der (fiktiven) Familie Dressel nicht nur das alltägliche Leben im Grenzgebiet des geteilten Deutschland, sondern auch das Thema Zwangsumsiedlung zu elementaren Komponenten ihres Werkes gemacht hat. Behutsam und mit sehr persönlichem Bezug bringt die Autorin den Lesern Hintergrundinformationen näher, die auch Jahre nach der Wiedervereinigung einem Großteil der Bevölkerung sicherlich nicht bekannt sind oder deren Ausmaß vielen Menschen nicht bewusst ist. Dieses bewegende Werk zeichnet sich nicht nur durch ein unglaubliches Maß an Authentizität (– sowohl in Ausarbeitung der Figuren, Glaubwürdigkeit der Dialoge als auch des Lokalkolorits –) aus, sondern besticht zudem durch die unheimlich intensive Recherche, die der Story zugrunde liegt. Private Erinnerungen der Autorin sind ebenso in die fiktive Handlung eingewoben worden wie die Erlebnisse von Zeitzeugen. Bereits im vorangestellten Autoreninterview wird deutlich, wieviel Herzblut in die Aufarbeitung dieses Themas, das lange Zeit als Tabu galt, geflossen ist. – Menschen, die im Sperrgebiet lebten wurden besonders stark von der DDR-Regierung überwacht: viele von ihnen haben nicht nur jahrelang unter Schikanen gelitten, sie haben auch unverschuldet ihr Zuhause verloren, wurden zwangsumgesiedelt.

Hinsichtlich der Handlung spricht die Inhaltsangabe des Verlags für sich. Ich möchte nur so viel ergänzen: In diesem Roman, der zeitweise an Spannung jedem Krimi Konkurrenz machen könnte, steckt weitaus mehr als die Begegnung zweier Frauen (Milla und Christine), die sich gemeinsam daran machen, ein altes Familienrätsel aufzuklären, langersehnte Antworten zu finden, ein Unrecht anzuprangern und Frieden zu schließen – sei es mit der Vergangenheit oder ihren aktuellen Lebensumständen. Wir lesen von starken Frauen, Selbstfindung, der Sehnsucht nach Heimat, dem Wunsch nach Verbundenheit, der Wichtigkeit von Familie…zu einem Großteil vor dem Setting des Rennsteigs im Thüringer Wald, wo einst das mondäne Hotel Waldeshöh der ganze Stolz der Familie Dressel war. Auch die Frage nach dem Einfluss von Social Media auf unsere Selbstwahrnehmung wird angerissen. Erleben wir nur noch, um online darüber zu berichten? Definieren wir uns darüber, wie andere Menschen – Fremde? – uns wahrnehmen?

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen, die vom Jahr 1945 bis zur Gegenwart reichen. Ein großes Lob möchte ich der Autorin dafür aussprechen, wie es ihr gelungen ist, derlei unterschiedliche Handlungsstränge gekonnt abwechselnd aneinanderzureihen, dass sie nicht nur ein stimmiges Gesamtbild ergeben und einen tiefen Einblick in den Charakter der Figuren ermöglichen, sondern auch die Spannung konstant aufrechterhalten. Alle Kapitel bauen logisch aufeinander auf und die Handlung ist zu jeder Zeit verständlich; saubere Cuts zwischen den Handlungssträngen &/oder Erzählperspektiven verhindern jegliche Gefahr, den Überblick zu verlieren. Ich habe besonders die optimistische, durch und durch sympathische Figur Johanna als Inspiration empfunden und bewundere die Intensität, mit der die Autorin auch die Nebenfiguren so lebensnah beschrieben hat, dass man als Leser/in meint, Teil der betreffenden Familie zu sein. Der flüssige, mitreißende Schreibstil tut sein Übriges dazu, dass man das Buch am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte.

Das in kühlen Grautönen gehaltene Cover wirkt sehr nostalgisch und erinnert durch die geringe Farbintensität an eine ausgeblichene Fotografie, an eine Erinnerung (was gestalterisch sehr treffend in Bezug auf den Buchtitel ist). Die junge Frau in der Abbildung sieht nachdenklich aus; sie ist umgeben von Natur, scheint jedoch trotz der sie umgebenden Schönheit des Waldes bedrückt. Woran mag sie wohl denken?

Fazit: Dieser anspruchsvolle, emotionale Roman wirkt lange nach und sollte Pflichtlektüre für jeden Geschichtsunterricht mit DDR-Thematik werden. Ich habe mich nicht nur sehr gut unterhalten gefühlt, sondern auch etwas dazugelernt. Verdiente 5 Sterne, Bravo!

Eine fesselnde Geschichte der jüngeren deutschen Vergangenheit - 16.02.2019 21:36:25 - KaKri

Das Buch von Kati Naumann spielt in zwei Zeitebenen. Einmal von 1945 bis 1977 und dann in der jetzt-Zeit. Es geht um Milla, die abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen zugewucherten Keller ... und dieser war teil des Hotels "Waldeshöh", das der Familie Dressel gehörte. Nach dem Mauerbau liegt das Hotel im Sperrbezirk und die Bewohner sind Repressalien und Schikanen ausgesetzt. Milla nimmt Kontakt zu den noch lebenden Familienmitgliedern auf und versucht, die Geschichte des Hotels und der Familie zu ergründen ... und der Familie zu helfen.
Der Roman hat mir sehr gefallen und mich durchaus gefesselt. Eingängig und spannend geschrieben, beleuchtet er einen Teil der jüngeren deutschen Geschichte, über den ich bisher nicht viel wusste, der mich aber jetzt nach dieser Lektüre noch mehr interessiert.
Die Charaktere waren gut beschrieben und die Ereignisse so bildhaft dargestellt, daß man mitgefiebert und -gelitten hat. Oft habe ich gedacht, wie unvorstellbar mir einzelne Aktionen scheinen, die aber damals wohl durchaus an der Tagesordnung waren.
Eine spannende Geschichte, fesselnd und eindrücklich geschrieben.

Geheimnisvoller Kellerfund - 15.02.2019 10:56:57 - Dreamworx

Die 33-jährige Milla arbeitet in einer Anwaltskanzlei und ist alleinerziehende Mutter. In ihrer knappen Freizeit liebt sie es, sogenannte „Lost Places“ zu entdecken und zu erkunden, worüber sie auch einen Blog führt. Bei einer ihrer Wanderungen entdeckt sie einen alten verschütteten Keller mitten im Thüringer Wald, wo sich vor vielen Jahren der Grenzzaun der damaligen DDR entlang zog. Bei genauerer Inspektion des Kellers findet Milla einige Gegenstände, die noch gut erhalten sind, aber wie aus der Zeit gefallen wirken. Milla ist fasziniert von ihrem Fund, zu dem auch ein Tagebuch gehört und möchte unbedingt mehr über die ehemaligen Besitzer erfahren, deshalb begibt sie sich auf Spurensuche, die sie auf Christine Dressel treffen lässt, die Verfasserin des Tagebuchs, deren Familie damals das Hotel Waldeshöh betrieb, zu dem der von Milla gefundene Keller gehörte. Bei ihren Gesprächen freunden sich Milla und Christine an und tauchen ab in die ganz persönliche Vergangenheit der Familie Dressel und das alte Hotel…

Kati Naumann hat mit ihrem Buch „Was uns erinnern lässt“ einen sehr berührenden und fesselnden Roman vorgelegt, der mitten ins Herz des Lesers trifft und auch nach der Lektüre nicht loslässt. Der Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und packend, der Leser verschwindet zwischen den Seiten und kann das Buch kaum aus der Hand legen aufgrund der Fähigkeit der Autorin, die Geschichte spannend und gleichzeitig mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu erzählen, wobei auch ihre akribische Recherche zum Tragen kommt. Die Handlung bewegt sich auf zwei Zeitebenen, von denen die eine die Gegenwart um Milla, ihren Kellerfund und die Begegnung mit Christine darstellt, die andere lässt die Zeit im Jahr 1977 und früher wieder aufleben, die das Leben von Christines Familie in dem damaligen Sperrgebiet der DDR wiederspiegelt. Wie sehr die Familie unter Repressalien leiden musste und durch Schikanen der DDR-Führung drangsaliert wurde, macht sprachlos und lässt erahnen, dass dieses Schicksal auch viele andere Menschen getroffen haben muss. Von der Allgemeinheit völlig abgeschnitten und von der Außenwelt abgeschirmt stellt sich ein recht einsames und auch verzweifeltes Leben dar, wobei gerade die Frauen die starken Persönlichkeiten innerhalb dieser Zeit sind, denn sie finden Mittel und Wege, das ihnen zugewiesene Leben zu ertragen und im alles nur Erdenkliche abzugewinnen.

Die Charaktere wurden von der Autorin sehr lebendig gestaltet, sie wirken hautnah, stark und vor allem sehr menschlich und authentisch. Gerade die Frauen aus dem Vergangenheitspart wirken kraftvoll und unerschütterlich, wobei ihr Leben kein Zuckerschlecken war und sie in ihrer Handlungsfähigkeit doch sehr eingeschränkt, da sie sich den Gegebenheiten gezwungenermaßen anpassen mussten. Auf der Gefühlsebene zieht die Autorin mit viel Fingerspitzengefühl sämtliche Register, so dass der Leser eine emotionale Achterbahn durchmacht, denn von Trauer, Wut, Resignation sowie Hoffnung und schöne Momente ist alles vertreten. So wachsen die Protagonisten dem Leser sehr ans Herz und man teilt sowohl Freud als auch Leid mit ihnen sehr intensiv.

„Was uns erinnern lässt“ isst ein sehr atmosphärischer Roman über eine Zeit in Deutschland, die man so offen noch nie gelesen hat. Sehr anrührend und fesselnd erzählt, dass man darüber die Zeit vergisst. Absolute und sehr verdiente Leseempfehlung!

Ein wunderbares Buch - 15.02.2019 07:42:17 - Lilofee

1977: Die vierzehnjährige Christine verliert ihr
Zuhause. Das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh liegt
seit der Teilung Deutschland im Thüringer Wald
direkt in der Sperrzone.
Ohne Passierscheine darf dort niemand mehr hin.
Das Leben dort wird immer beschwerlicher. Sogar die
Postzustellung wurde eingestellt. Eines Tages passiert
das unvorstellbare...

2017: Milla ist auf der Suche nach vergessenen Orten.
Abseits eines Wanderweges im Thüringer Wald findet
sie einen überwucherten Keller und stößt auf die
Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser Ort fasziniert
sie so sehr das sie unbedingt mehr darüber erfahren will.

Kati Naumann hat einen Roman geschaffen der einen in den Bann nimmt.
Durch ihren authentischen und atmosphärisch mitreißenden Erzählstil, sorgt die Autorin für ein originelles und nicht minder aufwühlendes Leseerlebnis.
Der Roman spielt in zwei Zeitebenen und springt immer wieder die Vergangenheit zurück.
Die Mischung zwischen der Realität und der fiktiven Familie Dressel vermischt sich zu einer spannenden Familiengeschichte.
Hier wird eine immer noch recht unbekannte Zeit beschrieben.
Leben im Sperrgebiet und Zwangsumsiedlungen bedeuteten gravierende und unmittelbare Einschnitte im Alltagsleben.
Die Charaktere sind sehr lebensecht und authentisch beschrieben.
Man bekommt man schnell einen interessanten Einblick in die Denkweise der Menschen.
Die Beschreibung der Landschaft vermittelt einen das Gefühl direkt vor Ort zu sein.
So macht Geschichte Spaß.

Habe ich doch einiges erfahren was ich bis heute nicht wusste.
Ein wundervolles Buch was ich nur empfehlen kann.

Ein sehr bewegener Roman - 13.02.2019 12:35:39 - nati51

Die alleinerziehende Mutter Milla, arbeitet in einer Anwaltskanzlei und ist zum Ausgleich immer wieder auf der Jagd nach verlorenen Orten, so genannter Lost Places. Auf den Rennsteig-Höhenkamm des Thüringer Waldes stößt sie auf überwucherte Gebäudereste. Sie entdeckt eine Falltür, darunter führt eine Steintreppe in den Keller. Es ist ein gut sortierter Wirtschaftsraum mit beschrifteten Marmeladengläsern sowie alten Zeitungen aus dem Jahre 1977 und Geschirr mit dem Brandstempel Hotel Waldeshöh. Daneben stapelten sich alte Schulhefte von Christine und Andreas Dressel, die den toten Ort mit Leben in Verbindung bringen. Milla versucht, die ehemaligen Bewohner des Hauses zu finden und entdeckt dabei auch ihre eigene Identität.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Der Vergangenheitsstrang erzählt die Geschichte des Hotels Waldeshöh und seiner Bewohner, der Familie Dressel, die in der Sperrzone am Rennsteig gelebt haben. In der Gegenwart begleitet der Leser Milla bei der Kontaktaufnahme mit der Familie Dressel und sieht wie die Begegnung zwischen Milla und Christine Dressel beide Frauen verändert.

Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab. Nach und nach wird dabei aufgeklärt, was am 2. Juli 1977 geschah. Die Atmosphäre hat die Autorin großartig eingefangen. In diesem Roman von Kati Naumann konnte ich hinter die Fassade der ehemaligen DDR blicken und habe einiges mehr erfahren. Das Leben in den Sperrzonen und die Repressalien, die mit der Zeit immer schlimmer wurden, so dass den Menschen dort kaum mehr ein normales Leben möglich war. Jemand, der so etwas nicht selbst erlebt hat, kann nur ungläubig den Kopf schütteln.

Kati Naumann erzählt in einem berührenden und flüssigen Schreibstil. Ich konnte mich schwer ihrer Erzählweise entziehen. Der Roman hat mich sehr bewegt, es war eine spannende Zeitreise, toll recherchiert und absolut lesenswert. Für mich schon jetzt ein Jahreshighlight!

An dieses Buch wird man sich erinnern - 10.02.2019 12:33:52 - Mirja

Das Buch erzählt die Geschichte von Milla in der Gegenwart und von Christines Familie in der Vergangenheit. Mir hat der Wechsel zwischen diesen beiden Zeitebenen sehr gut gefallen. Man erfährt viel über das Leben im Grenzgebiet der DDR. Ich habe viel Neues erfahren und bin entsetzt gewesen, wie mit den Menschen umgegangen wurde. Vor allem die Frauen in Christines Familie haben mich sehr beeindruckt. Sie geben die Hoffnung nicht auf und versuchen, aus allem das Beste zu machen. Zu Beginn hat mich die Geschichte aus der Vergangenheit sehr viel mehr gefesselt als die Gegenwart, aber im Laufe des Buches gewinnt auch diese  ummer mehr an Faszination. Milla und Christine freunden sich an und suchen gemeinsam nach der Wahrheit.

Mich hat die Geschichte sehr berührt und beeindruckt. Die Charaktere  sind wunderbar beschrieben, so dass man schnell ein Bild vor Augen hat. Ihre Erlebnisse werden so geschildert, dass man als Leser mitfühlt. Man kann die Wut, die Trauer, das Entsetzen, die Hoffnung, die Freude und den Spaß der einzelnen Figuren sehr gut nachempfinden. Ich war sehr neugierig  wie die Wahrheit am Ende aussehen wird. Das letzte Kapitel ist ein runder und versöhnlicher Abschluss der Geschichte.

Dieses Kapitel jüngerer deutscher Geschichte sollte auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit erfahren.

Ihre Bewertung

1 schlecht, 5 sehr gut

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