×

Ihre Vorbestellung zum Buch »Beautiful Bombshell«

Wir benachrichtigen Sie, sobald »Beautiful Bombshell« erhältlich ist. Hinterlegen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse. Ihren Kauf können Sie mit Erhalt der E-Mail am Erscheinungstag des Buches abschließen.

Beautiful Bombshell

hier erhältlich:

Bennett Ryan wurde entführt … nach Las Vegas. Gemeinsam mit seinem Kumpel Max Stella macht er die Kasinos unsicher. Doch als Max ihm in einem exklusiven Strip-Club eine private Show bucht, verliert der sonst so coole Bennett die Fassung: Was wird seine ebenso unwiderstehliche wie unberechenbare Verlobte Chloe dazu sagen? Widerwillig lässt er sich auf das Spiel ein - und macht eine prickelnde Entdeckung.
Was als harmloser Kurzurlaub begann, entwickelt sich schnell zu einem erotischen Abenteuer, das Bennett nicht so schnell vergessen wird …


  • Erscheinungstag: 15.03.2015
  • Aus der Serie: Beautiful Bastard
  • Bandnummer: 4
  • Seitenanzahl: 160
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955764418
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Christina Lauren

Beautiful Bombshell

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gabriele Ramm

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright © 2015 by MIRA Taschenbuch

in der Harlequin Enterprises GmbH

Deutsche Erstveröffentlichung

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Beautiful Bombshell

Copyright © 2013 by Lauren Billings und Christina Hobbs

erschienen bei: Gallery Books, a division of Simon & Schuster, Inc., New York.

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This edition is published by arrangement with the original publisher, Gallery Books, a division of Simon & Schuster, Inc., New York

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Covergestaltung: pecher und soiron, Köln

Redaktion: Maya Gause

Titelabbildung: Simon&Schuster; Shutterstock

ISBN epub 978-3-95576-441-8

www.mira-taschenbuch.de

eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Werden Sie Fan von MIRA Taschenbuch auf Facebook!

EINS

Bennett Ryan

„Das Schlaueste, was ich je getan habe, war, Max Stella dazu zu bewegen, bei der Ausrichtung deiner Junggesellenabschiedsparty zu helfen.“

Ich blickte hinüber zu meinem Bruder Henry, nachdem er das geradezu jubelnd von sich gegeben hatte. Er lehnte sich in dem gepolsterten Ledersessel zurück, einen frischen Wodka Gimlet in der Hand und das breiteste Grinsen auf dem Gesicht, das ich je bei ihm gesehen hatte. Der Grund dafür war die intime ‚Sitzung’ in dem geheimnisvollen Hinterzimmer, aus dem er soeben zurückgekehrt war. Er schaute mich nicht an, als er das sagte, sondern starrte wie gebannt auf die Bühne, wo drei bildhübsche Frauen zu einem langsamen, pulsierenden Rhythmus einen Strip hinlegten.

„Das muss ich mir fürs nächste Mal merken“, murmelte er und trank einen Schluck.

„Ich hatte eigentlich vor, so was nur einmal zu machen“, erwiderte ich.

„Mag sein.“ Will Sumner, Max’ bester Freund und Geschäftspartner, beugte sich vor und wandte sich an Henry: „Du dagegen wirst vermutlich eine zweite Junggesellenabschiedsparty brauchen, wenn deine jetzige Frau spitzkriegt, was hier abgeht. So wie der Schuppen aussieht und so wie die da oben tanzen, bieten die nicht nur das übliche Powackeln auf deinem Schoß an.“

Mit einer wegwerfenden Handbewegung meinte Henry: „Es war wirklich bloß ein Lapdance.“ Dann grinste er mich an und zwinkerte mir zu. „Allerdings ein sehr guter Lapdance.“

„Mit Happy End?“, fragte ich scherzhaft, aber auch leicht angewidert.

Henry schüttelte lachend den Kopf und nahm einen weiteren Schluck von seinem Getränk. „So gut nun auch wieder nicht, Ben.“

Erleichtert atmete ich auf. Ich kannte meinen Bruder gut genug, um zu wissen, dass er seine Frau Mina nicht betrügen würde, doch er neigte sehr viel mehr zu der Devise: Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß, als ich es jemals tun würde.

Obwohl Chloe und ich im Juni heiraten wollten, war dieses zweite Wochenende im Februar das einzige gewesen, an dem Max, Henry, Will und ich uns alle hatten freinehmen können, um meinen Junggesellenabschied zu feiern. Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir unsere Frauen mit Gott weiß was bestechen mussten, damit sie uns ausgerechnet am Valentinstag für ein langes Wochenende nach Las Vegas fahren ließen, aber wie immer hatten sie uns überrascht: Sie hatten kaum eine Miene verzogen und stattdessen einen gemeinsamen Wochenendausflug zu den Catskill Mountains geplant.

Max hatte einen exklusiven Club ausgewählt, in dem wir unser Wochenende voller Ausschweifungen beginnen wollten. Dies hier war auch definitiv kein Ort, über den wir bei einer Internetsuche oder bei einem Spaziergang über den Las Vegas Strip gestolpert wären. Um ehrlich zu sein, von außen machte das Black Heart nicht viel her. Es lag versteckt in einem harmlos aussehenden Bürogebäude einige Blocks entfernt von dem regen Verkehr des Las Vegas Boulevards. Aber innen – nachdem wir drei verschlossene Türen und zwei Türsteher, die ungefähr den Umfang meines Apartments in New York hatten, hinter uns gelassen hatten und noch weiter ins dunkle Innere vorgedrungen waren – entpuppte sich der Club als äußerst nobel und strahlte eine erotisch aufgeheizte Atmosphäre aus.

Im großen Saal waren überall kleine Bühnen aufgebaut, auf denen sich Tänzerinnen in funkelnden, silbernen Dessous bewegten. Es gab vier schwarz glänzende Bars aus Granit, eine in jeder Ecke und jede mit einem ganz speziellen alkoholischen Angebot. Henry und ich hatten uns zur Wodka-Bar begeben und uns auch gleich mal am Kaviar, am Graved Lachs und an den Blinis, den russischen Pfannkuchen, bedient. Max und Will hatten die Scotch-Bar geentert. An den anderen beiden Tresen wurden unterschiedliche Weine und Cocktails serviert.

Die Sessel aus vornehmem schwarzem Leder waren unglaublich weich und allesamt groß genug für zwei – für den Fall, dass einer von uns sich für eine spezielle Tanzeinlage abseits der Bühne interessierte. Bedienungen, die alles Mögliche anhatten, angefangen bei Latex-Bikinis bis hin zu nichts weiter als nackter Haut, gingen mit Tabletts herum und servierten Drinks. Gia, unsere Hostess, hatte zu Beginn des Abends ein rotes Seidenhemdchen mit passendem Slip sowie aufwendigen Glitzerschmuck im Haar, um den Hals und an den Ohren getragen, doch jedes Mal, wenn sie nach uns sah, schien sie weniger anzuhaben.

Ich war kein Stammkunde in solchen Etablissements, aber selbst ich erkannte, dass dies hier kein gewöhnlicher Strip-Club war. Das war schon alles verdammt beeindruckend.

„Die Frage“, sagte Henry und unterbrach meine Gedanken, „ist, wann unser zukünftiger Bräutigam seinen Lapdance kriegt.“

Meine Freunde reagierten darauf mit unterschiedlichen Worten der Ermutigung, doch ich schüttelte bereits den Kopf. „Nee, nee, lasst mal gut sein. Lapdance ist nicht mein Ding.“

„Wieso sollte es nicht dein Ding sein, wenn eine unbekannte und extrem scharfe Frau auf deinem Schoß rumtanzt?“, fragte Henry und fixierte mich ungläubig. Mein Bruder und ich hatten während unserer Geschäftsreisen nie zusammen solche Art von Clubs besucht. Ich glaube, ich war genauso erstaunt von seiner Begeisterung für derartige Vergnügungen wie er von meiner Abneigung dagegen. „Fließt warmes Blut durch deine Adern?“

Ich nickte. „Klar doch. Ich schätze, deshalb mag ich das auch nicht.“

„Quatsch“, schaltete Max sich ein, stellte seinen Drink ab und winkte jemandem zu, der in der hintersten, dunkelsten Ecke stand. „Das hier ist die erste Nacht deines Junggesellenabschieds, und ein Lappy ist ein Muss.“

„Es mag euch vielleicht überraschen, aber ich bin ganz auf Bennetts Seite, was das angeht“, erklärte Will. „So ein Lapdance von einer Fremden ist einfach nur scheiße. Wo sollst du deine Hände lassen? Wo sollst du hingucken? Es ist einfach nicht dasselbe, als wenn du mit deiner Freundin zusammen bist – es fühlt sich zu unpersönlich an.“

Während Henry darauf beharrte, dass Will anscheinend noch nie einen guten Lapdance bekommen hatte, stand Max auf, um mit einem Mann zu sprechen, der wie aus dem Nichts neben unserem Tisch aufgetaucht war. Er war kleiner als Max – was nichts Ungewöhnliches war – und hatte leicht angegraute Schläfen. Sein Gesicht und seine Augen strahlten eine Ruhe aus, die mir verriet, dass er schon eine Menge gemacht und noch viel mehr gesehen hatte. Er trug einen dunklen, makellos sitzenden Anzug und hatte die Lippen fest zusammengepresst. Ich ahnte, dass es sich bei dem Mann um den berühmt-berüchtigten Johnny French handeln musste, den Max auf unserem Flug hierher erwähnt hatte.

Eigentlich hatte ich angenommen, dass sie darüber sprachen, wann und wie ich meinen Tanz bekommen sollte; dann beobachtete ich jedoch, wie Johnny Max etwas zuraunte und Max sich daraufhin mit angespannter Miene umdrehte und zur hinteren Wand starrte. Ich konnte die Male, die ich Max nicht locker und lässig erlebt hatte, an einer Hand abzählen, daher beugte ich mich vor und versuchte herauszufinden, worum es ging. Henry und Will bekamen nichts davon mit; sie hatten ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf die inzwischen nackten Tänzerinnen auf der Bühne gerichtet. Schließlich entspannte Max sich wieder, so als wäre er zu einer Entscheidung gelangt, lächelte Johnny an und murmelte: „Danke, Kumpel.“

Nachdem er Max auf die Schulter geklopft hatte, drehte Johnny sich um und verließ uns. Max setzte sich wieder und griff nach seinem Drink. Ich deutete mit dem Kinn in Richtung Flur, wo Johnny hinter einem schwarzen Vorhang verschwunden war. „Worum ging’s?“

„Dabei“, erwiderte Max, „ging es um den Raum, der gerade für dich vorbereitet wird.“

„Für mich?“ Ich presste eine Hand auf meine Brust und schüttelte vehement den Kopf. „Ich sag’s noch einmal, Max: Ich will das nicht.“

„Einen Scheißdreck willst du.“

„Du meinst es ernst.“

„Da hast du verdammt recht. Er hat mir gesagt, dass du über den Flur gehen sollst …“ Max deutete zu einem anderen Flur, nicht zu dem, den Johnny benutzt hatte. „… bis zum Neptun-Zimmer.“

Ich stöhnte und lehnte mich in meinem Sessel zurück. Auch wenn dieser Club wahrscheinlich zu den besten dieser Art hier in der Stadt – und wohl auch überall sonst – gehörte: Auf der Liste der Dinge, die ich heute Abend erleben wollte, rangierte ein Lapdance von irgendeiner Tänzerin aus Vegas nur wenig über dem Verzehr von verdorbenem Sushi mit anschließender Lebensmittelvergiftung.

„Fuck, jetzt sei ein Mann, geh durch diesen Flur und lass dir von einem Mädel bei einem Lappy den Schwanz massieren.“ Max starrte mich mit zusammengekniffenen Augen an. „Willst du mich mit diesem Scheißgejammer verarschen? Verdammt, das hier ist dein Junggesellenabschied. Also, benimm dich endlich wie der Kerl, der du mal gewesen bist.“

Ich musterte ihn und überlegte, warum er so beharrlich in seinem Sessel sitzen blieb, während er mich ermunterte, aus meinem aufzustehen. „Hat Johnny dir auch ein Zimmer zugeteilt? Kriegst du auch einen Lapdance?“

Er lachte, hob sein Glas an die Lippen und murmelte: „Es ist ein Lapdance, Ben. Kein verdammter Termin beim Zahnarzt.“

„Arschloch.“ Ich nahm meinen Drink und schaute in die durchsichtige Flüssigkeit. Natürlich hatte ich von Anfang an gewusst, worauf ich mich einließ: dass Frauen ins Spiel kommen würden, reichlich Alkohol sowie vermutlich ein paar Aktivitäten, die hart an der Grenze zur Legalität waren. Und auch Chloe war das klar gewesen. Sie hatte mir viel Spaß gewünscht, und ihre Miene hatte dabei keinerlei Anzeichen von Sorge oder Misstrauen verraten. Dazu bestand auch kein Anlass.

Ich trank mein Glas leer und brummte „Scheiß drauf“, bevor ich aufstand und in Richtung Flur ging. Meine Freunde besaßen – erstaunlicherweise – genügend Anstand, um bei meinem Abgang nicht zu applaudieren. Trotzdem spürte ich ihre Blicke in meinem Rücken, als ich auf den Gang links von der Hauptbühne zusteuerte.

Direkt hinter dem Einlass veränderte sich die Farbe des Teppichs von Schwarz in ein tiefes Königsblau, und der Durchgang wirkte noch dunkler als aus der Ferne. Auch hier waren die Wände samtig schwarz, und nur winzige Kristalllampen wiesen mir den Weg. Auf einer Seite des langen Korridors befanden sich Türen mit den Namen von Planeten darauf: Merkur, Venus, Erde … Ganz am Ende, an der Tür mit der Aufschrift Neptun, zögerte ich. Würde in dem Zimmer schon eine Frau auf mich warten? Würde ein Stuhl dort für mich stehen – oder, schlimmer noch, ein Bett?

Es war eine schwere, reich verzierte Tür, die aussah, als wäre sie aus einer Burg oder – Fuck – als würde sie in ein gruseliges Sexverlies führen. Dieser beschissene Max. Mir lief ein Schauder über den Rücken, aber ich drehte den Knauf und atmete erleichtert auf, als ich in dem Raum weder ein Kreuz aus Eisen noch Handschellen und auch keine Frau, sondern lediglich ein langes Sofa mit einem kleinen silbernen Kästchen darauf erblickte. Daran war mit einer roten Schleife eine weiße Karte befestigt, auf der in fein säuberlicher Schrift Bennett Ryan stand.

Na toll. Jetzt kannte irgend so eine Tänzerin aus Vegas offenbar schon meinen Scheißnamen.

In dem Kästchen fand ich eine Augenbinde aus schwarzem Satin und eine Karte aus schwerem Papier, auf der in schwarzer Tinte zu lesen war: Binde das um.

Ich sollte mir für einen Lapdance die Augen verbinden? Was sollte das denn? Nur weil ich heute Abend keinen Lapdance wollte, bedeutete das nicht, dass ich mich nicht an frühere derartige Gelegenheiten erinnern konnte. Sollte sich an dem Konzept während der letzten Jahre nichts geändert haben, dann hieß das Motto immer noch: Nur gucken, nicht anfassen. Was zum Teufel sollte ich machen, wenn meine Augen verbunden waren, wenn sie reinkam? Verdammt, ich würde sie ganz sicher nicht anfassen.

Ich legte das Tuch auf die Chaiselongue und ignorierte es, während ich an die Wand starrte. Minuten vergingen, und je mehr Zeit verstrich, desto überzeugter war ich, dass ich dieses verfluchte Ding niemals umbinden würde.

Fast konnte ich meine allmählich aufsteigende Wut hören. Es klang wie ein Brüllen, eine Welle, eine knisterndes Feuer. Ich schloss die Augen und holte dreimal tief Luft, bevor ich mir meine Umgebung ein bisschen genauer ansah. Die Wände waren in einem sanften Grauton gehalten, die Chaiselongue in einem Mitternachtsblau. Alles hier erinnerte eher an einen Umkleideraum in einem Luxusladen und weniger an ein Zimmer, in dem Männer – so vermutete ich zumindest – weitaus mehr als bloß einen Tanz geboten bekamen. Langsam ließ ich meine Hand über das weiche Leder der Chaiselongue gleiten, und erst in dem Moment entdeckte ich die zweite Notiz, die unter der Augenbinde in dem Kästchen versteckt lag. Auf dem gleichen schweren Papier und in der gleichen Schrift stand da:

Nun binde dir dieses verdammte Tuch endlich um, Ben, und sei nicht so ein Schlappschwanz.

Oh, fuck, zur Hölle mit Max. War ich hier wirklich gefangen, bis ich dieses Teil umgebunden und die Sache hinter mich gebracht hatte? Frustriert stöhnend griff ich nach dem schwarzen Stoff, zog mir die Binde über den Kopf und zögerte nur noch einen Herzschlag lang, ehe ich sie mir über die Augen schob. Gleichzeitig überlegte ich fieberhaft, wie ich mich an Max rächen konnte. Abgesehen von meiner Familie kannte er mich länger als die meisten anderen, und er wusste ganz genau, wie viel mir Treue und Kontrolle bedeuteten. Und dann befahl er mir, mich in dieses Zimmer zu begeben und mir die Augen zu verbinden, ohne dass ich eine Ahnung hatte, was auf mich zukam? Was für ein Scheiß.

Ich lehnte mich gegen die Wand und wartete, stinksauer und völlig isoliert, als meine Ohren auf einmal Geräusche bemerkten, die ich vorher nicht gehört hatte: das dumpfe Pulsieren der Musik in den anderen Zimmern, Türen, die geöffnet wurden und sich mit einem leisen, schweren Klicken schlossen. Und dann hörte ich, wie der Knauf zu meinem Zimmer gedreht wurde, wie die schwere Holztür über den Teppich glitt, als sie aufging.

Mein Herz schlug schneller.

Kaum hatte ich den Hauch eines mir unbekannten Parfums wahrgenommen, wurde mir unbehaglich zumute, und meine Muskeln spannten sich unwillkürlich an. Abgesehen von dem Duft der Fremden wusste ich nichts darüber, wer da gerade hereingekommen war, und ich hasste es, nicht zu wissen, was mich erwartete. Sie hantierte an der Wand herum: Ich hörte ein Rascheln, ein Klicken, und schließlich erfüllte leise, rhythmische Musik den Raum.

Warme, weiche Finger griffen nach meinen Handgelenken und platzierten meine Arme sanft, aber gekonnt so, dass sie locker an den Seiten herunterhingen. Nicht anfassen? Das wird verdammt noch mal kein Problem darstellen.

Reglos saß ich da, während sie auf meinen Schoß glitt. Ihr Atem duftete nach Zimt, ihre Hüften bewegten sich kreisend auf mir, die Hände hatte sie gegen meinen Oberkörper gepresst. So sollte das also ablaufen – ich würde mit verbundenen Augen hier sitzen, sie würde auf meinem Schoß tanzen, und danach durfte ich gehen? Langsam entspannte ich mich. Die Frau ließ ihre Hüften über meine Schenkel streifen und strich dabei über meine Brust. Ich spürte immerhin noch genügend von ihrem Körper, sodass mir die Augenbinde nicht völlig absurd vorkam; wäre ich jedoch einer der Männer, die solche Sachen richtig genossen, dann würde es mich ärgern, dass man mir den Anblick vorenthielt.

Aber vielleicht war Max klar gewesen, dass dies die einzige Möglichkeit war, um mir die Erfahrung nicht vollkommen unerträglich zu machen. Der Gedanke bewirkte, dass ich ihm nicht mehr ganz so heftig in den Arsch treten wollte.

Die Tänzerin glitt im Takt der Musik mit kleinen, aufreizenden Bewegungen über mich. Sie lehnte sich zurück, packte meine Schultern, um sich festzuhalten, und ich fühlte, wie sich ihr Arsch fest auf meine Beine presste. Dabei war ihre Muschi meinem Schwanz so nahe, dass ich so diskret wie möglich nach hinten zu rutschen versuchte und mich tiefer in das Sofa drängte.

Dann setzte sie sich wieder auf, und ihre Brüste berührten sachte meinen Oberkörper. Ihr warmer Atem streifte meinen Hals, und obwohl das alles nicht wirklich unangenehm war, fand ich die Situation von Sekunde zu Sekunde schrecklicher. Meine ursprüngliche Angst, dass ich der Frau in die Augen sehen, womöglich sogar lächeln oder so tun musste, als wäre ich freiwillig hier, verflog, und stattdessen erkannte ich, dass dieser Tanz für keinen von uns beiden besonders erfreulich war. Für sie sprang hierbei sowieso nichts weiter als Geld heraus, und aufgrund der Augenbinde brauchte ich nicht einmal vorzutäuschen, als fände ich das toll.

Allmählich fragte ich mich, wie lange dieses verdammte Lied wohl noch dauern mochte. Ich kannte es nicht, aber der Aufbau war ziemlich durchschaubar, sodass ich mich etwas beruhigte, als es sich seinem vorhersehbaren Ende näherte. Die Frau auf mir schien langsamer zu werden und ließ schließlich die Finger auf meinen Schultern ruhen.

Als der Song vorbei war, hörte ich nur noch den schnellen Atem der Stripperin.

Verschwindet sie jetzt? Muss ich irgendwas sagen?

Vor Unbehagen verkrampfte sich mein Magen, als mir plötzlich klar wurde, dass die Show jetzt wohl erst richtig losging. Zu meinem Entsetzen beugte sich die Tänzerin vor und fuhr mit den Zähnen über mein Kinn.

Dann … erstarrte ich, als mich eine dumpfe Ahnung von meiner Ungeduld ablenkte.

„Hallo, Mr Ryan.“

Die Worte strichen heiß über mein Ohr, und ich zuckte zusammen, als ich die Stimme vernahm. Mein gesamter Körper erstarrte. Was zum Teufel …? Ich ballte die Fäuste.

„Ich würde wirklich sehr gerne diesen sexy Mund küssen, der so grimmig aussieht.“

Ich öffnete besagten Mund, um etwas zu erwidern, doch es hatte mir die Sprache verschlagen.

Chloe Mills. Fuck.

„Ich tanz mir hier den Arsch ab, und du bist nicht mal ein bisschen hart?“ Sie beugte sich vor, leckte meinen Hals und senkte die Hüften wieder, presste sich gegen meinen Schwanz. „Na also …“ Sie kicherte. „Geht doch.“

Ganz unterschiedliche Emotionen schossen mir durch den Kopf: Erleichterung und Wut, Schock und Verlegenheit. Chloe war hier, in Vegas, nicht beim Skifahren in den verdammten Catskills, und sie war hergekommen und hatte mich mit verbundenen Augen vorgefunden, während ich auf eine Tänzerin gewartet hatte, die genau das tun sollte, was sie getan hatte: auf meinen Schenkeln tanzen und sich an meinem Schwanz reiben. Aber ausnahmsweise gelang mir bei Chloe nun das, was ich in all meinen Geschäftsbeziehungen beherzigte: eine spontane Reaktion so lange zu verbergen, bis ich sie in die gewünschte Reaktion verwandelt hatte.

Ich zählte von zehn rückwärts, ehe ich fragte: „War das eine Art Test?“

Sie küsste mein Ohrläppchen. „Nein.“

Ich würde ihr nicht erklären, wieso ich hier in diesem Zimmer war. Immerhin hatte ich ja nichts Verbotenes getan. Trotzdem rangen widerstrebende Gefühle in mir: zunehmende Erregung, dass sie das hier für mich getan hatte, und Ärger darüber, dass sie mich so vorgeführt hatte. „Du steckst in ernsthaften Schwierigkeiten, Mills.“

Sie legte eine Fingerspitze auf meine Lippen und hielt sie dann zwischen unseren Mündern gefangen, als sie mir einen kurzen Kuss gab. „Ich freue mich, dass ich recht gehabt habe. Max schuldet mir fünfzig Dollar. Ich habe ihm gesagt, dass es dir nicht gefallen würde, von einer Fremden einen Lapdance zu bekommen. Untreue kommt für dich gar nicht infrage, stimmt’s?“

Ich schluckte und schüttelte den Kopf.

„Ich habe all meine Künste aufgeboten, aber nichts. Nicht mal ein kleines Zucken da unten. Ich kann bloß hoffen, dass du wirklich keine Ahnung hattest, dass ich es war; ansonsten – da bin ich ganz ehrlich – wäre ich ziemlich beleidigt.“

Erneut schüttelte ich den Kopf und murmelte: „Nein. Das Parfum ist … total anders. Du hasst Kaugummi mit Zimtgeschmack. Und ich kann dich weder sehen noch fühlen.“

„Jetzt kannst du es“, gab sie zurück, ergriff meine Hände und legte sie auf ihre nackten Schenkel. Ich ließ meine Finger bis hinauf zu ihren Hüften wandern und spürte auf einmal die scharfen Kanten kleiner Steinchen an ihrem Slip. Was zum Teufel hat sie da an? Zu gern hätte ich die Augenbinde abgenommen, aber da Chloe es noch nicht getan hatte, vermutete ich, dass das eine weitere Sache war, die ich abwarten musste.

Ich strich über ihre Beine, hinunter zu ihren Waden, und plötzlich wünschte ich mir nichts sehnlicher, als in diesem Raum, in diesem fragwürdigen Club in Vegas, flachgelegt zu werden. Die Erleichterung, dass hier Chloe und nicht irgendeine Fremde auf meinem Schoß saß, überwältigte mich fast, und Adrenalin schoss durch meine Blutbahnen. „Sie dürfen mich gern in diesem Zimmer vernaschen, Miss Mills.“

Sie beugte sich vor und saugte an meinem Kinn. „Hmm … vielleicht. Wie wär’s erst mal mit einem zweiten Versuch, damit du den Lapdance genießen kannst?“

Ich nickte und atmete aus, als sie meine Augenbinde löste und damit den Blick auf ihr … Outfit freigab. Sie trug einen BH, der von schmalen Satinstreifen auf ihren Schultern gehalten wurde, ansonsten aber ausschließlich aus Schmucksteinen zu bestehen schien, die auf einem winzigen Stückchen Seide befestigt waren. Ihr Slip war ähnlich hauchdünn und sogar noch faszinierender. Die dünnen Seidenbänder an den Seiten deuteten an, dass ich ihn besser nicht zerreißen sollte.

Autor

Entdecken Sie weitere Romane aus unseren Serien

Beautiful Bastard