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Bille und Zottel Bd. 15 - Pferde im Schnee

Skijöring! Beim Rennen im Schnee sind auch Bille und ihr rundes Pony Zottel dabei. Beim Startzeichen stürmen die Pferde los. Bille lässt Zottel hangaufwärts laufen, nimmt ihn vor der Kurve rechtzeitig zurück, kommt zwar kurz ins Wackeln, fängt sich aber wieder. Auf der Zielgeraden gibt sie dem Pony die Zügel frei, und Zottel donnert die abschüssige Fläche hinunter wie der Leithengst einer Wildpferdherde. Werden Bille und Zottel gewinnen?
  • Erscheinungstag: 06.03.2014
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: 10
  • Format: E-Book (ePub)
  • ISBN/Artikelnummer: 9783505134562

Leseprobe

TINA CASPARI

Schriftzug.tif

Pferde im Schnee

Advent, Advent

„Guten Morgen, meine Schätze! Habt ihr ausgeschlafen?“

Bille zog die Stalltür hinter sich zu. Sie musste all ihre Kraft aufwenden, denn der Wind drückte mächtig gegen das Holz. Dicke Regentropfen klatschten ihr ins Gesicht. „Puh, was für ein Wetter! Und so was nennt sich erster Adventssonntag. Hier, ich habe euch was mitgebracht, zur Feier des Tages. Extra für euch aus dem Keller stibitzt, schöne rote Nikolaus-Äpfel.“

Zottel hatte Bille längst gesehen. Mit fröhlichem Brummen sah das rot-weiß gescheckte Pony seiner Herrin entgegen und schlug mit dem Huf auffordernd gegen die Boxentür. Das Shetlandpony Moischele, kaum größer als ein ausgewachsener Bernhardiner, wieherte ungeduldig.

„Nur keine Hektik, jeder kriegt was ab.“

Bille trat in die Box und hielt jedem einen der leuchtend roten Äpfel hin, die sie genüsslich schnurpsend verzehrten. Zottel hatte sofort entdeckt, dass in Billes ausgebeulter Jackentasche noch mehr steckte, und tatsächlich zog sie für jeden noch einen weiteren Apfel und zwei saftige Möhren heraus. Dann griff sie sich die Forke und lockerte das Stroh auf.

Draußen auf der Straße heulte ein Motor auf.

„Auweia, Mutsch und Onkel Paul werden ungeduldig. Tschüss, ihr beiden! Bis später.“

Bille warf noch einen zufriedenen Blick in die Runde. Seit Onkel Paul den Stall hatte renovieren lassen, hatten die beiden Ponys es hier drinnen richtig gut. Nicht mehr zwei Einzelboxen, sondern eine geräumige Laufbox, in der sie sich auch an einem Stehtag, wenn draußen der Regen wie aus Eimern schüttete, ausreichend bewegen konnten. Zwei große Fenster sorgten für helles Licht, der Raum war hoch, trocken und stets gut durchlüftet. „Und zur Not hat auch noch ein drittes Pony Platz“, hatte die Mutter gesagt, die schon jetzt an die künftige Reitleidenschaft der Kinder von Billes Schwester Inge dachte.

„Wo bleibst du denn, Bille! Wir sind spät dran!“

Mutsch mit ihrer Überpünktlichkeit. Nicht einmal Inge ließ sie fünf Minuten warten. Dabei wusste Bille genau, dass die Schwester mit dem Vorbereiten des Frühstücks, zu dem sie sie eingeladen hatte, noch nicht fertig sein würde.

Bille behielt recht. Als Onkel Paul den Wagen vor dem alten Strohdachhaus parkte, in dem Inge und Thorsten mit ihren beiden kleinen Kindern wohnten, kam Thorsten ihnen, einen Stapel Tassen in den Händen, ein Küchentuch unter dem Arm, aus der Haustür entgegen.

„Kommt schnell rein, Inge muss noch das Baby wickeln. Aber der Tisch ist gleich fertig.“

„Guten Morgen, lieber Schwager!“ Bille stellte sich auf die Zehenspitzen und gab dem rotblonden Riesen einen Kuss auf die Stirn. „Wusste ich doch, dass hier noch Arbeit auf uns wartet. Gib her.“

Bille ergriff die Tassen und marschierte ins Wohnzimmer hinüber. Von der Treppe her krähte Christian, Inges zweijähriger Sohn, aufgeregt hinter ihr her.

„Krischan auch helfen! Krischan helfen! Bille, warte!“

„Na, dann komm, du Indianer.“

Mutsch nahm den Kleinen an der Hand und ging mit ihm in die Küche hinüber. Während Thorsten in seiner Werkstatt Onkel Paul die neueste Skulptur zeigte – er war Kunstschmied und Bildhauer – und mit ihm über den weiteren Ausbau des Schuppens als modernen Arbeitsraum sprach, vollendeten Bille und ihre Mutter das von Inge vorbereitete späte Sonntagsfrühstück, das gleichzeitig das Mittagessen war. Den Tisch schmückte ein Adventskranz mit orangeroten Schleifen und den passenden Kerzen, im Tannengrün steckten kleine Engel aus Stroh, die auf Flöten, Harfen oder Lauten musizierten. Im Basteln war Inge eine Künstlerin.

Bald darauf saß die Familie um den großen runden Tisch und ließ es sich schmecken. In den Tannenduft, der den Zweigen in der großen Vase in der Ecke entströmte, mischte sich der Geruch des Kaffees und des frisch gebratenen Specks, der die Platte mit Spiegeleiern zierte.

„So liebe ich das Familienleben!“, erklärte Bille lachend. „Gemütlich und nahrhaft!“

Inge zündete andächtig die erste Kerze am Adventskranz an, während Thorsten im letzten Moment verhinderte, dass sein Ältester die Kaffeekanne umstieß, weil er versuchte, mit seinen kurzen Ärmchen den Korb mit dem Frühstückskuchen zu erreichen.

Für eine Weile wurde es still. Nur das Knacken der Holzscheite in dem großen Kachelofen war zu hören und das Trommeln der Regentropfen an die Fensterscheiben. Aber nachdem der erste Hunger gestillt war, wurde es lebendig am Tisch. Den kleinen Christian hielt es nicht mehr auf seinem Stühlchen, er kletterte von einem Schoß auf den nächsten und plapperte munter drauflos. Onkel Paul gab Thorsten Ratschläge für den Umbau, Mutsch und Inge tauschten Erfahrungen über die Lagerung von Obst und Wintergemüse aus. Bille aß schweigend weiter und genoss das friedliche Zusammensein mit ihrer Familie.

„Wie geht’s dir denn so, Bille?“, fragte Thorsten in eine Pause hinein. „Von dir sieht und hört man überhaupt nichts mehr, seit Groß-Willmsdorf zum Reiter-Internat geworden ist. Wohnst du schon drüben?“

„Das nun gerade nicht, aber du hast recht, ich bin von morgens bis abends dort. Ist doch klar: Schulunterricht, Training, Stallarbeit, Ausritte. Und einmal in der Woche der Reitunterricht für die behinderten Schüler, den wir seit einiger Zeit durchführen. Eine Initiative von Peter, einem Klassenkameraden von mir. Na ja, und dann gibt’s natürlich immer wieder Veranstaltungen, die vorbereitet werden müssen. Den fünfzigsten Geburtstag von Ignaz dem Schrecklichen zum Beispiel!“

„Ignaz der Schreckliche?“ Thorsten verzog in komischem Entsetzen das Gesicht. „Wer ist das denn?“

„Unser Klassenlehrer, Ignaz Albert“, gab Bille lachend zur Antwort. „Er ist so groß wie du, dick, hat einen mächtigen Schnauzbart und eine gewaltige Bassstimme. Aber er ist herzensgut und ein sehr guter Reiter! Im Schulunterricht allerdings verlangt er eine Menge. Dafür behandelt er die Pferde mit Samthandschuhen. So soll es sein.“

„Was ist mit deinen Freunden, diesen Henrich-Kindern?“

„Kinder ist gut!“ Bille schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. „Ich habe das Gefühl, als ob bei dir die Zeit stehen geblieben wäre!“

„Entschuldige, ich wollte dir nicht zu nahetreten, kleine Schwägerin, ich weiß ja – ein Jahr mehr, und du wirst auch in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Gehen die Henrichs alle ins Reiter-Internat?“

„Daniel ist schon fast mit dem Studium fertig! Er arbeitet zurzeit zu Hause, so eine Art Praktikum. Simon hat das Abitur hinter sich und Bettina ist in meiner Klasse. Florian, der Jüngste, geht noch mit uns in Groß-Willmsdorf zur Schule.“

Thorsten brach sich ein Stück Kuchen ab und tauchte es in den Topf mit Pflaumenmus. Die Hälfte blieb in dem zähflüssigen Mus stecken und er musste mit dem Zeigefinger danach angeln, was ihm einen ärgerlichen Rippenstoß von Inge eintrug. „Hat der alte Tiedjen Groß-Willmsdorf eigentlich an diese Internatsleute verkauft?“, erkundigte sich Thorsten, als sei nichts geschehen.

„Spinnst du? Also, erstens ist Daddy Tiedjen noch nicht alt, zweitens würde er Groß-Willmsdorf nie verkaufen, und drittens schon deshalb nicht, weil Tom, sein Sohn, das Gestüt schließlich mal erben soll. Daddy hat nur das Gutshaus verpachtet und das Grundstück hinter dem Park mit der Schulreithalle und den Ställen für die Schulpferde, damit dieses riesige leer stehende Haus endlich mal wieder richtig genutzt wird und nicht nur Geld kostet!“, ereiferte sich Bille.

„Na ja“, begütigte Thorsten sie, „ich gebe ja zu, ich lebe, was das betrifft, ein bisschen hinter dem Mond. Ich kriege oft noch nicht einmal mit, was hier im Dorf Wedenbruck los ist. Inge schimpft schon immer mit mir.“

„Du bist eben Künstler“, kam ihm Mutsch zu Hilfe, „lebst ganz in deiner eigenen Welt. Und wer nicht gerade ein Pferdenarr ist wie unsere Bille, den muss das ja auch nicht groß kümmern. Ich steige da auch nicht mehr durch. All die neuen Leute, die Lehrer, die Reitschüler, aber nette Leute sind es, das muss man ihnen lassen! Da herrscht ein guter Ton.“

„Reiter sind eben bessere Menschen!“, erklärte Bille. „Lach nicht! Wenn du keine Manieren hast, wenn du egoistisch und rücksichtslos bist, dauernd schlecht gelaunt und ohne jede Disziplin … dein Pferd gewöhnt dir all diese schlechten Eigenschaften radikal ab!“

„Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, seufzte Mutsch. „Leider gibt es unter Reitern und Pferdebesitzern etliche, denen du die Tiere am liebsten wegnehmen würdest, so schlecht behandeln sie sie. Und arrogant sind sie obendrein.“

„Das sind in meinen Augen keine Reiter“, erklärte Bille mit Nachdruck. „Die sollten von Pferden ferngehalten werden!“

Draußen wurde gehupt. Erschrocken sah Bille auf ihre Uhr.

„Was, schon so spät? Das ist Simon, er wollte mich abholen und mit nach Peershof nehmen. Ab drei sind wir dann in Groß-Willmsdorf beim Training.“

„Ich hab’s ja geahnt!“ Inge sah ihre jüngere Schwester vorwurfsvoll an. „Da hat man dich schon mal da, und nach einer Stunde bist du wieder verschwunden! Ob wir uns vor dem neuen Jahr noch mal sehen?“

„Na, jetzt übertreibst du aber! Wie wär’s, wenn du den Nachmittagsspaziergang mit deinen Kindern mal nach Groß-Willmsdorf verlegen würdest, um mir beim Training zuzuschauen? Wir haben eine gute Tribüne!“

„Und mir den Hintern abfrieren bei der Kälte, nein danke. Einmal und nie wieder. Ich hab’s nicht so mit den Pferden, das weißt du doch. Ich hole dich lieber mal wieder zum Babysitten.“

„Abgemacht.“

Bille gab allen einen Kuss und schlüpfte nach draußen, ehe noch jemand protestieren konnte.

Simon hielt ihr die Wagentür auf. „Na?“

„Was heißt hier ‚na‘? Kriege ich keinen Adventssonntagsmorgen – pardon, -mittagsk…?“

Simon unterbrach dieses komplizierte Wort, indem er Bille in die Arme schloss und an sich zog. Für eine ganze Weile hinderte er seine Freundin am Weitersprechen.

„Hatte der die richtige Feiertagsqualität?“, erkundigte er sich, als sich ihre Lippen trennten.

„Absolut entwicklungsfähig. Bei regelmäßigem Training ist mit raschen Fortschritten zu rechnen.“

„Da bin ich beruhigt.“

Simon ließ den Motor an. Sie fuhren die Hauptstraße hinauf und bogen am anderen Ende des Dorfes in die Allee ein, die nach Peershof führte. Der Regen hatte nachgelassen, über ihnen fegte der Wind die Wolken auseinander und ließ hin und wieder einen Sonnenstrahl aufblitzen. Auf dem nassen Asphalt jagten sich die Schatten, abgerissene Äste und Hügel von regenschwerem Laub bedeckten die Fahrbahn. Die Koppeln rechts und links der Straße lagen verlassen, ein Schwarm Krähen ließ sich im Gras nieder, um sich gleich darauf wieder zu erheben und dem Wald zuzufliegen.

„Denen ist es auch zu ungemütlich“, murmelte Bille und lehnte sich an die Schulter ihres Freundes. „Bei so einem Wetter sollte man im Bett bleiben und den ganzen Tag faulenzen.“

„Damit wären unsere Pferde wohl kaum einverstanden. Den ganzen Tag in der Box zu stehen und sich zu langweilen …“

Vor ihnen tauchte hinter mächtigen Buchen das dicht mit Efeu bewachsene Peershofer Gutshaus auf. Den strengen Charakter des Hauses milderten die blitzend weißen Fensterläden. Wie immer an Sonntagen war die Einfahrt frisch geharkt. Simon lenkte den Wagen zum Pferdestall hinüber und parkte vor der alten Wagenremise, in der früher die Kutschen ihren Platz gehabt hatten und die der Familie jetzt als Garage diente.

Bille war als Erste im Stall. Bettina stand in der Box ihres Fohlens Stella und bearbeitete mit einem Striegel das wollige Fell der nun bald zweijährigen Stute.

„Grüß dich!“, rief sie Bille zu und strich sich eine Strähne aus dem erhitzten Gesicht. „Mann, das ist eine Arbeit! Der Winter hat noch nicht angefangen und Stella hat einen Pelz, als hätten wir schon zwanzig Grad minus!“

In der Nachbarbox stand Florian, der jüngste der drei Henrich-Brüder, und polierte seiner Stute Florentine den Rücken mit einem weichen Lappen. Dabei flüsterte er ununterbrochen zärtlich auf sie ein.

„Darf man stören?“

„He, Bille! Okay, aber wirbel bloß keinen Staub auf!“

„Es wird sich schon kein Stäubchen auf dein Goldstück verirren.“

„Nicht deswegen. Aber sie hat vorhin gehustet. Ich werde ihr Heu in den nächsten Tagen immer ein bisschen anfeuchten müssen, damit es nicht schlimmer wird.“

„Gehustet!“ Daniel tauchte mit seinem Schimmel Wikinger in der Stallgasse auf und band ihn zum Putzen an. „Sie hat sich geräuspert! Und das auch nur, um dich dezent darauf aufmerksam zu machen, dass du sie zu lange hast warten lassen!“

Florian schnaufte verächtlich. Er war es gewohnt, von den Geschwistern und Freunden wegen seiner abgöttischen Liebe zu Florentine geneckt zu werden. Aber so etwas prallte an ihm ab. Niemand würde je begreifen, was dieses Pferd für ihn bedeutete – nicht einmal Simon und Bille, die ihm damals die Stute von ihrem zusammengesiegten Geld gekauft hatten.

Bille und Simon waren zu den beiden Boxen am Ende des Stalles gegangen und begrüßten nun Simons Stute Pünktchen und gegenüber ihren Sohn Pinocchio, der vor einer Woche in den heimischen Stall zurückgekehrt war. Während Simon zu seiner Fuchsstute in die Box trat und ihr zärtlich die Stirnlocke kraulte, widmete sich Bille dem temperamentvollen Hengstfohlen, das sofort begann, an den Knöpfen ihres Anoraks zu knabbern. Bille packte ihn freundschaftlich an der Mähne und drängte ihn zurück.

„He, du Gauner, die habe ich gerade wieder festgenäht! Ich glaube, du bist schon wieder gewachsen! Du wirst einmal ein Prachtpferd. Schau dir nur mal an, was der Kerl bereits für Muskeln hat, Simon! Kaum zu glauben.“

Bettina tauchte neben der Freundin auf.

„Ich bin fertig, Sternchen habe ich vorhin schon geputzt. Wenn ihr so weit seid, können wir fahren.“

Bille zog in gespieltem Erstaunen die Augenbrauen hoch.

„Fahren? Wir sind doch gerade erst gekommen!“

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