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Charly - Meine Chaosfamilie und ich, Band 01

hier erhältlich:

Charlys Leben droht im Chaos zu versinken! Kein Wunder, wenn die eigene Mutter mit Zwillingen schwanger ist (wie peinlich!), der Vater nebenberuflich als Elvis-Imitator arbeitet (würg!) und der große Bruder sowieso nichts anderes zu tun hat, als einen die ganze Zeit zu ärgern (argh!). Wie soll die Welt da erkennen, was wirklich in einem steckt?! Aber dann scheint sich für Charly das Blatt zu wenden: Beim Einstufungstest in der Schule schneidet sie als beste Schülerin aller Zeiten ab und gilt plötzlich als absolutes Genie! Das Blöde daran: Der Test wurde aus Versehen vertauscht. Doch das merkt Charly erst, als sie schon längst im Quiz-Team der Schule sitzt …
  • Erscheinungstag: 03.08.2016
  • Seitenanzahl: 256
  • Altersempfehlung: 10
  • Format: E-Book (ePub)
  • ISBN/Artikelnummer: 9783505138225

Leseprobe

 

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Ins Deutsche übertragen

von Diana Steinbrede

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Für die Schüler der Oakmere Grundschule und der Wroxham Schule, die wissen, dass LESEN TOTAL ROCKT.

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Mein Leben ist ein Witz. Wobei, eigentlich stimmt das nicht – es ist zu tragisch, um witzig zu sein. Aber es ist eine totale Katastrophe. Du denkst jetzt vielleicht, dass ich ein klitzekleines bisschen übertreibe, aber das kommt nur daher, weil du nichts über den ganzen Horror weißt. Es ist nämlich so: Morgen ist mein erster Tag an der weiterführenden Schule, und ich weiß jetzt schon, dass ich das Mädchen sein werde, auf das jeder zeigt und über das alle lachen. Ehrlich, es wird noch schlimmer als damals auf der Schulversammlung, als ich fünf war und aus Versehen meine ausgeleierte graue Unterhose aufblitzen ließ, was mir ein Jahr lang den Spitznamen Miss Windelschlüpfer einbrachte. Und das war schon schlimm genug.

Zuerst einmal habe ich den lächerlichsten Namen in der Geschichte der Namensgebung. Ich meine, wer nennt ein Mädchen schon Charly? Meine Eltern, die machen das. Obwohl das nicht so schlimm ist wie Moon Unit. So hat ein alter Rockstar seine Tochter genannt. Eltern sollten die ausgewählten Namen bei irgendeinem Babynamen-Gericht vorlegen müssen, bevor sie sie auf die Geburtsurkunde schreiben dürfen. Das würde einem später eine Menge Hänselei ersparen. Es ist ja noch ganz in Ordnung, in der Grundschule mit einem komischen Namen anzufangen. Da sind noch alle zu sehr mit Knete beschäftigt, um sich darum zu kümmern. Aber die weiterführende Schule ist anders. Ich will gar nicht wissen, wie viel Gekicher es gibt, wenn zum ersten Mal die Namenslisten vorgelesen werden.

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Damit könnte ich wahrscheinlich klarkommen, wenn es das Ende vom Albtraum wäre. Aber das ist es nicht. Noch schlimmer, als den dämlichsten Namen der Welt zu haben, ist nämlich der hässliche Schulblazer, den ich tragen muss. Wirklich, der ist so riesig, dass meine Fingerspitzen fast im Ärmel verschwinden, und die Schulterpartie sieht so aus, als wäre sie aus den Achtzigern übrig geblieben. Genau genommen hat er mal meinem Bruder Liam gepasst. Und da der ein vierzehnjähriger Bulldozer ist und ich elf bin, ist das die totale Katastrophe. Im Futter der Innentasche ist ein großes Loch, das wie dafür geschaffen ist, dass ich meine Sachen verliere. Und dann der Geruch. Wie muffiges altes Gras und Käsefüße. Ich sollte wahrscheinlich dankbar dafür sein, dass er nicht so stinkt wie Liam. Aber wenn man riecht wie Das Mädchen ohne Deo“, ist es schwer, den Silberstreif am Horizont zu sehen.

Mum ist das anscheinend egal. Ich habe ihr schon wochenlang gesagt, dass ich eine neue Uniform brauche, aber sie hört mir ja nicht zu. Ehrlich, manchmal ist es sogar so, als wäre ich gar nicht da. Also haben wir es natürlich erst am letzten Wochenende der Schulferien zum Uniform-Laden geschafft, und sie hatten keine kleinen Blazer mehr. Das schien Mum aber gar nichts auszumachen, nicht mal, als Liam anfing zu lachen und meine Unterlippe zitterte. Sie hat nur müde ihren mächtig dicken Babybauch gerieben und gesagt: „Hör auf zu heulen, Charly. Es wird dich schon nicht umbringen, ein paar Tage lang den alten von Liam zu tragen.“

Dagegen konnte ich nicht viel sagen. Im Prinzip hat sie recht, ich werde wahrscheinlich nicht daran sterben, wenn ich Liams abgelegte Klamotten tragen muss (obwohl da eine verdächtig klebrige Masse in einer Tasche ist, die aussieht wie irgendeine Biogefährdung), aber Coolness-Punkte bringt mir das auch nicht gerade ein. In Wirklichkeit hätte sie mir genauso gut ein riesiges L für Loser auf die Stirn tätowieren können. In solchen Momenten wünsche ich mir, ich wäre eine Waise. Natürlich nicht Oliver Twist. Eine reiche, und am besten aus der königlichen Familie.

Egal, verstehst du mein Problem? Ich habe Molly und Sina gesimst, um mir Rat zu holen, aber sie waren keine große Hilfe. Molly schlug vor, ich sollte die Ärmel aufkrempeln, wie sie das letzten Monat in einem Modemagazin gesehen hat. Ich sagte ihr, das würde vielleicht mit einem schicken kleinen und modischen Blazer funktionieren, aber ein gestärkter Ärmel aus hundert Prozent Polyester wäre da etwas widerstandsfähiger gegen modische Anpassungen. Sina meinte, es gäbe Kinder in Afrika, die hätten gar keine Kleidung und wären froh, wenn sie meine Blazer-Probleme hätten. Vielleicht kann ich ihn ja spenden. Man könnte ihn als Zelt benutzen.

Ich weiß genau, was du jetzt sagen willst: Warum erzähle ich meiner Mum nicht, dass ich eine schrecklich ansteckende Krankheit habe, und drücke mich vor der Schule? Tja, daran habe ich auch gedacht, als ich Liam auf der Treppe begegnet bin. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und lachte höhnisch.

„Der unheimliche Hulk hat angerufen. Er will seinen Blazer zurück.“

Dann grinste er total fies und verschwand in seinem Zimmer. Dabei fiel ihm nicht mal auf, dass er sich gerade selbst beleidigt hatte. Er ist so ein Vollpfosten. Ich bin sicher, dass du total verstehst, warum ich ihn hasse. Sogar der Dalai Lama würde es schwierig finden, ihn zu mögen, dabei ist es sein Job, jeden zu lieben. Der Halbbruder von Sina ist siebzehn und bringt ihr jedes Mal haufenweise coole Sachen mit, wenn er vorbeikommt. Liam reißt immer nur blöde Witze über mich und jammert, wenn Mum und Dad ihn zum Babysitten verdonnern. Wenn er mich schon nervig findet, soll er erst mal abwarten, bis die Zwillinge da sind. Molly sagt, sie hat gesehen, wie ihr kleiner Cousin als Baby seinem Dad ins Gesicht gepinkelt hat. Ich hoffe also schwer, dass die Zwillinge im Krieg der Geschwister auf meiner Seite sind.

Nachdem ich aufgehört hatte, vor seiner geschlossenen Tür Grimassen zu schneiden, bin ich nach unten gegangen. Dort war Mum gerade damit beschäftigt, meinen Namen in den Rest meiner neuen Uniform zu sticken. Die Sache mit der Krankheit hat sie mir nicht abgekauft.

„Charly Bond, du hast keine Malaria“, schnauzte sie, als ich die Symptome herunter­leierte, die ich bei Google nachgeguckt hatte. „Und hör auf, über deinen Blazer zu meckern. Krempel die Ärmel auf, wenn sie zu lang sind.“

Für sie ist alles in Ordnung, sie ist im sechsten Monat schwanger – für sie ist nichts zu groß. Aber als ich das sagte, sah sie ziemlich ärgerlich aus. Also beschloss ich, nicht zu erwähnen, dass das Abzeichen auf der Tasche auch noch schief aufgenäht ist. Schwangere Frauen sind anscheinend sehr mürrisch. Oder vielleicht ist das auch nur bei meiner Mum so.

Jetzt liege ich also im Bett und wünsche mir, es wäre immer noch Samstagnacht und niemals Sonntag, und suche nach einem anderen Weg, morgen die Schule zu vermeiden. Wenn ich es mir fest genug wünsche, bricht vielleicht ein Monsterschneesturm aus, der alle einschneit und dafür sorgt, dass die Schule geschlossen bleibt. Das wäre echt cool. Wer weiß, vielleicht habe ich ja ein verstecktes Talent dafür, das Wetter zu kontrollieren – ich habe es noch nie versucht. Vielleicht bin ich insgeheim eine Mutantin, so wie die in den X-Men-Filmen. Wenn ja, würde mir das gar nicht viel ausmachen. Ich wette, Wolverine musste nie eine schlecht sitzende Schuluniform tragen.

Was meine Mum anscheinend nicht kapiert, ist, dass ich mir wirklich Sorgen mache wegen morgen, und nicht nur wegen dem Ding, dessen Namen nicht genannt werden darf (momentan in einem Haufen auf meinem Schlafzimmerboden). Ich meine, in der Westwood Grundschule wusste ich, wo ich war. Ich, Sina und Molly waren vom ersten Tag an beste Freundinnen, und, unter uns gesagt, wir kannten alle. St. Jude’s ist viel größer und voller Fremder, die sich über einen lustig machen (abgesehen von Liam und seinen dämlichen Freunden, die so bescheuert sind, dass ich wünschte, ich würde sie nicht kennen). Was, wenn ich mich verirre? Was, wenn ich einen der Zehntklässler aus Versehen komisch angucke und er mich verprügelt? Was, wenn ich so viele Hausaufgaben aufkriege, dass ich keine Zeit für meine Freundinnen mehr habe? Obwohl, wenn ich jetzt so drüber nachdenke … Liam ist eigentlich nie besonders lang mit seinen Hausaufgaben beschäftigt. Ich glaube aber, das liegt daran, dass er später Rockstar werden will (ha, ha) und sich nicht viel aus der Schule macht. Dad hat letzte Woche gesagt, dass Liam sich dieses Jahr zusammenreißen muss, sonst wird seine Gitarre beschlagnahmt. Für mich kann das nur gut sein. Wenn er darauf spielt, hört es sich nämlich an, als würde er die Katze von nebenan erwürgen.

Molly und Sina machen sich auch Sorgen, selbst wenn sie das nicht zugeben. Wir „tun gleichgültig“, wie mein Dad es immer nennt, und reden darüber, als ob es die beste Sache der Welt wäre. Aber unter uns: Ich habe Zweifel, dass wir den ersten Tag überleben werden. Irgendwie hoffe ich fast, dass ich unter dem zornigen Blick eines vorbeigehenden Elftklässlers zu Staub zerfalle. Dann werden meine Eltern es bereuen, dass ich den Blazer vom Käsefuß-Bulldozer tragen musste. O ja, das werden sie.

 

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Ich nehme an, dass ich irgendwann eingeschlafen bin, denn als ich aufwachte, war der Tag X gekommen, und absolut null Schneeflocken waren gefallen, während ich geschlafen hatte. So viel zur X-Men-Theorie. In Wirklichkeit fing der Tag X genauso an, wie ich mir den Beginn vom schlimmsten Tag meines Lebens vorgestellt hatte: mit der herzzerreißenden Entdeckung, dass Rolo einen meiner nagelneuen Schulschuhe gefressen hatte. Ich meine, wie typisch ist das denn? Zum ersten Mal habe ich es geschafft, meine Mum zu überzeugen, mir vernünftige Schuhe zu kaufen, und mein dummer Hund macht sie kaputt.

„Du hättest sie nicht herumliegen lassen sollen.“ Mum schniefte, als ich ihr die angenagten Überreste eines Ballerinas zeigte. „Als du dir einen Welpen gewünscht hast, habe ich dir gleich gesagt, dass Labradore gern Sachen ankauen. Jetzt musst du die alten tragen. Oder die dünnen Schnürschuhe, die Tante Jane dir gekauft hat.“

Sie sagte es so, als ob es irgendwie mein Fehler wäre, dass wir einen Hund haben, der alles frisst, von Socken bis hin zu Seifenstücken. Ich meine, ich gebe ja zu, dass er mein Hund ist. Wir haben ihn zu meinem zehnten Geburtstag bekommen, bevor wir wussten, dass Mum und Dad die Anzahl von Mäulern, die sie zu stopfen haben, verdoppeln würden. Damals hatte ich diese fixe Idee, dass Labradore den ganzen Tag mit Klopapierrollen spielen und blinden Leuten über die Straße helfen.

Rolo war der einzige scho­koladenbraune in einem Wurf von verwaschen gelben Welpen und sprang begeistert über seine Brüder und Schwestern hinweg auf uns zu. Erst als wir ihn mit nach Hause genommen hatten und er einen Geschmackstest bei der gescheckten Katze von nebenan startete, wurde uns klar, dass wir vielleicht einen Fehler gemacht hatten. Aber da war es zu spät.

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Meine alten Schuhe sind aus marineblauem Leder mit gestickten Kätzchen vorne drauf, aber nicht etwa im Retro-Look wie Hello Kitty. Und in den Schnürschuhen von Tante Jane fühle ich mich wie achtzig. Mit anderen Worten: Beide sind absolut tabu für den ersten Tag auf der weiterführenden Schule. Natürlich hat meine Mutter keine Ahnung, was für die Modefreaks aus der Siebten akzeptabel ist. Ein paar Minuten nach ihrem letzten lächerlichen Vorschlag watschelte sie auf der Suche nach den Autoschlüsseln an mir vorbei und warf mir einen ungeduldigen Blick zu. „Charly, du kannst die Ballerinas nicht mit Klebeband zusammenkleben. Such die mit den Kätzchen raus, sofort! Du willst doch an deinem ersten Tag nicht zu spät kommen.“

Doch, genau das wollte ich. Am besten gleich sieben Stunden zu spät, aber als ich ihr das sagte, stellte sie sich taub. Liam war mal wieder wenig mitfühlend. Als er auf dem Weg zum Auto meine Füße sah, prustete er los.

„Wenn irgendjemand fragt, dann bist du adop­tiert, okay? Ich habe an der St. Jude’s einen Ruf zu verlieren.“

Ich war drauf und dran zu sagen, dass ich wünschte, ich wäre adoptiert, aber Mum hörte zu, und sie wird sauer, wenn ich das sage. Für jemanden, der behauptet, dass er mich liebt, lässt sie sich das kaum anmerken. Wenn ich ihr wirklich wichtig wäre, würde sie mich heute zu Hause bleiben lassen.

Und die nächsten sieben Jahre auch.

Wie du dir also wahrscheinlich schon denken kannst, musste ich gehen. Sie bekam ganz feuchte Augen, als wir am Schultor ankamen, und bestand darauf, mich zu umarmen UND mir einen Abschiedskuss zu geben. Ich glaube, sie wäre sogar mit auf den Schulhof gekommen, wenn ich es ihr erlaubt hätte. Es ist gut, dass die Zwillinge unterwegs sind. Wenn sie sich um richtige Babys kümmern muss, hört sie vielleicht auf, mich wie eins zu behandeln. Ich bin fast vor Scham gestorben, als ich um mich herum die makellosen Blazer meiner neuen Klassenkameraden sah, und fragte mich, ob sie mein Teenager-Aroma bemerkten. Ich könnte ihnen nicht mal einen Vorwurf machen, wenn sie hinter meinem Rücken über mich lachten. In Kombination mit den Kätzchen sah ich nicht gerade blendend aus. Aber niemand sagte etwas Gemeines, nicht mal, als die Namensliste vorgelesen wurde – obwohl ich dankbar bin, dass Justin Bibber dabei die meisten Lacher bekam. Es hat mir geholfen, dass Sina und Molly und ich die meisten Fächer zusammen haben, zumindest im Moment. Sie haben mich mit einer Flut von dummen Kommentaren und Witzen von meinem Klamotten-Desaster abgelenkt. Ehrlich, sie sollten ihre eigene Fern­seh­­sendung haben oder so was – sie sind so witzig.

Nach der Registrierung gingen wir in den Englisch-Raum (toll!) und zu Mathe (nicht so toll), und zwischen meinen witzigen besten Freundinnen und den netten Lehrern war ich erstaunt, als ich merkte, dass mir der erste Morgen tatsächlich Spaß machte. Bis zum Beginn der Mittagspause schaffte ich es sogar, Liams Existenz zu vergessen. Wir standen in der Schlange der Schulmensa, als ein Schatten auf mich fiel, und während ich hochsah, ragte er drohend vor mir auf.

„Alles klar, Knalltüte?“, fragte er, und seine Idioten-Kumpel kicherten hämisch, als wäre das die lustigste Sache der Welt. „Hast du dich schon blamiert?“

„Kenne ich dich?“, fragte ich.

Er streckte die Hand aus und fuhr mir mit seiner knochigen Faust grob durchs Haar, weil er weiß, wie ich das hasse. „Gib uns was von deinem Essensgeld.“

„Wo ist dein eigenes?“ Ich duckte mich mit einem finsteren Blick unter seiner Hand weg.

„Habe ich verloren.“

Ha, wohl eher für Süßigkeiten ausgegeben. Aber seine Freunde starrten mich alle an, als ob ich sechs Köpfe hätte, und das war mir unangenehm. Ich wollte, dass sie abhauten, und es gab nur einen Weg, das zu erreichen. Ich steckte meine Hand in die sichere Tasche, nicht die radioaktive, und zog meine Minnie-Mouse-Geldbörse heraus. „Mum wird darüber nicht sehr glücklich sein.“

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Er nahm das Geld, das ich ihm hinhielt, und lächelte. „Darum wirst du ihr auch nichts davon erzählen. Bis später, Knalltüte.“

„Es muss schön sein, einen großen Bruder wie Liam zu haben“, sagte Molly, als er gegangen war, und starrte ihm mit einem merkwürdig sehnsüchtigen Blick hinterher.

„O ja, großartig“, gab ich zurück und legte so viel Sarkasmus wie möglich in die Worte. „Ich mag es besonders, wenn er mir so viel Geld abknöpft, dass ich mir selbst kaum noch was zu essen kaufen kann.“

Sie seufzte. „Aber er schätzt dich total als kleine Schwester, nicht wahr? Er würde doch für dich da sein, wenn es drauf ankommt?“

Sina und ich tauschten einen Blick. Molly ist ein Einzelkind in einer ansonsten großen griechischen Familie, und sie hat komische Vorstellungen davon, wie es wirklich ist, Geschwister zu haben. Ich bin sicher, dass sie denkt, wir ziehen los und erleben geheime nf-Freunde-Abenteuer, wenn sie gerade nicht hinschaut. Sie darf auch keine Haustiere haben, darum ist sie verrückt nach Rolo. Ich verschränkte die Arme und tat so, als würde ich über die Frage nachdenken.

„Mal sehen: Wenn ich diejenige ohne Geld wäre, glaubst du, er würde seins mit mir teilen?“

Sie fing an zu nicken.

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