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Das Buch meiner Mutter

Als Buch hier erhältlich:

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Ein Zeugnis der verlorenen Liebe: Im Alter von 59 Jahren erinnert sich Albert Cohen in einem Brief an seine Mutter, die während des Krieges im besetzten Frankreich starb. Es sind Erinnerungen voller Innigkeit, aber auch in Reue darüber, die Mutter nicht genügend anerkannt zu haben. Der Schriftsteller aus der Schweiz schildert ihre rührende Unbeholfenheit, die stets erfolglosen Versuche, Diät zu halten, ihre grotesken Hüte und ihren unverbesserlich schlechten Geschmack. Im Original 1954 und auf Deutsch 1971 erschienen, ist zwei Jahre nach der hymnisch besprochenen Roman-Neuausgabe "Die Schöne des Herrn" nun in der KOLLEKTION auch das eindringliche Mutter-Buch wieder zugänglich.
  • Erscheinungstag: 29.09.2014
  • Seitenanzahl: 144
  • ISBN/Artikelnummer: 9783312006298

Leseprobe

Kapitel I

Jeder Mensch ist allein, und keiner schert sich um den anderen, und unsere Leiden sind eine einsame Insel. Aber warum sich deshalb nicht heute Abend in den ausklingenden Geräuschen der Straßen trösten, sich nicht mit Worten trösten? Oh, der arme Verlorene, der sich an seinem Tisch mit Worten tröstet, an seinem Tisch sitzend, das Telefon abgeschaltet, denn er hat Angst vor dem Draußen, und am Abend, wenn das Telefon abgeschaltet ist, kommt er sich vor wie ein König, geschützt vor den bösen Menschen draußen, den so rasch bösen, so sinnlos bösen Menschen.

Was für ein seltsames kleines Glück, traurig und lahm, aber süß wie eine Sünde oder ein heimlicher Trunk, was für ein Glück, immerhin in diesem Augenblick allein in meinem Königreich und fern von den Dreckskerlen zu schreiben. Wer die Dreckskerle sind? Ich werde es euch nicht verraten. Ich will keine Geschichten mit den Leuten von draußen. Ich will nicht, dass man mich in meinem falschen Frieden stört und mich daran hindert, ein paar Seiten zu schreiben, zehn oder hundert, je nachdem, wofür sich mein Herz, das mein Schicksal ist, entscheidet. Vor allem habe ich beschlossen, allen Malern zu sagen, dass sie Genie haben, sonst beißen sie. Und überhaupt sage ich allen Leuten, wie reizend jeder ist. Das sind meine Tagessitten. Aber in den Nächten und wenn der Morgen graut, denke ich mir das Meine.

Du meine prächtige Goldfeder, wandere über das Blatt, wandere aufs Geratewohl, solange ich noch einigermaßen jung bin, nimm deinen langsamen, unregelmäßigen Gang auf, zögernd wie im Traum, eine unsichere und doch gelenkte Wanderung. Geh, ich liebe dich, meine einzige Trösterin, wandere über die Seiten, an denen ich mich traurig ergötze und deren schiefer Blick mir eine grämliche Freude bereitet. Ja, die Worte, meine Heimat, die Worte trösten und rächen. Aber sie geben mir nicht meine Mutter wieder. Mögen sie noch so erfüllt sein vom Blut der Vergangenheit, das in den Schläfen pocht, mögen sie noch so voll sein von Duft, die Worte, die ich niederschreibe, geben mir nicht meine tote Mutter wieder. Ein Thema, das bei Nacht verboten ist. Zurück, Bild meiner Mutter, wie ich sie zum letzten Mal in Frankreich lebendig vor mir sah, zurück, mütterlicher Schatten.

Plötzlich überkommt mich an meinem Arbeitstisch, weil alles darauf in Ordnung ist, und weil ich heißen Kaffee habe und eine kaum angerauchte Zigarette und ein funktionierendes Feuerzeug, und weil meine Feder gut schreibt, und weil ich neben dem Kamin sitze und meiner Katze nahe bin, überkommt mich einen Augenblick lang ein so großes Glücksgefühl, dass es mich rührt. Ich habe Mitleid mit mir, mit dieser kindlichen Fähigkeit, sich unbeschreiblich zu freuen, die nichts Gutes verheißt. Was habe ich für Mitleid mit mir, wenn ich sehe, wie zufrieden ich bin wegen einer anständig schreibenden Feder, Mitleid mit diesem armen Kerl von Herz, das aufhören möchte zu leiden und sich an etwas klammern möchte, das es lieben kann, um weiterzuleben. Für einige Minuten befinde ich mich in einer kleinen, bürgerlichen Oase, die ich genieße. Aber darunter ist das Unglück, immerzu, unauslöschlich. Ja, ich genieße es, ein paar Minuten lang ein Bürger zu sein wie sie. Man liebt, was man nicht ist. Es gibt keine größere Künstlerin als eine echte Bourgeoise, die bei einem Gedicht die Augen verdreht oder beim Anblick eines Cézanne mit Schaum vor den Lippen in Trance fällt und mit hier und da aufgeschnappten und gar nicht begriffenen Worten in ihrem kleinen Kauderwelsch zu prophezeien beginnt und von Massen und Volumen redet und sagt, dass dieses Rot so sinnlich sei. Und deine Schwester, ist sie auch sinnlich? Ich weiß nicht mehr, wo ich hin will. Machen wir also am Rand eine kleine Zeichnung, die uns auf neue Ideen bringt, eine Trostzeichnung, eine kleine neurasthenische Zeichnung, eine langsame Zeichnung, in die man Entschlüsse und Zukunftspläne hineinlegt, eine kleine Zeichnung, seltsame Insel und Seelenheimat, traurige Oase der Überlegungen, die deinen Kurven folgen, eine kleine, nur ein bisschen verrückte, sorgsame, kindliche, brave Sohnes-Zeichnung. Still, weckt sie nicht auf, Töchter Jerusalems, weckt sie nicht auf, während sie schläft.

Wer schläft?, fragt meine Feder. Wer anders als auf ewig meine Mutter, wer anders als meine Mutter, die mein Schmerz ist? Weckt ihn nicht auf, Töchter Jerusalems, meinen Schmerz, der vergraben liegt im Friedhof einer Stadt, deren Namen ich nicht aussprechen darf, denn dieser Name ist gleichbedeutend mit meiner in der Erde vergrabenen Mutter. Geh, Feder, werde wieder geläufig, zögere nicht, sei vernünftig, werde wieder ein Werkzeug der Klarheit, tauche dich ein in den Willen und mache nicht so lange Beistriche, das ist kein guter Gedanke. Seele, o meine Feder, sei tapfer und arbeitsam, verlasse das dunkle Land, sei nicht mehr verrückt, fast verrückt, und geschraubt, auf morbide Art geschraubt. Und du, mein einziger Freund, du, den ich im Spiegel betrachte, unterdrücke das trockene Schluchzen, und da du es wagen willst, sprich von deiner toten Mutter mit einem falschen Herzen aus Erz, sprich ruhig, tue als seist du ruhig, wer weiß, vielleicht ist das nur Gewohnheitssache? Erzähle von deiner Mutter in der ruhigen Art der Leute, pfeife ein wenig vor dich hin, um dir einzureden, dass alles gar nicht so schlimm ist, und vor allem lächle, vergiss nicht zu lächeln. Lächle, um deine Verzweiflung zu beschwindeln, lächle, um weiterzuleben, lächle deinen Spiegel und die Leute und sogar diese Seite an. Lächle mit deiner Trauer, die beklemmender ist als Angst. Lächle, um dir einzureden, dass nichts von Wichtigkeit ist, lächle, um dich zu zwingen, dass du zu leben vorgibst, lächle unter dem Schwert des Todes deiner Mutter, das über dir hängt, lächle zum Ersticken dein ganzes Leben lang, bis du tatsächlich daran krepierst, an diesem dauernden Lächeln.

Kapitel II

Am Freitagnachmittag, der bei den Juden der Beginn des heiligen Tages, des Sabbat ist, machte meine Mutter sich schön und schmückte sich. Sie legte ihr feierliches schwarzseidenes Kleid an und die Schmuckstücke, die ihr noch geblieben waren. Denn ich war freigebig in meiner lachenden Jugend und gab den Bettlern, wenn sie alt waren und einen langen Bart hatten, Geldscheine. Und wenn einem Freund mein Zigarettenetui gefiel, so gehörte das goldene Etui ihm. Als ich ein Student war, leicht verrückt, aber zärtlich, da hatte sie in Genf Schmuck verkauft, ihre schönsten Stücke, auf die sie so stolz war, meine Gute, Liebe, und die sie zur Bestätigung ihrer naiven Würde als Tochter der Honoratioren einer vergangenen Zeit brauchte. Wieder und wieder und immer von den Juwelieren übers Ohr gehauen, hatte sie für mich Schmuck verkauft und es geheimgehalten vor meinem Vater, dessen Strenge uns erschreckte, sie und mich, und uns zu Verbündeten machte. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie von dem Juwelier in Genf herauskommt, so stolz auf die armselige große Geldsumme, die sie für mich erhalten hatte, so glücklich, dass sie für mich ihre geliebten Ohrgehänge verkauft hatte, ihre Ringe und Perlen, die ein Zeichen ihres Standes waren, ihre Ehrenzeichen als Dame des Orients. So glücklich, meine Liebe, Gute, die schon so mühsam ging, auf die der Tod schon lauerte. So glücklich, sich für mich zu entäußern, mir Geldscheine zuzustecken, die meine jungen, eiligen, gebefreudigen Hände in ein paar Tagen verschwenden würden. Ich nahm, verliebt und sonnig und wenig um meine Mutter bekümmert, denn ich war der geliebte, doch auch liebende Freund eines schönen jungen Mädchens und noch eines andern Mädchens und immer so weiter bis ins Unendliche, in den reflektierenden Spiegeln des Schlosses der Liebe. Wie seltsam blass sind meine verblichenen Lieben! Ich nahm die Geldscheine und wusste nicht, Sohn, der ich war, dass diese bescheidenen großen Summen das Opfer meiner Mutter auf dem Altar der Mutterliebe waren. O du Priesterin des Sohnes, o du Majestät, die ich zu lange nicht erkannte. Jetzt ist es zu spät.

Von Genf kam ich nach Marseille, um dort meine Ferien zu verbringen, und jeden Sabbat erwartete uns dort meine Mutter, uns, meinen Vater und mich, die mit einem Myrtenzweiglein in der Hand aus der Synagoge zurückkehrten. Sie hatte die bescheidene Wohnung, ihr jüdisches Königreich und ihr armseliges Vaterland, für den Sabbat geschmückt, und nun saß meine Mutter ganz allein vor dem feierlich gedeckten Sabbattisch und wartete feierlich auf ihren Sohn und ihren Mann. Sie saß da und zwang sich zu gesitteter Unbeweglichkeit, um ihren schönen Aufputz nicht zu zerstören, saß bewegt und beengt, denn sie war würdevoll in ihr Korsett geschnürt; bewegt, denn sie war gut angezogen und achtbar; bewegt, denn sie würde bald ihren beiden Lieben gefallen, ihrem Mann und ihrem Sohn, deren für sie so wichtige Schritte sie gleich im Stiegenhaus hören würde; bewegt, denn ihr Haar war wohlgeordnet und glänzte vom althergebrachten Öl süßer Mandeln – in Toilettengeheimnissen war sie wenig beschlagen –; bewegt wie ein kleines Mädchen bei der Zeugnisverteilung saß meine alternde Mutter da und wartete auf die beiden Ziele ihres Lebens, ihren Sohn und ihren Mann.

Sie saß unter dem Porträt, das mich mit fünfzehn Jahren darstellte und das ihr Altar war, unter meinem schrecklichen Porträt, das sie herrlich fand. Sie saß an dem Sabbattisch mit den drei angezündeten Kerzen, an dem festlichen Tisch, der schon ein Stück vom Reich des Messias war, und die Atemzüge meiner Mutter drückten Befriedigung aus, aber auch ein wenig Erregung, denn sie würden bald da sein, ihre zwei Männer, die Fackeln ihres Lebens. O ja, dachte sie freudig, sie würden die Wohnung so sauber und luxuriös finden an diesem Sabbat, sie würden sie beglückwünschen zu der strahlenden Ordnung ihrer Wohnung und auch zur Eleganz ihres Kleides. Ihr Sohn, der nie hinzuschauen schien, aber alles sah, würde einen raschen Blick auf das neue Krägelchen und die neuen Spitzenmanschetten werfen und, ja sicherlich, diese Veränderungen würden seine für sie so wichtige Zustimmung finden. Und sie war im Voraus stolz, überlegte im Voraus, mit welchen Worten sie ihnen berichten würde – vielleicht mit ein paar unschuldigen Übertreibungen –, wie rasch und tüchtig sie das Haus bestellt hatte. Und sie würden sehen, was für eine fähige Frau sie war, was für eine Haushaltskönigin. Das waren die ehrgeizigen Träume meiner Mutter.

Da saß sie also, ganz Liebe zur Familie, und zählte ihnen in Gedanken schon alles auf, was sie gekocht und gewaschen und in Ordnung gebracht hatte. Von Zeit zu Zeit ging sie in die Küche, und ihre kleinen Hände, an denen ein ehrwürdiger Ehering glänzte, versetzten den Fleischklößen, die in granatrotem Tomatensaft dünsteten, sinnlose, graziöse, kunstvolle Klapse mit dem hölzernen Kochlöffel. So zart war die Haut ihrer kleinen, rundlichen Hände, und wenn ich ihr deshalb ein Kompliment machte, tat ich es mit ein wenig Scheinheiligkeit und mit viel Liebe, denn ich fand ihre naive Befriedigung darüber hinreißend. Sie war so geschickt beim Kochen und so ungeschickt, was alles übrige betraf. Aber in ihrer Küche, wo sie ganz die schmucke alte Dame blieb, was war sie da für ein großartiger, entschlossener Befehlshaber. Oh, die naiven kleinen Schläge des Löffels auf die Klöße, die kleinen Schläge, die meine Mutter in ihrer Küche austeilte, oh, diese Riten, die beflissenen, zärtlichen, reizenden, absurden und sinnlosen Klapse, in denen ihre Seele der Beruhigung Ausdruck gab, zu sehen, dass alles in Ordnung war, dass die Klöße gelungen waren und den Beifall ihrer beiden Schwierigen finden würden, oh, ihr sehr weisen und albernen, auf immer vergangenen Gesten meiner Mutter, die ganz allein in ihrer Küche unmerklich lächelte, linkische und majestätische Anmut, Majestät meiner Mutter.

Aus der Küche zurückgekehrt, setzte sie sich hin, sehr gesittet in ihrem häuslichen Priestertum, zufrieden mit ihrem armen, kleinen, wohlanständigen Einsamen-Schicksal, einzig geschmückt durch Mann und Sohn, deren Dienerin und Hüterin sie war. Diese einstmals junge und hübsche Frau war eine Tochter des Gesetzes Moses’, des Moral-Gesetzes, das für sie mehr bedeutete als Gott. Keine Liebschaften aus Liebe also, keine Geschichten à la Anna Karenina. Ein Mann, ein Sohn, die man mit demütiger Majestät zu lenken und zu bedienen hatte. Sie hatte nicht aus Liebe geheiratet; man hatte sie verheiratet, und sie hatte es fügsam hingenommen. Und die biblische, von meinen abendländischen Passionen so sehr verschiedene Liebe war entstanden. Die heilige Liebe meiner Mutter war in der Ehe entstanden, war mit der Geburt des Babys, das ich war, gewachsen, hatte sich im Bündnis mit ihrem geliebten Mann gegen das böse Leben entfaltet. Es gibt wirbelnde, in Sonne getauchte Passionen. Es gibt keine größere Liebe.

An einem Sabbat, an den ich jetzt denke, saß sie wartend da, zufrieden mit sich selbst und mit dem guten Aussehen ihres Sohnes an diesem Morgen, und dachte sich heimlich einen Mandelkuchen aus, den sie ihm am Sonntag machen würde. Ich werde ihn etwas länger backen als das letzte Mal, dachte sie. Und Montag, ja, da würde sie ihm einen Maiskuchen mit sehr viel Rosinen machen. Ausgezeichnet. Plötzlich warf sie einen Blick auf die Uhr, stellte fest, dass es schon acht Uhr abends war, und entsetzte sich mit allzu viel Ausdruck und wenig von jener Selbstbeherrschung, die eine Mitgift der Völker ist, die des kommenden Tages sicher und an das Glück gewöhnt sind. Sie hatten gesagt, sie würden um sieben Uhr zurück sein. Ein Unfall? Überfahren? Mit schweißfeuchter Stirn ging sie ins Schlafzimmer, um dort auf der Uhr nochmals die Zeit zu überprüfen. Erst sechs Uhr fünfzig. Ein Lächeln in den Spiegel und ein Dankgebet zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Aber beim Schließen der Schlafzimmertüre streifte ihre Hand die Spitze eines Nagels. Tetanus! Rasch, Jodtinktur! Die Juden lieben das Leben etwas zu sehr. Sie hatte Angst vor dem Tod, und sie dachte an das Hemd, das sie in der Hochzeitsnacht getragen hatte und das man ihr am Tag ihres Todes wieder anziehen würde, das schreckliche Hemd, das in der hintersten Lade ihres Schrankes lag, jener entsetzlichen Lade, die sie niemals öffnete. Trotz ihrer Religion glaubte sie nicht sehr an das ewige Leben. Aber plötzlich regten sich alle Lebensgeister wieder, denn eben hatte sie unten auf der Stiege die herzbewegenden Schritte der beiden geliebten Wesen gehört.

Ein letzter Blick in den Spiegel, um etwaige Spuren des Reispuders zu entfernen, den sie an diesem Festtag heimlich und mit dem Gefühl großer Sündhaftigkeit auflegte, ein unschuldiges weißes Pulver von Roger et Gallet, das sich, glaube ich, «Vera Violetta» nannte. Und rasch ging sie, die Türe zu öffnen, die mit einer Sicherheitskette versehen war, denn man kann nie wissen, und die Erinnerung an die Pogrome hält sich hartnäckig. Rasch den Eintritt der beiden kostbaren Geschöpfe vorbereiten. So sah das Liebesleben meiner heiligmäßigen Mutter aus. Nicht viel Hollywood, wie man sieht. Ein Lob von ihrem Mann und von ihrem Sohn und das Glück dieser beiden, das war alles, was sie vom Leben verlangte.

Sie öffnete die Tür, ohne dass sie erst anklopfen mussten. Vater und Sohn erstaunten nicht über diese Tür, die sich wie durch Zauber öffnete. Sie waren daran gewöhnt und sie wussten, dass diese Liebesspäherin immer auf der Lauer lag. Ja, immer und so sehr auf der Lauer, dass ihre Augen, die nach meiner Gesundheit und nach meinen Sorgen ausspähten, mich manchmal ärgerten. Unbewusst nahm ich ihr übel, allzu viel zu überwachen und zu erraten. O du auf immer verlorener heiliger Wachtposten. In der offenen Tür lächelte sie, bewegt, würdig, fast kokett. Wie genau ich sie wieder vor mir sehe, wenn ich es wage, und wie lebendig die Toten sind. «Willkommen», sagte sie mit einer schüchtern-ernsthaften Würde, wollte uns gefallen, war bewegt, weil sie würdevoll und vom Sabbat verschönt war. «Willkommen, friedevoller Sabbat», sagte sie. Und mit ihren erhobenen Händen, die Finger gespreizt, segnete sie mich wie ein Priester und sah mich fast tierisch, mit der Aufmerksamkeit einer Löwin an, ob ich auch noch immer gesund sei, oder forschte nach Menschenart, ob ich nicht traurig sei oder nachdenklich. Aber an diesem Tag war alles gut, und sie atmete den Duft der traditionellen Myrte ein, die wir ihr mitbrachten. Sie zerrieb die Zweiglein zwischen ihren kleinen Händen und sog etwas theatralisch den Duft ein, wie es den Leuten unseres orientalischen Stammes zukommt. So hübsch war sie damals, meine alte Mama, die sich nur mit Mühe bewegte, meine Mama.

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