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Der schönste Ponysommer aller Zeiten

hier erhältlich:

Reiterferien auf dem Ponyhof! Welches Mädchen wünscht sich das nicht?


Als sich für Maja dieser Herzenswunsch erfüllt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sie bekommt sogar ein Pflegepony: Niko. Ein Pferd zum Liebhaben, Striegeln und Reiten.
Pony Niko entpuppt sich als absoluter Traum - ein echter Freund fürs Leben!
Gemeinsam erleben die beiden einen aufregenden Sommer, der so manches Abenteuer für sie bereithält …


  • Erscheinungstag: 05.06.2015
  • Seitenanzahl: 288
  • Altersempfehlung: 9
  • Format: Hardcover
  • ISBN/Artikelnummer: 9783505136429

Leseprobe

Berit Bach

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Majas erster

Ponysommer

Kapitel 1

Wir haben eine Überraschung für dich!« Majas Mama holte die Schüssel mit Schokoladenpudding aus dem Kühlschrank und stellte sie auf den Küchentisch.

Verdutzt sah Maja von ihren Spaghetti auf.

»Sagt jetzt bloß nicht, dass wir doch in Urlaub fahren! Ihr habt mir versprochen, in den Ferien in Berlin zu bleiben und dass ich jeden Tag in den Stall darf. Und mindestens zweimal pro Woche eine Reitstunde kriege. Ich will nicht weg!« Trotzig verzog sie das Gesicht und sah ihre Eltern vorwurfsvoll an.

»Langsam, langsam, du weißt doch noch gar nicht, um was es geht«, sagte Majas Papa, während er eine Nudel von seinem Hosenbein entfernte. »Dass mir die Dinger aber auch immer entwischen … Also, es hat zwar tatsächlich etwas mit Wegfahren zu tun, aber Nein sagen kannst du immer noch. Was ich mir an deiner Stelle genau überlegen würde.« Genüsslich wickelte er die nächste Portion Spaghetti auf.

»Papa hat recht. Wir haben nämlich zwei Wochen Reiterferien auf einer Nordseeinsel für dich gebucht! Jeden Tag Reitstunden, Ausritte am Meer, Striegeln bis zum Abwinken und was man da sonst noch alles macht. Ich habe ja keine …«

»Ahnung«, wollte Majas Mutter sagen, kam aber nicht mehr dazu. Stürmisch umarmte Maja ihren Vater und fiel auch ihrer Mutter so heftig um den Hals, dass ihre Brille gefährlich ins Rutschen geriet und sie sie gerade noch auffangen konnte.

»Nicht so wild! Wenn ich eine neue Brille brauche, dann könnte es mit dem Urlaub noch knapp werden«, lachte sie und befreite sich aus Majas Umklammerung.

Maja setzte sich wieder hin und sah ihre Eltern mit strahlenden Augen an.

»Wow, das ist ja hunderttausendmal besser als zwei Reitstunden pro Woche! Danke! Tolle Eltern habe ich!«

»Na, das hört man zur Abwechslung doch mal gern. Und da wir gerade bei den Komplimenten sind … dieser Pudding schmeckt einfach wieder großartig!« Majas Papa verdrehte genüsslich die Augen. »Hast du gemacht, oder?«

Maja nickte und nahm sich auch eine große Portion.

»Lecker. Nur schade, dass man so was nur noch so selten serviert bekommt.«

»Kein Wunder … Wenn man wie unsere Tochter die ganze Zeit nach der Schule bei den Ponys verbringt, bleibt für Puddingmachen nicht mehr viel übrig. Schade für uns, aber so ist es eben«, erwiderte Majas Mutter seufzend und ließ einen weiteren Löffel Pudding im Mund zergehen.

»Mama hat es kapiert.« Maja war mit ihrem Nachtisch fast fertig und kratzte die Reste aus der Schale. Eilig schob sie den letzten Löffel in den Mund und sah ihre Eltern neugierig an.

»Aber was ist das denn nun für ein Reiterhof, wo ich hinfahre?«

»Die Tochter eines Kollegen war im letzten Herbst dort und war völlig begeistert«, berichtete ihr Vater. »Jedes Kind hat ein eigenes Pflegepony, und die Leute, die den Dünenhof führen, sind wohl sehr nett. Neben Ponys gibt es natürlich noch das Meer, meistens Sonne und einen weiten Sandstrand. Lisa wollte in diesem Sommer wieder hin, hat sich aber gerade ein Bein gebrochen. Da Lothar weiß, dass du auch reitest, fragte er mich, ob du nicht Interesse hättest.«

»Und wir haben dann einfach hinter deinem Rücken gebucht. Frech von uns, oder?« Majas Mutter nahm noch einen Nachschlag vom Pudding. »Eigentlich wollte ich heute gar nichts Süßes mehr essen. Aber das hier ist so lecker … Also, in einer Woche fahren wir gemeinsam hin, Papa und ich reisen weiter nach Dänemark, und auf dem Rückweg holen wir dich wieder ab.«

Den letzten Satz kriegte Maja gar nicht mehr mit. In Gedanken saß sie schon auf einem weißen Pony und galoppierte den Strand entlang.

»Ich muss jetzt erst mal Lin anrufen. Aber lasst mir noch etwas Pudding für heute Abend übrig!«, sagte sie und flitzte aus der Küche.

Kapitel 2

Nachdem Maja mit Lin ausgiebig die Neuigkeiten der letzten zwei Stunden besprochen hatte, sauste sie in ihr Zimmer und holte die grün karierte Reisetasche vom Schrank. Bis zu den Sommerferien dauerte es zwar noch eine Woche, aber Maja war in Urlaubsstimmung. Putzzeug, Stiefel, Reitkappe und die Tüte mit Pferdeleckerli waren natürlich das Wichtigste, was mitmusste. Und das neue Pferdelexikon, das sie zum zehnten Geburtstag bekommen hatte. Wenn die anderen auf dem Dünenhof gut ritten und viel über Pferde wussten, wollte sie auf keinen Fall wie eine Anfängerin dastehen. Leider war Maja eine, denn sie nahm erst seit Kurzem Reitstunden. Und der Gedanke, dort die Schlechteste zu sein oder vielleicht zum ersten Mal herunterzufallen, verpasste ihrer Vorfreude einen Dämpfer.

Aber was sagte Thomas, ihr Reitlehrer, immer? »Das Glück der Pferde ist der Reiter auf der Erde. Und weil Pferde glückliche Tiere sein sollten, hat jeder gute Reiter einige Male Bekanntschaft mit dem Erdboden gemacht.«

Na also, dachte Maja. Dann falle ich eben auch mal runter und werde danach bestimmt richtig gut.

»Wisst ihr, wie viel ein Pferd am Tag trinkt?«

Endlich war der erste Ferientag gekommen, und Familie Färber startete am Vormittag Richtung Norddeutschland. Während der langen Fahrt las Maja fast ununterbrochen in dem Pferdelexikon.

»Keine Ahnung«, sagte ihre Mutter. »Aber gleich sind wir sicherlich schlauer.«

»Vierzig bis siebzig Liter. Und es frisst bis zu fünf Kilo Heu und dazu noch zwei bis drei Kilo Kraftfutter täglich.«

»Ganz schön viel. Was wiegt denn so ein Viech?«, fragte Majas Papa.

»Pferde sind keine Viecher.«

»Entschuldigung. Also wie schwer ist so ein … Vierbeiner?«

»Warte mal, ich guck nach.« Maja blätterte. »Ponys wiegen von hundert bis vierhundert Kilo und Pferde … zwischen vierhundert und sechshundert Kilo. Wie viel ist das?«

»Ungefähr vier- bis fünfmal Tante Hedwig«, meinte ihr Vater und musste lachen. Tante Hedwig war die Schwester von Majas Oma und sehr dick. »Dann versteh ich allerdings, dass sie solche Mengen verdrücken. Ein Grund mehr, sich nie so ein Viech anzuschaffen. Das frisst und säuft einem ja die Haare vom Kopf.« Er zwinkerte Maja im Rückspiegel zu.

»Aber ein Pony braucht nicht so viel. Erst recht nicht, wenn man es im Sommer jeden Tag auf die Weide lässt. Das ist sowieso besser, weil es dann mehr Bewegung hat und nicht so schnell krank wird.«

Amüsiert drehte ihre Mama sich nach hinten. »Du gibst nie auf, oder? Aber jetzt hast du erst mal zwei Wochen von morgens bis abends Pferde um dich herum. Das ist etwas anderes, als einmal pro Woche auf ein gesatteltes Pony zu steigen. Bin gespannt, ob du dann immer noch so verrückt nach ihnen bist.«

Kapitel 3

Nach fast sechsstündiger Autofahrt und zwei Stunden mit der Fähre waren sie am Hafen der Insel angekommen. Von dort folgten sie den Wegweisern mit der Aufschrift »Reitergut Dünenhof« quer über die Insel, auf der sich Wattflächen, Deiche, Birkenwälder, Wiesen und Dünen abwechselten. Auch an einem rot-weiß gestreiften Leuchtturm fuhren sie vorbei.

»Da vorn ist es!« Aufgeregt zeigte Maja auf ein stattliches Gutshaus hinter großen Weideflächen mit weißen Zäunen. Von der Straße führte ein holpriger Feldweg direkt auf den Hof des Anwesens. Herr Färber parkte den Volvo zwischen einem blauen VW-Bus und einem Pferdetransporter, die unter drei großen Kastanien in der Mitte des Hofes standen.

Maja staunte. So schön hatte sie es sich nicht vorgestellt! Links von dem großen Gutshaus stand noch ein kleineres Gebäude, das ebenfalls wie ein Wohnhaus aussah. Dazwischen war ein üppig blühender Bauerngarten mit vielen glänzenden Rosenkugeln. Das lange Stallgebäude befand sich rechts vom Haupthaus, daneben war ein Dressurviereck. Scheune und Reithalle lagen dahinter.

»Alles aussteigen, Endstation«, sagte Papa und stellte den Motor ab.

Zwei Mädchen führten Ponys über den Hof und sahen neugierig herüber, während ein blonder Junge einem zierlichen Schimmel vor dem Stall die Hufe auskratzte.

Als Maja das Pony sah, wurde sie ganz aufgeregt. Das war es! Das wollte sie reiten! Hoffentlich war es nicht schon an ein anderes Ferienkind vergeben oder gehörte gar nicht zum Dünenhof.

Das Pony hob seinen hübschen Kopf und blickte in Majas Richtung. Mit einem plötzlichen Glücksgefühl im Bauch sah Maja sich auf seinem Rücken durch die Dünen galoppieren.

Gackernd flogen ein paar aufgescheuchte Hühner zur Seite, als ein hellbrauner großer Hund heranstürmte und Familie Färber mit heftigem Schwanzwedeln begrüßte. Ihm folgte eine junge Frau in Jeans und Stiefeln.

»Willkommen auf dem Dünenhof! Ich bin Britta Harmsen, und das hier ist Troll.«

Lächelnd gab sie Maja und ihren Eltern nacheinander die Hand.

Maja beugte sich zu dem Hund hinunter und kraulte seinen Kopf.

»Das kannst du bei ihm stundenlang machen. Troll ist immer entzückt, wenn sich jemand mit ihm beschäftigt, und er tut keiner Fliege etwas zuleide. Leider auch keinem Einbrecher. Dem würde er bestimmt noch helfen, die Sachen rauszutragen, oder, mein Guter?« Britta zog leicht an Trolls Ohren, und Maja grinste. Lins Golden Retriever Ben war genauso ein gutmütiger Vertreter seiner Rasse wie dieser Troll. Und Maja fand es toll, dass es auf dem Dünenhof auch so einen schönen Hund gab.

»Fein, dass du jetzt da bist. Die anderen sind gestern schon angekommen. Wie wäre es mit Kaffee oder echtem Ostfriesentee nach der langen Reise? Und für dich vielleicht Apfelsaft?« Britta lächelte Maja und ihre Eltern an.

»Wenn Sie uns so nett fragen, gern«, nahm Majas Mutter die Einladung an, und sie gingen gemeinsam Richtung Gutshaus. Auf dem Weg dorthin bemerkte Maja erst den großen Teich und den Strandkorb in dem Bauerngarten. Auch die mit drei großen Sonnenblumen bemalte Tür von dem kleineren Gebäude gefiel ihr.

»Das ist das Ponyhaus, wo ihr wohnt. Ich zeige dir nachher alles«, erklärte Britta, die Majas Blick gefolgt war.

Kapitel 4

Die Tür vom Gutshaus war himmelblau mit kleinen weißen Wolken und stand in einem hübschen Kontrast zu den gelben Rosensträuchern, die rechts und links vom Eingang wuchsen.

Durch die Diele gingen sie in die große Küche. Während Britta Teetassen und Gläser auf den mächtigen Holztisch stellte, rutschte Maja auf die lange Küchenbank und sah sich interessiert um. Die alten Schränke hatten viele kleine Schubladen, es gab einen gusseisernen Herd, bunte Stühle, und der Boden war mit hellblauen und weißen Fliesen ausgelegt. Die Wände waren in den gleichen Farben gekachelt. Maja fand es urgemütlich hier. Besonders gut gefielen ihr die vielen verschiedenen Kissen, die auf den Stühlen und der Bank lagen. Sie nahm sich eines und setzte sich drauf. Troll ließ sich mit einem Seufzer auf seine Decke unter einem der Fenster fallen und bearbeitete einen alten Schuh, dem man seine ursprüngliche Form kaum noch ansah.

»Eine richtige alte Gutsküche«, rief Majas Mutter begeistert. »Also … ich bin ganz hingerissen von Ihrem Reitergut!«

»Freut mich, dass es Ihnen gefällt. Jan und ich führen den Dünenhof jetzt fast drei Jahre. Jan hat ihn von seinen Eltern geerbt, er ist hier aufgewachsen. Ich komme aus Hamburg und hätte nie gedacht, dass ich mal einen Gutsherrn zum Freund haben würde«, schmunzelte Britta und setzte Wasser auf.

»Und das war vorher schon ein Reiterhof?«, wollte Majas Papa wissen.

»Nein. Ein ganz normaler Bauernhof. Aber ziemlich heruntergekommen. Jans Familie hatte nicht genug Geld, das Gut instand zu halten. Als seine Eltern gestorben waren, beschlossen wir, einen Reiter- und Urlaubshof daraus zu machen. Wir nahmen einen Kredit auf und machen seit drei Jahren nichts anderes, als umzubauen und zu renovieren.« Britta goss den Tee auf und stellte eine Platte mit frischem duftendem Butterkuchen auf den Tisch.

Maja lief das Wasser im Mund zusammen, als Britta ihr ein großes Stück auf den Teller legte.

»Zum Glück ist Jan gelernter Schreiner, und wir können auch sonst viel selbst machen. Man glaubt gar nicht, was so ein Projekt kostet.«

»Doch, kann ich mir gut vorstellen. Und man sieht es hier ja an jeder Ecke. Alles ist sehr gepflegt, die Reithalle scheint neu zu sein, und das Gutshaus ist wie alle anderen Gebäude in einem Topzustand. Das kostet natürlich.« Herr Färber sah durch das Fenster auf den Hof hinaus und wandte sich dann wieder Britta zu.

»Dass zwei so junge Menschen wie Sie und Ihr Freund das hier wieder in Schwung gebracht haben, imponiert mir.«

»Schwung ist noch zu viel gesagt. Aber wir sind auf dem richtigen Weg und mit den Pferden und dem ganzen anderen Viehzeug sehr glücklich hier.« Der Tee war fertig, und Britta stellte Sahne und Kandiszucker neben die Kanne.

»Spätestens im nächsten Sommer sollen acht Kinder kommen können, und wir werden bereits in diesem Herbst Kurse für Reiterpass und Reitabzeichen anbieten. Und neue Gastboxen bauen. Der Dünenhof soll eine erstklassige Adresse für Reiterferien werden. Darf ich einschenken?«

»Gern, danke.« Majas Mama hielt Britta ihre Tasse hin. »Mit Ihrem Elan und Ihrer Einstellung schaffen Sie das bestimmt. Sage ich doch immer: Man kann alles, wenn man nur will.«

Maja trank einen Schluck Apfelsaft und verdrehte die Augen. Die Bemerkung ihrer Mutter hatte sie schon zu oft gehört.

Britta lächelte. »Es stimmt aber. Man muss wollen, dran glauben und sich komplett für seine Sache einsetzen. Und es war manchmal zum Heulen: unmögliche Auflagen des Bauamts, neidische Nachbarn, kaum Geld. Aber wir haben nie am Dünenhof gezweifelt, und es ging und geht immer weiter. Wir fanden sogar einen Sponsor für den Bau der Reithalle.«

Die Küchentür flog auf, und der Junge, der vorhin dem weißen Pony die Hufe ausgekratzt hatte, kam herein.

»Moin«, sagte er, ohne Maja und ihre Eltern anzusehen.

Sie grüßten freundlich zurück.

»Mit Niko bin ich fertig. Soll er auf die Weide?«

»Nein, stell ihn bitte in die Box, er geht um fünf. Kannst du dir heute auch noch Lord vornehmen? Ich komme bestimmt nicht mehr dazu und Jan wahrscheinlich auch wieder nicht.«

Der Junge nickte. Britta hielt ihm den Kuchenteller hin, er nahm sich zwei Stücke und verließ dann ohne ein weiteres Wort die Küche. Nachdenklich sah Britta ihm einen Augenblick hinterher.

Dann wandte sie sich wieder Maja zu.

»Um fünf Uhr ist Reitstunde, und du könntest mitmachen, wenn du magst. Wie lange reitest du schon?«

»Seit drei Monaten habe ich Unterricht. Aber vorher bin ich immer mal wieder auf Ponys geritten.«

»Gut. Zum Unterricht kommen auch Feriengäste und Kinder von der Insel. Im Sommer ist es ein ständiger Wechsel, und eine Einteilung nach Anfängern und Fortgeschrittenen gibt es deshalb nicht. Ich arbeite mit jedem einzeln, während die anderen selbstständig kleine Lektionen üben. Wer noch nicht in der Abteilung reiten kann, bekommt bei Jan oder mir Longenstunden. Aber die wirst du wahrscheinlich nicht mehr brauchen. Und am Ende der zwei Wochen gibt es noch eine Überraschung für euch Ferienkinder. Versuch aber gar nicht erst, es herauszufinden. Ich verrate nichts!«, meinte Britta lächelnd.

Maja sah Britta neugierig an. Eine Überraschung? Was konnte das sein? Sie hätte zu gern nachgefragt, doch wenn Britta schon betonte, dass sie nichts sagen würde, ließ sie es lieber bleiben. Außerdem hoffte sie, dass ihre Eltern bis fünf wieder weg waren. Sie war sowieso aufgeregt genug, da brauchte sie nicht noch Zuschauer.

»Sei bitte nicht enttäuscht, Schatz, aber wir machen uns allmählich auf den Weg. Heute Abend müssen wir wieder die Fähre nehmen, und ich möchte unbedingt noch ans Meer, wenn wir schon mal hier sind.« Frau Färber sah ihre Tochter bedauernd an.

»Okay«, erwiderte Maja und ließ sich ihre Erleichterung nicht anmerken. Mussten ihre Eltern ja nicht mitkriegen, dass ihr das ganz gelegen kam.

Kapitel 5

»Wenn ich das alles hier so sehe und nicht so viel Respekt vor Pferden hätte … ich würde mir glatt überlegen, wieder mit dem Reiten anzufangen.« Sie standen am Auto, und Majas Papa kratzte sich verlegen hinter dem Ohr.

Maja sah ihn verblüfft an. »Wieso wieder? Bist du denn schon mal geritten?«

»In meiner Studentenzeit, lang ist’s her. Aber damals war ich begeistert. Bis ich runtergefallen bin und dann keine Lust mehr hatte. Tja …«

»Man ist nie zu alt, um wieder anzufangen«, meinte Britta. »Und wenn Sie wollen – wir helfen Ihnen gern dabei.«

Maja bekam Kulleraugen. »Das wäre supertoll! Und Mama macht auch mit! Ihr könntet doch im nächsten Jahr mitkommen, hier reiten lernen, und dann kaufen wir uns ein Pferd. Wenn wir es im Offenstall halten, ist es auch gar nicht so teuer. Bitte, macht doch mit!«

»Langsam, langsam«, schmunzelte ihr Vater und machte eine abwehrende Handbewegung. »Dein Urlaub hier hat noch nicht angefangen, und du planst schon den nächsten. Aber wir sehen mal.« Er zwinkerte Maja zu, während ihre Mutter sie zum Abschied an sich drückte.

»Wir telefonieren dann. Eine wunderbare Zeit wünschen wir dir und bis in zwei Wochen, mein Schatz.«

»Und fall nicht so oft runter«, meinte ihr Vater noch, als er ins Auto stieg.

Maja winkte ihnen nach, bis der Wagen in der Kurve hinter der Hofeinfahrt verschwunden war. Wäre das toll, wenn ihre Eltern auch noch reiten lernten! Die Chancen auf ein eigenes Pferd würden damit natürlich deutlich steigen.

»Komm, ich zeige dir dein Zimmer.« Britta nahm Majas Tasche und ging mit ihr zum Ponyhaus. Sie kamen am Dressurviereck vorbei, wo ein langhaariges Mädchen ein schwarzes Pony ritt und der Junge von vorhin mit einem großen Apfelschimmel arbeitete.

»Das ist Pia mit Fratz, einem hervorragenden Dressurpony. Tim reitet unseren Lord.«

Maja beobachtete die beiden. Es sah so spielerisch leicht aus, wie Pia und Tim die Bahnfiguren ritten und ohne Schwierigkeiten die Gangarten wechselten.

»Pia ist auch Feriengast, und Tim wohnt auf der Insel. Er war von Anfang an dabei und hilft uns enorm viel. Wenn du etwas wissen möchtest und wir nicht da sein sollten, frag ihn, er kennt sich bestens aus. Außerdem reitet er wie ein junger Gott, und alle Pferde lieben ihn. Ein richtiger Pferdeflüsterer, sage ich immer.«

Bestimmt ist Britta enttäuscht, wenn sie mich gleich reiten sieht, dachte Maja und biss sich auf ihre Unterlippe. Aber eine echte Katastrophe wäre es, wenn Britta sie für absolut untalentiert hielte!

»Da wären wir.« Britta öffnete eine Zimmertür im ersten Stock des kleineren Gebäudes mit der Sonnenblumentür.

»Hier wohnst du mit Sophie. Sie ist elf, glaube ich, und sehr nett. Sophie ist vorhin mit den anderen an den Strand gegangen. Das Meer ist gerade ideal zum Schwimmen, seit drei Wochen scheint fast ununterbrochen die Sonne. Und es gibt zurzeit auch kaum Quallen.«

Maja verzog angewidert das Gesicht. Sie war sowieso keine große Wasserratte, und wenn glibberige Quallen und vielleicht auch noch anderes Getier im Meer waren, würde sie sich das mit dem Schwimmen sehr gut überlegen.

Britta legte ein großes Badelaken und zwei Handtücher über die Handtuchhalter am Waschbecken und goss die Blumen auf dem Fensterbrett.

»Neben eurem ist Tims Zimmer – wenn er mal hier schlafen darf. Seine Mutter erlaubt es derzeit aber nicht oft. Und gegenüber vom Ponystübchen, an dem wir unten gerade vorbeigekommen sind, wohnen Pauline und Pia.«

Sie ging wieder zur Tür, und Maja überlegte, Britta zu fragen, ob schon jemand das weiße Pony ritt. Und falls es noch nicht vergeben war, ob sie vielleicht …

»So, und jetzt lasse ich dich auspacken. Wir sehen uns spätestens um Viertel vor fünf im Stall.« Sie lächelte Maja zu und stieg dann mit schnellen Schritten die Treppe hinunter.

Kapitel 6

Jetzt war Britta weg, und Maja ärgerte sich, dass sie nicht gefragt hatte. Aber spätestens um fünf wusste sie ja, ob sie diesen Niko bekam. Das wäre so toll!

Sie sah sich im Zimmer um. Es gab hellblaue Nachttische, weiße Kleiderschränke, und die Bettwäsche war blau-weiß gestreift. Bunte Flickenteppiche lagen auf dem Holzboden, und an den Wänden hingen Poster mit witzigen Ponyzeichnungen. Auf dem anderen Bett lag ein Plüschfohlen.

Schade, dass ich Paul nicht doch mitgenommen habe, dachte Maja. Sie hatte ihren Knuddelhund zwar schon eingepackt, aber dann beschlossen, dass er besser in Berlin bleiben sollte. Man wusste ja nie … Jetzt bereute sie, dass er nicht dabei war.

Vom Fenster aus konnte Maja über den ganzen Hof bis zum Meer sehen. Es war genau wie in dem Ponybuch, das sie gerade las und das auch am Meer spielte. Eigentlich war es noch viel schöner, weil auf dem Dünenhof alles Wirklichkeit war. Aber konnte das sein? Vielleicht gab es doch irgendwo einen Haken? Vielleicht kam sie mit den Pferden nicht klar, fiel sofort runter, oder Sophie war eine blöde Zimtzicke, mit der sie sich ständig stritt und zwei lange Wochen das Zimmer teilen musste.

Seufzend ließ Maja sich auf das unbenutzte Bett fallen und schrieb eine SMS an Lin: »Hi, Lin! Gerade angekommen. Genial hier – hoffentlich. Maja.«

Dann zog sie ihre Reithose an, legte T-Shirts und Pullover in den Schrank und stellte die Stiefel hinter die Tür. Die Bücher verstaute Maja im Nachttisch, Pferdelexikon und Handy griffbereit darauf. Bis Viertel vor fünf hatte Maja noch eine halbe Stunde Zeit, und sie wollte sich draußen auf dem Hof ein wenig umsehen. Mit Kappe, Stiefeln und dem Beutel Putzzeug unterm Arm ging sie die Treppe hinunter. Unten hängte Maja das Putzzeug an den Haken mit ihrem Namen. Britta hatte ihn ihr beim Hinaufgehen gezeigt, und Maja fand es toll, dass sie schon einen eigenen Platz für ihre Sachen besaß. Man gehörte hier von Anfang an dazu.

»Moin! Ich bin Jan. Gutsherr, Gutsknecht und Küchenfee auf dem Dünenhof. Du bist Maja, stimmt’s?«

Erschrocken fuhr Maja herum. Hinter ihr stand ein Mann auf einer Leiter und reparierte im Ponystübchen die Deckenlampe. Er trug eine Küchenschürze und eine rote Schirmmütze mit dem Schriftzug »Reitergut Dünenhof«.

»Haben Sie mich erschreckt«, sagte sie.

»’tschuldige, das war natürlich nicht meine Absicht.« Jan lachte, stieg von der Leiter und gab Maja die Hand. Sie fand ihn sofort genauso sympathisch wie Britta.

»Du kannst natürlich auch Du zu mir sagen. Und Britta hat dir bestimmt schon erklärt, wie es hier läuft. Hat sie dir auch das Wichtigste gesagt?«

»Dass wir Stalldienst und Frühstücksdienst haben?«

»Das ist zwar nicht unwichtig, aber bei Weitem nicht das Allerwichtigste. Das ist nämlich die Tatsache, dass ich hier koche! Und wenn du ein gutes Rezept für mich hast, nur her damit. Täglich eure verwöhnten Geschmäcker zu treffen ist harte Arbeit.« Jan grinste, stieg wieder auf die Leiter und drehte eine Glühbirne in die Lampenfassung. »Gegessen wird übrigens in der Gutsküche, und Tischdecken ist ebenfalls eine von euren Aufgaben«, fuhr er fort. »Das werden wir aber mit den anderen Sachen – Ponyhaus fegen, Stalldienst, Flur in Ordnung halten – noch einteilen. Betten muss übrigens auch jeder selbst machen.«

Maja grinste. »Das habe ich mir schon gedacht. Und von mir aus kann es jeden Tag Spaghetti geben, aber immer mit verschiedenen Soßen. Ich könnte die auch mal kochen, wenn du willst. Und Schokoladenpudding kann ich ziemlich gut machen. Der schmeckt sogar meinem Vater, und der mag sonst keinen Nachtisch.«

Jan zog erstaunt eine Augenbraue hoch. »Zu so einem grandiosen Angebot kann ich natürlich nicht Nein sagen. Ach, und bevor ich es vergesse: Punkt sieben Uhr gibt es Abendbrot. Dann wird die Glocke da vorn am Geländer geläutet. Die kann man nicht überhören.«

»Hoffentlich nicht. Ich habe nämlich jetzt schon Hunger.«

Die Haustür ging auf, und Pia kam herein.

»Hallo«, sagte Maja.

Pia antwortete nicht. Mit hochnäsigem Gesichtsausdruck ging sie an ihr vorbei, hängte die Jacke ans Brett und verschwand in ihrem Zimmer.

Verdutzt sah Maja ihr nach.

»Denk dir nichts«, meinte Jan aufmunternd. »Das ist typisch. Seit gestern hat sie mit keinem von uns ein Wort gesprochen. Noch nicht einmal mit Britta, die normalerweise sofort zu jedem einen Draht hat.« Er war mit der Lampe fertig, stieg von der Leiter und wischte sich die Hände an der Schürze ab.

Dann ging er zur Tür und knipste den Lichtschalter an. »Gut, das hätten wir auch wieder«, sagte er zufrieden und packte seine Schraubenzieher zusammen. »Ich glaube, Pia ist es nicht gewohnt, in Doppelzimmern zu schlafen und sich auf andere einzustellen. Genau wie ihr Pony, das frisst nur sein mitgebrachtes Spezialfutter und sieht die anderen Pferde nicht mal mit der Hinterbacke an.« Jan runzelte die Stirn. Dann hellte sich sein Gesicht wieder auf. »Aber wenn ihr alle meine Kochkünste mit entsprechendem Appetit würdigt und du diesen wahnsinnigen Schokopudding mal machst, bin ich zufrieden. Mehr braucht es nicht, damit die Küchenfee glücklich ist«, säuselte er mit übertrieben hoher Stimme und tänzelte in den Flur.

Maja lachte. Vor dem Ponystübchen zog Jan seine Stiefel an, und sie gingen gemeinsam hinaus.

»Bis nachher«, sagte Jan und schlug Maja kameradschaftlich auf die Schulter. »Und lass dir von Pia nicht die Laune verderben. Die kocht auch nur mit Wasser.« Er nickte kurz und ging dann Richtung Scheune davon.

Kapitel 7

Bedrückt bummelte Maja zum Stall hinüber. Jan hatte gut reden! Hochnäsige Zicken wie Pia mochte sie nicht und hatte sogar ein bisschen Angst vor ihnen. In ihrer Parallelklasse war auch so eine. Die konnte ihr schon die Laune verderben, wenn sie sie nur auf dem Schulhof sah. Bloß gut, dass sie mit dieser Pia nicht in einem Zimmer war. Sie würde ihr auf dem Dünenhof eben, so gut es ging, aus dem Weg gehen.

Im Hof war inzwischen einiges los. Pferde wurden auf dem großen Platz vor den Stallungen gestriegelt, und ein paar Mädchen liefen mit Halftern Richtung Koppel. Als eines von ihnen Maja sah, bog es ab und kam direkt auf sie zu.

»Kommst du mit die Ponys holen? Blöde Frage, natürlich kommst du mit!«, lachte sie, drückte Maja ein Halfter in die Hand und zog sie einfach mit sich.

»Ich bin Pauline. Und du bist Maja, oder?«

Maja nickte. Sie war noch immer ein wenig von Paulines direkter Art überrumpelt.

»Hab ich mir gedacht, als du vorhin mit deinem Gepäck ausgestiegen bist. Und das sind Isabel und Dörte, die zum Reiten kommen, aber nicht auf dem Dünenhof wohnen dürfen. Es war nämlich kein Platz mehr, Pech für euch«, neckte Pauline die beiden Mädchen.

»Wirklich schade. Aber dafür kommen wir in den Herbstferien für eine Woche hierher und machen den Reiterpass«, sagte Isabel. »Unsere Eltern haben uns schon angemeldet.«

»Was ist eigentlich der Reiterpass?«, wollte Maja wissen.

»Das ist so eine Art Pferdeführerschein und nach dem Basispass Pferdekunde eine der ersten Prüfungen, die man so machen kann«, erklärte Dörte. »Es gibt ja noch die Reitabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Beim Reiterpass werden dir Fragen zu Fütterung, Haltung, zum Satteln und so weiter gestellt. Und du musst eine Lektion mit bestimmten Hufschlagfiguren und alle Grundgangarten vorreiten. Und dann noch springen. Manche Reitställe wollen vorher einen Reiterpass sehen, bevor man sich dort ein Pferd zum Ausreiten leihen kann.«

Maja fragte sich, ob sie jemals so gut reiten würde, dass sie die Prüfungen für diesen Reiterpass oder ein Reitabzeichen bestehen könnte.

»Und wisst ihr eigentlich, was das für eine Überraschung am Ende der Ferien hier sein soll?«, fragte Maja weiter.

»Nö, keine Ahnung. Ich habe Britta auch schon danach gefragt, aber sie rückt nicht raus mit der Sprache. Vielleicht kommt ja noch ein neues Pony oder so.« Pauline kaute an einem Kaugummi und kickte einen Stein weg, der vor ihr auf dem Feldweg lag.

»Aber davon hätten wir doch gar nichts mehr«, sagte Maja nachdenklich.

»Deshalb glaube ich es auch nicht. Aber ich habe echt keine Ahnung, was es sein könnte.«

Sie waren bei den Koppeln angekommen, und Pauline öffnete das Gatter. Die Pferde grasten am hinteren Ende der Weide.

»Hat Britta dir schon gesagt, welches Pony du kriegst?«, fragte Pauline und sah Maja neugierig an.

Maja schüttelte den Kopf.

»Aber es ist doch sowieso nur noch Niko frei, oder? Du hast Charly, Sophie reitet Svala, Cremello hat meistens Isabel, und Boy ist für mich«, meinte Dörte.

»Du hast recht.« Pauline kramte ein Stückchen Zucker aus ihrer Reithose.

»Ist Niko der Schimmel, der vorhin vor dem Stall stand?«, fragte Maja schnell.

Isabel überlegte einen Moment. »Genau. Der, den Tim heute Nachmittag geputzt hat, als ihr gerade angekommen seid. Ein wahnsinnig liebes Pony.«

Majas Herz machte einen Hüpfer. Das war ja fast zu schön, um wahr zu sein!

»Dann nimmst du jetzt mal die Nelly.« Pauline zeigte auf ein hellbraunes Pony, das in der entferntesten Ecke der Weide stand.

Maja schluckte. Du meine Güte, das fing ja gut an! Den Ponys mussten erst mal Halfter umgelegt werden, und meistens hauten Pferde schon vor ihr ab, wenn sie nur in deren Nähe kam. So war es zumindest bisher gewesen, und es war ihr immer hochpeinlich.

Maja biss sich auf die Unterlippe und nahm allen Mut zusammen. Mit einem Leckerli in der Hand ging sie langsam auf Nelly zu. Das Pony sah neugierig zu ihr hinüber und blieb zu Majas großem Erstaunen stehen. Es schnupperte an ihr, knabberte dann das Leckerli und ließ sich ohne Zicken aufhalftern. Schnell hakte Maja den Strick ein und führte Nelly erleichtert hinter den anderen von der Koppel. Das war ja ganz einfach gewesen!

Kapitel 8

Am Stall trafen sie Britta. »Nellys Box ist die zweite neben dem Eingang. Sie muss heute aber nicht mehr mitgehen. Maja, du nimmst Niko. Mal sehen, ob ihr zusammenpasst.«

Maja strahlte über das ganze Gesicht. Sie durfte tatsächlich ihr Traumpony reiten! Schnell brachte sie Nelly in ihre Box und kehrte dann zu Britta zurück.

»Wir satteln heute zusammen. Dann kann ich dir auch gleich zeigen, wo alles ist.«

Sie gingen die lange Stallgasse hinunter, in deren Mitte ein kleiner Raum mit Säcken, Eimern und zwei Schubkarren war. Die Sattelkammer lag direkt daneben. Britta holte Nikos Sattelzeug von einem der vielen Böcke an der Wand. Das Putzzeug nahmen sie aus dem wuchtigen Metallschrank, der zwischen Sattel- und Futterkammer in der Stallgasse stand.

»Jedes Pferd hat eine eigene Kiste mit allem, was man braucht: Striegel, Bürsten, Kardätschen, Hufkratzer, Kämme, Shampoo, Bandagen, Leckerli und Salben. Bitte immer alles zurücklegen, auch wenn du dir etwas von einem anderen Pferd ausborgst«, erklärte Britta auf dem Weg zu Nikos Box.

»Wie viele Pferde sind eigentlich auf dem Dünenhof?«

»Zurzeit insgesamt elf. Davon gehören aber nur sechs Ponys – Nelly, Svala, Charly, Boy, Niko und Cremello – uns. Und die zwei Großen, Lord und Donna. Die anderen sind Privatpferde von Inselbewohnern. Und Fratz gehört Pia.« Britta zeigte auf ein Pony, das mit dem Maul gerade an dem Schloss seiner Boxentür spielte.

Dann standen sie vor Nikos Box. Britta öffnete die Tür, und Niko streckte ihr seinen Kopf entgegen.

»Hallo, mein Junge, darf ich dir Maja vorstellen? Maja reitet dich in den nächsten zwei Wochen, und ihr kommt bestimmt prima miteinander klar.«

Fast ehrfürchtig streichelte Maja über Nikos Kopf und gab ihm eine Möhre. Sie fand Niko wunderschön und hatte auch sofort Vertrauen zu ihm.

»Auf ihm bin ich schon als Jugendliche geritten. Er ist ein Connemara-Pony, zwanzig Jahre alt, aber immer noch putzmunter, zuverlässig, ehrlich und … schnell. Vor allem im Gelände.« Sie grinste und kraulte Niko unter der Mähne, während er an ihrer Jacke schnupperte. »Und er liebt es, zu springen. Bist du schon einmal gesprungen?«

Maja schüttelte den Kopf. Davor hatte sie richtig Angst. Sie konnte sich auch gar nicht vorstellen, wie man ein Pferd dazu brachte, über Hindernisse zu springen.

»Dann wird Niko es dir beibringen. Er ist unser bester Lehrmeister und hat schon viele Reiter sicher über die ersten Hürden ihres Lebens getragen. Leg ihm das Halfter an und führ ihn hinaus. Wir putzen, satteln und trensen immer draußen oder in der Stallgasse, nie in der Box. Die ist wie das Zimmer der Pferde, und da sollen sie ihre Ruhe haben. Das wollt ihr ja auch: einfach mal die Tür hinter euch zumachen und ungestört sein.«

Maja nahm das blaue Halfter von der Boxentür, prüfte, ob es verdreht war, und streifte es Niko über. Er ließ es gelassen geschehen und kaute an einer neuen Möhre, die Maja ihm gegeben hatte. Dann führte sie ihn aus der Box, und Niko trottete brav hinter ihr die Stallgasse entlang.

»Dort kannst du ihn anbinden.« Britta zeigte auf den Platz vor dem Stall, wo Pia ihr Pony gerade bandagierte. Das Mädchen sah nicht einmal auf, als Maja Niko neben sie führte.

»Kannst du einen Pferdeknoten?«, wollte Britta wissen.

Maja nickte und knüpfte den, den sie im Berliner Reitstall gelernt hatte.

»Der ist gut. Ich zeige dir trotzdem noch unseren. Einen Knoten mehr zu kennen kann nie schaden.«

Konzentriert sah Maja zu, wie Britta Niko festmachte. Sie wusste, dass man ein Pferd immer korrekt anbinden sollte, damit man den Strick schnell lösen konnte, wenn es sich erschrak oder sogar in Panik geriet. Thomas, ihr Reitlehrer in Berlin, hatte mal gesagt, dass Pferde in solchen Situationen riesige Kräfte entwickeln und sogar schon Stalltüren aus den Angeln gehoben und Menschen damit schwer verletzt haben.

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