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Dreams & Secrets - Rivalen aus Leidenschaft

Harley kann es nicht glauben: Ausgerechnet Jack Demont, ihr Schwarm aus Teenager-Jahren und jetzt Architekt, schnappt ihr das Morris Building vor der Nase weg, mit dem Harley viel Besseres im Sinn hatte. Die erbitterte Rivalität zwischen ihren Familien brandet hoch - genau wie die erotische Spannung zwischen ihnen. Als sie der heißen Leidenschaft wieder und wieder nachgeben, stellt sich nur noch eine Frage: Können Harley und Jack den alten Groll hinter sich lassen, oder holt die Vergangenheit sie ein?

»Die Leserin wird in eine Welt von Lust und Leidenschaft entführt.« Dailymail


  • Erscheinungstag: 17.12.2019
  • Aus der Serie: Welcome To The Club
  • Bandnummer: 4
  • Seitenanzahl: 304
  • ISBN/Artikelnummer: 9783745750515
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. Kapitel

Zahllose Kabel schlängelten sich über den nackten Beton, und mit einem der zehn Zentimeter hohen Absätze ihrer handgefärbten Schuhe blieb sie an einem davon hängen. Fluchend stolperte sie, knickte um, und der Schmerz jagte ihr sofort die Tränen in die Augen.

Harley Jacob rang nach Luft und wartete, bis der Schmerz wieder nachließ. Sie runzelte die Stirn beim Anblick des Kratzers auf ihrem petrolfarbenen Schuh, der farblich perfekt zu ihrem Kaschmirkleid passte, welches das Kernstück der Herbstkollektion ihres Modelabels war.

Seufzend verdrängte sie den Frust mit purer Entschlossenheit. Ihr heutiger Plan war wichtiger als hundert Paare dieser handgefärbten Schuhe.

Um sich nicht noch einmal zu verletzen, bahnte sie sich nun äußerst vorsichtig ihren Weg durch den weitläufigen Raum und achtete jetzt bei jedem Schritt darauf, nicht auf das Wirrwarr aus Kunststoffrohren, gefährlich aussehenden Elektrowerkzeugen und aufgestapeltem, staubigem Baumaterial zu treten.

Dieser saudumme Bauunternehmer!

Wer immer auch das Sagen bei Demont Designs Architecture and Property Development haben mochte, er hetzte nicht nur von Termin zu Termin, sondern hatte auch vollkommen unerwartet Harleys Ankauf des Morris-Buildings zum Stillstand gebracht. Dieser Kauf sollte bereits in wenigen Tagen abgeschlossen werden, und jetzt lag der ganze Deal plötzlich ohne jede Erklärung auf Eis.

Am Ende des Raums stand eine Gruppe von Männern eng zusammen. Harley versuchte, nicht daran zu denken, wie albern sie mit dem Helm und der gelben Warnweste aussah. Für einen Menschen mit ihrem modischen Geschmack war so ein Aufzug die reinste Demütigung.

Sie straffte die Schultern, strich in Gedanken jedes Fältchen ihres makellosen Outfits glatt und zog den Kopf ein, um nicht gegen das Kabelbündel zu stoßen, das vor ihr wie herausquellendes Gedärm aus der Decke hing.

Mit jedem Schritt wuchs ihre Entschlossenheit, diesen Deal endlich zum Abschluss zu bringen. Es ging ihr dabei aber nicht um den Ruf ihrer Familie, die hier in New York zum elitären Immobilienadel gehörte, vielmehr war sie zu buchstäblich allem bereit, um ihrem Modelabel und ihren wohltätigen Unternehmungen zum Erfolg zu verhelfen.

Dieser Deal war für sie etwas Persönliches. Sie durfte auf keinen Fall schon wieder versagen.

Als sie sich der Gruppe von Männern näherte, die genau wie sie Schutzausrüstung und Warnwesten trugen, wurden das ohrenbetäubende, metallische Kreischen und das unaufhörliche Hämmern leiser.

Seufzend atmete sie durch. Jetzt würde sie Mr. Demonts Ausreden wenigstens verstehen können. Hoffentlich waren aber auch ein paar Zusicherungen und Entschuldigungen mit dabei. Außerdem schuldete er ihr jetzt noch ein Paar handgefärbter Schuhe; doch seine Unterschrift unter dem Kaufvertrag würde Harley schon genügen.

Anscheinend hatten die Männer das Klacken ihrer Absätze gehört, denn sie drehten sich allesamt zu ihr um, und die Unterhaltung erstarb augenblicklich.

Perfektes Timing, dachte Harley, als auch der Baulärm einen Moment lang vollends verstummte. Zehn Augenpaare waren nun auf sie gerichtet. Einige der Männer wirkten neugierig, andere überrascht, und manche rissen einfach nur die Augen auf, als sie Harleys unpassende Schuhe und ihr elegantes Wollkleid bemerkten.

Sie hob selbstbewusst das Kinn. Schließlich war sie nicht hier, um irgendeine Wand zu fliesen oder Wasserleitungen im Bad zu verlegen. Sie würde sich nicht abwimmeln lassen. Sie hatte schließlich genug Erfahrung darin, sich in Männerdomänen durchzusetzen.

Genau wie ihre beiden Geschwister hatte auch sie in den Schulferien immer im Familienunternehmen gearbeitet. Aber während ihr Bruder und ihre Schwester Akten sortiert und Anrufe entgegengenommen hatten, hatte Harley wegen ihrer Dyslexie immer nur Papierkörbe ausgeleert und Kaffee für die ihrem Vater unterstellten Manager gekocht.

»Ich suche Mr. Demont.«

Die Gruppe teilte sich vor ihr. Belustigt und neugierig sahen die Männer zu dem Mann hinüber, der sich mitten in der Gruppe über einen aufgeklappten Laptop gebeugt hatte und sich jetzt langsam aufrichtete. Der Blick, mit dem er Harley musterte, war durchdringend.

»Ich bin Jack Demont.«

Harley rang nach Luft. Ihr wurde kochend heiß, als die Erkenntnis sie durchrieselte. Nein, das konnte einfach nicht wahr sein! Sie presste die Knie zusammen und umklammerte die Akte in ihrer Hand. Jack? Jacques? Jacques Lane?

Fassungslos musterte sie ihn. Der Mann, den sie hier treffen wollte, war Jacques Lane? Die sexy Aura weltgewandter Macht umgab ihn wie ein edler Maßanzug. Heute war er ein erwachsener Mann, damals war er ein junger Kerl gewesen, den sie angehimmelt und zu lieben geglaubt hatte.

»Kann ich Ihnen helfen?«

Auch wenn er sie nicht zu erkennen schien, bestand für Harley kein Zweifel. Immer noch besaß er einen Hauch von dem französischen Akzent, bei dem sie einst vor Lust die Zehen in ihren Designerschuhen angespannt hatte.

Er sah sie aus seinen meeresblauen Augen einen Moment lang so eindringlich an, als habe sie ihr Kaschmirkleid abgestreift und würde vollkommen nackt vor ihm stehen.

Harley glaubte zu spüren, wie die Hormone heiß durch ihre Adern strömten. Warum war sie hergekommen? Ihr Verstand war plötzlich wie benebelt.

Er wandte den Blick nicht von ihr ab, doch seine Pupillen weiteten sich fast unmerklich. Entweder nervte es ihn, dass sie so verwirrt und sprachlos vor ihm stand, oder in seinem Kopf herrschte durch die sexuelle Spannung ebenfalls ein Wirrwarr an Gedanken, ganz ähnlich wie all die Kabel auf dem Betonboden.

Harley presste die Schenkel fest aneinander. Seltsam, wie rasend schnell sich Ärger und Frust in brennende Erregung verwandeln konnten, und das alles nur wegen dieses Mannes, den sie gar nicht mehr kannte! Er war Teil ihrer Vergangenheit, und jetzt war er es offenbar, der den Deal ohne ersichtlichen Grund zum Stillstand gebracht hatte.

Wieso war sie überhaupt hier? Harley zermarterte sich den Kopf. Richtig! Das Morris-Building.

Mit seinem Blick schien er sie durchbohren zu wollen.

Entschlossen schob sie das Kinn vor und gab sich so herablassend wie nur möglich. »Könnten Sie mir einen Moment Ihrer wertvollen Zeit schenken?«

Verdammt! Sogar ihre Stimmbänder verkrampften sich beim Anblick des erwachsenen Jacks. Ihre Stimme klang irgendwie leicht heiser und atemlos.

Schnell räusperte sie sich. Es war an der Zeit, hier die Oberhand zu gewinnen.

Wollte Jack wirklich so tun, als würde er sie nicht kennen und wisse nicht, wieso sie ihn hier aufsuchte? Dann würde sie sein Spiel eben mitspielen. Es war egal, dass ihre erogenen Zonen unter seiner Musterung aufglühten wie Funken unter einem Schweißbrenner. Harley würde nicht klein beigeben. Es ist belanglos, dass wir uns vor neun Jahren so intim gekannt haben, sagte sie sich.

Sie war sich der übrigen Männer gar nicht mehr bewusst, die jetzt die Blicke auf ihre Sicherheitsschuhe senkten, als würden sie die Anspannung ebenfalls spüren.

Harley trat einen Schritt vor und legte die Akte und ihre Handtasche auf die Baupläne auf dem Tisch.

Wenn Jack Demont glaubte, er könne sie in diesem Männerumfeld einschüchtern oder dadurch, dass ihre Familien vor neun Jahren im Streit jeden Kontakt miteinander abgebrochen hatten, dann hatte er anscheinend den Ruf ihres knallharten und rücksichtslosen Vaters vergessen, der Harley erzogen hatte, indem er sie entweder mit Geringschätzung behandelt oder sie auf ihre Misserfolge aufmerksam gemacht hatte. Er hatte nie verbergen können, wie enttäuscht er von ihr war.

Jacks Lippen zuckten kurz, als er den Blick abwandte und seinen Laptop zuklappte. »Gentlemen, entschuldigen Sie uns bitte. Für weitere Fragen steht Ihnen jetzt der Vorarbeiter zur Verfügung.«

Bei seinem beißenden Tonfall und seinem kalten Blick fiel Harley trotz ihres lustverklärten Verstands wieder ein, wieso sie eigentlich hier war. Richtig. Der Vertrag. Die Unterschrift.

Die Männer zogen sich nun einer nach dem anderen zurück, bis zwischen Harley und dem Mann, der jetzt unter einem anderen Namen lebte, nichts mehr war als viel gemeinsame Vergangenheit und eine prickelnde erotische Spannung, die die Luft wie das Surren von Maschinen erfüllte.

Harleys hauchdünne Schutzschicht an Selbstbewusstsein bekam immer mehr Risse. Vergangenheit und Gegenwart verschmolzen langsam miteinander.

Ja, ein paar aufregende Monate lang hatte sie geglaubt, den Teenager Jack zu lieben, denn in ihrer damaligen Naivität hatte sie noch an Liebe und Romantik geglaubt.

Aber vielleicht empfand ja auch nur sie diese überwältigende Anziehungskraft, vielleicht erkannte Jack sie tatsächlich nicht. Möglicherweise hatte es ihm überhaupt nichts ausgemacht, dass sie damals ohne jede Erklärung mit ihm Schluss gemacht hatte. Hatte er sie schon in dem Augenblick vergessen, als er mit seiner Familie nach Frankreich zurückgekehrt war? Waren Harleys Gewissensbisse und der Liebeskummer vielleicht vollkommen unnötig gewesen?

Sie nutzte die Zeit, in der sie sich mit Blicken bekämpften, um den Mann zu mustern, den sie als Teenager angehimmelt hatte. Damals hatte sie von dem perfekten Mann geträumt, doch heute wusste sie, dass es diesen perfekten Mann gar nicht gab.

Im Laufe der Jahre hatte Jack sich verändert, doch das stand ihm sehr gut. Das dunkelblonde Haar trug er jetzt kürzer, anstatt der jugendlich-wilden Mähne war das Haar jetzt an den Seiten und hinten kurz geschnitten, nur das Deckhaar war noch ein bisschen zerzaust. Unwillkürlich malte Harley sich aus, mit den Fingern hindurchzustreichen.

Der jungenhafte Charme war ebenfalls aus seinem gut aussehenden Gesicht verschwunden. Die Kieferknochen wirkten ausgeprägter, und Harley wusste, dass ihr Finger perfekt in die Mulde des kleinen Grübchens an seinem Kinn passen würde. Wie gern sie das Kribbeln seiner Bartstoppeln auf der Haut spüren würde, und diesen sexy Mund würde sie küssen, bis auch der letzte abfällige Ausdruck von seinen Lippen verschwunden war.

Eines war allerdings sehr offensichtlich: Den Jungen, an den sie sich aus ihrer Jugend erinnerte, gab es nicht mehr. Vor ihr stand ein Mann mit hochgekrempelten Ärmeln und gebräunten, muskulösen Unterarmen. Seine Hose wirkte maßgeschneidert. Die Männlichkeit schien ihm aus jeder Pore zu strömen.

Schon sein Blick bewies Harley, wer hier das Sagen hatte. Er strahlte Macht aus mit seiner stolzen breiten Brust, seiner Körpergröße und seiner unnachgiebigen Haltung.

Harley holte tief Luft. »Ich …«

»Was kann ich für Sie tun?«

Sie hatten gleichzeitig gesprochen.

Beide verstummten und sahen sich erneut durchdringend an.

Harley schluckte und sammelte ihre Entschlossenheit und versuchte, sich nicht von den lustvollen Erinnerungen ablenken zu lassen. Endlich traf sie den Mann, der als ihr Verhandlungspartner den Ankauf des Gebäudes aufhielt, und sie würde nicht wieder gehen, ehe er sie nicht angehört hatte.

Sie richtete sich noch etwas mehr auf. Sie würde sich seine Unterschrift unter dem Vertrag holen, und dann würden sie sich niemals wiedersehen.

Durch die Feindschaft zwischen den Lanes und den Jacobs war sie im Vorteil. Sie kannte ihre Feinde nämlich. Das hier war ihr Schlachtfeld, und es war ihr Traum, der auf dem Spiel stand. Auch wenn sie den Ansprüchen ihres Vaters nicht genügte, so war sie immer noch eine Jacob.

Jacques Lane, beziehungsweise Jack Demont, hielt ihren Traum momentan in seinen kraftvollen sexy Händen, die ihr verräterischer Körper liebend gern wieder spüren würde. Er war die letzte Hürde auf dem Weg zum Erfolg.

Mit seiner Abfälligkeit hatte ihr Vater ihr über Jahre hinweg harte Lektionen erteilt. Jeder Tag war für sie ein Kampf mit den Erwartungen anderer und mit ihren persönlichen Grenzen, die ihr durch ihre Dyslexie gesetzt wurden, gewesen. Es brauchte deshalb mehr als Jacks erotische Ausstrahlung, um sie vom Kurs abzubringen.

Immer noch blickte er sie durchdringend und sinnlich an, als sei er in Gedanken bereits dabei, ihr das Kaschmirkleid vom Körper abzustreifen, aber es wirkte dennoch nicht so, als würde er sie wiedererkennen.

Harleys Entschlossenheit geriet plötzlich ins Wanken. Nach außen hin blieb sie beherrscht, doch die tief in ihr verankerten Selbstzweifel und die Unsicherheit stiegen jetzt wieder in ihr auf. Allerdings konnte Jacks Ahnungslosigkeit auch ein Vorteil für sie sein. Jetzt würde sie es nämlich sein, die ihn aus dem Gleichgewicht brachte. Warum sollte sie hier als Einzige verunsichert sein? »Erinnerst du dich nicht mehr an mich?«

»Oh, ich erinnere mich sehr gut an dich, Harley.« Eindringlich musterte er sie von Kopf bis Fuß. Sein Lächeln reichte allerdings nicht bis zu den Augen.

Harley kam es so vor, als habe er sie an eines der herumliegenden Stromkabel angeschlossen. Sie spürte seine Blicke wie ein Kribbeln überall am Körper.

Erst jetzt registrierte sie, was er gesagt hatte. Die lustvolle Glut in ihr erstarb, und ihr wurde kalt.

Jack hatte also genau gewusst, wer das Gebäude kaufen wollte! Dann hatte er den Verkauf ganz bewusst gestoppt. Welche Erklärung konnte es sonst dafür geben? Versuchte er, sich mit dieser Verzögerung für den Streit zwischen ihren Familien zu rächen? Oder ging es ihm bei dieser Rache ausschließlich um Harley?

Sie schob eine Hüfte vor und stützte sich mit einer Faust darauf. Wenn es ihm bei der Verzögerungstaktik nur um den Familienkrieg ging, dann ließ sich das leicht ausbügeln. »Wirklich?« Sie verlagerte das Gewicht und achtete nicht darauf, dass ihr unter seinem Blick die Knie weich wurden.

Mit Abfälligkeit oder Ärger hatte sie gerechnet, denn schließlich hatte sie ihn vor Jahren urplötzlich fallen lassen, aber diese prickelnde, faszinierende Anziehungskraft kam vollkommen überraschend. Am liebsten wollte sie ihm das Hemd und die Hose vom Leib reißen. Wie hatte sein fantastischer, jugendlich schlanker Körper sich wohl im Laufe der Jahre verändert?

Doch sie sah, wie er die Zähne zusammenbiss. Anscheinend erinnerte er sich nicht nur an sie, sondern auch an den verbitterten Streit zwischen ihren Familien.

»Selbstverständlich.«

Ihr wurde wieder heiß, dieses Mal jedoch aus einem anderen Grund. In jenem Sommer hatte sie nicht nur gelernt, wie man jemandem das Herz brach, sie hatte auch viele Lügen durchschaut und den Betrug erkannt, der sich vor aller Augen abgespielt hatte, und sie hatte erkannt, wie viel die Liebe wert gewesen war, die sie damals zu empfinden geglaubt hatte.

Energisch riss sie sich aus den Erinnerungen an die Zeit, als sie noch naiv für den jungen Jack geschwärmt hatte. Er kam jetzt so dicht auf sie zu, dass sie den Kopf heben musste, um ihm weiterhin in die Augen sehen zu können.

Sie spürte seine Körperwärme, und ihr wurde daraufhin so heiß, dass sie es noch mehr bereute, das Kaschmirkleid angezogen zu haben.

»Ich erinnere mich bestens an dich.« Sein Blick wanderte zu ihrem Mund, und unwillkürlich leckte Harley sich die Lippen.

Obwohl er so abweisend wirkte, empfand sie den Klang seiner Worte wie eine Liebkosung … wie feinste Seide auf nackter Haut. Er sprach sehr leise, und sie spürte den Klang seiner tiefen Stimme wie ein Vibrieren zwischen ihren Schenkeln.

Genauso war es auch schon mit siebzehn gewesen. Wann immer er in ihrer Nähe gewesen war, hatte ihr Körper auf ihn reagiert. Jetzt war sie erwachsen, und ihr Verlangen wuchs in Jacks Nähe noch um ein Vielfaches.

Harley fühlte sich hin- und hergerissen. Sie war eine erfolgreiche Unternehmerin, die unbedingt einen Deal zum Abschluss bringen wollte, und gleichzeitig war sie wieder das unsichere, verliebte Schulmädchen, das sich in der eigenen Familie einsam fühlte und den selbstbewussten Jacques mit dem exotischen Akzent und dem aufreizenden Lächeln vergötterte.

Nein!

Sie biss sich auf die Lippe, um die in ihr aufsteigende Erregung niederzukämpfen.

Er und ich, das ist Vergangenheit!

Die Vorfälle jenes schicksalhaften Familienurlaubs mit Jacks Familie hatten sie damals innerlich zerstört. Ihr war von jetzt auf gleich das Fundament entrissen worden, auf dem sie ihre Überzeugungen aufgebaut hatte. In ihrer Verwirrung, Enttäuschung und Angst hatte sie unvermittelt mit Jack Schluss gemacht, obwohl sie eigentlich bis über beide Ohren in ihn verliebt gewesen war.

Anscheinend hatte ihr Körper immer noch eine Schwäche für diesen Mann. Allerdings hatte sich ihre Einstellung zu Beziehungen im Laufe der Zeit nicht geändert. Jack wäre der letzte Mann auf Erden, der für sie infrage käme, sollte sie jemals wieder versuchen, diese Haltung zu ändern.

Wie in Zeitlupe packte er seine Sicherheitsweste vorn an der Brust, ohne den Blick von Harley abzuwenden. Er riss die Klettverschlüsse auf und entblößte das saubere blaue Hemd darunter. Die obersten Knöpfe standen offen, und der Ausschnitt offenbarte ihr den Ansatz seines blonden Brusthaars.

Hmm … Mach ruhig so weiter …

Wie kam sie denn jetzt auf solche Gedanken? Sie war hier wegen des Deals! Wegen dieses Gebäudes! Hastig hob sie den Blick wieder zu seinen Augen und sah noch ganz kurz den Anflug von Triumph in seinem Blick. Er hatte sie ertappt! Wie ein Kind mit der Hand in der Keksdose.

»Bist du nur hergekommen, um mich anzustarren?« Fragend zog er eine Braue hoch und kam näher. »Oder gefällt es dir einfach nur schmutzig?« Sein Blick glitt an ihr hinunter.

Sie folgte seinem Blick zu den Spitzen ihrer Pumps, die vom Zement ganz grau waren.

Eingebildeter Dreckskerl.

Aber so wie er das Wort schmutzig mit seinem leichten, sinnlichen Akzent aussprach, wollte Harley sich am liebsten im Klang dieses Wortes wälzen, sich darin von Kopf bis Fuß suhlen und sich wirklich vollkommen schmutzig machen.

Hastig riss sie sich wieder zusammen, als er die Sicherheitsweste auf den Tisch warf und sich langsam die Ärmel herunterkrempelte, ohne dabei den belustigten Blick von Harley abzuwenden.

»Ich bin hier, um diese Verträge unterschreiben zu lassen.« Nicht, um von den sexuellen Fähigkeiten zu träumen, die er sich im Laufe der Jahre angeeignet haben könnte. Fähigkeiten, die sie nicht mehr hatte auskosten können.

»Dafür habe ich Leute in den Büros.« Er schob die Hände in die Taschen seiner Hose und zog den Stoff über seiner Männlichkeit straff. »Vielleicht solltest du dir dort einen Termin geben lassen. Bestimmt verträgt sich die Umgebung dort … besser mit deiner Garderobe.«

Arrogantes, eingebildetes Arschloch! Wieso sehe ich ihm denn dann auch noch auf den Schoß?

»Ich habe schon mehrmals versucht, mich mit dir in deinem Büro zu treffen, das weißt du sicher.« Vor Wut wurde ihr ganz heiß.

Er zuckte nur mit den Schultern und senkte ganz leicht den Kopf.

Ihr kribbelte es in den Fingern. Sie wollte diesen Kopf mit beiden Händen packen und zu einem Kuss zu sich ziehen … sie wollte Jack erregen und ihm die Selbstbeherrschung rauben, die er wie einen Schutzschild um sich trug. Diese Machtspielchen würde sie sich nicht einfach so gefallen lassen.

Harley nahm sich vor, ganz ruhig und leise zu sprechen. Auf keinen Fall würde es ihr jetzt etwas nützen, wenn Jack merkte, wie sehr er sie aus ihrer professionellen Rolle geworfen hatte und wie stark ihr Interesse an ihm war.

»Ich will herausfinden, wieso unser Deal nicht zum Abschluss kommt.« Bis gerade eben hatte sie nicht geahnt, dass dieses heruntergekommene Firmengebäude, das sie aufkaufen wollte, etwas mit dem Sohn von Joe Lane zu tun hatte. Hätte sie von einem Kauf abgesehen, wenn sie es gewusst hätte? Hatte er wirklich gewusst, dass er bei diesem Deal mit der Tochter von Hal Jacob zu tun hatte? Bislang gab es nichts, was Harleys Theorie stützte.

»Hoffentlich sagst du mir jetzt nicht, dass du nur wegen dieser alten Familienfehde nicht auf den Deal eingehst.« Ihr reichte ein Blick in seine eiskalten Augen, um die Antwort zu erfahren.

»Meine Anwälte haben mir geraten, die Verträge bis aufs letzte Komma durchzugehen. In meinem Job kann man gar nicht vorsichtig genug sein.« Seine sexy Lippen verzogen sich zu einem spröden Lächeln, und sein Blick wurde noch eindringlicher. »Und sie haben tatsächlich einen Fehler in den Verträgen entdeckt.«

»Einen Fehler?« Nein!

Auf einmal kam es Harley so vor, als würde ihr das Kleid am Körper kleben. Drei Mal hatte sie das Vertragswerk geprüft, bevor sie es an ihre Anwälte übergeben hatte, die von ihr üppige Bonuszahlungen erhalten hatten, um Harleys Schwächen auszugleichen. Die Schwächen, unter denen sie zeit ihres Lebens gelitten hatte.

»Dann hat es nichts damit zu tun, dass ausgerechnet ich die Käuferin bin? Ich bin es nämlich nicht, die ihren Namen geändert hat.« Sie trat näher, und von dem dezenten, männlichen Duft, der ihn umgab, wurde ihr leicht schwindlig.

»Ich muss zugeben, dass mir dein Name bekannt vorkam, als ich mich an die Give Foundation gewendet habe, um über die Unstimmigkeiten in den Unterlagen zu sprechen.« Wieder lächelte Jack sie abfällig an. »Aber ich kann Ihnen versichern, Miss Jacob, ich habe keinerlei Hintergedanken. Ich bin einfach nur ein geradliniger Geschäftsmann ohne hinterlistige Pläne.« Er zuckte mit den Schultern. »Bei mir bekommst du, was du siehst. Mit Handschlag, natürlich.«

Harley beugte sich vor. Ihre Füße fühlten sich an wie angewurzelt. Falls er glaubte, er könne sie einschüchtern, dann hatte er sich die falsche Geschäftspartnerin ausgesucht. Sie war es leider gewohnt, einen Schritt zurückzuliegen und kritisiert zu werden. Normalerweise reagierte sie darauf mit boshaften Kommentaren. Auch das hatte sie von ihrem Vater gelernt. »Ich kann Ihnen versichern, Mr. Demont, dass jedweder Fehler lediglich ein Versehen ist und leicht richtiggestellt werden kann.«

Hoffentlich ließ es sich tatsächlich so leicht korrigieren! Wenn dieser Deal platzte, würde ihr Vater unweigerlich davon erfahren. Er hielt ohnehin nichts von diesem Kauf. Im Grunde war er gegen alles, was seine jüngste Tochter unternahm.

»Es gibt keinen Grund für eine weitere Verzögerung. Dieser Vertrag ist grundsolide.« Sie hob das Kinn. Auch wenn sie sich nicht sicher war, wollte sie zumindest so tun.

Doch in ihrem Inneren spürte sie die altbekannte, eiskalte Panik. Ihr ganzes Leben lang hatte die Dyslexie ihr bei jedem ehrgeizigen Plan im Weg gestanden. Aber dieses Mal hatte der Fehler eine zehn Mal schlimmere Auswirkung. Sie wollte das Morris-Building unbedingt haben. Es passte perfekt zu ihren Vorstellungen, und es befand sich in bester Lage.

Jetzt hatte sie alles ruiniert. Wieder einmal. In Gedanken konnte sie schon die ausdruckslose, enttäuschte Stimme ihres Vaters hören. Das unausgesprochene Ich hab’s dir ja gesagt, das sie schon seit der zweiten Klasse zu hören bekommen hatte. Auf keinen Fall wollte sie ihren Vater Hal oder – schlimmer noch – sich selbst ein weiteres Mal enttäuschen.

Sie zwang sich dazu, langsam und ruhig durchzuatmen. Innerlich folgte sie dem Beruhigungsritual, das sie im Laufe der Jahre immer durchging, wenn sie in Panik geriet. In New York gab es viele Immobilien, das wusste sie besser als die meisten. Hal hieß ihren Plan zwar nicht gut, aber er hatte ihr dennoch alternativ auch noch ein anderes Gebäude angeboten, das bereits im Familienbesitz war.

Wenn Harley nicht so fest entschlossen gewesen wäre, ihren Plan allein zu verwirklichen, hätte sie an diesem Punkt bestimmt kapituliert. Andererseits müsste sie ihrem Vater dann eingestehen, dass sie ihr Projekt, das Hal ohnehin für Zeitvergeudung hielt, selbst sabotiert hatte, indem sie irgendwo einen Schreibfehler gemacht hatte, den wahrscheinlich selbst Fünfjährige leicht finden würden.

Nein, das kam für Harley überhaupt nicht infrage.

»Ein grundsolider Vertrag?« Zweifelnd schnaubte er. »In der Vergangenheit habe ich das Vorgehen von Jacob Holdings eher als rücksichtslos empfunden, und das … schreckt mich ehrlich gesagt ab.«

War das tatsächlich ein abfälliger Blick, mit dem er sie an seiner geraden Nase hinab musterte? Kaum merklich ließ Harley die Schultern sinken. Ihr ganzes Leben lang erduldete sie jetzt schon Herablassung und Geringschätzung. Zeit ihres Lebens machte es sie verlegen, sich dumm und wertlos zu fühlen, doch Jacks Worte trafen sie mit chirurgischer Präzision genau an ihrer empfindlichsten Stelle.

»Ich verhandele lieber mit … angenehmeren Parteien.« Er hob seine Sachen vom Tisch und steckte sich das Handy in die Hosentasche. »Bis die Vertragsunterlagen korrigiert sind …« Wieder zuckte er mit den Schultern.

Harley spürte ihren Pulsschlag im ganzen Körper. Ihr Instinkt hatte sie nicht getäuscht. Jack hegte immer noch den alten Groll, der zwischen den Lanes und den Jacobs herrschte, der nicht nur das Ende der Geschäfte ihrer Väter bedeutet hatte, sondern auch das Ende der Freundschaft ihrer Familien.

»Ich bin aber nicht Jacob Holdings!« Sie zwang sich, die Finger zu lockern. »Dieser Deal hat nichts mit meiner Familie zu tun.« Wenn sie doch bloß nicht beim Aufsetzen der Verträge versagt hätte! Dann hätten ihre Worte jetzt mehr Nachdruck.

Jack musterte sie vollkommen unbeeindruckt. Seine Entscheidung stand offenbar fest, und anscheinend konnte ihn nichts und niemand umstimmen.

»Wir werden ja sehen.« Teilnahmslos lächelte er sie an und ging durch den weitläufigen Raum zu den Fahrstühlen hinüber.

Für den Bruchteil einer Sekunde bewunderte Harley seinen Hintern, der sich muskulös unter dem edlen Anzugstoff abzeichnete, doch dann lief sie ihm hinterher, so schnell das in ihrem eng sitzenden Kleid möglich war.

Verdammte Dyslexie! Würde die Auswirkung, die diese Schwäche auf alles hatte, was Harley anfing, jemals nachlassen? Offenbar hatte sie Jack selbst die Munition in die Hand gegeben, um ihr den Traum vom Morris-Building zu zerstören. Wieder ein Traum von ihr, der letzten Endes in der Schublade Harley-hat-es-versucht-aber … landete.

Zum Teil überraschte sie das nicht, denn schon als kleines Mädchen hatte sie sich danach gesehnt, dass ihre Erfolge mit demselben Stolz honoriert wurden wie die ihrer Geschwister. Aber deren Erfolge hatten nun einmal in Schulabschlüssen an richtigen Schulen bestanden.

Wie konnte Jack ihr nur unterstellen, dass die Firma, die sie gegen den Willen ihres Vaters und trotz ihrer Dyslexie aufgebaut hatte, etwas mit Jacob Holdings zu tun hatte, dem Unternehmen, das nach wie vor unter der Führung ihres Vaters stand? Harley hatte schließlich lange dafür gekämpft, ihren eigenen Weg zu gehen, der nicht durch den Nachnamen ihrer Familie vorbelastet war.

Ihre Geschwister waren allesamt direkt nach ihrem Harvard-Abschluss bei Jacob Holdings eingestiegen. Harleys Schullaufbahn war hingegen von Misserfolgen geprägt gewesen, und deshalb hatte sie sich fest entschlossen etwas Eigenes aufgebaut, ohne auf die Macht ihres Familiennamens zu setzen, der ihr in Manhattan bestimmt eine Menge Türen geöffnet hätte.

Ganz bewusst hatte sie ihre Firma Give genannt, um anonym zu bleiben, obwohl sie sich natürlich nicht vollkommen von dem Ruf der New Yorker Unternehmenserbin lösen konnte. Immer wieder hatte sie sich nicht nur gegen ihre Familie auflehnen müssen, die sie unbedingt wieder vereinnahmen wollte, sondern auch die wenigen Männer in ihrer Vergangenheit hatten einfach nicht begreifen können, wieso sie ein so sorgenfreies, privilegiertes Leben aufgab, um sich ihren Weg allein zu erkämpfen.

Verdammt, wieso war Jack bloß so groß, und warum waren seine Beine so lang? »Warte!«

Die Fahrstuhltüren öffneten sich. Jack betrat die Kabine, und Harley musste die letzten Schritte laufen, um ihn einholen zu können.

Wenn er glaubte, sie würde jetzt den Schwanz einziehen und widerspruchslos hinnehmen, dass der Deal geplatzt war, dann unterschätzte er sie aber gewaltig.

Okay, sie hatte einen Fehler gemacht, aber damit konnte sie umgehen. So etwas ließ sich korrigieren. Das hier waren ihr Deal und ihr Traum!

Harley wollte nämlich eine Schule speziell für Kinder mit Dyslexie gründen, die mit den modernsten Geräten ausgestattet war und die sich trotzdem alle leisten konnten, und nichts würde sie davon abhalten, sich diesen Traum zu erfüllen. Weder Hal, noch die neu erwachte Faszination, die der Mann auf sie ausübte, der ihr den Vertrag in kindischer Rache unerreichbar hoch über ihrem Kopf hinhielt. Das arrogante Arschloch, zu dem Jacques Lane sich entwickelt hatte, würde sie nicht davon abhalten! Wie der heutige Tag gezeigt hatte, gab es nur eines, was Harley bei der Erfüllung ihrer Träume im Weg stand: sie selbst.

Sie hatte die Fahrstuhltüren fast erreicht, als sie mit dem Absatz an einer Abdeckfolie hängen blieb und nach vorn gerissen wurde. Sie ruderte wild mit den Armen durch die Luft, aber es gab nichts, was ihren Sturz auf den Betonboden hätte aufhalten können.

Ihre Unterlagen und ihre Handtasche fielen zu Boden. Harley dagegen prallte gegen eine feste Brust.

Ihr blieb die Luft weg, als Jack sie auffing, hochzog, und sie von den Schultern bis zum Schenkel an kraftvolle Männermuskeln gepresst wurde.

Eben noch war sie außer sich vor Wut auf ihn gewesen, jetzt spürte sie ihn erregend an ihrem ganzen Körper.

Jeder Muskel in ihr erstarrte.

Ihr Verstand war nicht einmal mehr zu den einfachsten Gedanken fähig.

Die ruhigen und überzeugenden Argumente erstarben auf ihren Lippen.

Jacks Duft überwältigte sie. Er roch vage vertraut und dennoch verlockend fremd. Sauber und maskulin herb. Erinnerungen und Emotionen schlugen über ihr zusammen, glutvolle Lust stieg in ihr auf. Durch das erdrückende Kaschmirkleid und die grellgelbe Sicherheitsweste hindurch spürte sie seine Körperwärme. Mit jedem durchtrainierten Muskel, der sich an sie drückte, lähmte er ihren Widerstand.

Sie sah zu ihm hoch, und er blickte ihr in die Augen.

Ihre Gesichter und ihre Münder waren nur noch Zentimeter voneinander entfernt.

Die vergangenen neun Jahre schienen sich plötzlich in Luft aufzulösen. Harley kam sich wieder wie siebzehn vor. Sie war dem gut aussehenden, achtzehnjährigen Jungen aus Frankreich vollkommen verfallen gewesen. Beim letzten gemeinsamen Familienausflug in Aspen hatte sie ihn angefleht, sich mehr als nur einen Kuss von ihr zu holen, doch der junge Jack hatte sich ihren Wünschen nicht gefügt. Seine Skrupel, Integrität und Willenskraft hatten für sie beide gereicht.

Doch geküsst hatte er sie, so als sei es der letzte Kuss vor ihrem Tod, und ihren ersten Orgasmus verdankte sie ihm ebenfalls, selbst wenn er sich dabei ständig gegen ihre beharrlichen Versuche gewehrt hatte, ihm die Kleider vom Leib zu zerren und alles stärker zu beschleunigen, als er es zulassen wollte.

Was war mit dem Jack von heute?

Hart spürte sie seine Erektion an ihrem Bauch. Seine Nasenflügel blähten sich, als versuche auch er gerade, die Nuancen ihres ureigenen Dufts neu kennenzulernen. Sein Blick wirkte auf Harley, als würde er sich an die heimlichen, ekstatischen Momente während der Familienferien erinnern.

Während ihre Väter sich über Geschäftliches unterhalten und ihre Mütter sich in der Sonne gebräunt hatten, hatte Harley sich ausgemalt, wie es sein würde, Jack zu lieben.

Doch dann war sie urplötzlich aus ihren Fantasien gerissen worden und hatte eine bittere Lektion über Beziehungen lernen müssen, wodurch ihr gesamtes Weltbild sich für immer verändert hatte. Diese spezielle Lektion von Hal Jacob war noch härter und grausamer gewesen als alle anderen zuvor.

Jack verzog die Lippen zu einem Lächeln, und sein Atem strich über ihre leicht geöffneten Lippen. Doch anstatt sie beide an die Leidenschaft und Hitze der Küsse zu erinnern, die sie sich einst so innig ersehnt hatte, stellte er Harley vorsichtig wieder auf die Füße.

»Vorsicht, Prinzessin, sonst brichst du dir noch einen Fingernagel ab.«

Mistkerl!

Sie drängte die Lust zurück, die in ihr tobte, und strich sich das Kleid glatt, das ihr während des Stolperns bis halb über die Schenkel hochgerutscht war. Sie zog sich die entsetzliche Leuchtweste aus, und da Jack seinen Helm abgesetzt hatte, nahm sie auch ihren vom Kopf.

Er glaubte also, sie würde verwöhnt von ihrem Treuhandfonds leben und sich nebenbei ein bisschen mit Immobilien beschäftigen. Offenbar kannte er sie genauso wenig wie sie ihn.

Was spielte es denn für eine Rolle, dass ihr Körper noch an der Vergangenheit hing und dass Jack ihre Lust noch heißer als damals anfachen konnte? Das hatte überhaupt nichts zu bedeuten. Harley hatte einen Fehler begangen, und diesen Fehler würde sie jetzt sofort ausbügeln.

»Mr. Demont, ich lasse mich nicht einfach so abschieben. Geben Sie mir die Zusage, dass mein Kauf des Morris-Buildings nicht noch länger unnötig verzögert wird. Mein Bauunternehmer wartet nur auf das Startsignal, und ich darf auch die Deadline für die Eröffnung nicht außer Acht lassen.« Sie hob ihre Unterlagen und die Handtasche vom Boden auf und achtete dabei weder auf die eindrucksvolle Wölbung vorn in Jacks Hose noch auf den durchdringenden Blick, den er ihr zuwarf, als die Fahrstuhltüren sich schlossen. In diesem Blick lag eine erregende Hitze, die Harley sich nicht eingestehen wollte.

Er drückte einen Knopf an der Konsole, doch anstatt sich in Bewegung zu setzen, verharrte der Fahrstuhl. Es rührte sich nichts, genau wie bei ihren Vertragsverhandlungen.

Lange sah er sie an, die Füße leicht gespreizt, die Hände lässig in die Hosentaschen eingehakt, als wolle er seine bemerkenswerte Männlichkeit für ihre begehrlichen Blicke noch betonen.

Sieh mal, was dir alles entgangen ist.

Harley riss sich von seinem Anblick los. Ihr brannte die Kehle. Ihr ganzer Körper schien auf einmal in Flammen zu stehen. Aus der Nähe betrachtet, fielen ihr an Jacks männlichem Körper die Vorteile gegenüber dem jungen Jack auf, an den sie sich von damals noch gut erinnerte. Sie hatte ihn früher nie wirklich nackt gesehen. Im Moment wollte sie allerdings, dass nicht nur sein überheblicher Gesichtsausdruck, sondern auch seine Kleidung verschwand.

Aber sie war keine ungeduldige Jungfrau mehr, die sich naiv von Spielchen und Lügen beeinflussen ließ. Also schön, sie fand ihn attraktiv. Das war keine große Sache. Das würde sie nicht davon abhalten, sich zu holen, was sie wollte. In den Jahren, seit sie Jack das letzte Mal gesehen hatte, hatte sie gelernt, dass Sex absolut überbewertet wurde. Wer sich auf andere verließ, egal ob zum Vergnügen oder im Beruf, der wurde grundsätzlich irgendwann zutiefst enttäuscht.

Er lehnte sich an die Kabinenwand, und unter seinem musternden Blick wurde ihr an den unpassendsten Stellen warm, oder vielleicht auch an den passenden, je nachdem, wie man es sah.

»Du bist es gewohnt, dass du bekommst, was du willst, richtig?«

»Nein.« Ganz im Gegenteil. Sie hob den Kopf. »Dieses Gebäude ist mir extrem wichtig. Wie bekommen wir die Verkaufsverhandlungen wieder in Gang?« Sie lehnte sich an die gegenüberliegende Wand, wodurch sie ein bisschen mehr Abstand zu Jack bekam, doch das linderte das wilde Pochen zwischen ihren Schenkeln oder das rasende Klopfen ihres Herzens kein bisschen.

Er musterte sie jetzt noch eindringlicher.

»Willst du, dass wir die Sorgfaltspflicht vernachlässigen?« Er kam dichter zu ihr, und sie glaubte, kaum noch atmen zu können, als er sie von Kopf bis Fuß mit Blicken zu verschlingen schien.

Sie lehnte sich bewusst nach hinten an den Handlauf und gewann dadurch in der kleinen Fahrstuhlkabine wenigstens ein paar Millimeter Abstand zu Jacks einschüchternder Präsenz. Sie verdrehte die Augen und kämpfte angestrengt, um ihre Hormone zu zügeln und sich nur auf das Geschäftliche zu konzentrieren. »Natürlich nicht.«

»Glaubst du, nur weil du eine Jacob bist, kannst du andere dazu drängen, unsaubere Verträge zu unterzeichnen? Wirst du jetzt vielleicht ein paar Beziehungen spielen lassen?«

Wieder drang er in ihre persönliche Distanzzone ein. Harley nahm jede seiner Bewegungen überdeutlich wahr.

»Ich habe es dir doch bereits erklärt.« Seine Nähe machte ihr jeden Atemzug schwer. »Das hier hat nichts mit meiner Familie zu tun. Die Give Foundation ist eine Stiftung, die ganz allein mir gehört.«

Die Luft war jetzt erfüllt von seinem Duft und seiner Wärme. Harley kam es so vor, als würden ihre Lungen sich mit Sirup füllen.

Sein Blick glitt hinab zu ihren Lippen und wieder zurück zu ihren Augen. Langsam ließ er die Zungenspitze über seine sinnliche Unterlippe gleiten, bevor sein Atem Harleys Gesicht streifte. Seine Stimme sank zu einem heiseren Flüstern.

»Meinst du, die Vergangenheit und das, was zwischen uns passiert ist, würde mich beeinflussen?«

Ihr zitterten die Knie. Angestrengt umklammerte sie den Handlauf. Liebend gern würde sie mit dem Jack von heute die Intimität von damals wiederholen und noch viel mehr! Sie biss sich auf die Lippe, um nicht mit einer Antwort herauszuplatzen, oder, schlimmer noch, dem brennenden Wunsch nachzugeben, ihn mit einem Kuss zum Schweigen zu bringen.

»Glaubst du, du kannst hier einfach aufkreuzen, mich mit diesem Outfit blenden, das aussieht, als kämst du direkt vom Laufsteg, und dann gebe ich dir alles, was du willst?«

Heiß wie Feuer strömte das Blut jetzt durch ihre Adern, und sie wurde rot. Sie konnte nicht sagen, was stärker war: die prickelnde Erregung zwischen ihren Schenkeln, die er durch seine Nähe, seinen durchdringenden Blick und die Erinnerungen an ihr erstes sexuelles Erwachen in ihr auslöste, oder die maßlose Wut, die mit jeder seiner abfälligen Bemerkungen weiter in ihr wuchs.

Sie schluckte, um die Erregung zu verdrängen, und zwang sich zu einer Feststellung, an die sie im Moment selbst nicht glaubte: »Ich bin eine fähige Geschäftsfrau, Mr. Demont.« Abgesehen von den Fehlern, mit denen ich meine eigenen Abschlüsse gefährde. »Wir hatten einen Vertrag, eine Zusage, einen Verkauf und eine Kaufabsicht. Nicht mehr und nicht weniger.«

Fest entschlossen beugte sie sich vor, um ihren Standpunkt mit allen Mitteln zu verteidigen.

»Ist das etwa deine Art von Rache?« Sie verengte die Augen und ignorierte die Lust, die er in ihr auslöste. Sie sollte außer sich sein vor Wut, aber jeder Ärger wurde von dem sehnsüchtigen Wunsch überschattet, seinen Kopf zu sich zu ziehen, und die Lippen auf seine zu pressen.

Mit seinem stählernen Blick hielt er sie lange, quälende Sekunden in seinem Bann. Ihr stockte der Atem, und der Puls hämmerte ihr in den Ohren.

Unwillkürlich krümmte sie die Zehen in den Pumps, wodurch sie noch ein paar Millimeter dichter an seine Lippen gelangte.

Ihr Atem vermischte sich nun mit seinem.

Die Luft zwischen ihnen schien vor erotischer Spannung geradezu zu flirren.

Seine Augen waren jetzt ganz dicht vor ihrem Gesicht, und tief in seinem Blick erkannte sie das vertraute Aufblitzen von Lust.

Er atmete tief durch und schien offenbar zu einem Entschluss zu gelangen.

»Machen Sie einen Termin mit meinem Büro aus, Miss Jacob.« Er trat zurück und drückte auf den Knopf vom Erdgeschoss.

Anscheinend hatte die sexuelle Anspannung auf ihn keinerlei Wirkung.

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