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Ein echter Mann für Misty

Misty steckt in der Klemme! Deshalb erzählt sie Sheriff Morgan spontan von ihrer wilden Vergangenheit. Und Morgan? Der reagiert überraschend verständnisvoll. Die süße Misty - findet er - braucht einen Mann, der sich richtig um sie kümmert! Aber wer soll diesen Job übernehmen? Er ganz bestimmt nicht!
  • Erscheinungstag: 02.11.2015
  • Seitenanzahl: 192
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955765491
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

LORI FOSTER

Ein Traummann kommt selten allein

Ein echter Mann für Misty

 

Image

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright © 2012 by MIRA Taschenbuch
in der Harlequin Enterprises GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Morgan

Copyright © 2000 by Lori Foster

erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Titelabbildung: whiteisthecolor/iStock

eBook-Herstellung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN eBook 9783955765491

www.mira-taschenbuch.de

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PROLOG

Es war eines dieser heißen Wochenenden, an denen ein Mann nichts Besseres tun konnte, als draußen zu sitzen, zu schwitzen und auf eine Brise zu warten, die nicht kommen würde. Der Himmel war von klarstem Blau, keine einzige Wolke in Sicht. Morgan liebte Tage wie diesen und freute sich schon darauf, demnächst auf der Veranda seines eigenen Hauses sitzen zu können. Wenn alles gut lief, würde das zum Ende des Sommers der Fall sein.

Er lehnte sich behaglich in seinem Stuhl zurück und schloss die Augen. Alle waren heute unterwegs, sodass das Haus ihm seltsam ruhig vorkam, ja fast leer. Er hoffte, dass es ihm in seinem eigenen Haus nicht auch so ergehen würde. Wenn man mit drei Brüdern und einem Neffen im Teenageralter zusammenlebte, gewöhnte man sich ans Chaos. Besonders wenn es solche Brüder waren wie seine.

Sawyer, der Älteste, war der einzige Arzt im Umkreis von vielen Meilen. Er behandelte den ganzen Tag lang seine Patienten im hinteren Anbau des Hauses, manchmal bis spät in die Nacht. Sawyer war ein ausgezeichneter Vater, aber als Casey noch klein war, sprangen alle ein, damit Sawyer sein Medizinstudium abschließen und später seinen Aufgaben als Arzt gerecht werden konnte.

Jordan, sein jüngerer Bruder, war Tierarzt. Das bedeutete, dass es im Haus und im Garten ständig von streunenden Tieren wimmelte. Morgan machte das nichts aus. Meistens schloss er die bunte Mischung aus räudigen oder heimatlosen Kreaturen in sein Herz. Natürlich sagte er das Jordan nicht.

Gabe, der jüngste Bruder, war ein Herumtreiber, der nicht die Absicht hatte, sich so bald niederzulassen. Wieso sollte er auch, wenn die Hälfte der weiblichen Bevölkerung von Buckhorn, Kentucky, damit aller Hoffnungen beraubt wäre? Gabe war der Liebling der Frauen, und er liebte sie alle, ob jung oder alt, lieb oder frech.

Casey, Sawyers Sohn, war in jenem schwierigen Alter von fünfzehn Jahren, in dem weibliche Wesen ihn faszinierten und er mehr Unabhängigkeit für sich beanspruchte. Casey war ebenso wie die Brüder mehr als begeistert gewesen, als Sawyer sich entschlossen hatte, noch einmal zu heiraten, sodass eine Frau in diesen Haufen Männer kam. Alle hatten sich erstaunlich rasch an das Zusammenleben mit Honey Malone gewöhnt.

Morgan lächelte. Er mochte Honey wirklich sehr. Vor allem weil diese Frau seinen Bruder mit einem einzigen Blick eingefangen hatte. Sawyer hatte dagegen angekämpft, aber es hatte ihm nichts genützt. Vom ersten Tag an war er bis über beide Ohren in sie verliebt gewesen. Und dass Casey sie ebenfalls mochte, hatte sein Übriges dazu beigetragen.

Eines Tages wollte Morgan auch so einen Sohn wie Casey haben – vorausgesetzt, er würde jemals eine Frau finden, die er heiraten wollte. Da er inzwischen vierunddreißig war, hatte er seiner Meinung nach lange genug gewartet. Das Haus war fast fertig, und er war mittlerweile ruhig genug, auch wenn seine Brüder das vielleicht anders sahen. Außerdem hatte er einen respektablen Job und genügend Geld zur Seite gelegt. Seine wilden Tage waren endgültig vorbei.

Der Mann schlief tief und fest, als Misty vor dem Haus hielt. Es kam ihr riesig vor und lag inmitten einer idyllischen Landschaft. Auf dem Weg hierher hatte sie einen von bunten Wildblumen umgebenen See gesehen, einen großen Stall und mehrere kleinere Nebengebäude. Auf einer leichten Anhöhe in der Ferne stand ein weiteres Haus. Abgesehen davon lag das Anwesen jedoch in völliger Abgeschiedenheit.

Honey hatte ihr kaum etwas über das Haus erzählt, dafür umso mehr von ihrer Hochzeit. Sawyer, ihr zukünftiger Mann, hatte ihre Schwester gedrängt, sodass Honey in weniger als drei Wochen eine Hochzeit organisierte. Misty hatte ein paar Tage dafür gebraucht, ihre Sachen zu regeln und zu ihr zu fahren, um Honey bei den letzten Vorbereitungen zu helfen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, und Misty schickte ein stilles Dankgebet zum Himmel, dass sie wenigstens vorläufig eine Bleibe hatte. Denn sonst wäre sie obdachlos geworden.

Honey hatte sie zwar vor dem Haufen beeindruckender Männer gewarnt, doch auf den überwältigenden Anblick dieses dunkelhaarigen Mannes auf der Veranda war Misty nicht vorbereitet gewesen. Er trug nichts weiter als enge, verwaschene Jeans. Misty betrachtete seinen Waschbrettbauch und schluckte.

Er war eine aufregende Erscheinung. Nicht, dass dies für Misty irgendeine Bedeutung hatte. Sie hatte die Männer abgeschrieben, und dabei würde es auch bleiben. Aber das hieß ja nicht, dass sie nicht mal hinschauen durfte.

Vorsichtig trat sie näher und fragte sich, ob sie ihn wecken sollte. Sie war einen Tag zu früh angekommen, daher erwartete Honey sie sicher noch nicht. Aber bestimmt war jemand im Haus, und wenn sie leise anklopfte …

Sie war gerade neben ihm und überlegte, was sie tun sollte, als er plötzlich die Augen aufschlug.

Der Mann schien ebenso überrascht zu sein wie sie. Er setzte sich abrupt auf, wobei er die Balance verlor und sein Stuhl nach hinten zu Boden krachte.

Sie beugte sich zu ihm herunter. “Alles in Ordnung mit Ihnen?”

Am Boden liegend fuhr er sich leise fluchend mit beiden Händen durch die welligen dunklen Haare. “Schleichen Sie aus einem bestimmten Grund auf meiner Veranda herum?”

“Ich schleiche nicht herum”, verteidigte sie sich. “Sie haben bloß so laut geschnarcht, dass Sie mich nicht gehört haben.”

Seine blauen Augen verdunkelten sich. “Ich schnarche nicht.”

“Ach nein?” Unwillkürlich glitt ihr Blick über seinen nackten, muskulösen Oberkörper. Ihr Puls beschleunigte sich. “Haben Sie sich etwas gebrochen?”

Der Mann setzte sich neben dem Stuhl auf und sah sie herausfordernd an. Ein schwaches, aber sehr sinnliches Lächeln umspielte seine Mundwinkel. “Wollen Sie es überprüfen?”

Die Vorstellung, seine nackte Haut zu berühren, war verlockend. Um die Distanz zu wahren, richtete sie sich rasch wieder auf, was jedoch nur den Effekt hatte, dass sein Gesicht plötzlich nah an ihren Beinen war. Er hätte ihr Knie küssen können, einfach indem er sich ein Stück vorbeugte.

Und er sah aus, als hätte er vor, genau das zu tun.

Misty wich hastig einen Schritt zurück. Der Schweiß auf ihrer Haut ließ das T-Shirt an ihren Brüsten kleben. Es mussten über dreißig Grad sein, und die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass man kaum richtig durchatmen konnte.

Um die lastende Stille ein wenig aufzulockern, fragte sie: “Wie können Sie bei dieser Hitze nur schlafen?”

Er stand auf und stellte den Stuhl wieder hin. Er war gut einen Kopf größer als sie und hatte gebräunte Schultern, die doppelt so breit waren wie ihre. Misty war sowohl fasziniert als auch eingeschüchtert, und das gefiel ihr nicht. Niemals mehr sollte ein Mann diese Wirkung auf sie haben. Da er sie nachdenklich musterte, setzte sie ihr übliches unbekümmertes Lächeln auf und zwinkerte ihm zu. “Wahrscheinlich haben Sie die ganze Nacht durchgemacht, was?”

Er trat einen Schritt auf sie zu, und sie wich zurück, bis sie an das Verandageländer stieß. Wenn Misty nicht gewusst hätte, dass sie hier richtig war, hätte sie sich ernsthaft Sorgen gemacht. Aber Honey hatte ihr versichert, dass sie alle ehrenhafte Männer waren. “Ist sonst noch jemand da?”

“Nein.”

“Nein?” Jetzt machte sie sich doch Sorgen. “Was ist mit Ihren Brüdern? Und sollte Ihre Mutter nicht zu Besuch kommen?” Er war ihr so nah, dass sie den Duft seiner Haut einatmen konnte.

“Meine Mutter hatte einen kleinen Notfall, daher schafft sie es nicht. Meine Brüder und mein Neffe sind in der Stadt und genießen ihren freien Samstag.”

Sie waren also allein! Seine Nähe machte sie so nervös, dass sie kaum einen anständigen Satz zustande bekam. Sie hatte den Verdacht, dass er genau das beabsichtigte. Misty nahm sich zusammen. “Was ist mit Honey?”

Er zog die Brauen zusammen. “Sie ist mit ihnen unterwegs.” Noch einmal musterte er sie von Kopf bis Fuß, diesmal sehr langsam. Er schien es zu genießen. Dann fragte er: “Wer sind Sie eigentlich, Lady?”

Seine Miene war nicht unfreundlich, doch in seinem Ton lag eine Mischung aus Gespanntheit und Erregung. Misty biss sich auf die Lippe, streckte ihm die Hand hin und stellte sich vor: “Misty Malone.” Ihre Stimme versagte, sodass sie sich räuspern musste. “Ich bin Honeys Schwester.”

Er erstarrte. “Verdammt!” Mit vorwurfsvollem Blick fügte er hinzu: “Das war absolut nicht das, was ich hören wollte.”

1. KAPITEL

Ihr bloßer Anblick ließ Morgan in Schweiß ausbrechen.

Und in dem verdammten Smoking, den er zur Hochzeit seines Bruders angezogen hatte, war das mehr als unangenehm. Nicht einmal die Klimaanlage half. Er versuchte Misty nicht mehr anzusehen, doch es schien ihm nicht zu gelingen. Ihre sinnliche Art, sich zur Musik zu bewegen, ihre tiefschwarzen, seidigen Haare, die hin und her schwangen, ihr heiseres Lachen, all das machte ihn langsam verrückt. Morgan lockerte die Fliege um seinen Hals und öffnete die obersten beiden Knöpfe seines weißen Hemdes.

“Wenn du sie noch länger anstarrst, geht sie in Flammen auf.”

Morgan zuckte zusammen und drehte sich zu Sawyer um. “Solltest du nicht bei deiner Braut sein?”

“Jordan tanzt gerade mit ihr.”

Nach ihrer ersten Begegnung auf der Veranda hatte Morgan sein Bestes getan, um Misty aus dem Weg zu gehen. Schließlich hätte er beinah versucht, seine zukünftige Schwägerin zu verführen. Und was noch schlimmer war, sie hatte ihn auch noch dazu ermutigt! Welche Frau tat so etwas?

Jedes Mal, wenn er daran dachte, machte es ihn von Neuem wütend. Um seine Selbstbeherrschung schien es in letzter Zeit nicht besonders gut bestellt, vor allem nicht, wenn er mit ansehen musste, wie Gabe und Jordan diese Frau anhimmelten. Sie waren von Mistys sinnlichem Blick und ihrem unbekümmerten Lächeln ebenso fasziniert, wie Morgan es gewesen war. Nur schienen sie im Gegensatz zu ihm ernsthaft an ihr interessiert zu sein, und das störte ihn wirklich.

Morgan konnte sie nicht besonders leiden. Sie war so frech und ungezwungen, dass es fast unmöglich war, sich nicht in sexueller Hinsicht zu ihr hingezogen zu fühlen. Wo ihre Schwester taktvoll und sanft war, war Misty unverblümt und ausgelassen. Kein Wunder, dass er nicht gleich darauf gekommen war, wen er denn da vor sich hatte. Morgan hatte erwartet, dass Honeys Schwester ihr ähnlich war und nicht das genaue Gegenteil von ihr.

Mit ihrer offenen, ungehemmten Art konnte Misty jeden Mann um den Verstand bringen. Damit gehörte sie aber auch zu jener Sorte Frauen, an denen Morgan nicht interessiert war. Er wollte eine Frau wie Honey, mit der er eine Familie gründen konnte. Nicht, dass er einer gelegentlichen kurzen Affäre abgeneigt war, bevor er die Frau fürs Leben gefunden hatte. Aber nicht mit Honeys Schwester. Auf keinen Fall. Das gäbe nur Ärger.

In dem Versuch, eher desinteressiert als verärgert zu klingen, sagte er: “Ich bin erstaunt, dass Jordan sich von Misty losreißen konnte. Er und Gabe schwirren doch schon den ganzen Abend um sie herum.” Morgan schüttelte den Kopf. “Sie laufen ihr schon die ganze Woche wie liebeskranke Welpen hinterher.”

“Und das stört dich, oder?”

Morgan schnaubte verächtlich. “Ach was. Sie ist nur ganz anders als Honey, und ich will nicht, dass sie in eine peinliche Situation geraten.”

Das brachte Sawyer zum Lachen. “Jordan und Gabe? Ich sage es dir ja nur ungern, aber die beiden sind erwachsen und haben schon seit einiger Zeit ihre Erfahrungen mit Frauen gemacht. Gabe hat sogar noch früher als du damit angefangen.”

“Er hat gelogen.”

Sawyer lachte erneut. “Nein, ich habe ihn ja selbst dabei erwischt, im Stall. Daher weiß ich, wie alt er beim ersten Mal war.”

Für einen Moment abgelenkt, wandte sich Morgan grinsend an seinen Bruder. “Im Ernst?”

“Leider ja. Ich fürchte, das hat ihn erst zu diesem Leben voller Ausschweifungen gebracht.”

Morgan lachte leise. Ihr jüngster Bruder war ein regelrechter Casanova, zur Freude der weiblichen Bevölkerung von Buckhorn. “Irgendwelche Einzelheiten?”

Sawyer zuckte die Schultern und sagte: “Das Mädchen war vier Jahre älter. Seitdem wirkt er auf Frauen unwiderstehlich.”

“Honey hat ihm widerstanden.”

Sawyer grinste selbstzufrieden. “Ja, und das hat mich gefreut. Das dämpft sein Ego.”

“Allerdings hat er es auch nicht wirklich versucht, weil er sah, dass du bereits einen Anspruch geltend machtest.” Bevor Sawyer widersprechen konnte, schaute Morgan zu Misty. “Ist es nicht erstaunlich, wie unterschiedlich zwei Schwestern sein können? Honey ist so gutherzig und unschuldig.”

Sawyer verschluckte sich bei dieser Bemerkung an seinem Champagner, doch als Morgan ihn misstrauisch ansah, hob er nur die Brauen und ermutigte ihn fortzufahren.

“Misty ist …”

“Was?”, bohrte Sawyer nach. “Sexy?”

“Verdammt, ja, sie ist sexy. Aber das ist Honey auch.”

Sawyers Miene verfinsterte sich. “Ich bin nicht sicher, ob mir das gefällt …”

“Ach komm schon, Sawyer. Ich bin nicht blind. Ich freue mich, dass sie so sexy ist – und zwar für dich.”

Sawyer leerte sein Champagnerglas. “Worauf willst du eigentlich hinaus?”

Morgan biss die Zähne zusammen. “Sieh dir Misty doch mal an.”

“Ich sehe mir lieber an, wie du sie beobachtest. Das ist viel amüsanter.”

“Honey ist so lieb und sanft. Misty dagegen ist wild und heißblütig. Was ist eigentlich los mit ihr? Meint sie, sie müsste jeden Mann hier verführen?”

“Sie verführt niemanden, sie tanzt nur.”

Morgan verzog das Gesicht. “So, wie sie tanzt, läuft das auf dasselbe hinaus.”

“Für dich zumindest”, erwiderte Sawyer amüsiert.

In diesem Moment löste Gabe Jordan beim Tanzen ab. Misty lachte und tanzte mit ihm ebenso bereitwillig wie mit Jordan. Morgan verfolgte das Ganze mit grimmiger Miene. “Es ist einfach nicht richtig. Sie spielt mit den beiden.”

Sawyer kippte absichtlich Öl ins Feuer. “Immerhin scheint es ein Spiel zu sein, das ihnen Spaß macht.” Er klopfte Morgan auf die Schulter. “Entspann dich. Sie tanzt doch nur. Oh, da kommt Honey, also bringe ich es lieber hinter mich. Sie findet, dass du Misty absichtlich aus dem Weg gehst. Ich sollte dich darum bitten, mit ihr zu tanzen.”

“Ich werde nicht mal in ihre Nähe gehen”, entgegnete er, denn er befürchtete, dass er andernfalls die Kontrolle über sich verlieren könnte. Er konnte sich nicht erinnern, jemals eine Frau so sehr begehrt zu haben.

Misty wohnte bei ihnen im Haus, und so sah er sie zum Frühstück, wenn sie verschlafen lächelnd in die Küche kam, und abends, wenn sie allen eine gute Nacht wünschte. Er sah sie sogar nachmittags, obwohl er alles tat, um das zu vermeiden. Denn dann lackierte sie sich entweder gerade die Zehennägel auf der Veranda oder machte sich in der Küche zu schaffen und wirkte beinah häuslich. Dabei hätte Morgan darauf gewettet, dass nicht ein Funke Häuslichkeit in dieser Frau steckte.

Es spielte auch keine Rolle, was sie tat, denn es gefiel ihm ein bisschen zu sehr. Doch das Ganze war rein körperlich, und eine heiße Affäre mit der Schwester seiner Schwägerin kam nun einmal für ihn nicht infrage. Durch die Heirat zwischen Sawyer und Honey war Misty für ihn tabu.

“Verdammt”, zischte Morgan, während er beobachtete, wie Jordan sie auf der Tanzfläche herumwirbelte.

“Allerdings, denn jetzt bist du dran.”

Morgan drehte sich überrascht um und sah, was Sawyer meinte. Honey stand vor ihm und sah wunderschön aus in ihrem weißen Hochzeitskleid. Ihre langen blonden Haare trug sie offen, und sie strahlte.

Morgan begrüßte sie lächelnd. “Habe ich die Braut eigentlich schon geküsst?”

“Ungefähr ein dutzend Mal.” Sie grinste, wodurch Grübchen in ihren Wangen erschienen. “Ich möchte, dass du mit Misty tanzt.”

Morgan erstarrte. “Also ich …”

“Ich habe fast den Eindruck, dass du ihr aus dem Weg gehst. Erst heute Morgen beim Frühstück hat sie mir erzählt, dass du sie nicht leiden kannst.”

Sie hatten über ihn geredet? Morgan wollte fragen, was genau sie geredet hatten, aber dann hätte er einen viel zu interessierten Eindruck gemacht. “Das stimmt nicht”, sagte er daher nur.

“Natürlich stimmt das nicht! Sie glaubt es aber, weil du so viel Zeit bei der Arbeit verbringst, seit sie hier ist, und kaum zwei Worte mit ihr gewechselt hast.”

Morgan zupfte an seinem Ohrläppchen und fühlte sich langsam unbehaglich. Am liebsten hätte er Sawyer, der grinsend hinter seiner Braut stand, einen Kinnhaken verpasst. “Ich hatte wirklich viel zu tun diese Woche, und da ich der Sheriff bin, kann ich nicht einfach …”

“Jetzt hast du aber nichts zu tun. Das Lied ist gerade zu Ende. Das ist die perfekte Gelegenheit für euch beide, euch ein wenig zu unterhalten und besser kennenzulernen.”

“Ja, der Zeitpunkt ist perfekt”, stimmte Sawyer zu. “Und mit deinem umwerfenden Charme wirst du sicher das Eis brechen.” Grinsend sah er zu seiner Braut. “Das wirst du doch für Honey tun, Morgan, oder?”

Honey spielte mit und setzte ihr gewinnendstes Lächeln auf.

Morgan suchte verzweifelt nach einer Ausrede, doch ihm fiel nichts mehr ein. “Ach, verdammt.” Resigniert fügte er sich in sein Schicksal und marschierte davon. Misty sah auf, als würde sie plötzlich spüren, dass er auf dem Weg zu ihr war. Das passierte oft, sobald er einen Raum betrat. Sie wurde dann still und in sich gekehrt – aber nur ihm gegenüber.

Morgan blieb direkt hinter ihr stehen. Sie drehte sich nicht zu ihm um, wusste jedoch genau, dass er hinter ihr stand. Kaum merklich straffte sie die Schultern, und ihre wohltönende Stimme wurde plötzlich schrill, als sie die Junggesellen um sie herum fragte, wer als Nächster mit ihr tanzen würde.

Morgan warf jedem Einzelnen einen Blick zu und grinste – ein unmissverständliches Signal. Einige der Männer, die Misty umringten, murmelten Entschuldigungen und zogen sich zurück.

Morgan nutzte den Rückzug aus. “Das werde dann wohl ich sein, Malone.”

Sie hasste es, wenn er sie mit ihrem Nachnamen anredete. Das hatte er bereits bei ihrer ersten Begegnung herausgefunden. Seitdem nannte er sie Malone, da es ihm half, Distanz zwischen ihnen zu wahren.

“Das glaube ich kaum, Hudson.” Sie griff nach Gabes Hand. Er war einer der wenigen Männer, die sich von Morgans finsterer Miene nicht einschüchtern ließen. Im Gegenteil, Gabe wirkte im höchsten Maße amüsiert. Er war ein Gentleman und hätte Misty beigestanden, wenn Morgan ihm nicht zuvorgekommen wäre. Er trat dicht hinter sie und fing ihre Hand ab. Gleichzeitig atmete er ihren sinnlichen Duft ein. Ihr schlanker Rücken schmiegte sich an seine Brust, und ihr seidiges Haar streifte sein Kinn. Er hielt den Atem an und erschauerte.

Beide erstarrten.

Gabe lachte leise. “Wollt ihr zwei die ganze Nacht so dastehen oder auch noch tanzen? Ihr solltet wissen, dass Honey äußerst skeptisch beobachtet, was für eine Show ihr den Gästen bietet. Sie sieht aus, als würde sie gleich herkommen.”

Morgan nahm sich zusammen. “Verschwinde, Gabe.”

“Auf keinen Fall. Schließlich erlebe ich nicht oft, wie du aus der Fassung gerätst.”

“Ich bin nicht aus der Fassung geraten.” Er stellte schnell wieder einen Sicherheitsabstand zwischen ihr und ihm her, ließ Mistys Hand jedoch nicht los. “Deine Schwester möchte, dass wir tanzen”, erklärte er.

Misty befeuchtete sich nervös die Lippen mit der Zunge, und Morgan hätte am liebsten laut aufgestöhnt. Er sah zu Gabe und registrierte, dass sein Bruder sie ebenso fasziniert beobachtete. Morgan zog Misty in die Mitte der Tanzfläche. Es war für alle deutlich, dass sie nur widerstrebend folgte. Das ärgerte Morgan, da er gesehen hatte, wie sie die anderen Tanzpartner begrüßt hatte.

“Komm schon, Malone, ich beiße nicht.”

“Kann ich das schriftlich haben?” Behutsam versuchte sie ihre Hand aus seiner zu befreien. Morgan starrte sie an und ließ sie weder los, noch ging er auf ihren Sarkasmus ein. Misty seufzte. “Hör mal, Morgan, dies ist keine so gute Idee.”

“Warum nicht?”

“Du kannst mich nicht leiden! Ich weiß nicht, was du gegen mich hast, und um die Wahrheit zu sagen, es ist mir egal.”

“Tatsächlich?” Es war erstaunlich, wie schnell sie zur Sache kam. Die meisten Frauen wären nicht so direkt gewesen. Unwillkürlich fragte er sich, ob sie im Bett auch so ungeduldig war und drauflosstürmte.

“Allerdings. Die Wahrheit ist, dass ich auch nicht allzu verrückt nach dir bin.”

Seltsamerweise merkte Morgan, dass er sich amüsierte. Abgesehen davon, dass sie ihn erregte, fühlte er sich herausgefordert, und das passierte ihm nicht oft bei einer Frau.

“Wieso nicht?”

Bevor sie etwas erwidern konnte, wechselte die Musik zu einem langsamen Song. Misty seufzte verzweifelt. “Das war’s. Ich verschwinde.” Erneut versuchte sie sich von Morgan zu befreien, doch er drückte sie nur fester an sich und legte den Arm um ihre Taille.

Dicht an ihrem Ohr flüsterte er: “Hör auf, gegen mich zu kämpfen, Malone. Es ist doch nur ein Tanz.” Ein Tanz jedoch, der ihm eher wie ein Vorspiel zum Liebesakt vorkam. Allein sie in den Armen zu halten brachte sein Blut zum Sieden.

“Was ist eigentlich los mit dir? Du machst vielleicht ein finsteres Gesicht.” Da er nicht antwortete, sagte sie: “Jetzt tu nicht so, als hätte meine Offenheit dich beleidigt.”

“Du hast mich nicht beleidigt.” Morgan entschloss sich, seinerseits direkt zu werden. “Willst du wissen, was mir an dir nicht gefällt, Malone?”

“Nein.”

Ihre Stimme klang noch ein wenig höher als sonst. Wo Morgans Hand lag, fühlte er die Wärme ihrer Haut unter dem Satinstoff und die sanften Bewegungen ihrer Muskeln. Sie war schlank, ihre Taille schmal, doch ihre Brüste waren voll. Ihre Beine waren endlos lang und sexy, und ihr wohlgerundeter Po wackelte gerade so viel, dass Morgan jedes Mal unwillkürlich hinschaute, wenn sie an ihm vorbeiging. Er hatte bereits viel zu viele Stunden damit verbracht, über ihre niedliche Kehrseite nachzudenken.

Und dann diese Brüste. Er könnte mindestens eine Stunde damit zubringen, sie zu liebkosen. Unfähig zu widerstehen, warf er einen Blick in Mistys Dekolleté und stellte sich vor, wie er ihre wundervollen nackten Brüste küsste. So tief, wie ihr Kleid ausgeschnitten war, konnte sie unmöglich einen BH tragen, und wenn, dann nur einen äußerst knappen.

Benommen vor Verlangen knurrte er: “Du bist Honeys Schwester.”

Sie blinzelte erstaunt. “Na und?”

“Damit bist du tabu für mich. Und das gefällt mir nicht.”

Ihre Augen weiteten sich. “Gütiger Himmel! Das hört sich ja an, als wolltest du …”

“Genau das. Alles, was du dir vorstellen kannst, und noch ein bisschen mehr.”

Ihr stockte vor Wut der Atem. “Als wenn ich einfach so verfügbar wäre! Krieg dich wieder ein, Morgan, denn die Antwort wäre ein klares Nein.”

“Das kaufe ich dir nicht ab, Malone. Du flirtest die ganze Zeit. Nicht nur, wenn du redest, sondern auch, wenn du dich bewegst oder isst.” Erneut sah er auf ihre Brüste, was ihren Zorn nur noch mehr anfachte. “Sogar wenn du nur atmest.”

“Das ist doch absurd!”

“Ist dir eigentlich aufgefallen, dass jeder Kerl hier auf deine Brüste starrt?”

Sie machte den Mund auf und wieder zu. “Du bist widerlich.”

“He, ich bin schließlich nicht derjenige, der hier so viel Haut zeigt!”

“Die anderen Frauen hier zeigen genauso viel Haut wie ich, du Idiot”, zischte sie. “Wieso hältst du denen keinen Vortrag?”

Da sie recht hatte, erwiderte er leichthin: “Aber keine von denen sieht so aus wie du.” Trotz ihres Widerstandes drückte er sie fester an sich. “Und ich begehre keine von ihnen.”

Misty wirkte perplex. “Du arroganter Mist…”

“Leise”, ermahnte er sie. “Wir wollen doch die Hochzeitsfeier deiner Schwester nicht ruinieren.” Ihre Augen funkelten, und ihre Wangen waren gerötet. Am liebsten hätte er sie jetzt geküsst, doch besaß er noch genügend Verstand, um sich zurückzuhalten.

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