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Ein Kuss für jedes ''Ja''

Elizabeth ist auf der Suche nach modernen Helden - und hat mit Gabe auch gleich einen echten gefunden! Der aber will von einem Interview nichts wissen. Es sei denn, die neugierige Schöne träfe sich mit ihm - und nicht nur zum Reden …


  • Erscheinungstag: 02.11.2015
  • Seitenanzahl: 139
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955765484
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

LORI FOSTER

Ein Traummann kommt selten allein

Ein Kuss für jedes “Ja”

 

Image

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright © 2012 by MIRA Taschenbuch
in der Harlequin Enterprises GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Gabe

Copyright © 2000 by Lori Foster

erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Titelabbildung: whiteisthecolor/iStock

eBook-Herstellung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN eBook 9783955765484

www.mira-taschenbuch.de

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1. KAPITEL

“Ist er nicht der erotischste Mann, den du je gesehen hast?”

“Hm. Und dem Himmel sei Dank für diese Hitzewelle. Ich liebe es, wenn er kein Hemd trägt.” Ein wehmütiges Seufzen folgte. “Ich schwöre dir, ich könnte den ganzen Tag lang hier sitzen und ihn ansehen.”

Gabe Kasper stellte sich schlafend und musste ein Grinsen unterdrücken. Das Leben war schön. Hier lag er ausgestreckt in der warmen Sonne, während die Wellen sanft an den Anlegesteg schwappten. Er hielt eine Angel in der Hand, hatte den Schirm seiner Baseballmütze tief über die Augen gezogen, und eine Schar gut aussehender Frauen beobachtete ihn verliebt. Was für ein Leben! Mehr konnte man wirklich nicht verlangen.

“Er ist so wundervoll.”

“Und er sieht toll aus. Ich mag seinen Dreitagebart.”

Aha. Dabei hatte sein Bruder behauptet, die Bartstoppeln sähen anrüchig aus, und wollte ihn dazu überreden, sich zu rasieren. Manchmal konnte Jordan wirklich spießig sein.

“Ich mag die goldblonden Härchen auf seinem Körper.”

Fast hätte Gabe laut losgelacht. Er konnte es kaum erwarten, seinen Brüdern davon zu erzählen. Jetzt, wo die beiden ältesten verheiratet waren, bekamen Gabe und Jordan, die beiden Singles, umso mehr Aufmerksamkeit. Nicht, dass Gabe sich deswegen beklagte. Weibliche Bewunderung gehörte zu den Dingen, von denen er nie genug bekommen konnte.

“Ich muss dir gestehen, Rosemary, dass es mich nervös gemacht hat, als die ersten beiden Brüder heirateten. Ich habe zwei Tage lang geweint und hatte solche Angst, sie würden alle heiraten. Abgesehen davon, dass ich selbst einen von ihnen will, sind diese Brüder schließlich die größte Touristenattraktion hier in Buckhorn.”

Gabe biss sich auf die Lippe. Diesen kleinen Leckerbissen würde er bei seinem Bericht für sich behalten. Die Egos seiner Brüder – besonders Morgans – waren auch so schon groß genug. Nein, er würde nur die Komplimente über sich wiedergeben.

“Gabe ist der Hauptanziehungspunkt für meinen Bootsanleger. Wenn er hier sitzt, will niemand woanders Treibstoff oder Köder kaufen. Ich denke immer, ich sollte ihm eigentlich etwas dafür bezahlen.”

“Ha! Du hoffst bloß, ihm etwas näherzukommen.”

“Nein, ich will nur sichergehen, dass er seinen sexy Körper nicht auf einem anderen Anleger zur Schau stellt.”

“Das wollen wir hoffen!”

Dieser Bemerkung folgte Gekicher, und Gabe seufzte. Er hatte nicht die Absicht, diesem Bootsanleger untreu zu werden. Schließlich ließ Rosemarys Dad ihn auf seinem Anleger faulenzen, seit er ein kleiner Junge war und zum ersten Mal festgestellt hatte, was für ein Vergnügen es war, Frauen in Bikinis zu sehen. Inzwischen war ihm dieser Ort fast zu einem zweiten Zuhause geworden. Und seit Rosemarys Dad gestorben war, empfand er es als Ehrensache, dort zu bleiben und gelegentlich auszuhelfen. Wichtig war nur, Rosemary von Heiratsgedanken abzuhalten.

“Eigentlich sind sie ja nur Halbbrüder. Vielleicht ist das der Grund, warum sie sich nicht ähnlich sehen.”

“Aber sie sind alle auf ihre Art attraktiv und starke Persönlichkeiten. Mein Daddy sagte immer, es braucht schon eine außergewöhnliche Frau, um solche Jungs großzuziehen. Ich wünschte nur, sie würden nicht so weit draußen auf dem Land wohnen. Es ist gar nicht so einfach, sich jedes Mal einen Vorwand für einen Besuch einfallen zu lassen. Man kann ihnen ja leider nicht scheinbar zufällig über den Weg laufen, so wie den anderen Männern in der Stadt.”

Gabe musste grinsen und wollte gerade aufhören, sich schlafend zu stellen, als er eine neue weibliche Stimme hörte.

“Entschuldigen Sie bitte, aber man sagte mir, ich würde Gabriel Kasper möglicherweise hier finden.” Es war eher eine Feststellung, und sie klang recht scharf.

Die Frau kam nicht aus der Gegend, und ihre Stimme war weder sanft noch freundlich und hatte einen leichten Südstaatenakzent. Sie klang beinah ungeduldig.

Gabe entschloss sich, abzuwarten und herauszufinden, was die Frau wollte. Es war nicht ungewöhnlich, dass eine Frau ihn suchte, und fast jeder in der Gegend wusste, dass man ihn im Sommer häufig am See antraf. Er widerstand dem Wunsch, hinüberzuspähen, um zu sehen, wem die Stimme gehörte.

“Was wollen Sie denn von Gabe?” Die misstrauische Frage kam von Rosemary. Gepriesen sei ihr Mut!, dachte Gabe und nahm sich vor, sie bald mal zum Essen einzuladen.

Es folgte ein kurzes Schweigen. Dann sagte die fremde Stimme: “Ich habe eine persönliche Angelegenheit mit ihm zu besprechen.”

Na fabelhaft, dachte Gabe. Das wird für Gesprächsstoff sorgen. Was für eine persönliche Angelegenheit konnte ihn mit einer Frau verbinden, die er gar nicht kannte?

“Na ja, er ist zwar hier, aber er entspannt sich gerade und wird nicht erfreut sein, wenn Sie ihn stören.”

“Ich weiß Ihre Warnung zu schätzen.”

Da Gabe daran gewöhnt war, die leisen Schritte von Turnschuhen oder nackten Füßen auf den Holzplanken des Anlegers zu hören, zuckte er beinah zusammen, als er das harte Klacken von hohen Absätzen vernahm. Er ignorierte es ebenso wie die Frau, die jetzt offenbar zögernd neben seinem Liegestuhl stehen blieb. Eine leichte Brise wehte einen schwachen weiblichen Duft zu ihm herüber. Es war kein Parfüm, eher Bodylotion oder Shampoo. Er atmete tief ein, rührte sich sonst jedoch nicht.

Er hörte, wie die Fremde sich räusperte. “Äh … entschuldigen Sie.”

Sie klang jetzt nicht mehr so selbstsicher. Gabe wartete und fragte sich, ob sie ihn aufwecken würde. Er spürte ihr Zögern und ahnte, dass sie die Hand nach seiner nackten Schulter ausstreckte.

In diesem Moment wurde ihm die Angel fast aus den Händen gerissen.

“Was, zur Hölle …” Gabe sprang auf, und es gelang ihm kaum, die teure Angelrute festzuhalten. Er stemmte die Füße auf den Anlegesteg, während er mit dem Fisch am Haken kämpfte. “Verdammt, ist das ein großer Bursche!”

Rosemary, Darlene und Ceily rannten zu ihm.

“Ich hole den Käscher!”, rief Rosemary.

Ceily, die normalerweise das Lokal in der Stadt führte, kreischte beim Anblick des großen hässlichen Karpfens, der aus dem Wasser sprang. Darlene presste sich an Gabes Rücken und schaute ihm über die Schulter.

Gabe schlitterte zur Seite des Stegs und die moosbewachsene Bootsrampe aus Beton hinunter. Breitbeinig stemmte er sich gegen den Boden, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, während er mit dem Fisch kämpfte. Rosemary, eine erfahrene Anglerin, eilte ihm, ohne zu zögern, zu Hilfe. Sie hielt den Käscher bereit. Als Gabe den Karpfen nah genug herangeholt hatte, fing sie ihn mit dem Netz ein. Der Fisch wog sicher gute fünfzehn Pfund, und Rosemary kämpfte mit ihm, während Gabe nach dem Käscher griff und gleichzeitig seine Angelrute festhielt.

Plötzlich verlor Rosemary den Halt. Gabe versuchte sie aufzufangen, was ihm aber nicht gelang. Zusammen fielen sie ins Wasser, planschend, fluchend und lachend. Die Angel wurde Gabe aus der Hand gerissen, und er hechtete ihr nach, wobei er vollständig nass wurde. Die anderen beiden Frauen sprangen ihnen zu Hilfe, und am Ende kämpften alle ausgelassen mit dem Fisch und der Angel.

Als die Schlacht vorüber war, hatte Gabe seinen Fisch und eine Frau auf dem Schoß. Rosemary hatte sich dort niedergelassen, während Darlene und Ceily sich kichernd an ihn klammerten. Gabe kannte alle drei seit der Grundschule. Es war also nicht das erste Mal, dass sie im Wasser tobten. Sie waren einander sehr vertraut, und das merkte man. Ein langer Algenfaden hing von Gabes Kopf, was die Frauen erneut zum Lachen brachte.

Gabe nahm den Fisch vom Haken, gab ihm einen Kuss und warf ihn zurück ins Wasser.

Auf dem Anlegesteg war das Klacken von hohen Absätzen zu hören.

Alle vier drehten sich zu der Frau um, die Gabe erst jetzt wieder einfiel. Er musste die Augen mit der Hand beschirmen, um sehen zu können. Das war nicht einfach mit drei Frauen, die sich an ihn klammerten.

Im Sonnenlicht sahen ihre langen Haare leuchtend rot aus. Außerdem hatte Gabe noch nie so viele Sommersprossen an einer Frau gesehen. Sie trug eine weiße Bluse, einen langen Jeansrock, blaue Pumps und Nylonstrümpfe. Nylonstrümpfe bei dieser Hitze? Gabe blinzelte. “Kann ich Ihnen helfen, Süße?”

Sie presste die Lippen zusammen und verschränkte die Arme vor der Brust. “Das glaube ich kaum. Ich suche Gabriel Kasper.”

“Das dürfte ich sein.”

“Aber ich suche nach Gabriel Kasper, dem Helden der Stadt.”

Darlene grinste breit. “Das ist unser Gabe!”

“Der Unvergleichliche”, fügte Ceily hinzu.

Gabe verdrehte die Augen. “Das ist Unsinn, und das wisst ihr.”

Die Frauen widersprachen ihm alle gleichzeitig und versicherten ihm, wie heldenhaft und wundervoll und vieles mehr er war.

Die Rothaarige starrte ihn ungläubig an. “Soll das heißen, dass Sie derjenige sind, der die Schwimmer gerettet hat?”

Behutsam hob Gabe Rosemary von seinem Schoß und stand vorsichtig auf dem rutschigen Beton auf. Die Frauen waren jetzt still, und Gabe erkannte, wieso. Während sie mit ihren bunten Bikinis, den offenen Haaren und der sonnengebräunten Haut sexy aussahen, wirkte die Frau auf dem Anlegesteg wie die strenge Direktorin eines Mädcheninternats. Sie sah alle vier mit finsterer Miene an, als hätte sie sie bei einer Orgie im See erwischt statt beim ausgelassenen Herumtoben.

Gabe, ganz der Gentleman, half seinen alten Freundinnen, wieder auf den Steg zu klettern, und zog sich schließlich selbst hinauf. Er schüttelte sich wie ein Hund, sodass kalte Wassertropfen umherflogen. Die Fremde wich rasch zwei Schritte zurück.

Rosemary zupfte ihm die Algen aus den Haaren. Gabe wandte sich lächelnd an sie. “Danke, Süße. Hättet ihr Mädels etwas dagegen, wenn ich mich kurz unterhalte mit …” Er sah fragend zu der Rothaarigen.

“Elizabeth Parks”, antwortete sie steif. Sie hielt einen Notizblock und einen Kugelschreiber umklammert. Um die Schulter hatte sie eine riesige Tasche hängen, die von Papieren überquoll.

“Ja, kann ich mich einen Moment mit Miss Parks unterhalten?” Er hegte den leisen Verdacht, dass Miss Parks eine weitere Reporterin war, und er hatte die Absicht, sie möglichst schnell abzuwimmeln. “Es wird nicht lange dauern.”

“Klar, Gabe. Aber du schuldest uns was dafür, dass wir deinen Fisch gerettet haben.”

“Das stimmt. Und ich verspreche, dass ich mir etwas Angemessenes einfallen lassen werde.”

Erneut kichernd machten sich die Frauen mit einem sexy Hüftschwung auf den Weg. Zwei Boote legten an, daher würden die Frauen damit beschäftigt sein, Treibstoff, Köder oder sonstige Dinge an die Urlauber zu verkaufen.

Gabe wandte sich an die Rothaarige.

“Was kann ich für Sie tun?”

Jetzt, wo er nicht mehr von der Sonne geblendet wurde, registrierte er, dass sie die blauesten Augen besaß, die er je gesehen hatte. Sie hoben sich leuchtend ab von ihren hellroten Haaren und den zahlreichen Sommersprossen.

Sie öffnete ihre Tasche und nahm eine gefaltete Zeitung heraus, die sie ihm hinhielt. Mit einem noch immer leicht ungläubigen Unterton fragte sie: “Sind Sie das?”

Gabe brauchte gar nicht erst einen Blick auf die Zeitung zu werfen. Buckhorn, Kentucky, war eine kleine Stadt, in der selten etwas Außergewöhnliches geschah. Daher war es kein Wunder, dass die “Buckhorn Press” ausführlich darüber berichtet hatte, als er ein paar Schwimmer vor einem führerlosen Boot rettete. Es war nicht annähernd eine heldenhafte Tat gewesen, aber für die “Buckhorn Press” waren Menschenleben in Gefahr ein Knüller.

“Ja, das bin ich.” Gabe setzte seine verspiegelte Sonnenbrille auf und strich sich mit beiden Händen die nassen Haare zurück. Dann setzte er sich seine Mütze mit dem Schirm nach hinten auf und sah die Frau wieder an. Dank der Sonnenbrille konnte er sie besser mustern, ohne dass sie es bemerkte.

Viel konnte er wegen der Kleidung, die sie trug, jedoch nicht erkennen. In dem dicken Jeansstoff und der Baumwolle musste sie schwitzen.

Sie räusperte sich. “Nun, wenn das wirklich stimmt, würde ich Sie gern interviewen.”

Gabe bückte sich und nahm eine Dose Cola aus der Kühltasche neben seinem Liegestuhl. “Möchten Sie auch eine?”

“Nein danke.” Sie wich hastig zurück, um ihm nicht zu nahe zu kommen. Das ärgerte ihn.

Nachdem Gabe die Dose aufgerissen und zur Hälfte geleert hatte, fragte er: “Für welche Zeitung arbeiten Sie?”

“Oh, ich bin kein …”

“Ich bin nämlich nicht daran interessiert, noch einmal interviewt zu werden”, unterbrach er sie. “Jede verdammte Zeitung im Umkreis von hundert Meilen hat diese blöde Geschichte aufgegriffen. Allmählich lassen mich die Leute, einschließlich meiner Brüder, wieder in Ruhe, und ich will nicht, dass diese alberne Sache wieder belebt wird.”

Miss Parks deutete auf die Zeitung. “Sind Sie ins Wasser gesprungen und haben eine Frau mit ihren zwei Kindern aus dem See gerettet, nachdem ein betrunkener Mann aus seinem Boot gefallen war und es daraufhin führerlos umherraste, oder nicht?”

Gabe verzog das Gesicht. “Schon, aber …”

“Niemand sonst half. Alle standen nur herum, während das führerlose Boot auf die unglücklichen Schwimmer zufuhr.”

“Unglückliche Schwimmer?” Er schnaubte über ihre Wortwahl. “Jeder meiner Brüder hätte dasselbe getan …”

“Und stimmt es, dass es Ihnen gelungen ist, in das Boot zu gelangen?” Sie sah von der Zeitung auf. “Ich würde mir übrigens gern erklären lassen, wie Sie das gemacht haben. Wie konnten Sie in das umherrasende Boot kommen, ohne von der Schraube zerstückelt zu werden. Hatten Sie gar keine Angst?”

Gabe starrte sie an. Selbst ihre Wimpern waren rötlich. Wenn die Sonne darauf schien, schimmerten die Spitzen golden. Sie kniff die Augen wegen der Sonne zusammen, was die Sommersprossen auf ihrer Nase noch mehr hervorhob. Abgesehen von den Sommersprossen war ihre Haut glatt und rein und …

Er nahm sich zusammen. “Hören Sie, Süße, ich sagte doch, dass ich ein Interview ablehne.”

Sie zog die Brauen zusammen. “Mein Name ist Miss Parks oder Elizabeth, vielen Dank.” Nach dieser Rüge fügte sie hinzu: “Die anderen Helden wollten sich alle interviewen lassen. Warum Sie nicht?” Sie stand da mit dem Kugelschreiber über dem Notizblock, als wollte sie jedes seiner Worte aufschreiben.

Gabe fluchte. Tiefgründige Äußerungen waren nicht gerade seine Stärke. Sie kosteten zu viel Mühe. “Welche anderen?”

“Die anderen Helden.”

Ihre langen Haare kringelten sich in der feuchten Luft. Hinten reichten sie ihr fast bis zum Po hinunter, vorn waren sie mit einer riesigen Spange zurückgesteckt. Kleine Löckchen klebten ihr an den Schläfen. Die längeren Haare drehten sich langsam auf wie Korkenzieherlocken. Das faszinierte Gabe.

Die Vorderseite ihrer weißen Bluse wurde allmählich ebenfalls feucht, sodass Gabe den schlichten weißen BH darunter erkennen konnte. Was brachte eine Frau dazu, während einer Hitzewelle an einem Ausflugssee in einem solchen Aufzug herumzulaufen?

“Na schön, eins nach dem anderen. Erstens, ich werde Ihnen kein Interview geben. Punkt. Zweitens, ich gebe zu, dass ich neugierig bin, was es mit den anderen Helden auf sich hat. Und drittens, möchten Sie nicht lieber in den Schatten gehen? Ihr Gesicht ist schon ganz rot.”

Ihre Gesichtsfarbe wurde noch intensiver. Ihre Haut schien förmlich zu glühen.

“Ich … ich werde immer rot”, erklärte sie ein wenig verlegen. “Rothaarige haben eben eine empfindliche Haut.”

“Und Ihre Haare sind wirklich außergewöhnlich rot, im Vergleich zu den meisten.”

“Ja, dessen bin ich mir bewusst.”

Sie wirkte nach wie vor leicht pikiert, als hätte er sie beleidigt. Dabei waren ihre roten Haare ja kein Geheimnis.

Gabe musste sich zusammennehmen, um nicht zu grinsen. “Was meinen Sie? Wollen Sie sich mit mir in den Schatten setzen? Dort drüben ist eine hübsche Ulme. Kommen Sie.” Ohne auf ihre Zustimmung zu warten, nahm er seine Kühltasche, umfasste Elizabeths Arm und führte sie vom Anlegesteg über eine Befestigungsmauer aus grobem Stein und über den Rasen. Eine große Wurzel der Ulme ragte aus dem Boden und bot einen bequemen Sitzplatz.

Gabe drängte Elizabeth, sich zu setzen, da er befürchtete, sie könnte jeden Moment ohnmächtig werden. “Ruhen Sie sich einen Moment aus. Ich werde Ihnen eine Limonade geben.”

Sie strich ihren Rock glatt und bedeckte so viel Haut wie möglich. Gleichzeitig balancierte sie den Notizblock und schob ihre schwere Tasche zurecht. “Nein danke. Wirklich, ich …”

Doch er hatte schon eine Dose geöffnet. “Hier, trinken Sie.” Er drückte ihr die Dose in die Hand und wartete, bis sie gehorsam daran genippt hatte. “Geht es Ihnen besser?”

“Ja, danke.”

Sie benahm sich so argwöhnisch, dass er unweigerlich neugierig wurde. Sie war nicht sein Typ – dazu war sie viel zu aufdringlich, zu steif und … rothaarig. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass er sie in der Sonne schmoren lassen würde. Seine Mutter würde ihm das Fell über die Ohren ziehen, wenn sie annehmen müsste, dass er einer Lady gegenüber unhöflich wäre. Jeder Lady. Außerdem war sie auf ihre gezierte Art niedlich.

Gabe nahm sich eine Cola und setzte sich auf die Kühltasche. Er beobachtete Elizabeth, während sie trank. “Erzählen Sie mir von diesen Helden.”

Sie leckte sich vorsichtig die Lippen und stellte die Dose ins Gras, bevor sie Gabe ansah. “Ich schreibe an meiner Doktorarbeit. Bisher habe ich ungefähr ein halbes Dutzend Männer befragt, die kürzlich für heldenhafte Taten gelobt worden sind. Bis jetzt waren es alles ähnliche Charaktere. Aber Sie …”

“Im Ernst? Was für einen Charakter haben Helden?”

“Bevor ich Ihnen das verrate, würde ich Ihnen gern ein paar Fragen stellen. Ich möchte nicht, dass Ihre Antworten von denen der anderen beeinflusst sind.”

Gabe runzelte die Stirn und stützte die Ellbogen auf die Knie. “Glauben Sie, ich würde lügen?”

“Nein!”, versicherte sie ihm rasch. “Nicht bewusst. Aber damit meine Arbeit unverfälscht bleibt, führe ich die Interviews lieber alle auf die gleiche Weise.”

“Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich nicht interviewt werden möchte.” Er musterte sie, bemerkte ihre Frustration und tippte darauf, dass seine mangelnde Kooperationsbereitschaft nicht dem typischen Verhalten eines Helden entsprach.

Nach einer Weile sagte sie: “Na schön. Kann ich Sie etwas ganz anderes fragen?”

“Kommt drauf an. Fragen Sie, dann werde ich sehen, ob ich antworten will.”

“Wieso haben Sie den Fisch wieder ins Wasser geworfen?”

Gabe sah über die Schulter zum See. “Den Fisch, den ich gerade gefangen habe?”

“Ja. Wieso angeln Sie, wenn Sie Ihren Fang am Ende gar nicht behalten?”

Er lachte leise. “Sie kommen nicht oft an den See, nicht wahr?” Gabe schaute sie neugierig an.

“Ich bin nicht aus der Gegend. Ich bin nur hier …”

“Um mich zu interviewen?”

“Ganz recht.” Sie trank einen weiteren Schluck Limonade und erklärte: “Ich habe eine Wohnung gemietet und bleibe den ganzen Monat, bis das Studium wieder beginnt. Bis dahin will ich sämtliche Recherchen beendet haben. Ich dachte, ich sei schon fertig, und wollte einen Kurzurlaub machen, als ich in der Zeitung von Ihnen las und mich entschied, noch ein weiteres Gespräch zu führen.”

“Sie arbeiten also in Ihren Ferien?” Er schnaubte. Das war schlichtweg verrückt. Urlaub war zum Entspannen da, und die Vorstellung, dass jemand seinen Urlaub damit vergeudete, ihm auf die Nerven zu gehen, erschien ihm absurd.

“Sagen wir, ich hoffte, meinen Urlaub mit diesem Interview verbinden zu können. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Ihre Situation erschien mir einzigartig, und jedes Mal, wenn Sie zitiert wurden, sprachen Sie von jemand anderem.”

“Ich erinnere mich.” Die Leute, von denen er geredet hatte, waren viel interessanter als alles, was er über sich zu erzählen hatte.

“Sie redeten davon, wie mutig die beiden kleinen Kinder gewesen seien …”

“Es waren ja auch süße Kinder …”

“… und Sie hielten eine strenge Strafpredigt über Alkohol und Wassersport.”

“Dies ist sozusagen ein trockener See, was bedeutet, dass Alkohol nicht erlaubt ist. Dieser Trottel, der aus seinem Boot gefallen ist, hätte jemanden umbringen können.”

Die natürliche Sinnlichkeit ihres scheuen Blicks verblüffte ihn. Sie war bisher so förmlich gewesen, dass er damit nicht gerechnet hatte.

“Aber Sie sagen ständig, die Situation sei nicht gefährlich gewesen.”

“Das war sie auch nicht. Zumindest für mich nicht.”

Sie wirkte zufrieden und schrieb etwas auf ihren Block. Gabe beschloss, es genauer zu erklären, ehe sie irgendwelche falschen Vorstellungen bekam. “Na ja, ich bin schon wie ein Fisch geschwommen, als ich noch Windeln trug. Ich bin in diesem See geschwommen, noch bevor ich laufen konnte. Meine Brüder brachten mir mit knapp fünf Jahren das Wasserskifahren bei, und ich kenne mich sehr gut mit Booten aus. Es bestand überhaupt kein Risiko für mich, also kann man mich auch keinen Helden nennen.”

“Das behaupten Sie. Alle anderen scheinen da anderer Ansicht zu sein.”

“Süße, Sie kennen Buckhorn nicht. Diese Stadt ist so ruhig und friedlich, dass jedes kleinste Ereignis für Schlagzeilen sorgt. Einmal brach eine Kuh aus und marschierte auf den Kirchhof. Der Verkehr kam meilenweit zum Erliegen, weil alle gafften. Die Feuerwehr tauchte auf, zusammen mit meinem Bruder, der hier Sheriff ist, und die ‘Buckhorn Press’ sandte alle ihre Starreporter, um über die Sache zu berichten.”

“Alle ihre Starreporter?”

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