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Fatal wie unsere Leidenschaft

Als Strafverteidiger unterscheidet Connor Hughes sehr genau zwischen Richtig und Falsch. Er erlaubt sich keinen Fehltritt und hat die höchsten Standards - doch dann taucht Olivia auf. Wunderschön, intelligent, temperamentvoll, und ganz offensichtlich darauf aus, ihn zu verführen! Aber so sehr er sich auch wünscht, diesem brennenden Verlangen nachzugeben und flammend heiße Nächte mit Olivia zu verbringen - Connor muss der Versuchung widerstehen! Denn er ist Olivias Professor, und auch nur eine Nacht mit ihr könnte ein fataler Fehler sein …


  • Erscheinungstag: 16.10.2020
  • Aus der Serie: Club
  • Bandnummer: 46
  • Seitenanzahl: 208
  • ISBN/Artikelnummer: 9783745752489
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

Wie immer sitzt sie in der dritten Reihe. Und sie sieht mich an. Mit diesen großen Augen. Diesem intensiven Blick. Mein Puls rast, und mein Schwanz ist hart. Sie sieht mich so an, als würde sie mich ausziehen und dann ganz genau betrachten, was sie darunter findet.

Was ich nur zu gut verstehe.

Ich will sie genauso betrachten, aber ich darf nicht. Sie ist tabu.

Olivia.

Olivia Amorelli.

Allein ihr Name macht mich an.

Sie trägt das hellgrüne Kleid, das ich schon von letzter Woche kenne. Es geht ihr bis zu den Knien, und auf dem Stoff ist ein Muster aus kleinen, weißen Schwalben zu sehen. An der Vorderseite hat das Kleid eine Reihe Knöpfe, und ich habe schon viel zu oft daran gedacht, wie es wäre, jeden einzelnen Knopf mit meinen Zähnen zu öffnen und Olivia auf diese Weise auszuziehen. Langsam und genüsslich, als wäre sie mein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk.

Was zum Teufel stimmt nicht mit mir?

Ich habe noch nie so viel von einer Frau geträumt. Vor allem nicht von einer wie Olivia. Sie ist der Inbegriff von süß und unschuldig. Das genaue Gegenteil von mir.

Ich habe mir eine Karriere als Strafverteidiger aufgebaut. Ich verteidige diejenigen, die sonst niemand verteidigen will. Ich bin berühmt – vielleicht berüchtigt? – dafür, diese Gesetzlosen zu vertreten. Männer wie Donovan. Ich denke nur kurz an ihn, aber mein Magen zieht sich zusammen. Ich versuche, den Gedanken zur Seite zu schieben. Ich will nicht an ihn denken. Ich will nicht daran denken, dass er meinetwegen frei ist. Nur ist er es. Und es ist allein meine Schuld. Das kann ich nicht wegdenken.

Diese dunkle Seite steckt in mir. Ich bin das genaue Gegenteil von Olivia. Während der letzten paar Wochen als ihr Professor habe ich schon gemerkt, dass wir verschieden sind. Sie ist rein und fröhlich, süß und gutmütig. Ihr Lächeln ist ein wahrer Sonnenschein.

Wie wäre es, eine Persönlichkeit wie Olivia in meinem Bett zu haben? Oder als festen Bestandteil meines Lebens?

Würde es ausreichen, um gegen meine Dämonen anzukommen? Wenn jemand wie Olivia mich wollen würde, wenn sie mir meine Sünden vergeben würde, könnte ich dann Frieden mit mir selbst schließen?

Alle Sünden wollen vergeben werden, Connor. Das hat Pfarrer O’Sullivan nach dem Mord an meinen Eltern oft zu mir gesagt. Er hatte die Befürchtung, dass die Wut auf die Terroristen, die meine Eltern getötet hatten, mich eines Tages überwältigen könnte. Vielleicht hatte er recht. Bekenne einer dem andern seine Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Die Zeilen aus dem Jakobusbrief schwirren mir im Kopf herum, immer geflüstert in der heiser Stimme Pfarrer O’Sullivans, gefolgt von der Erinnerung an sein freundliches Lächeln. Dabei habe ich schon für die Mörder meiner Eltern gebetet. Ich wollte verstehen, dass im Vergeben meine Zuflucht vor Trauer und Verzweiflung liegt. Eine Zeit lang hat es funktioniert. Dass jetzt aber jemand für mich betet, glaube ich nicht. Ich habe es vermutlich auch nicht verdient.

Ich schaue mich im Raum um und tue so, als würde ich die anderen Studenten betrachten. Dabei ist es nur ein Vorwand, um Olivia wieder zu betrachten. Sie spielt mit den Fingerspitzen am Ende ihres blonden Zopfes herum. Heute sind ihre Nägel rot, genau wie ihre Lippen und ich will beide so sehr auf meiner Haut spüren, dass mir die Worte fehlen. Diese Nägel, diese Lippen. Diese Frau. Einfach alles an ihr.

Vier Wochen. Ganze vier Wochen geht es schon so. Ich betrachte sie, ich will sie, aber ich weiß, dass ich es nicht darf. In der Satzung der Universität ist es explizit verboten.

Normalerweise hält mich so etwas nicht ab, mir zu nehmen, was ich will, aber bei ihr ist es anders. Sie könnte suspendiert werden. Oder gar hinausgeworfen.

Und das nur, weil ich mit meiner Zunge ihren Körper entdecken und alles an ihr probieren will. Nur weil ich sehen möchte, ob ihre Unschuld von meiner Schuld angezogen wird. Ob sie mich mit ihrer erfüllten Lust freisprechen kann.

Es wäre egoistisch, sich dem hinzugeben. Sie nach der Vorlesung zu bitten, einen Moment zu warten, sodass ich mit ihr allein sein kann. Ihr Kleid hochzuschieben und sie zu nehmen, bis sie vor Lust schreit. Hier am Whiteboard in genau diesem Vorlesungssaal.

Fuck. Mein Schwanz ist hart wie Stein. Ich stehe auf, achte aber darauf, hinter dem Pult zu bleiben. „Nun gut.“ Ich schaue sie direkt an, und sie setzt sich ein wenig aufrechter hin, die Knie unter dem Tisch zusammengepresst. Mein Schwanz zuckt einmal. „Dann fangen wir an.“

1. KAPITEL

Connor Hughes gilt als einer der erfolgreichsten Strafverteidiger des Landes. Sogar weltweit ist er dafür berühmt, mit seinem einzigartigen Händchen für Gesetze sicherzugehen, dass Recht gesprochen wird. Nur vertritt er dabei den Teil der Gesellschaft, der es am wenigsten verdient hat.

Er mag in den Augen vieler ein Held sein.

Aber nicht in meinen.

Menschen wie er stehen für all die Fehler in unserem Justizsystem. Er ist wortgewandt, clever, gewitzt und charmant. Kein Wunder also, dass seine Erfolgsrate eine der höchsten in seinem Feld ist. Wie viele Verbrecher sind auf freiem Fuß, weil sein Ego keine Niederlagen zulässt? Warum ist er so besessen davon, der Beste zu sein, selbst wenn er dabei diejenigen entlastet, die nie wieder das Tageslicht sehen sollten?

Er verkörpert meiner Ansicht nach alles Fehlerhafte unseres Rechtssystems.

Nur ändert all das leider nichts an der Tatsache, dass ich ihn will. Es ändert nichts daran, dass ich mich jedes Mal fühle, als stünde ich unter Strom, wenn sich unsere Blicke treffen. Es ändert nichts daran, dass er mich ein wenig länger ansieht, als er sollte. Dass sich jedes einzelne Mal eine Art elektrische Spannung zwischen uns aufbaut, wenn sich unsere Blicke kreuzen.

Er schreibt an das Whiteboard, und ich beobachte ihn weiter. Ich kann mich nicht auf seine Worte konzentrieren. Alles, was ich sehe, sind seine Finger. Lang, schlank, gebräunt wie der Rest seines Körpers. Zumindest in meiner Vorstellung. Perfekt passend gebräunt zu seinem dunklen Teint, dem Dreitagebart, dem breiten Kinn und den hellgrünen Augen. Diesen Augen, die mich vom ersten Blickkontakt an gefangen genommen haben. Als er, wie jetzt auch, im Vorlesungsaal stand und mit uns hundert Studenten sprach, aber mich allein dabei ansah. Wie er damit alles in mir aufwühlte und meine Knie weich werden ließ. Und das auf eine Art, die ich noch nie gekannt habe, aber die mich süchtig danach gemacht hat.

Um ehrlich zu sein, bin ich froh, ihn nicht leiden zu können und seine Arbeit zu verachten. Im Raum bin ich wahrscheinlich die einzige Person, sie seinen raketenartigen Aufstieg an die Spitze aller Strafverteidiger nicht bewundert. Gut, er hat mit sechsundzwanzig seine eigene Kanzlei gegründet und sie innerhalb von fünf Jahren zu einer der erfolgreichsten in Großbritannien gemacht. Und er war bei etlichen aufsehenerregenden Fällen dabei. Aber was bringt es schon, solche Fähigkeiten zu haben, wenn man sie nicht für einen guten Zweck nutzt?

Ich muss mich immer wieder daran erinnern, seine persönlichen Erfolge zu verachten, denn es ist das Einzige, was zwischen mir und diesem verrückten Impuls steht, einfach meiner Lust nachzugeben. Mich nicht mehr gegen das Verlangen zu wehren, dass meine Beine zittern und meine Brüste sich fast schmerzhaft nach ihm sehnen lässt. Dieses Verlangen hat Connor Hughes zum Superstar meiner schmutzigen Träume gemacht. Und ich habe keinerlei Kontrolle über diese Träume, die meine gesamte Gedankenwelt übernommen haben, denn ich träume schließlich, während ich schlafe, und darüber habe ich keine Kontrolle, nicht wahr?

„Wer möchte mir sagen, warum die Ereigniskette so wichtig ist?“ Er lässt den Blick durch die Reihen schweifen, und ich frage mich, ob er vergessen hat, dass wir nicht im ersten, sondern in unserem letzten Jahr sind.

Dabei macht er das häufiger. Es ist sein „Ding“. Am ersten Tag hat er es uns gepredigt: Ich werde so tun, als wüsstet ihr nichts, denn in der echten Welt ist das auch so. Aber ich werde euch auch beibringen, das Rechtssystem zu nutzen, um eure Fälle zu gewinnen.

Genau darin ist er gut. Im Gewinnen. Nur leider auch die Fälle, die anders hätten ausgehen sollen.

„Miss Amorelli?“

Heilige Scheiße.

Er spricht mich direkt an. Zum allerersten Mal. Seine Zunge liebkost meinen Namen, als würde er meine Haut küssen. Gegen meinen Willen habe ich eine Gänsehaut.

Unsere Blicke treffen sich, und eine Spannung erfüllt den Raum wie ein Orkan. Blitze sammeln sich zwischen uns, der Donner grollt. In seinem Lächeln versteckt sich eine Herausforderung. Trotz der simplen Frage merke ich, wie mein Mund trockener wird als die Sahara. Ich fühle mich, als hätte ich eine Packung Tafelkreide gegessen. Ich kann meine Zunge nicht wiederfinden.

„Die Ereigniskette?“, wiederholt er und hebt eine Augenbraue in einem Anflug von belustigtem Sarkasmus. Das allein bringt mich schon dazu, dass ich die Hand ausstrecken und ihn am Hemd zu mir ziehen will.

„Die Ereigniskette ist dazu da“, fange ich leise an zu sagen, sodass er sich ein wenig vorlehnt, um mich besser zu hören, „die Authentizität der Beweise festzustellen.“

„Falsch.“

Ich reiße die Augen auf und fühle, wie meine Wangen rot werden. Ich mag es nicht, wenn man mir widerspricht. Gerade wenn ich recht habe. „Wieso?“

Wieder sieht er mich an. Es sind nur noch wir beide. Wir beide in diesem aufgeladenen Sturm, der uns mitreißt. „Weil das keine Rolle spielt, wenn sich jemand an den Beweisen zu schaffen gemacht hat.“

„Doch, tut es“, widerspreche ich mit einem Kopfschütteln.

„Nein.“ Sein Widerspruch ist purer Sex. Mein Kopf schwimmt, alles rauscht, und ich vergesse kurzzeitig, worüber wir sprechen. „Es geht darum, was suggeriert werden kann“, sagt er. „Die reinen Fakten sind nicht so wichtig wie der Zweifel, der gesät wird.“

Ich kneife die Augen zusammen. Das ist genau das Problem, was ich mit seiner Anwendung der Gesetze habe. Connor Hughes hat – auch wenn er unbestritten ein Genie ist – seinen Ruf und sein Vermögen erlangt, indem er seine Überintelligenz eingesetzt hat, um Verbrecher vor Verurteilungen zu bewahren, die sie zweifelsohne verdient haben. „Fakten sind unwichtig?“

Er geht um das Pult herum und lehnt sich mit seinem hübschen Arsch daran, während er die langen Beine vor sich ausstreckt. Wie immer trägt er einen Anzug, aber er hat das Jackett abgelegt und die Ärmel hochgekrempelt. Und was für Arme. Scheiße, sieht er gut aus. Gebräunt, trainiert. Diese Muskeln. An der Innenseite seines Handgelenks ist ein Tattoo zu sehen. Ein Kreuz, aber ein keltisches. Das passt nicht zu einem Mann wie ihm. Er ist so fern ab von einem Gott, wie es nur geht. Und er sollte keine Anzüge tragen.

Es sieht zwar aus, als wären sie ihm auf den Leib geschneidert, aber darunter schlummert eine Art Wildheit. Ich sehe ihn in einem Lendenschurz vor mir, wie er sich auf die Brust trommelt … Der kleine Gedanke wärmt mir schon die Wangen, und ich muss mir ein Lächeln verkneifen.

„Fakten spielen keine Rolle“, bestätigt er mit einem Nicken. Alle im Raum lachen. Ich nicht.

„Wieso nicht?“ Ich muss ihn herausfordern. Er regt mich auf, und meine zitternde Stimme verrät es.

„Im Gerichtssaal sind alle Fakten subjektiv.“ Seine Stimme ist dunkel und rau. Sie schwingt durch den Raum und hallt in mir wider.

„Fakten können nicht subjektiv sein.“ Ich werfe ihm einen Blick zu, als hätte er den Faden verloren. „Das ist ein Oxymoron.“

„Wieso sollte es das sein?“

„Weil Fakten einfach sind.“

„Sagt wer?“ Er sieht nur mich allein an. Mein Puls macht wilde Sprünge. Ich vermute, es würde mir leichter fallen, seiner Argumentation zu folgen, wenn ich ihn mir nicht als einen modernen Tarzan vorstellen würde, der mich in sein Baumhaus der Begierde entführt. „Sagt wer?“, wiederholt er provozierend.

„Sagen alle.“

Er wirft einen Blick durch den Raum. „Jetzt gerade sind 48 Studenten anwesend, richtig oder falsch?“

Ich kneife die Augen zusammen und drehe mich dann zur Seite, um zu zählen.

„Nein“, sagte er bestimmt. Allein die Tonlage löst eine Gänsehaut auf meinem gesamten Rücken aus. In meinem Kopf höre ich die gleiche, strenge Stimme andere Dinge sagen, an anderen Orten. Bei der Vorstellung wird mir am ganzen Körper warm. „Ohne zu zählen.“

Ich drehe mich langsam zurück und schlage unter dem Tisch die Beine übereinander. Verdammte Scheiße. Habe ich mir gerade eingebildet, dass sein Blick langsam über meine nackten Beine gestrichen ist? Ich nehme sie wieder auseinander, aber er zeigt keine Reaktion. Bis auf ein kleines Schmunzeln im Mundwinkel. Mein Puls rast.

„Ich weiß es nicht.“

„In diesen Kurs sind 48 Studenten eingeschrieben. Ist jemand abwesend?“

„Ich weiß es nicht.“ Der Frust ist deutlich in meiner Stimme zu hören, ich kann ihn nicht unterdrücken.

„Also haben wir berechtigten Zweifel daran.“

Ich rolle mit den Augen. „Es ist nicht mein Job, eine Anwesenheitsliste zu führen. Wenn es so wäre, wüsste ich, ob alle anwesend sind.“

„Und was ist mit dem Zeugen, der schwört, er hätte zwei Personen gesehen, die um zwei Uhr morgens in die Bäckerei gegangen sind? Es ist auch nicht sein Job, so etwas zu bemerken. Wie kann man dann sicher sein, dass es die Wahrheit ist?“

Ich atme leise aus. „Ich denke, da muss ich ihm vertrauen.“

„Sie vertrauen ihm?“ Der Anflug eines Lächelns ist auf seinen Lippen zu sehen. „Ich nicht. Ich traue keinem Gedächtnis, wenn es vernünftiger ist, zu zweifeln.“

Wieder sehen wir uns direkt an. Dann senkt er die Lider; sein Blick wandert mein Kleid hinunter, an den Knöpfen entlang. Geschlagene drei Sekunden schaut er dort hin. So genug, dass mein Denken verschwimmt und ich die Hitze zwischen meinen Beinen spüre.

Dann sieht er weg. Als hätte er nur kurz mein Kleid betrachtet. Als hätte er mich nicht fast damit kommen lassen.

„Wir müssen darauf achten, wie Fakten im Gerichtssaal dargestellt werden.“ Die Aufmerksamkeit ausnahmslos aller Anwesenden liegt auf ihm. Ich versuche erst einmal, meinen Atem zu beruhigen. „Wir müssen darauf achten, wie wir den Fall, den uns der Staatsanwalt vorlegt, Stück für Stück auseinandernehmen. Nichts ist unwichtig. Jedes kleinste Detail ist relevant. Wieso gab es eine Lücke von fünfzehn Minuten zwischen der Ankunft des Polizisten an der Polizeistation und der Aufnahme der Beweise? Was ist in den fünfzehn Minuten passiert? Ist er angehalten und hat sich mit jemandem im Flur unterhalten? War er pinkeln? Wo hat er die Beweise hingelegt, als er sich die Hände gewaschen hat? Hätte jemand anders sie in die Finger bekommen können? Und wenn es nur einen Augenblick lang war …“

Ich meinem Bauch braut sich die Empörung zusammen. Mir steht der Mund offen, und meine Wangen sind gerötet. Ich verabscheue alles, was Connor gerade sagt. Ich verabscheue, was er allen im Raum gerade vermitteln will.

Er legt noch einen drauf und lehnt sich vor, um seine Worte zu betonen. Als er ansetzt, ist seine Stimme geladen.

„So etwas ist ein berechtigter Zweifel. So etwas ist Unsicherheit. Das Gesetz ist niemals nur schwarz und weiß. Egal, wie sehr wir es wollen, Miss Amorelli.“ Mein Inneres macht einen Hüpfer, aber nicht vor Empörung, sondern vor Lust. Wie schafft er es, dass ich in Sekunden von einer Emotion in die nächste rutsche? Egal, wie sehr wir es wollen, Miss Amorelli. Ich will, dass sein Mund mehr macht, als nur meinen Namen sagen. Der irische Akzent ist schuld. Wie er jede Silbe leicht melodisch und verrucht klingen lässt. „Nicht in der wahren Welt. Dort gibt es nur unzählige Grautöne. Es geht darum, die Jury zweifeln zu lassen. Sie kritisch werden zu lassen.“

„Das ist ekelhaft“, sage ich leise und beuge mich leicht nach vorn. Ich bin nicht sicher, ob er mich gehört hat. Doch es ist mir egal. Meine Wangen brennen.

Ich habe mitansehen müssen, was Connors Denkweise anrichten kann. Ich habe gesehen, was es mit meinem Vater gemacht hat. Einem erfahrenen Polizisten, dessen Klage fallengelassen wurde, weil Connor es geschafft hat, die Arbeit meines Vaters anzuzweifeln. Ich habe gesehen, wie es meinen Vater kaputt gemacht hat – zu wissen, dass er das Opfer im Stich gelassen hat, weil seine Beweise in Zweifel gezogen werden konnten. Und es war alles nur ein Schwindel. Eine große Lüge, die meinen Vater förmlich umgebracht hat.

Ich knirsche mit den Zähnen und funkle Connor an. Diese Wut, die brauche ich. Auf ihn wütend zu sein überdeckt meine Lust.

Dann muss es so gehen. Ich muss die nächsten Monate einfach wütend sein.

„Miss Amorelli.“

Kurz bevor ich an der Tür bin, höre ich meinen Namen. Ich könnte einfach so tun, als hätte ich es nicht gehört. Fast hätte ich es nach draußen geschafft. Es war so knapp. Auch wenn meine Beine zittern. Mein Tag war lang, und ich will einfach nur nach Hause, kalt duschen und mich ins Bett kuscheln. Und dann weiter von diesem arroganten, attraktiven Mann träumen.

Nur hat er mich gerade gerufen.

Das Problem ist, dass ich nicht dafür bekannt bin, meine Professoren zu ignorieren. Ich bin eine, die tut, was man von ihr verlangt. Außerdem würde ich lügen, wenn ich behaupte, dass mich das hier kaltlässt. Dafür ist die Spannung zu groß. Sie knistert in der Luft. Ich warte. Ein kleiner Schauer läuft mir den Rücken hinunter.

Er ist mein Dozent. Mein Lehrer. Er ist das Tabu schlechthin. So wie alles, was ich mit ihm tun könnte. Und doch will ich genau das so sehr.

Und das ist das Problem. Unangebrachtes ist nichts für mich. Ich bin nie unanständig.

Niemals.

Und doch will ich es jetzt. Ich will alles Unanständige, die ganze Zeit. Nur wegen Connor.

„Ja, bitte?“, frage ich, meine Worte voller Erwartung, obwohl ich gleichzeitig versuche, meinen rasenden Puls zu beruhigen.

„Schließen Sie die Tür“, murmelt er, ohne vom Pult aufzusehen.

Es kommt einem Befehl gleich, und mir gefällt seine Tonlage nicht. Ich verkneife mir, ihn auf das fehlende „Bitte“ hinzuweisen, und gebe nur ein ungeduldiges Murren von mir.

Dann gehe ich zur Tür und schließe sie.

„Soll ich abschließen, Sir?“, frage ich, und ich weiß, dass ich mit dem Feuer spiele, wenn ich ihn so anspreche. Aber es ist mir egal.

Er sieht auf. Diese grünen Augen. So grün wie ein Sonnenstrahl, der durch Meerwasser fällt. Sie fesseln mich auf der Stelle. Ich kann mich nicht bewegen.

Ich bleibe an der Tür stehen, weil ich vor mir selbst Angst habe. Und vor dem, was ich tun könnte. Die Tür in meinem Rücken ist ein Anker. Sie ist die Erinnerung an die echte Welt, falls diese Versuchung, dieses Verlangen zu viel wird und ich nachgeben will.

„Das ist nicht nötig.“ Er steht auf, und mir fällt wieder einmal auf, wie groß er ist. Dazu noch dieser breite Oberkörper und die markanten Muskeln. Trainiert er? Wann hat er die Zeit dazu? Seine Arbeit – die richtige, nicht dieser Universitätskram – muss doch sicher viel Zeit einnehmen?

Ich sehe mich kurz im Raum um.

Wir sind allein.

Connor Hughes und ich. Allein.

Mein Mund ist eine Wüste. Staubtrocken. Mein Atem fühlt sich an wie heißer Dampf. Ein einzelner Schweißtropfen läuft mir langsam die Wirbelsäule hinunter. Ich spüre jeden einzelnen Millimeter. Meine Sinne sind bis auf das Äußerste gespannt.

„Sie waren mit meiner Feststellung nicht einverstanden.“

Er kommt auf mich zu und bleibt direkt vor mir stehen. Ein klein wenig zu dicht – nicht im schlechten Sinne, aber so, dass es mir jegliche Denkkraft raubt. Uns trennen nur wenige Zentimeter. Er ist so nah, dass ich die Sommersprossen sehen kann, die sich über seinen Nasenrücken ziehen. Und seine Wimpern sind länger und dunkler, als ich aus der Sicherheit der dritten Reihe habe sehen können.

„Ihre Feststellung?“, frage ich. Wie gesagt, viel zu nah zum Denken.

„Bezüglich der Ereigniskette.“

„Ah.“ Shit. Was weiß ich denn? Ich kann nicht klar denken, wenn er so vor mir steht! Ich weiß, dass ich dazu eine Meinung habe, aber wo zum Teufel ist sie gerade? Ich atme tief ein. Großer Fehler. Nun kann ich ihn auch noch riechen. Mein Körper freut sich und will sofort mehr. „Ich …“

„Ja?“ Er betrachtet mein Gesicht, und mich beschleicht das Gefühl, dass er viel mehr sehen kann, als ich ihn sehen lassen will. Es fühlt sich an, als könnte er durch mein jetziges Ich hindurchsehen. Sehen, wer ich einmal war. Ich fühle mich enthüllt. Dabei kann ich nicht sagen, ob ich das Gefühl mag oder nicht. Denn irgendwie will ich es auch … Ich will mehr davon, als wäre ich süchtig danach.

„Es tut mir leid.“ Ich lächle leicht. „Ich bin mir nicht sicher, wovon Sie sprechen.“

Er gibt nicht nach, und einen kurzen Augenblick lang weiß ich genau, wie es sich anfühlt, von ihm im Zeugenstand verhört zu werden. „Sie fanden meine Auslegung der Ereigniskette … ekelhaft?“

Also hat er es doch gehört. Meine Wangen werden so warm, als hätte sie jemand in Brand gesteckt. Ich mag von seiner Nähe überfordert sein, aber ich bin nicht dumm und stehe zu meiner Meinung. „Ich finde …“, beginne ich und trete einen Schritt zurück. Mein Rücken trifft auf die Tür. Sie ist immer noch da. Sie hält mich fest. Fest in der Realität. Sie erinnert mich daran, wer ich bin und dass ich mich nicht in diesem Chaos meiner Begierde verlieren darf. „Ich finde es ekelhaft, die Arbeit eines guten Polizisten in Zweifel zu ziehen, um Kriminelle vor einem Schuldspruch zu bewahren.“

Er lacht dunkel auf. „Gute Polizisten sollen über jeden Zweifel erhaben sein, würden Sie das nicht sagen?“

„Doch. Aber ich würde auch sagen, dass die meisten es sind. Allerdings würde ich auch sagen, dass es sehr einfach ist, jemanden im Zeugenstand zu verunsichern.“

„Als Strafverteidiger ist das nicht mein Problem.“

„Gerechtigkeit ist nicht Ihr Problem?“

Sein Blick verdüstert sich. Fuck, er ist so heiß. Mein Körper schmilzt, und mein Kopf übernimmt die Führung: Ich will diese kleine Lücke zwischen uns schließen. Ich will meine Beine um seine Hüfte schlingen. Ich bin nicht besonders groß und dazu noch schmal – und er ist ein wahrer Berg von Mann. Er hätte keinerlei Probleme, mich an der Hüfte festzuhalten, die Hände in meinen Haaren zu vergraben, mein Kleid hochzuschieben …

Verdammte Scheiße. Ich brauche mein Gehirn, um zu denken, nicht um mich in solchen Fantasien zu verlieren. Hör auf … Hör einfach auf, dir solche Dinge vorzustellen!

„Jeder dient der Gerechtigkeit am besten, wenn er seinen Job auch nach bestem Gewissen macht.“ Er kommt noch einen Schritt auf mich zu. Ich atme so schnell, dass meine Brüste sich gegen das Kleid drücken. Er sieht hinunter auf die Knopfreihe. Meine Nippel werden sofort hart. Meine Brüste haben sich gegen mich verschworen: Sie betteln darum, berührt zu werden. Ich sehe auf seine Hände. Diese großen Hände. Stark, dominant. Meine Brüste würden so gut in seine Handflächen passen, er könnte sie so leicht streicheln …

Auf meinen Lippen liegt ein Stöhnen, und am Rande meiner Besinnung kann ich es gerade noch zurückhalten.

„Du bist schlau“, sagt er und greift nach der Türklinke. Ich bin zwischen ihm und der Tür gefangen. Dabei könnte ich einfach zur Seite gehen, aber ich bewege mich nicht. Ich will nicht. Er ist wieder gefährlich nahe, und alles was ich will, sind meine Beine um seine Hüfte. Ich will ihn berühren. Ich muss ihn berühren. Nur ein einziges Mal. Irgendwo. Ich bin wie besessen. Und ich wette, er ist es auch.

Oh, Connor Hughes, du bringst mich noch in Schwierigkeiten.

„Ich weiß.“

„Aber auch idealistisch.“

„Sie klingen so, als wäre das etwas Falsches.“ Die Worte rutschen mir heraus wie eine gehauchte Einladung. Ich beiße mir auf die Unterlippe und sehe ihn an. Innerlich bettle ich darum, dass er etwas tut. Ich weiß nicht einmal was. Ich will so viel von ihm, dass mein Körper auf eine ganz eigenartige Weise reagiert.

„Sie werden wohl lernen müssen, ohne Ihren Idealismus zu leben.“ Er lächelt leicht, und ich habe die starke Befürchtung, dass er das hier nun beenden wird. Ohne mich geküsst zu haben. Ohne mich auch nur berührt zu haben.

Er ist mein Dozent! Von welchem Planeten komme ich bitte, dass ich das will?

„Ohne Idealismus? Nein danke, den behalte ich lieber“, sage ich. Er sieht weiter hinunter, auf meine Lippen, und kommt noch ein wenig näher, sodass seine Beine mich streifen.

„Du kannst es versuchen.“ Kurz – ganz kurz – höre ich Resignation in seinen Worten. Warum? Bevor ich meine Gedanken in Worte fassen kann, dreht er den Türknauf, und ich muss zur Seite weichen. Nur geht er nicht aus dem Weg. Als ich von der Tür wegtrete, treffe ich auf ihn. Einen kurzen Moment lang berühren wir uns.

Die Berührung ist flüchtig, fast fliehend, und doch bin ich entflammt. Von den Haarspitzen bis in die Zehen.

Es passiert so schnell. Er greift nach meiner Hüfte. Der Griff ist rein praktisch und doch wieder nicht. Und jede Berührung bringt Blitze und Flammen mit sich. Er drückt die Tür weiter auf, dann tritt er zurück, bis er wieder vor mir steht. Mit Abstand, was zeigt, dass er es besser weiß. Dass er genau weiß, wann er Menschen zu nahetritt.

Er wollte mir näherkommen.

Verdammt.

Das kann nicht gut gehen.

„Ziehst du mit?“

Ich habe einen Royal Flush. Natürlich bin ich dabei. Ohne hinzusehen lege ich einen Fünfzig-Dollar-Schein in die Mitte. Die Pokerrunde mit den anderen Dozenten erinnert mich an meine eigenen Studientage – nur dass wir jetzt um Geld und nicht mehr um Dosen mit Lagerbier spielen.

Schließ die Tür.

Soll ich abschließen, Sir?

Verdammte Scheiße. Diese wenigen Worte haben jegliche Fantasien in meinem Kopf geweckt. Wie sie vor mir kniet, mein Schwanz in ihrem Mund. Sir. Wie sie auf dem Rücken im Bett liegt und mich anbettelt, sie zu nehmen, so hart ich will. Sir. Wie sie sich selbst befriedigt, mich dabei ansieht und fragt: Darf ich bitte kommen, Sir?

Sir.

Ich unterdrücke ein frustriertes Stöhnen und spiele mit meiner Bierflasche. Mit einem Finger fahre ich langsam am oberen Flaschenrand entlang.

Was zum Teufel habe ich mir dabei gedacht?

Schon am ersten Tag an der London Law School habe ich geschworen, mich von Olivia Amorelli fernzuhalten. Alle Alarmglocken in meinem Kopf haben geläutet, als sie den Vorlesungssaal betrat. Dieses blassblaue Kleid, das ihre Bräune betont. Und ihre Augen. Mein armer Blutdruck.

Aber es war mehr als nur das. Irgendetwas hat mich zu ihr hingezogen, und ich wusste, ich muss es ignorieren. Sie ignorieren. Das wäre der schlauste Weg. Denn dieses starke Verlangen war gefährlich – ich wusste nicht, wie stark es war, aber es wirkte unendlich stark. Und ich kann nicht gut damit umgehen, keine Grenzen zu haben. Ich mag es, meine Grenzen selbst zu setzen, und Olivia setzt alle Regeln außer Kraft.

Deshalb habe ich so getan, als würde ich mich nicht für sie interessieren. Als wäre ich nicht von ihr hingerissen.

Und bisher lief alles nach Plan. Ich habe sie ignoriert. Sie und ihre Kleider. Ihr langes blondes Haar, wie sie blinzelt oder wie sie auf dem Ende des Stifts kaut, wenn sie sich konzentriert.

Bisher habe ich alles richtig gemacht. Und dann kam der heutige Tag.

Heute habe ich sie angesprochen, und sie hat angefangen, mit mir zu diskutieren. Und mein Blut ist wie wild durch meine Adern geschossen. Olivia ist atemberaubend. Dem kann niemand widersprechen. Nur ist sie nicht mein Typ Frau. Sie ist fünfundzwanzig, und trotzdem überrascht mich, wie klein sie ist. Klein und jugendlich, in Jeans und Sneakern. Mit langem blondem Haar, das in meiner Vorstellung ihren nackten Rücken herunterfällt. Und Augen von einer Farbe wie Gewitterwolken.

Als sie mir widersprochen hat, war ich kurz davor, das Seminar einfach zu beenden und sie an Ort und Stelle zu vögeln. Und ich glaube, sie wollte es auch. Genau deshalb muss ich noch vorsichtiger sein.

Die London Law School ist eine der renommiertesten Schulen des Landes, wenn nicht sogar der Welt, was eine juristische Ausbildung angeht. Ihr Austauschprogramm mit Harvard ist sehr gefragt, und dementsprechend hoch sind die Kosten. Olivia ist nun im letzten Studienjahr, und was ihren Studienverlauf betrifft, ist sie brillant. Sie hat hart dafür gearbeitet, so gut zu sein. Wenn sie so weitermacht, wird sie nach ihrem Abschluss einen ganzen Haufen Verträge angeboten bekommen.

Aber mit dem eigenen Dozenten zu flirten, könnte ihr mächtig Ärger einbringen. Abgesehen von ganz anderen Dingen, die ich auch mit ihr machen möchte.

Sie könnte nicht verbotener sein …, nur ist das eben das verdammte Problem. Dadurch will ich es nur mehr.

„Nein“ ist kein Wort, mit dem ich besonders gut umgehen kann.

Auch wenn ich weiß, dass es besser für mich wäre.

Ich hätte sie einfach aus dem verdammten Raum gehen lassen sollen. Aber ich habe sie aufgehalten. Ich habe vor ihr gestanden. Sie war so nahe, dass ich ihren weichen, warmen Atem an meinem Hals spüren konnte. Ich konnte jeden einzelnen Atemzug hören. Und ich wollte sie nur noch schneller atmen lassen. Sie sollte außer Atem kommen. Nur meinetwegen.

Ich bin nicht besonders gläubig, aber ich glaube an Gegensätze und Gegenteile. Ich glaube, sie kann mich gleichzeitig herausfordern und erlösen. Denn ich brauche beides. Nur was braucht sie?

Was würde jemand wie ich ihr antun? Es zieht mich zu ihrer Unschuld, aber würde meine dunkle Seite nicht auf sie abfärben? Ist das nicht wahrscheinlicher? Der Donovan-Fall sitzt mir immer noch im Nacken. In jedem meiner Alpträume spielt das Urteil die Hauptrolle. Dieser Sieg hat mir gezeigt, dass ich in dem, was ich tue, zu gut bin. Dass ich nur spiele, um zu gewinnen. Egal, auf wessen Kosten.

Früher war ein Sieg eben nur ein Sieg und das Urteil etwas, das ich mit geschwellter Brust trage. Jetzt schwimmt es dauerhaft am Rande meiner Gedanken wie ein Sturm, der auf die Küste zuzieht. Das Heranschwellen eines Unheils.

„Ich ziehe mit. Zeig her, was du hast, Connor.“

Ich sehe hoch zu Gary Austin, einem bekannten Professor, der in der Abteilung für Verträge arbeitet, und grinse ihn in freudiger Erwartung an.

Ohne zu zögern lege ich meine Karten offen hin und stehe gleich danach auf, um mir noch ein Bier zu holen.

Die anderen vier stöhnen gleichzeitig enttäuscht auf. Mein Royal Flush übertrumpft alles andere auf dem Tisch. Ich sage doch, ich spiele, um zu gewinnen. Immer.

Aus dem Kühlschrank hole ich mir eine Flasche Bier, öffne sie und trinke sie in einem Zug halb leer.

Olivia hat morgen eine Vorlesung bei mir.

Ich frage mich, was sie anhaben wird.

2. KAPITEL

„Bis vier gehen meine Kurse“, murmle ich ins Handy und betrachte dabei die Tür, weil ich darauf warte, dass Connor hineinkommt. Damit ich weiter so tun kann, als würde ich ihn ignorieren.

„Liebling …“, sagt meine Mutter in ihrem freundlichsten Ton, „es ist ein später Brunch. Der fängt gerade erst an, wenn du kommst.“

An mir nagt der Frust. „Daran zweifle ich.“

„Du kannst nicht einfach absagen.“

Ich würde lachen, wenn ich es nur im Geringsten lustig finden würde. „Ich habe nie zugesagt.“

Sie schweigt, und ich weiß, dass sie die Lippen zusammenpresst. „Pietro zählt auf dich.“

Und da haben wir es. Seit zwei Wochen versucht meine Mutter, mich zu einem Brunch bei der Freundin meines Cousins zu überreden – und genau das ist der Grund.

Mein ach so heiliger Ex-Freund wird da sein – der Mann, den meine Eltern so gerne wieder an meiner Seite sehen würden. Leider ist ihnen vollkommen egal, dass wir so gar nicht zusammengepasst haben. Oder dass wir nichts gemeinsam hatten. Dass unser Sexleben reine Routine war. Und die meisten unserer Gespräche schlicht und ergreifend langweilig.

Das soll nicht heißen, dass das mit Pietro nicht Liebe war. Nur leider habe ich einsehen müssen, dass ich ihn eher auf die freundschaftliche Art geliebt habe. Oder, zu meinen Erschrecken, brüderlich. Keinesfalls romantisch.

Ich seufze, denn meiner Mutter zu widersprechen fällt mir nie leicht. Besonders, wenn hinter ihren Machenschaften gute Absichten schlummern.

„Wo findet es denn statt?“ Ich beiße mir gerade auf die Lippen, als Connor zielstrebig und selbstbewusst den Raum betrifft. Ich folge ihm mit einem Blick gekonnter Nonchalance. Der vollkommen verschwendet ist. Er sieht nicht einmal in meine Richtung.

Autor