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Grausame Willkür

Alex Cross ist routiniert im Lösen von Kriminalfällen. Aber diesmal befindet er sich selbst im Fadenkreuz … Und er hat es scheinbar mit einem Untoten zu tun: Der Mörder Gary Soneji, den Alex vor mehr als zehn Jahren hat sterben sehen, hat Alex Cross‘ Partner niedergeschossen und ist nun hinter ihm her. Ist Soneji doch am Leben? Ist es sein Geist? Als Cross der ersten Spur folgt, die nicht ins Jenseits führt, wird bald klar: Nichts ist so verstörend wie die Wirklichkeit.

"Ich wollte ja nur mal ganz kurz rein lesen. Nur ganz kurz. Aber das ist ja gar nicht möglich. Der Start ist so rasant, so spannend und so fesselnd, das ich meinen Reader gar nicht zur Seite legen mag."
(CWPunkt auf lovelybooks.de)


  • Erscheinungstag: 04.05.2017
  • Aus der Serie: James Patterson Bookshots
  • Bandnummer: 1
  • Seitenanzahl: 120
  • ISBN/Artikelnummer: 9783959677004
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

KAPITEL 1

Ein später Wintersturm näherte sich Washington, D.C., an diesem Märzmorgen, und mehr Leute als üblich warteten in der Cafeteria der St. Anthony of Padua Catholic School in der Monroe Avenue im Nordosten der Stadt.

„Falls Sie einen kleinen Wachmacher brauchen, bevor Sie essen: Kaffee ist in den Kannen dort drüben“, rief ich der Warteschlange vor der Essensausgabe zu.

Hinter einem der Tresen sagte mein Partner John Sampson: „Wenn Sie Pfannkuchen oder Eier und Würstchen wollen, kommen Sie zuerst zu mir. Müsli, Haferflocken und Toast finden Sie am Ende des Tresens. Früchte auch.“

Es war früh, Viertel vor sieben, und wir hatten bereits fünfundzwanzig Leute in der Cafeteria mit einem Frühstück versorgt, die meisten davon waren Mütter und Kinder aus der umliegenden Nachbarschaft. Wenn ich richtig gezählt hatte, warteten vierzig weitere im Gang, während immer mehr von draußen hineinströmten, wo bereits die ersten Schneeflocken fielen.

Das alles hier war die Idee meiner über neunzigjährigen Großmutter. Sie hatte ein Jahr zuvor den Jackpot in der D.C.-Lotterie abgeräumt und wollte sichergehen, dass die Unglücklichen einen Teil ihres Glücks abbekamen. Sie hatte sich mit der Kirche zusammengetan und das Hot-Breakfast-Programm ins Leben gerufen.

„Gibt es auch Donuts?“, fragte ein kleiner Junge, der mich an meinen jüngeren Sohn, Ali, erinnerte.

Er hielt sich an seiner Mutter fest, einer verstörend dürren Frau mit wässrigen Augen, die sich ständig im Genick kratzte.

„Heute keine Donuts“, sagte ich.

„Was soll ich dann essen?“, beklagte sich der Junge.

„Ausnahmsweise einmal etwas, das gut für dich ist“, antwortete seine Mom. „Eier, Bacon und Toast. Nicht diesen ganzen Schoko-Krispies-Scheiß.“

Ich nickte. Mom sah aus, als wäre sie von irgendetwas high, aber sie wusste, was ordentliche Ernährung war.

„Das ist doch scheiße“, sagte ihr Sohn. „Ich will ’nen Donut. Ich will zwei Donuts!“

„Geh weiter“, sagte seine Mom und schob ihn auf Sampson zu.

„Ein bisschen viel für eine Kirchenkantine“, sagte der Mann hinter ihr. Er war Ende zwanzig und trug Baggy-Jeans, Stiefel von Timberland und einen großen, grauen Winterparka.

Mir wurde klar, dass er mit mir sprach, und ich sah ihn verwundert an.

„Kugelsichere Weste?“, fragte er.

„Oh“, entgegnete ich und zuckte mit den Schultern um den Körperschutz unter meinem Hemd zurechtzurücken.

Sampson und ich sind Detectives in der Abteilung für schwere Verbrechen im Washington D.C. Metropolitan Police Department. Direkt nach unserer Schicht in der Suppenküche würden wir zu einem Team stoßen, das eine Drogengang hochnahm, die in den Straßen um die St. Anthony’s Schule herum operierte. Es war bekannt, dass Mitglieder der Gang von Zeit zu Zeit die kostenlosen Frühstücke an der Schule in Anspruch nahmen, also hatten wir beschlossen, mit Rüstung zu erscheinen. Nur für den Fall.

Das erzählte ich ihm allerdings nicht. Auch wenn ich ihn nicht als irgendeinen bekannten Gangster erkannte, sah er durchaus so aus, als könnte er dazugehören.

„Ende nächster Woche steht mein physischer Eignungstest an“, sagte ich. „Ich muss mich an das Gewicht gewöhnen, wenn ich fünf Kilometer laufen will, während ich das trage.“

„Ist es mit der Weste heute heißer oder kälter?“

„Wärmer. Immer.“

„Ich brauche eine davon“, sagte der Mann, und ein Zittern durchfuhr seinen Körper. „Ich bin aus Miami, wissen Sie? Ich muss verrückt gewesen sein, dass ich unbedingt hier hochkommen wollte.“

„Weshalb sind Sie hierhergezogen?“, fragte ich.

„Uni. Ich bin Erstsemester an der Howard.“

„Sie sind nicht im Essensprogramm?“

„Ich bekomme kaum meine Studiengebühren zusammen.“

Mit einem Mal sah ich ihn in einem ganz anderen Licht. Ich wollte es ihm gerade sagen, als plötzlich Schüsse ertönten und Menschen zu schreien anfingen.

KAPITEL 2

Ich zog meine Dienstwaffe und kämpfte mich durch die flüchtende Menge. Zwei weitere Schüsse waren zu hören, und mir wurde klar, dass sie von drinnen kamen, aus der Küche hinter Sampson. Mein Partner hatte es ebenfalls erkannt.

Sampson wirbelte herum, weg von den Rühreiern und dem Bacon, und zog seine Waffe, während ich über den Tresen sprang. Wir teilten uns auf und pressten uns links und rechts der großen Küchentür gegen die Wand. In beide Flügel der Schwingtür waren kleine Bullaugen eingelassen.

Während ich die Menschen ignorierte, die noch immer aus der Cafeteria flüchteten, lehnte ich mich vor und riskierte einen kurzen Blick in die Küche. Rührschüsseln waren von den Edelstahlflächen gestoßen worden und hatten Mehl und Eier auf dem Betonboden verteilt. Nichts regte sich, und ich konnte niemanden in der Küche entdecken.

Sampson wagte einen längeren Blick von der anderen Seite aus. Beinahe augenblicklich verzog er das Gesicht.

„Zwei verwundet“, zischte er. „Die Köchin, Theresa, und eine Nonne, die ich noch nie gesehen habe.“

„Wie schlimm?“

„Theresas weiße Schürze ist völlig mit Blut bedeckt. Die Nonne wurde anscheinend ins Bein getroffen. Sie sitzt gegen den Ofen gelehnt und hat eine große Blutlache unter sich.“

„Oberschenkelarterie?“

Sampson wagte noch einen Blick. „Es ist eine Menge Blut.“

„Gib mir Deckung“, sagte ich. „Ich schleiche mich rein, um sie zu holen.“

Sampson nickte. Ich ging in die Hocke und warf mich mit der Schulter gegen die Tür, die nach innen aufschwang. Während ich halb damit rechnete, dass irgendein unsichtbarer Schütze das Feuer eröffnen würde, rollte ich mich hinein. Ich rutschte durch eine glibberige Spur von zwei Dutzend zerbrochenen Eiern und fand erst auf dem unversehrten Boden zwischen zwei Küchentresen Halt.

Hinter mir trat Sampson mit erhobener Waffe in den Raum, auf der Suche nach einer möglichen Bedrohung.

Aber niemand schoss. Niemand bewegte sich. Und ich konnte kein Geräusch vernehmen außer den keuchenden Atem der Köchin und der Nonne, die links von uns auf der anderen Seite des Tresens neben einem großen Backofen lagen.

Die Augen der Nonne waren weit aufgerissen und ihr Blick wirkte verwirrt. Der Kopf der Köchin hing schlaff nach unten, aber ihr Brustkorb hob und senkte sich.

Ich kroch unter dem Küchentresen hindurch zu den Frauen und schnallte meinen Gürtel ab. Die Nonne wich vor mir zurück, als ich die Hand nach ihr ausstreckte.

„Ich bin Polizist, Schwester“, sagte ich. „Mein Name ist Alex Cross. Ich muss Ihnen einen Druckverband an Ihrem Bein anlegen, oder Sie könnten sterben.“

Sie blinzelte, nickte aber dann.

„John?“, fragte ich, während ich die ernste Schusswunde an ihrem Unterschenkel betrachtete. Ein nadeldünner Strahl Blut schoss bei jedem Herzschlag in die Luft.

„Direkt hinter dir“, sagte Sampson. „Ich behalte die Lage im Auge.“

„Melde es“, erwiderte ich, während ich den Gürtel um den Oberschenkel der Nonne legte und ihn fest zuschnürte. „Wir brauchen zwei Krankenwagen. Schnell.“

Die kleine Blutfontäne stoppte. Ich hörte, wie mein Partner am Funkgerät sprach.

Die Lider der Nonne begannen zu flattern und schlossen sich immer weiter.

„Schwester“, sagte ich. „Was ist passiert? Wer hat auf Sie geschossen?“

Sie schlug die Augen auf und starrte mich an, für einen Moment völlig desorientiert, bevor ihr Blick an mir vorbeiwanderte. Sie riss die Augen auf, und die Haut über ihren Wangen spannte sich vor Grauen.

Ich packte meine Waffe und wirbelte herum, während ich das Visier hob. Sampson hatte mir den Rücken zugewandt, das Funkgerät am Ohr, die Waffe gesenkt. Dann sah ich die Tür am hinteren Ende der Küche. Sie stand offen und führte in eine große Vorratskammer.

Ein Mann kauerte kampfbereit im Türrahmen. In seinen überkreuzten Händen hielt er zwei vernickelte Pistolen, eine davon zielte auf Sampson, die andere auf mich.

Bei all der Ausbildung, die ich all die Jahre über erhalten hatte, sollte man meinen, dass ich dem ersten Instinkt eines erfahrenen Cops gefolgt wäre, der einem bewaffneten Angreifer gegenübersteht; dass mein Hirn Mann mit Waffe! registriert und ich augenblicklich auf ihn geschossen hätte.

Doch für den Bruchteil einer Sekunde hörte ich nicht auf das Mann mit Waffe!, denn ich war zu gelähmt von der Tatsache, dass ich den Mann kannte und dass er schon seit langer, langer Zeit tot war.

KAPITEL 3

Im selben Augenblick feuerte der Mann beide Waffen ab. Bei einer Entfernung von weniger als zehn Metern traf mich die Kugel so hart, dass ihre Kraft mich zurückwarf. Mein Kopf schlug auf dem Betonboden auf, und alles wurde dunkel. Ich fühlte mich, als rauschte ich wirbelnd einen schwarzen Abfluss hinab. Dann ertönte ein dritter Schuss. Und ein vierter.

Irgendetwas krachte dicht neben mir zu Boden, und ich kämpfte mich in Richtung dieses Geräuschs, in Richtung Bewusstsein, bis die Dunkelheit sich langsam auflöste, zusammenhanglos und unvollständig, wie ein Puzzle mit fehlenden Teilen.

Fünf, vielleicht sechs Sekunden verstrichen, bevor ich weitere Teile fand und ich wusste, wo ich mich befand und was geschehen war. Zwei weitere Sekunden brauchte es, bis ich erkannte, dass die Kugel direkt in das Kevlar eingeschlagen war, das meine Brust bedeckte. Ich fühlte mich, als hätte man mir mit einem Vorschlaghammer gegen die Rippen geschlagen und kräftig gegen den Kopf getreten.

Im nächsten Augenblick griff ich meine Waffe und suchte nach …

… John Sampson, der ausgestreckt auf dem Boden neben den Spülbecken lag. Sein massiger Körper wirkte zerknüllt, bis er begann, unkontrolliert zu zucken, und ich die Kopfwunde entdeckte.

„Nein“, rief ich, plötzlich hellwach, und strauchelte an seine Seite.

Sampsons Augen waren nach oben gerollt und zitterten. Ich nahm das Funkgerät vom Boden neben ihm, drückte den Sprechknopf und sagte: „Hier spricht Detective Alex Cross. Zehn-Null-Null. Ich wiederhole. Officer angeschossen. Monroe Avenue und Twelfth, Northeast. Kantine der St. Anthony’s Catholic School. Mehrere Schüsse abgefeuert. Wir benötigen augenblicklich Zehn-Fünfzig-Zwei. Ich wiederhole. Mehrere Rettungswagen benötigt, und ein Rettungshubschrauber für einen Officer mit Kopfschuss!“

„Rettungswagen und Streifen sind unterwegs, Detective“, meldete sich die Zentrale. „Ankunft in etwa zwanzig Sekunden. Ich rufe den Hubschrauber. Haben Sie den Schützen?“

„Nein, verdammt. Bringen Sie diesen Hubschrauber her.“

Die Leitung erstarb. Ich legte das Funkgerät weg. Erst dann sah ich wieder den besten Freund an, den ich je gehabt hatte. Er war das erste Kind, das ich kennengelernt hatte, nachdem Nana Mama mich aus South Carolina hier hinaufgebracht hatte und der Mann, mit dem ich aufgewachsen war, der Partner, auf den ich mich öfter verlassen hatte, als ich zählen konnte. Sampsons Zuckungen ließen nach. Sein Blick verschleierte sich, und er schnappte nach Luft.

„John“, sagte ich, als ich mich neben ihn kniete und seine Hand nahm. „Halte durch. Die Kavallerie kommt.“

Er schien mich nicht zu hören und starrte nur mit leerem Blick an mir vorbei zur Wand.

Ich begann zu weinen. Ich konnte nicht aufhören. Ich zitterte von Kopf bis Fuß und wollte den Mann erschießen, der das getan hatte. Ich wollte ihn zwanzig Mal erschießen, wollte die Kreatur ganz und gar zerstören, die von den Toten auferstanden war. Sirenen näherten sich der Schule aus sechs Richtungen. Ich wischte mir die Tränen ab und drückte Sampsons Hand, bevor ich mich zwang aufzustehen und zurück in die Cafeteria zu gehen, wo gerade die ersten Streifenbeamten hereinstürmten, gefolgt von zwei Rettungssanitätern, deren Schultern mit schmelzenden Schneeflocken bedeckt waren.

Sie fixierten Sampsons Kopf, schoben ihn auf eine Unterlage und hoben ihn dann auf eine Trage. Innerhalb von sechs Minuten war er in Decken eingehüllt und transportbereit. Draußen schneite es heftig. Sie warteten hinter der Vordertür der Schule auf den Hubschrauber und legten ihm eine Infusion ans Handgelenk.

Sampson wurde erneut von Krämpfen geschüttelt. Der Gemeindepfarrer, Fred Close, kam zu uns herüber und spendete ihm die Sterbesakramente.

Aber mein Kumpel hielt noch durch, als der Hubschrauber landete.

Wie betäubt folgte ich ihnen in einen tobenden Schneesturm. Wir mussten unsere Augen bedecken, um uns unter dem blendenden Schneehagel, den der Propeller uns entgegenblies, hinweg zu ducken und Sampson an Bord zu bringen.

„Wir übernehmen von hier an!“, rief mir einer der Rettungsflieger zu.

„Auf keinen Fall werde ich von seiner Seite weichen“, gab ich zurück, kletterte neben den Piloten und zog den zweiten Helm über. „Los geht’s.“

Der Pilot wartete, bis die Sanitäter die hinteren Türen geschlossen hatten und die Trage fest verzurrt war, bevor er die Drehzahl des Rotors beschleunigte. Wir gewannen an Höhe, und erst da erkannte ich, dass ich durch den herumwirbelnden Schnee beobachten konnte, wie sich Menschen vor den Absperrungen versammelten, die um die Schule und die Kirche aufgestellt worden waren.

Wir drehten uns in der Luft und flogen zurück über die Twelfth Street, während wir über der Menschenmenge immer weiter emporstiegen. Ich blickte durch die Schneewirbel nach unten und sah, wie die Leute unter dem Luftdruck des Hubschraubers ihre Köpfe duckten. Alle, mit Ausnahme eines einzelnen männlichen Gesichts, das direkt zu dem Rettungshubschrauber hinaufblickte, ohne dem prasselnden, stechenden Schnee um ihn herum Beachtung zu schenken.

„Das ist er!“, sagte ich.

„Detective?“, fragte der Pilot, dessen Stimme knarzend über das Funkgerät in meinem Helm ertönte.

Ich zog das Mikrofon nach unten und fragte: „Wie kriege ich Kontakt zur Zentrale?“

Der Pilot beugte sich herüber und legte einen Schalter um.

„Hier spricht Detective Alex Cross“, sagte ich. „Wer ist der zuständige Detective auf dem Weg nach St. Anthony’s?“

„Ihre Frau. Chief Stone.“

„Stellen Sie mich zu ihr durch.“

Fünf Sekunden verstrichen, in denen wir beschleunigten und aufs Krankenhaus zujagten.

„Alex?“, meldete sich Bree. „Was ist passiert?“

„John hat’s schwer erwischt, Bree“, antwortete ich. „Ich bin bei ihm. Riegel die Schule ab, vier Blocks in jede Richtung. Veranlasse eine umfassende Suche in sämtlichen Häusern. Ich habe den Schützen gerade auf der Twelfth Street gesehen, einen Block westlich der Schule.“

„Beschreibung?“

„Es ist Gary Soneji, Bree“, sagte ich. „hol dir über Google sein Bild und schick es jedem Cop in der Gegend.“

Es folgte Schweigen in der Leitung, bevor Bree mitfühlend fragte: „Alex, bist du in Ordnung? Gary Soneji ist schon seit Jahren tot.“

„Wenn er tot ist, habe ich gerade einen Geist gesehen.“

KAPITEL 4

Der Wind warf uns ordentlich herum, und in dem Schneetreiben konnten wir kaum etwas erkennen, während wir versuchten, den Helipad auf dem Dach des George Washington Medical Centers anzufliegen. Am Ende setzten wir auf dem Parkplatz neben der Notaufnahme auf, wo uns ein Team von Schwestern und Ärzten erwartete.

Eilig schoben sie Sampson hinein und schlossen ihn an Monitore an, während Dr. Christopher Kalhorn, ein Neurochirurg, mit einem Tupfer etwas Blut zur Seite wischte und die Wunden am Kopf untersuchte.

Die Kugel war in einem flachen Winkel in Sampsons Schädel eingedrungen, etwa fünf Zentimeter über der Nasenwurzel. Ausgetreten war sie dicht neben seiner linken Schläfe. Diese zweite Wunde war etwa so groß wie eine Murmel, allerdings klaffend und mit gezacktem Rand, als wäre die Kugel ein Hohlspitzgeschoss gewesen, die beim Durchstoßen des Knochens in kleine Teile zerbrochen und auseinandergeflogen war.

„Intubieren wir ihn, dazu Propofol sowie ein Eisbad und einen Kühlhelm“, ordnete Kalhorn an. „Kriegen Sie seine Temperatur unter dreiunddreißig Grad, machen Sie ein CT und bringen Sie ihn in den OP. Das Team wartet dort auf ihn.“

Die Notärzte und Schwestern setzten sich in Bewegung. Kurz darauf hatten sie einen Beatmungsschlauch in Sampsons Luftröhre gesteckt und rollten ihn davon. Kalhorn drehte sich um und wollte gehen. Ich zeigte ihm meine Dienstmarke und hielt ihn zurück.

„Das ist mein Bruder“, erklärte ich. „Was sage ich seiner Frau?“

Dr. Kalhorns Miene wurde düster. „Sagen Sie ihr, wir tun alles Menschenmögliche, um ihn zu retten. Und sagen Sie ihr, sie soll beten. Sie ebenfalls, Detective.“

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