×

Ihre Vorbestellung zum Buch »Kingdoms & Crowns - Rücksichtslos royales Vergnügen (3-teilige Serie)«

Wir benachrichtigen Sie, sobald »Kingdoms & Crowns - Rücksichtslos royales Vergnügen (3-teilige Serie)« erhältlich ist. Hinterlegen Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse. Ihren Kauf können Sie mit Erhalt der E-Mail am Erscheinungstag des Buches abschließen.

Kingdoms & Crowns - Rücksichtslos royales Vergnügen (3-teilige Serie)

Stürzen Sie sich mit dieser 3-teiligen Serie in ein rücksichtslos royales Vergnügen, voller Romantik und Leidenschaft!


DIE LETZTE NACHT MIT DEM PRINZEN
Goodbye, Sofia: Die königliche Pflicht ruft, Prinz Nikandros muss unerwartet den Thron von Akathinia besteigen. Da ist für seine Geliebte kein Platz mehr. Doch dann erfährt er, dass er die schöne Bürgerliche nicht allein in Manhattan zurückgelassen hat …


DIE PRINZESSIN UND DER MILLIARDÄR
Wer ist diese rassige Brünette? Aristos Nicolades lässt sie nicht aus den Augen. Unter falschem Namen hat sie sich auf den königlichen Empfang eingeschlichen, trinkt nervös einen Champagner nach dem anderen. Was hat sie vor - und vor allem: Warum fasziniert sie ihn so maßlos?


HEIRATSANTRAG IN DER KARIBIK
Wie kann Kostas es wagen, ihr bis in die Karibik zu folgen? Prinzessin Stella ist empört. Sie wird dem arroganten König niemals ihr Jawort geben, basta! Denn er ist nicht nur ihr größter Feind, der charismatische Herrscher hat ihr schon einmal das Herz gebrochen …
  • Erscheinungstag: 11.02.2019
  • Aus der Serie: E Bundle
  • Seitenanzahl: 432
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955769819
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cover

Jennifer Hayward

Kingdoms & Crowns - Rücksichtslos royales Vergnügen (3-teilige Serie)

1. KAPITEL

Schwungvoll stieg Sofia Ramirez aus dem gelben New Yorker Taxi. Durch die Sohlen ihrer Designer-Sandaletten spürte sie den von einem heißen Sommertag aufgeheizten Asphalt des Bürgersteigs. Ein Mann im Smoking ließ einen bewundernden Blick über Sofias schlanke Beine gleiten, bevor er fasziniert ihre kurvenreiche Figur betrachtete, die von einem eleganten champagnerfarbenen Cocktailkleid besonders gut zur Geltung gebracht wurde. Die perfekt auf das mit Perlstickerei verzierte Kleid abgestimmte Clutch fand ebenfalls die Zustimmung des Mannes.

Sofia drückte dem Taxifahrer das Fahrgeld in die Hand, prüfte, ob ihre elegante Steckfrisur perfekt saß, und erklomm die Stufen zum Metropolitan Museum of Art. Als Inhaberin einer der angesagtesten Modeboutiquen der Weltstadt wusste sie genau, wie sie sich zu welchem Anlass kleiden musste. Mit Stil und Understatement kam man in New York am besten an. Zu schlicht durfte es allerdings auch nicht sein, wenn man verhindern wollte, dass die hochnäsigen New Yorker sich die Münder über einen zerrissen.

Selbstbewusst betrat Sofia das Museum. Eine ihrer besten Kundinnen hatte hier zu einem Benefizabend zugunsten der schönen Künste eingeladen.

In ihrem Outfit fühlte Sofia sich gewappnet für die wichtige Aufgabe, die sie sich für den heutigen Abend vorgenommen hatte, nämlich die Beziehung zu einem der einflussreichsten Männer Manhattans zu beenden.

Kein gewöhnlicher Mann, sondern ein waschechter Prinz! Zudem unglaublich sexy. Prinz Nikandros Constantinides war der jüngere Sohn des Königs von Akathinia, einem kleinen Inselreich im Mittelmeer.

Nik war nicht nur unglaublich charismatisch, sondern auch unzähmbar, wie seine zahlreichen, leicht verbitterten Verflossenen den übereifrigen Paparazzi in die Mikrofone hauchten.

Sofia wusste das natürlich, trotzdem hatte sie sich mit ihm eingelassen und ungeduldig auf seinen Anruf gewartet. Doch seit seiner Geschäftsreise nach Mexiko, wo er ein viel beachtetes Freihandelsabkommen geschlossen hatte, herrschte Funkstille. Erst heute hatte Nik es für nötig gehalten, sich zu melden. Vermutlich nur, weil er wusste, dass sie auch zu dieser Veranstaltung eingeladen war.

Nun flatterten Sofia die Nerven doch ein wenig. Mit leicht bebender Hand zeigte sie ihre Einladungskarte vor und durfte den Raum mit der Ausstellung über den ägyptischen Tempel von Dendur betreten.

Für Sofia kam es nicht infrage, sich von einem Mann gängeln zu lassen, selbst dann nicht, wenn er so sexy und charismatisch war wie Nik. Daher hatte sie beschlossen, das zu tun, was eine kluge Frau in dieser Situation tun musste: Schluss machen, bevor Nik ihr das Herz brach.

Suchend ließ Sofia den Blick über die New Yorker Prominenz gleiten, die der Einladung gefolgt war. Schließlich entdeckte sie die Gastgeberin Natalia Graham, die bekannte Wohltäterin. Natalia entstammte einer alten, schwerreichen New Yorker Familie.

Ende der Sechzigerjahre hatte die ägyptische Regierung den Tempel von Dendur den Vereinigten Staaten von Amerika geschenkt, die ihn dem Metropolitan Museum überlassen hatten.

Heute Abend erstrahlte das antike Gemäuer aus der Zeit der Pharaonen in festlichem Glanz.

Immer wieder wurde Sofia von Bekannten angesprochen. Freundlich wechselte sie einige Worte mit ihren Kundinnen. Inzwischen beherrschte sie den Small Talk perfekt. Sie hatte hart daran gearbeitet, denn im Gegensatz zu ihrer Klientel war sie nicht mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen.

„Da bist du ja, Sofia.“ Herzlich umarmte Natalia sie. „Ich freue mich sehr, dich zu sehen.“

„Bitte entschuldige meine Verspätung. Es war ein schrecklich hektischer Tag.“

„Du kannst es sicher kaum erwarten, die Füße hochzulegen“, vermutete Natalia und zog Sofia zur Bar. „Katharine ist gar nicht da.“

„Nein, ihr Vater ist zu Besuch gekommen.“

„Aha. Und wo hast du deinen Begleiter versteckt? Normalerweise hast du ja immer einen blendend aussehenden Mann an deiner Seite, meine Liebe.“ Natalia warf ihr einen verwunderten Seitenblick zu. „Oder stimmt es, was über dich und den Prinzen getuschelt wird?“

Graziös schob Sofia sich auf einen Barhocker. „Für einen Mann ist kein Platz in meinem Leben“, behauptete sie. „Ich arbeite ja Tag und Nacht.“

„Hm.“ Natalia nahm ihr das nicht ab. Aber es ging sie ja auch nichts an. „Möchtest du einen Martini?“

„Gern.“ Ein Schluck Alkohol half ihr vielleicht dabei, nachher die richtigen Worte zu finden. Zunächst unterhielt sie sich mit Natalia über die gemeinsam geplante Modenschau zugunsten Natalias Stiftung.

Plötzlich zog die Wohltäterin die Augenbrauen zusammen. Offensichtlich hatte sie in der Menge jemanden entdeckt, der ihre Aufmerksamkeit erregte. „Da ist ja der Prinz. Er hat gerade direkt hinter dir Platz genommen“, raunte sie Sofia zu.

Sofias Herz klopfte sofort schneller, und sie spürte ein Prickeln im Rücken. Ein sicheres Zeichen für Niks Nähe. Er konnte sich nie an ihr sattsehen.

„Damit wäre meine Frage von vorhin beantwortet“, stellte Natalia fest.

Sofia nippte an ihrem Martini, um Zeit zu gewinnen. Bisher war es Nik und ihr gelungen, ihre Beziehung geheim zu halten. Sie hatten sich bei einer Spendenaktion im Krankenhaus kennengelernt. Allerdings wurde in den vergangenen Wochen immer mal wieder in der Presse spekuliert, dass der Prinz ihr Lover sei. Da sie die Beziehung noch heute Abend beenden wollte, brauchte sie Natalia ja wohl kaum reinen Wein einzuschenken.

„Da ist nichts“, erklärte sie deshalb ausweichend. „Du weißt doch selbst, wie er ist.“

Natalia zog eine Augenbraue hoch. „Nichts? So wie der dich ansieht? Das nehme ich dir nicht ab.“

Sofia biss sich auf die Lippe, wandte sich um und fing Niks verlangenden Blick auf. Ihr Prinz sah mal wieder atemberaubend aus. Das silbergraue Jackett hatte er abgelegt, das weiße Hemd am Kragen aufgeknöpft. Lässig und sehr selbstbewusst hatte Nik die langen Beine ausgestreckt. Heißes Verlangen durchströmte Sofia beim Anblick dieses Sexgottes, der ihr noch immer gefährlich werden konnte.

Hastig drehte sie sich wieder um, hob mit leicht bebender Hand das Glas und trank noch einen Schluck Martini. Gleichzeitig rief sie sich in Erinnerung, wie verletzt sie war, weil Nik sich die ganze Woche lang nicht bei ihr gemeldet hatte. Ich mache mit ihm Schluss, dachte sie entschlossen. Dieses Mal lasse ich mich nicht wieder von seinem Charme einwickeln.

„Wetten, dass die Schönheit an der Bar dich schwach werden lässt? Dein selbst auferlegtes Zölibat kannst du vergessen, Nik.“ Freundschaftlich stieß sein Kumpel Harry ihm in die Rippen. „Jake hält dagegen.“

Nik hätte seine besten Freunde ins Vertrauen ziehen können. Aber er fand, es ginge sie nichts an, dass er bei Sofia schon vor zwei Monaten schwach geworden war. Daher trank er einen Schluck Whisky und lächelte geheimnisvoll.

„Ihr wisst doch, womit ich mich in den vergangenen sechs Monaten beschäftigt habe: Mit Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen. Glaubt ihr wirklich, ich hätte daneben noch Zeit für Vergnügen gehabt?“

Harry musterte ihn misstrauisch. „Irgendwas ist doch im Busch, Nik. Du bist überhaupt nicht bei der Sache.“

Ja, das war ihm selbst auch schon aufgefallen. Er fühlte sich innerlich zerrissen, spürte eine tiefe Sehnsucht, wusste jedoch nicht, wonach. Eigentlich hätte er mit sich und der Welt sehr zufrieden sein müssen, denn das Freihandelsabkommen zwischen seinem Königreich und Mexiko war ein brillanter Schachzug gewesen, den niemand ihm zugetraut hatte. Stattdessen fühlte Nik sich trotz dieses Erfolgs leer und lustlos. Wie sollte er das seinen vom Erfolg verwöhnten Kumpeln erklären? Sie würden es ja doch nicht verstehen, dass er mit seinem Milliardenetat, seinem Einfluss, seinem Status so niedergeschlagen war, obwohl er sich jeden seiner Wünsche hätte erfüllen können. Ich habe eine Sinnkrise, stellte Nik erstaunt fest. Denn was sollte es sonst sein? Für eine Midlife-Crisis war er jedenfalls noch zu jung.

Frustriert leerte er sein Glas, als die Gastgeberin des Abends sich vom Barhocker neben Sofias schob.

„Vielleicht brauche ich einfach eine neue Inspiration“, sagte er leise und stand ebenfalls auf.

„Genau!“ Triumphierend hob Harry die Hände. „Ich habe es ja gewusst.“

Zielstrebig steuerte Nik auf Sofia zu. Die anderen Frauen, die ihn und seine Freunde keine Sekunde lang aus den Augen gelassen hatten, würdigte er keines Blickes.

Sofia … Seine Geliebte sah mal wieder unwiderstehlich aus. Er liebte ihre Kurven, die in Manhattan eigentlich verpönt waren. Sofia hatte eine Wespentaille, wie damals die Starlets aus den Fünfzigern und Sechzigern. Das schwarze Haar war kunstvoll aufgesteckt. Er freute sich schon, es zu lösen, sodass es duftig über die Schultern fiel.

Sie wickelte sich gerade eine Strähne um den Finger, die sich aus der Steckfrisur gelöst hatte, als er auf dem leeren Barhocker Platz nahm. Seltsam, dachte Nik. Diese Geste passt so gar nicht zu der sonst so gelassenen Sofia.

Fasziniert betrachtete er ihr ebenmäßiges Gesicht mit der geraden Nase, den weichen Lippen, die zum Küssen einluden, und den dunklen Augen mit den schwarzen Wimpern, in denen er sich so gern verlor.

„Guten Abend, Eure Hoheit“, sagte sie heiser zur Begrüßung.

Nik lächelte amüsiert. Natürlich gaben sie in der Öffentlichkeit vor, einander kaum zu kennen. Aber damit nicht genug …

„Für diese Anrede wirst du bestraft, Sofia“, raunte er ihr zu. Normalerweise reagierte sie darauf mit einem erwartungsvollen Schauer. Doch dieses Mal zeigte sie keine Reaktion.

Erstaunt musterte er Sofia. „Was ist los? Hast du einen schlechten Tag gehabt?“

„Nein, ganz im Gegenteil. Ich …“ Sie verstummte, schob das Martiniglas von sich und stand auf. „Können wir bitte von hier verschwinden?“

Das wollte er auch gerade vorschlagen. Allerdings hatte er den Eindruck, dass Sofia sich wieder in ihr Schneckenhaus zurückgezogen hatte. Okay, er würde sie schon wieder herauslocken …

Nik legte einen Geldschein auf den Bartresen, um für die Getränke zu bezahlen, und stand auf. „Klar. Wir treffen uns an der Ecke Achtzigste Straße. Carlos fährt den Wagen vor.“

Sofia machte sich auf den Weg, während Nik sich noch schnell von seinen Freunden verabschiedete. Trotz der Hitze erschauerte sie, als sie das Museum verließ und auf den Bentley zuging, den Carlos gerade vorgefahren hatte.

Er stieg aus, begrüßte sie und hielt ihr höflich den Wagenschlag auf.

Dankbar setzte Sofia sich auf den Lederrücksitz der Luxuslimousine. Die Gedanken überschlugen sich förmlich, während Sofia auf Nik wartete. Sollte sie gleich hier im Wagen ihre Beziehung beenden? Kurz und schmerzlos, ohne lautstarke Auseinandersetzungen. Anschließend könnte Nik sie nach Hause bringen. Oder sollte sie warten, bis sie bei ihm zu Hause waren?

Während sie noch hin und her überlegte, setzte Nik sich zu ihr in den Fond und wies Carlos an, sie in sein am Central Park West gelegenes Penthouse zu bringen. Dann schloss er die Trennscheibe, lehnte sich zurück und schaute Sofia aufmerksam an.

„Was ist los, Sofia?“

Sie beschloss, erst im Penthouse Schluss zu machen. „Das sage ich dir, wenn wir da sind, okay?“

Kala.“ Nik nickte zustimmend – sehr zu Sofias Erleichterung.

Stürmisch zog er sie auf den Schoß und umfasste ihr Kinn. „Du hast mich noch gar nicht richtig begrüßt.“

Heißes Verlangen durchströmte Sofia, doch sie gab sich schüchtern. „Wir sitzen im Auto, Nik. Was soll Carlos von uns denken?“

Erstaunt sah er sie an. „Das hat dich bisher nie gekümmert.“ Entschlossen begann er, sie zu küssen. „Es ist doch nur ein Kuss“, raunte er an ihrem Mund.

Nur ein Kuss? Dabei würde es bei Nik aber nicht bleiben. Schon war Sofia überwältigt von der wilden Lust, die er in ihr entfesselte, schloss die Augen und gab sich dem sinnlichen Spiel hin. Verlangend drängte sie sich an ihn. Sofort wurde Niks Kuss noch leidenschaftlicher. Ausführlich erforschte er ihren süßen Mund.

Sofia stöhnte lustvoll, schmiegte sich noch enger an Nik und schob die Hände durch seine schwarzen Locken.

Schließlich beendete er den Kuss und schaute ihr triumphierend in die Augen. „Jetzt siehst du nicht mehr wie eine Anziehpuppe aus Pappe aus, sondern sehr lebendig, wunderschön und sexy.“

„Epharisto.“ Das griechische Wort für ‚danke‘. Nik hatte ihr einige Begriffe in seiner Muttersprache beigebracht. „Dich haben die Frauen heute Abend ja mal wieder mit Blicken verschlungen“, fügte sie dann hinzu.

Nik amüsierte sich. „Bist du etwa eifersüchtig, Sofia? Ich muss sagen, ich fühle mich geschmeichelt.“

Diese Worte ernüchterten sie. Entschlossen befreite sie sich aus Niks Armen und setzte sich wieder auf den Ledersitz, fuhr sich prüfend übers Haar und suchte verzweifelt nach einem unverfänglichen Gesprächsthema.

„Ich möchte dir zu deinem erfolgreichen Vertragsabschluss gratulieren, Nik. Dir ist ein echter Coup gelungen, sehr zur Überraschung einiger Analysten.“

„Ja, es stand auf Messers Schneide. Aber ich bin meinem Ruf gerecht geworden, Unmögliches möglich zu machen.“

Sofia lächelte über sein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Das war bei Nik aber durchaus berechtigt, denn das Examen in Harvard hatte er mit Auszeichnung bestanden, er war ein Rechengenie und hatte bereits mehrere hochdotierte Verträge für sein Heimatland Akathinia abgeschlossen. Man nannte ihn auch das Wall-Street-Genie. Den pittoresken Inselstaat im Mittelmeer hatte er innerhalb von zehn Jahren zum Anziehungspunkt der Reichen und Schönen gemacht. Die Wirtschaft im kleinen Königreich boomte.

„Dein Ehrgeiz ist enorm, Nik. Wenn du nicht gewinnst, bist du nicht zufrieden.“ Sofia lachte.

„Stimmt.“ Er schaute ihr tief in die Augen.

Ihr wurde heiß. Auch bei ihr hatte er gesiegt. Anfangs hatte Sofia seine Einladungen zum Abendessen abgelehnt, doch irgendwann war sie doch schwach geworden. Im Nachhinein die richtige Entscheidung, denn der Prinz sah nicht nur blendend aus, sondern zeichnete sich durch Vielschichtigkeit aus. Nik war ein faszinierender Mann.

Forschend schaute sie ihn an. „Was würde passieren, wenn es dir nicht mehr genügt zu gewinnen?“, fragte sie neugierig.

„Das werde ich wohl bald herausfinden.“

Sie wunderte sich. Ahnte er etwas?

Die Limousine hielt vor dem imposanten Gebäude, dessen oberste Etage Nik bewohnte. Schweigend stiegen sie aus und nahmen den Fahrstuhl zum 67. Stockwerk. Dort befand sich Niks exklusives Penthouse.

Sofia schlüpfte aus den High Heels, Nik öffnete eine Flasche Prosecco im Salon. Der Ausblick durch die Glasfront auf den Central Park war atemberaubend. Im Hintergrund das Empire State Building. Fasziniert ließ Sofia den Blick über die New Yorker Skyline mit den vielen bunten Lichtern gleiten.

Als der würzige Duft seines Aftershaves sie umfing, wandte sie sich ab. Nik reichte ihr ein Glas Prosecco und stieß mit ihr an.

Sofia trank einen Schluck und schaute dann wieder aus dem Panoramafenster. Niks forschender Blick machte sie nervös. Geistesabwesend verfolgte sie den Flug eines Passagierjets am Horizont.

„Was ist los, Sofia? Denkst du an deinen Vater?“, fragte Nik einfühlsam. Er wusste, dass morgen der zwanzigste Todestag ihres Vaters war. „Trauerst du immer noch um ihn?“

Natürlich tat sie das! Ihr Vater war mitten über dem Atlantik mit dem Flugzeug abgestürzt. Der Motor hatte einfach ausgesetzt. Wäre die Maschine regelmäßig gewartet worden, könnte ihr Vater noch leben. So hatte Sofia ihren geliebten Daddy, ihr großes Vorbild verloren.

„Ja, aber es tut nicht mehr so weh“, sagte sie heiser. „Ich verstehe nur immer noch nicht, warum es passieren musste. Aber damit muss ich mich abfinden, sonst wäre ich verloren.“

„An dir ist eine Philosophin verloren gegangen. Mit deinen acht Jahren damals konntest du sicher noch nicht verstehen, warum man dir deinen Daddy genommen hatte. Der Verlust muss dich tief getroffen haben.“

Allerdings! Der Anruf mitten in der Nacht, ihre vollkommen am Boden zerstörte Mutter. Innerhalb weniger Stunden war Sofia ihrer sorglosen Kindheit beraubt worden.

Sofia sah auf. „Ja, ich weiß, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung. Deine ganze Welt stürzt ein.“

„Es muss schrecklich gewesen sein. Aber es kann auch ein Neubeginn sein. Heute führst du eine ausgesprochen erfolgreiche Boutique.“

Ironisch verzog sie das Gesicht. „Solange die Kundinnen mir die Treue halten.“

„Gut, mit dem Risiko musst du bei jedem Geschäft leben“, erklärte Nik. „Wenn du an deine Vision glaubst, kann dir aber nichts passieren“, behauptete er. „Wie hast du die Boutique eigentlich ursprünglich finanziert? Darüber haben wir uns noch nie unterhalten.“ Neugierig musterte er sie.

„Die Fluglinie war schuld am Tod meines Vaters. Die Maschine war nicht regelmäßig gewartet worden. Die Schadensersatzzahlung wurde auf ein Treuhandkonto geleistet. Als ich einundzwanzig wurde, konnte ich darüber verfügen. Bis dahin habe ich mein Modedesignstudium mit einem Stipendium finanziert.“

„Was interessiert dich mehr: die Arbeit als Designerin oder die Leitung der Boutique?“

„Ich arbeite gern in der Boutique, aber noch lieber als Designerin“, antwortete Sofia wahrheitsgemäß. „Leider komme ich kaum noch dazu. Es war wichtiger, dass die Boutique schwarze Zahlen schrieb. Erst jetzt kann ich es mir leisten, eine Verkäuferin einzustellen und an exklusiver Mode für die Boutique zu arbeiten.“

„Wann hast du das Geschäft eröffnet?“

„Vor sechs Jahren.“

„Eine lange Zeit, um dir deinen Traum zu erfüllen, Sofia“, fand Nik.

„Aber jetzt ist es bald so weit. Man muss eben Geduld haben“, rechtfertigte sie sich. „Außerdem ist es schwierig, gutes Personal zu finden. Ich kann ja nicht der erstbesten Verkäuferin meine geliebte Boutique anvertrauen.“

„Das klingt nach einer faulen Ausrede, Sofia. Wenn du etwas wirklich willst, dann setzt du alles daran, es zu erreichen. Geht nicht, gibt’s nicht.“

„Ich bin ja jetzt fast am Ziel.“ Wieso rechtfertige ich mich eigentlich? überlegte sie verstimmt. „Nicht allen Menschen fällt der Erfolg in den Schoß, so wie dir, Nik. Nicht alle Menschen verfolgen ihr Ziel, ohne nach links und rechts zu sehen.“

Betroffen sah er sie an. „Hast du wirklich diesen Eindruck von mir, Sofia?“

Sie nickte und wandte sich ab. Nik hatte eine empfindliche Stelle getroffen. Sofia wusste selbst, dass sie immer wieder neue Ausreden gefunden hatte, um die kreative Arbeit aufzuschieben. Langsam zweifelte sie an ihrem Talent.

„Weißt du, was ich glaube, Sofia?“

Sie drehte sich wieder zu ihm um und sah ihn fragend an.

„Ich glaube, du hast Angst. Du bist nämlich gar nicht so knallhart, wie du vorgibst. Du fürchtest, deine selbst entworfene Mode könnte sich als Flop erweisen. Deshalb schiebst du es vor dir her.“

Unglaublich, wie gut Nik sie kannte! Doch das konnte sie natürlich nicht zugeben. „Jetzt übertreibst du aber“, entgegnete sie daher.

„Sicher nicht.“ Er kam näher und streichelte zärtlich ihre Wange.

Die hauchzarte Berührung entfesselte ein heftiges Prickeln auf ihrer Haut.

„Ich weiß, wie schnell etwas schiefgehen kann, und du weißt das leider auch.“ Sanft zog er die Form ihrer sinnlichen Lippen nach und sah ihr tief in die Augen. „Mein erster Eindruck von dir war richtig: Du gibst nicht alles von dir preis, weil du Angst hast, verletzt zu werden. Aber so funktioniert das nicht. Verluste oder Tragödien lassen sich dadurch nicht verhindern, sie können dich jederzeit ereilen. Belohnt wird nur, wer Risiken eingeht.“

Was sollte sie dazu sagen? Nik hatte vermutlich recht. „Gilt das auch für dich?“, fragte sie schließlich herausfordernd. „Du versteckst dein wahres Ich hinter dieser aalglatten Fassade. Niemand ahnt, wie du wirklich bist, was du dir erträumst, was du dir erhoffst. Eins weiß ich allerdings inzwischen: Du bist nur zufrieden, wenn du gewinnst und solange dich etwas interessiert. Wann wirst du das Interesse an mir verlieren, Nik? Ist dir unsere Beziehung schon zu intim? Ist es an der Zeit, dich mit einem hübschen Schmuckstück von mir zu verabschieden?“

Seine Miene verfinsterte sich. „Ich habe dir nichts versprochen, Sofia. Du wusstest von Anfang an, worauf du dich einlässt.“

„Stimmt. Du aber auch. In dem Punkt sind wir uns sehr ähnlich. Wir lassen niemanden zu nahe an uns herankommen. Deshalb sollten wir jetzt auch Schluss machen, bevor wir beginnen, einander Vorhaltungen zu machen.“

Nik fühlte sich überrumpelt. „Wolltest du mich heute Abend treffen, um unsere Beziehung zu beenden?“, fragte er erstaunt.

Sofia nickte. „Ja, gib zu, dass dir das auch durch den Sinn gegangen ist! Sonst hättest du dich wohl schon eher bei mir gemeldet.“

Unwillig presste Nik die Lippen zusammen. „Ich hatte unglaublich viel zu tun. Ich konnte mich nicht früher bei dir melden, Sofia. Aber du hast recht. Auch ich finde, dass wir unsere Beziehung bald beenden sollten – bevor wir nichts mehr füreinander empfinden.“

So weit war es allerdings noch nicht …

Sofia ahnte, dass bis dahin noch viel Zeit vergehen würde. Doch darum ging es gar nicht, sondern darum, dass sie sich auch auf anderen Ebenen gut verstanden. Und das war eindeutig der Fall. Oder sah Nik das anders?

Offensichtlich. Vielleicht hatte sie sich doch etwas vorgemacht.

Nik kam näher und schaute sie mit schwer zu deutender Miene an. „Wir hatten eine schöne Zeit, Sofia.“

„Ja.“ Sie hielt seinem forschenden Blick stand.

„Dann war’s das jetzt mit uns?“, fragte Nik leise.

„Nein.“ Sofia stellte sich auf die Zehenspitzen und umfasste Niks markantes Gesicht. „Noch nicht ganz“, hauchte sie an seinen Lippen.

2. KAPITEL

Begehren leuchtete in Niks blauen Augen auf. Im nächsten Moment küsste er Sofia mit brennender Leidenschaft, gegen die Sofia machtlos war. Sie wollte sich auch gar nicht zur Wehr setzen, sondern ein letztes Mal mit Nik schlafen. Ein allerletztes Mal in den Armen dieses fantastischen Liebhabers liegen, ihn tief in sich spüren. Sofia ahnte, dass sie nie genug von ihm bekommen würde. Das machte ihr Angst, und deshalb musste sie die Beziehung noch heute beenden.

Sofia stöhnte erregt, als Nik begann, hauchzarte Küsse auf ihrem Hals zu verteilen und zielsicher die erogene Zone traf, während er geschickt den Reißverschluss des Kleides aufzog und seine angenehm warmen Hände darunterschob. Sofort drängte Sofia sich verlangend an Nik und spürte, wie erregt auch er war. Sie konnte es kaum erwarten, den harten Beweis seiner Männlichkeit in sich zu fühlen. Ein sehnsüchtiges Ziehen durchzuckte ihren Schoß.

„Nik …“

Er lehnte sich zurück und lockerte die Krawatte. „Zieh das Kleid aus!“, kommandierte er rau.

Sofia hielt seinen Blick fest. „War das etwa ein Befehl?“

„Was meinst du, was es gewesen sein könnte?“, fragte Nik frech zurück.

Ein Schauer der Erregung lief ihr über den Rücken. Macht und Sexappeal waren eine unschlagbare Mischung.

Aufreizend langsam gehorchte Sofia. Raschelnd glitt das Designerkleid zu Boden, während Nik die Krawatte ablegte und begann, das Hemd aufzuknöpfen, ohne den Blick von Sofias sexy Körper zu wenden.

„Komm her!“ Diktatorisch krümmte er den Finger.

„Sehr gern.“ Das Spiel gefiel ihr immer besser. „Du füllst die Rolle eines Prinzen perfekt aus“, lobte sie keck.

Nik lächelte amüsiert und zog Sofias Hände an seine nackte Brust. „So, und jetzt erledigst du den Rest!“

Gehorsam schob sie ihm das Hemd von den breiten Schultern – mit erwartungsvoll bebenden Händen. Sie konnte sich kaum sattsehen an dem schönen, durchtrainierten Männerkörper. Jeden Morgen stand Nik mit einem Weltklasseboxer in einem Sportclub in Manhattan im Ring. Das intensive Training zahlte sich aus. Nik konnte stolz sein auf seine Figur, die der eines Modellathleten entsprach.

Wie gebannt lag Sofias Blick auf der Wölbung, die sich unter der Anzughose verbarg. Geschickt öffnete sie den Reißverschluss. Erneut durchströmte sie heftiges Verlangen. Das wurde noch intensiver, als sie die Hände unter Niks Boxershorts schob. Im nächsten Moment landeten auch die am Boden.

Sofia kniete sich hin, bereit, den Prinzen zu verwöhnen. Fast andächtig umschloss sie das Objekt ihrer Begierde und begann, es zu streicheln.

Nik schob die Hände durch Sofias seidiges Haar und forderte rau: „Nimm ihn in den Mund, Sofia!“

Das unüberhörbare Verlangen in seiner Stimme heizte Sofia an. Sie wusste, wie sehr Nik es genoss, wenn sie ihn mit dem Mund verwöhnte. Es brachte ihn fast um den Verstand. Doch heute Abend hielt sie ihn hin, erregte ihn nur mit der Zunge, die sie hauchzart über den pulsierenden Penis gleiten ließ, bis Nik frustriert fluchte. Erst dann erfüllte sie seinen sehnlichen Wunsch und brachte den erregten Mann fast an den Rand des Wahnsinns.

Entschlossen gebot Nik ihr Einhalt und zog sie hoch. „Das genügt für den Anfang“, raunte er, hob Sofia hoch und trug sie ins Schlafzimmer. Behutsam ließ er sie auf das riesige Himmelbett gleiten, bevor er sich zu ihr legte und begann, sie aufreizend zu küssen. „Du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich mich nach deinem Mund, nach deinen erregenden Küssen gesehnt habe“, flüsterte er schließlich atemlos.

Das freute Sofia natürlich sehr. Hingerissen gab sie sich Niks verführerischen Zärtlichkeiten hin. Die Küsse wurden fordernder, tiefer, leidenschaftlicher. Sofia drängte sich an Niks nackten Körper und erschauerte vor Lust, als er die Finger erregend über ihre harten Brustknospen spielen ließ. Viel zu lange hatte Nik sie alleingelassen. Die Sehnsucht nach ihm war unerträglich geworden. Sofia hielt es keine Sekunde länger aus.

Nik wusste natürlich genau, was sie wollte, und schob sich halb auf sie. „Du hast mir mindestens ebenso sehr gefehlt, glykeia mou.“

Intensiv beschäftigte er sich erneut mit den Brustknospen, reizte sie mit Lippen und Zunge.

Sofia stöhnte vor Lust. „Nik … bitte …“

Behutsam ließ er eine Hand zwischen die Schenkel gleiten. Sofia erschauerte lustvoll, sie wusste, wie sehr ihr das kommende Spiel gefallen würde. Erwartungsvoll spreizte sie die Schenkel, nachdem Nik ihr das Höschen abgestreift hatte.

Zielsicher nahm Nik die geschwollene Liebesknospe zwischen Daumen und Zeigefinger. Gleichzeitig stieß er den nächsten Finger in ihr Innerstes. Verlangend bog Sofia sich ihm entgegen. Sie liebte es, wenn er ihre Lust auf diese Art und Weise steigerte. Nik wusste genau, was eine Frau sich wünschte. Erst wenn Sofia sich dem Höhepunkt der Lust näherte, nahm er sie und verschaffte ihr einen heißen Orgasmus.

Konzentriert beobachtete Nik ihre Reaktionen auf sein meisterhaftes Spiel. Als Sofia sich nach kurzer Zeit fordernd an seine Hand presste, ließ er einen weiteren Finger in ihr Inneres gleiten, um die Erregung weiter zu steigern.

Sofia suchte Halt am seidigen Laken, als die Spannung ins Unendliche stieg und die wilde Lust sich Bahn brach. Sofort begann er, Sofia heiß zu küssen. Erregt flüsterte er an ihrem Mund: „Gib dich hin, Sofia! Tu es für mich!“

Ihr blieb gar nichts anderes übrig. Der sexy Befehl katapultierte sie in ungeahnte Höhen. Der Orgasmus war unglaublich intensiv. Nur Nik bereitete ihr so fantastische Freuden. Er war der beste Liebhaber, den sie je gehabt hatte.

Erschöpft suchte Sofia schließlich in Niks Armen Halt, als die Wogen der Lust langsam verebbten.

Nik wandte sich kurz ab, um nach einem Kondom zu greifen.

„Nein!“ Sofia hielt seine Hand fest. Nur dieses eine Mal, das allerletzte Mal, wollte sie Nik so spüren, wie er geschaffen worden war. „Du brauchst das nicht. Ich bin doch geschützt, Nik.“ Bittend sah sie ihn an.

Er zögerte, gab dann nach und brachte sich in Stellung. „Ich möchte dich auch richtig spüren“, stimmte er zu, bevor er eins mit ihr wurde. „Und ich möchte dir dabei in die Augen schauen.“

In seiner Miene spiegelte sich so etwas wie Wut. War er wütend, weil Sofia die Beziehung beendete, nicht er?

Jedenfalls würde er dafür sorgen, dass sie dieses letzte Mal niemals vergessen würde. Es sollte unauslöschlich in ihrem Gedächtnis bleiben.

Leidenschaftlich platzierte er einen heißen Kuss auf ihrem Hals. Sofia stöhnte leise. Nik füllte sie vollkommen aus, begann nun, sich in ihr zu bewegen, immer tiefer, immer schneller. Es fühlte sich fantastisch an. Es war, als würde er vollkommen von ihr Besitz ergreifen.

Er flüsterte ihr ins Ohr, wie unglaublich sexy sie war, wie gut es sich anfühlte, in ihr zu sein. Erst als er ihren Höhepunkt nahen spürte, gab auch Nik die Zurückhaltung auf und erlebte gemeinsam mit Sofia einen überwältigenden Orgasmus.

So nahe hatte Sofia sich Nik noch nie gefühlt wie nach diesem alles übertreffenden Höhepunkt.

Auch Nik schien sehr ergriffen zu sein, denn als die Wogen der Lust verebbten, strich er Sofia zärtlich übers Haar.

Niemals würde er diesen Moment vergessen.

Ich muss jetzt verschwinden, mahnte sie sich schließlich. Je länger sie blieb, desto schwerer würde ihr der Abschied von diesem hinreißenden Mann fallen. Also löste sie sich von Nik und stand auf, zog sich schnell an und ging in den Salon, wo sie ihre High Heels stehen gelassen hatte.

Nik war ihr gefolgt. Nur mit Boxershorts bekleidet lehnte er am Türrahmen und beobachtete Sofia.

Sie schlüpfte in die hohen Sandaletten und fuhr sich ordnend durchs lange Haar.

„Tut es dir leid?“, fragte Nik leise.

„Nein.“ Flüchtig gab sie ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange. „Ganz sicher nicht.“

Im nächsten Moment wandte sie sich ab und verließ das Penthouse, bevor sie es sich doch noch anders überlegen konnte.

Carlos erwartete sie bereits in der Eingangshalle und lächelte ihr freundlich zu.

Wortlos nahm Sofia auf dem Rücksitz Platz. Nach höflicher Konversation war ihr nicht zumute.

Carlos schien zu verstehen. Schweigend setzte er sich ans Steuer und fuhr los.

Sofia spürte einen wehmütigen Schmerz. Energisch kämpfte sie dagegen an. Natürlich tat es ihr leid, die Beziehung zu Nik beendet zu haben. Aber das musste Nik ja nicht unbedingt wissen. Ohne Nik würde ihr Leben leer sein. So unendlich leer.

Nik blickte starr an die Zimmerdecke. Seit Sofia sich vor einigen Stunden aus seinem Leben verabschiedet hatte, lag er schlaflos im Bett. Frustriert stand er schließlich auf, zog sich ein altes Harvard-T-Shirt über und schlenderte mit einem Glas Prosecco in der Hand in den Salon. Es war die richtige Entscheidung gewesen, die Beziehung zu Sofia zu beenden, bevor sie zu eng werden konnte. Das wäre sie nämlich unweigerlich geworden. Nik hatte ein untrügliches Gespür dafür. Es wäre sogar besser gewesen, schon viel eher Schluss zu machen. Doch bei der abgebrühten, gleichzeitig aber verletzlichen Sofia war ihm das schwergefallen. Deshalb hatte er den richtigen Zeitpunkt verpasst.

Sofia war so unkompliziert, stellte keine Ansprüche. Erst an diesem Abend war es kompliziert geworden. Ich habe sie verletzt, dachte Nik schuldbewusst. Seine Maxime, keine Frau zu nahe an sich heranzulassen oder gar ins Vertrauen zu ziehen, hatte einen guten Grund. Er musste sich vor Menschen schützen, die sich an ihn hängen wollten, um von seinem Status zu profitieren. Seine Exfreundin Charlotte hatte doch tatsächlich der Presse eine Enthüllungsstory über die Beziehung zu ihm angeboten und abkassiert. Der gute Ruf seiner Familie war dadurch gefährdet worden. Sofia würde so etwas natürlich nie tun. Sie war ganz anders als ihre zahlreichen Vorgängerinnen. Deshalb vertraute er ihr.

Wütend blickte Nik aus dem Fenster. Er war wütend, weil Sofia die Beziehung beendet hatte. Er hätte gern weiterhin so fantastischen Sex gehabt und dann irgendwann Schluss gemacht, wenn das Feuer erloschen war.

Ein ironisches Lächeln umspielte seine Lippen. Wahrscheinlich geschah es ihm ganz recht, dass eine Frau mal die Initiative ergriff und Schluss machte.

Nik stellte das Glas ab und klappte seinen Laptop auf. An Schlaf war sowieso nicht zu denken, da konnte er auch E-Mails lesen und beantworten.

Sein Sekretär Abram hatte offenbar bemerkt, dass im Salon noch Licht brannte, klopfte und kam herein.

Er war nicht nur sein Sekretär und Butler, sondern auch ein guter Freund, auf den er sich blind verlassen konnte. Nichts und niemand konnte Abram aus der Ruhe bringen. Bisher jedenfalls …

Sofort sah Nik ihm an, dass etwas passiert war. „Was ist los, Abram?“ Er lachte harsch. „Hat König Idas mal wieder meinen Bruder verärgert?“

Abram sah ihn nur wortlos an. Seine zutiefst besorgte Miene löste einen ahnungsvollen Schauer bei Nik aus.

„Kronprinz Athamos ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, Eure Hoheit.“

Nik hatte das Gefühl, der Boden unter seinen Füßen schwanke. Schnell suchte er Halt. „Was denn für ein Unfall? Das kann doch nicht wahr sein“, stieß er entsetzt hervor. „Ich habe doch gestern noch mit Athamos telefoniert.“

Bedauernd ließ Abram den Kopf hängen. „Es tut mir unendlich leid, Sir. Der Unfall hat sich gestern Abend in Carnelia ereignet. Die Nachricht hat mich erst jetzt erreicht, weil es zunächst widersprüchliche Informationen gab.“

Ihm gefror das Blut in den Adern. Sein Bruder war wütend auf König Idas gewesen, weil der Herrscher über die Nachbarinsel Carnelia das Königreich Akathinia annektieren wollte. Vor einem Jahrhundert waren die beiden Inseln noch unter einem Herrscher vereint gewesen. Natürlich war Athamos aufgebracht gewesen. In Zeiten der Demokratie annektierte man nicht schnell mal eben einen anderen Staat! Oder? Vielleicht doch. Auch im 21. Jahrhundert gab es dafür Beispiele.

Verzweifelt hatte Nik versucht, seinen Bruder zu beruhigen. Offensichtlich vergeblich.

Er sah auf. „Was in aller Welt hatte er in Carnelia zu suchen?“

„Offenbar gab es Streit um eine Frau. Prinz Athamos und Kronprinz Kostas von Carnelia beschlossen, eine Wettfahrt durch die Berge von Carnelia zu veranstalten. Der Gewinner sollte dann die Frau bekommen. Früher wurden dort Pferderennen ausgetragen. Ein Zeuge hat ausgesagt, Prinz Athamos wäre aus einer Kurve geflogen und mit dem Wagen über die Klippen hinunter ins Meer gestürzt.“

„Die beiden haben sich um eine Frau gestritten?“ Nik war fassungslos. Das passte so gar nicht zu seinem ausgeglichenen Bruder, eher zu ihm selbst. Was mochte Athamos zu einem so irrsinnigen Rennen gegen seinen Erzfeind bewogen haben? Noch dazu auf dessen Grund und Boden?

Nik war wie gelähmt. „Ist das wirklich wahr?“, fragte er schließlich mit brüchiger Stimme. „Ist mein Bruder tatsächlich tot?“

Abram nickte traurig. „Es tut mir sehr leid, Sir. Aber einen Sturz von den Klippen ins Meer hätte niemand überleben können. Momentan wird alles unternommen, Prinz Athamos zu bergen.“

„Was ist mit Kostas? Hat der etwa überlebt?“, stieß Nik wütend hervor.

„Ja. Sein Wagen befand sich direkt hinter dem Ihres Bruders, Sir. Er hat alles mit angesehen.“

Nik sah rot vor Wut, Wut, die den tiefen Schmerz über den Verlust seines älteren Bruders überdeckte. Auf unsicheren Beinen ging er wieder zur Fensterfront hinüber. Blicklos sah er auf die Skyline Manhattans hinaus. Erst als er hinter sich Gläser klirren hörte, wandte er sich wieder um.

Abram kam auf ihn zu und drückte ihm ein Glas Whisky in die Hand. Nik trank es zur Hälfte aus.

„Das ist leider noch nicht alles“, sagte Abram vorsichtig.

Was kommt denn jetzt noch? überlegte Nik entsetzt.

„Ihren Vater hat die Nachricht sehr schwer getroffen. Er hat einen Herzinfarkt erlitten und schwebt in Lebensgefahr. Die Ärzte tun, was sie können.“

Nik war fassungslos. Minutenlang stand er einfach nur da. Dann leerte er das Glas in einem Zug. Der Whisky brannte in seiner Kehle. Das brachte Nik wieder zur Besinnung. Den König brachte so leicht nichts aus der Fassung. Ich verstehe das alles nicht, dachte Nik. Er war seinem Vater nie so nahe gewesen wie Athamos, der Erstgeborene und Thronfolger. Aber er hatte ihn geliebt.

„Ist der Jet abflugbereit?“ Nik straffte sich.

„Ja. Carlos wartet bereits unten, um Sie zum Flughafen zu bringen. Wollen Sie noch einige Sachen einpacken, Sir? Ich bleibe hier und halte die Stellung, falls weitere Nachrichten eintreffen. Ich werde auch alle Ihre Termine absagen. Wir sehen uns dann später in Akathinia.“

Nik war einverstanden, und Abram machte sich an die Arbeit. Ein letztes Mal ließ Nik den Blick über Manhattans Skyline gleiten und dachte dabei an das Telefongespräch, das er am Vorabend mit seinem geliebten Bruder geführt hatte. Athamos’ Stimme hatte sehr lebendig und angriffslustig geklungen. Und jetzt sollte er tot sein? Das konnte nicht sein!

Doch er musste die traurige Wahrheit wohl akzeptieren. Das bedeutete, er würde seinem Vater auf den Thron folgen. Auf diese Rolle war er überhaupt nicht vorbereitet. Athamos war zum Thronfolger ausgebildet worden, und Nik hatte nie Ambitionen gehabt, ihm die Rolle streitig zu machen, denn seine Aufgabe war es, von New York aus dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft des kleinen Königreichs im Mittelmeer boomte. In Akathinia erinnerte ihn alles an die schmerzvolle Vergangenheit. Nun musste er sich der Vergangenheit stellen. Das Schicksal wollte es so.

Etwa zwölf Stunden später saß Nik übernächtigt und tief besorgt am Krankenhausbett seines Vaters. Behutsam umfasste er dessen Hand. Blass, die Wangen eingefallen, lag der Mann reglos da.

„Patheras“, sagte Nik leise.

Der König schlug die blauen Augen auf und schaute seinen Sohn an. „Nikandros.“

Nik drückte ihm leicht die Hand. Sein Vater öffnete erneut den Mund, schloss ihn dann wieder, ohne ein Wort zu sagen. Stattdessen rollte ihm eine Träne über die Wange.

In diesem Moment waren für Nik alle Meinungsverschiedenheiten, die er je mit seinem Vater gehabt hatte, unwichtig. Er beugte sich vor und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die eingefallene Wange. „Ja, Vater, ich weiß.“

König Gregorios schloss die Augen. Wenig später schlug er sie wieder auf und sah seinen Sohn entschlossen an. „Idas wird niemals bekommen, worauf er so scharf ist.“

Der neue Thronfolger nickte zustimmend. „Er wird sich Akathinia nicht einverleiben. Und wenn er schuld ist an Athamos’ Tod, dann wird er dafür bezahlen!“

„Das war kein Unfall“, stieß der König hervor. „Idas und sein Sohn wollen uns provozieren. Wir sollen Krieg gegen sie führen, den wir natürlich verlieren werden, wenn es nach ihnen geht. Und dann gehört Akathinia ihnen. Damit lenken sie von ihren eigenen Unzulänglichkeiten ab.“

Auch Nik war klar, warum der Herrscher von Carnelia die Nachbarinsel brauchte: Weil die Wirtschaft dort boomte, wohingegen sie in Carnelia brachlag.

„Die Rivalität zwischen Athamos und Kostas dauert schon seit Jahren an. Wir brauchen jetzt Fakten, Vater.“

Abfällig verzog der König das Gesicht. „Kostas ist der Laufbursche seines Vaters.“

Besorgt fuhr sich Nik durchs Haar. „Die Truppenstärke von Carnelia ist doppelt so groß wie unsere. Bei uns boomt die Wirtschaft, aber militärisch gesehen können wir nicht mit Carnelia mithalten“, gab Nik zu bedenken.

Der König nickte. „Wir haben eine Wirtschaftsallianz mit der Familie Agiero gegründet, um diese Tatsache zu ändern. Athamos und die Gräfin von Agiero hätten demnächst geheiratet, um die Allianz unserer Familien zu demonstrieren. Die Ankündigung der Hochzeit stand unmittelbar bevor.“ Der König hielt Niks Blick fest. „Ich mache es nicht mehr lange. Du wirst die Gräfin heiraten, sowie du zum König gekrönt bist. Du musst dich deiner Verantwortung stellen.“

Nik senkte den Blick. Mit wenigen Sätzen hatte sein Vater wieder zum Ausdruck gebracht, dass er nichts von ihm hielt. Sein Liebling war immer Athamos gewesen. Zählt es denn gar nicht, dass ich für den Reichtum auf unserer Insel gesorgt habe? fragte Nik sich verbittert. Ihm war es zu verdanken, dass es keine Arbeitslosigkeit gab, dass das Königreich Anziehungspunkt der Reichen und Schönen war, dass die Wirtschaft boomte. Er hatte den Inselstaat vorangebracht, während sein Vater und sein Bruder an verstaubten Traditionen festhielten.

Nur zu gerne hätte Nik seinen Frieden mit dem König gemacht, doch wie sollte das gehen, wenn sein Vater bis zum letzten Atemzug gegen ihn war?

Die Maschine, an der sein Vater angeschlossen war, begann zu piepen.

„Du musst dich jetzt ausruhen, Vater“, sagte Nik, zog die Hand zurück und stand auf. Es verbot sich von selbst, mit dem todkranken Mann zu streiten.

Erschöpft schloss der König die Augen.

3. KAPITEL

Seit der Trennung von Nik hatte Sofia sich in die Arbeit gestürzt und sogar einige Bewerbungsgespräche geführt, in der Hoffnung, eine Vertretung für sich in der Boutique zu finden. Nik hatte recht, je eher sie ihren Traum verwirklichte, selbst Mode zu entwerfen, desto besser. Sonst wurde es nie was.

Nik zu vergessen fiel ihr schwer. Nicht zuletzt, weil ihre Affäre doch noch aufgeflogen war. Paparazzi hatten sie beim Verlassen des Metropolitan Museum erwischt. Dabei hatten Nik und sie die Veranstaltung wohlweislich nicht gemeinsam verlassen. Doch die Presse hatte sich ihren Reim darauf gemacht. Fortan wurde über ihr Verhältnis spekuliert. Erst recht, nachdem Niks bevorstehende Verlobung mit der Gräfin von Agiero bekannt geworden war. Die ‚heißblütige Latina‘ – Sofia – wurde mit der unterkühlten Aristokratin verglichen. Ich kann es nicht mehr ertragen, dachte Sofia wütend, zerknüllte die Zeitung, die sie gerade am Kiosk erstanden hatte, und schob sich ein Stück Schokolade in den Mund. Schokolade war in der letzten Zeit zum echten Seelentröster geworden. Nachdenklich machte Sofia sich auf den Rückweg zur Boutique.

Es verletzte sie, dass Nik sich nur Wochen nach der Trennung von ihr mit einer anderen Frau verlobte. Noch dazu mit einer bildhübschen Aristokratin aus äußerst wohlhabender Familie. In der Presse wurde spekuliert, es handele sich um eine politisch begründete Allianz. Doch das tröstete Sofia auch nicht.

Schnell schob sie sich noch ein Stück Schokolade in den Mund und genoss es, wie der zarte Schmelz auf der Zunge zerging.

Der arme Nik. Er hatte es auch nicht leicht. Ein Schicksalsschlag nach dem nächsten hatte ihn ereilt. Am liebsten hätte Sofia in New York alles stehen und liegen gelassen und wäre an seine Seite geeilt. Das ging natürlich nicht, denn er hatte sich ja bereits einer anderen Frau zugewandt.

Trotzdem fühlte Sofia mit ihm, schließlich hatte er seinen Bruder verloren. Wie versteinert war seine Miene bei der Inthronisierung gewesen, die nur einen Monat nach Athamos’ tödlichem Unfall stattgefunden hatte. Nik hatte seine wahren Gefühle ja schon immer verborgen. Doch Sofia ahnte, wie es in ihm aussehen musste.

Missbilligend blickte Katharine auf die Schokoladentafel in Sofias Hand. „Eine Tafel pro Tag“, kommentierte sie, als ihre Freundin in die Boutique zurückkehrte. „Willst du dir von dem Mann auch noch deine Figur ruinieren lassen?“

Sofia warf ihrer Geschäftspartnerin und besten Freundin einen wütenden Blick zu. „Mit ihm hat das gar nichts zu tun“, behauptete sie. „Ich hatte einfach Hunger.“

Wortlos schob Katharine das Kleid, das sie gerade in der Hand hielt, auf einen Kleiderbügel. Dann sah sie auf. „Ich glaube, du leidest an Depressionen. Dir ist alles egal.“

„Nein, ich bin nur hungrig“, entgegnete Sofia und legte die Tafel auf den Tresen. Dann griff sie nach der Wasserflasche, die sie hinter der Kasse aufbewahrte. „Wenn ich nichts esse, wird mir übel. Wahrscheinlich war ich zu lange im Fitnessstudio.“

Jeden Abend trainierte sie dort. Irgendwie musste sie sich ja die Zeit ohne Nik vertreiben. Deshalb hatte ihre Figur auch noch nicht unter dem erhöhten Schokoladenkonsum gelitten.

Katharine merkte auf. „Weißt du, was ich glaube, Sofia?“

Sofia wurde bleich. „Das ist unmöglich. Wir waren immer übervorsichtig.“

„Aber dein plötzlicher Heißhunger auf Schokolade ist schon seltsam, Sofia.“

Eine Kundin verließ eine Umkleidekabine im hinteren Bereich der eleganten Boutique. Katharine eilte sofort zu der Kundin, um sie zu beraten, während Sofia nachdenklich die Wasserflasche abstellte. Schwanger? dachte Sofia. Nein, das konnte nicht sein. Sie nahm doch die Pille. Panisch zückte sie ihr Smartphone und warf einen Blick auf den Kalender. Sie war mehr als überfällig! Und sie hatte es nicht einmal bemerkt!

„Bin gleich wieder da!“, rief sie Katharine zu und eilte zur nächsten Apotheke. Mit zwei verschiedenen Schwangerschaftstests kehrte sie zurück und suchte direkt den Waschraum auf. Innerhalb weniger Minuten hatte sie Gewissheit: Sie war schwanger! Wie erstarrt blickte Sofia auf die positiven Testanzeigen.

„Sofia? Alles in Ordnung?“ Besorgt hämmerte Katharine an die versperrte Tür.

„Ja.“

„Dann schließ die Tür auf, Sofia!“

Sofia gehorchte und hielt die Teströhren hoch.

„Oh.“ Nach einer Schrecksekunde entwickelte Katharine einen Plan. „Hör zu: Du bleibst jetzt ganz ruhig und holst dir einen Termin bei deiner Frauenärztin.“

Sofia nickte wortlos.

Natürlich bestätigte die Frauenärztin am nächsten Tag das Ergebnis.

Nik saß über ein umfangreiches Dokument gebeugt, in dem es um die sofortige Aufstockung der Streitkräfte ging. Schließlich richtete er sich auf. Okay, er sah ein, dass die Maßnahme notwendig war, konnte aber nicht nachvollziehen, wieso seine Regierung fünfzig Seiten zur Begründung brauchte. Bereits auf Seite fünf war ihm alles klar gewesen.

Ungehalten ließ er den Blick zu den Tageszeitungen gleiten, die sich ebenfalls auf seinem Schreibtisch stapelten. Ein Foto von Sofia hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Ein Paparazzi hatte sie beim Verlassen ihrer Wohnung ‚abgeschossen‘. Über dem Foto prangte die Schlagzeile: ‚Gräfin spannt ihr den Mann aus. Die schöne Sofia leckt ihre Wunden‘.

So ein Unsinn! Nik ärgerte sich. Wenn die wüssten … Gegen die heißblütige Sofia hätte die unterkühlte Gräfin, mit der er sich demnächst verloben musste, keine Chance gehabt.

Derartige Schlagzeilen würden die Familie Agiero nicht gerade erfreuen. Unwillig verzog Nik das Gesicht. Inzwischen war er einige Male mit Vittoria ausgegangen. Die Frau war ein Eisblock. Wie er irgendwann die Ehe mit ihr vollziehen sollte, war Nik ein Rätsel. Doch er hatte keine Wahl. Die Bekanntgabe der Verlobung stand unmittelbar bevor.

Ich habe überhaupt keine Wahl mehr, dachte Nik niedergeschlagen. Er hatte seinen Bruder verloren, seine Freiheit, alles.

Immerhin erholte sein Vater sich langsam. Und aus Carnelia war eine halbherzige Entschuldigung eingetroffen. Davon wird Athamos auch nicht wieder lebendig, stellte Nik verbittert fest.

Er atmete tief durch. Jetzt war es an ihm zu beweisen, dass ein Staatsmann in ihm steckte. Alle Welt sollte sehen, wer der geeignetere König von Akathinia war. Entschlossen widmete er sich wieder der Lektüre des umfangreichen Dokuments. Er sah erst wieder auf, als Abram leise das Büro betrat.

„Bitte entschuldigen Sie die Störung, Sir.“

Fragend zog Nik eine Augenbraue hoch.

„Wie besprochen habe ich die Berichterstattung über Ms. Ramirez verfolgt.“

Niks Aufmerksamkeit war geweckt. „Geht es ihr gut?“, erkundigte er sich besorgt.

„Ja.“ Abram senkte kurz den Blick, sah dann seinem König und besten Freund in die Augen. „Ms. Ramirez ist schwanger.“

„Schwanger?“

„Ja. Der von uns engagierte Privatdetektiv hat gerade einen entsprechenden Bericht geschickt“, erklärte Abram.

Nik stand unter Schock. Sie waren immer übervorsichtig gewesen. Schwanger? Das war doch völlig unmöglich.

Diskret zog Abram sich wieder zurück, denn er wusste, dass Nik jetzt allein sein wollte, um über die Situation nachzudenken.

Ich werde Vater, dachte Nik. Sofia trägt den Thronfolger von Akathinia unter ihrem Herzen. Ein Desaster!

Vielleicht ist das Kind gar nicht von mir, überlegte er dann. Deshalb hat Sofia mich auch nicht verständigt. Nein, unmöglich! Er verwarf diesen Gedanken sofort. Aber warum informiert sie mich nicht? rätselte er.

Plötzlich musste er an die letzte gemeinsame Nacht denken und stöhnte ungehalten. Hatte Sofia es tatsächlich darauf angelegt, ein Kind von ihm zu empfangen? Immerhin hatte sie ihn gebeten, auf ein Kondom zu verzichten.

In Niks Schläfen hämmerte es. Sollte er sich so in Sofia getäuscht haben? Von Anfang an hatte sie auf ihrer Unabhängigkeit bestanden. Eine langfristige Bindung kam für sie nicht infrage. Nur leere Worte? War er mal wieder einer Frau auf den Leim gegangen, die sich einen Prinzen angeln wollte? Die sich von ihm schwängern ließ, weil sie wusste, dass die Beziehung am Ende war?

Ratlos schlenderte Nik zum Fenster und schaute hinaus. Im Palastgarten unternahm sein Vater gerade einen seiner seltenen Spaziergänge. Kurzentschlossen machte Nik sich auf den Weg. Ohne Vorwarnung berichtete er seinem Vater, was er gerade von Abram erfahren hatte.

Natürlich wurde der alte Mann sofort wütend. „Schwanger? Mein Gott, Nikandros! Wie konntest du nur?“

„Es war nicht geplant, Vater.“

„Von dir vielleicht nicht. Aber kannst du das auch von ihr sagen?“ Ungehalten schüttelte der alte König den Kopf. „Hast du denn gar nichts dazugelernt?“

Nik sah rot. „Sofia ist nicht Charlotte, Vater.“

„Deine erste amerikanische Freundin hast du zuerst auch in Schutz genommen“, wütete der König. „Bis sie mit ihrer Enthüllungsstory den guten Ruf unserer Familie beschädigt hat.“

Bei jeder Gelegenheit streicht er mir das wieder aufs Butterbrot, dachte Nik frustriert. Dabei hatte sein Vater selbst unzählige Affären gehabt. Auch er war alles andere als ein Heiliger.

„Was geschehen ist, ist geschehen“, bemerkte Gregorios philosophisch. „Wir müssen das Beste daraus machen.“

„Was schlägst du vor, Vater?“

„Die Allianz mit Agiero ist wichtig.“

„Es geht um den Thronfolger von Akathinia. Was willst du mir sagen?“, fragte Nik in scharfem Tonfall.

„Es wird andere Thronfolger geben.“

Nik ballte die Hände zu Fäusten. „Was erlaubst du dir, Vater?“ Wütend funkelte er den König an.

„Jetzt sei doch mal vernünftig, Nikandros! Frauen habe dir schon immer das Leben schwer gemacht. Du weißt schon, was du zu tun hast.“

„Allerdings, Vater. Ich werde Freitag nach New York fliegen.“

Gregorios fuhr fast aus der Haut. „Du kannst doch jetzt nicht das Land verlassen!“

„Wieso nicht? Idas wird wohl kaum über Nacht seine Truppen in Marsch setzen. Ich werde innerhalb von vierundzwanzig Stunden zurück sein.“

„Aber wenn herauskommt, dass du ausgerechnet jetzt Akathinia verlässt …“

„Es wird nicht herauskommen.“

„Das Risiko ist zu hoch. Schick Abram!“ Der alte König blieb hart.

„Nein! Ich trage hier die Verantwortung, und ich werde nach New York fliegen, um diese delikate Angelegenheit mit Sofia zu besprechen. Wir werden innerhalb von vierundzwanzig Stunden hier sein. Ende der Diskussion, Vater!“

„Das ist doch verrückt, Nikandros.“

„Athamos war verrückt, sich auf ein lebensgefährliches Rennen mit Kostas einzulassen, Vater“, widersprach Nik barsch. „Ich bin pragmatisch, Vater. Sofia ist schwanger mit meinem Sohn, dem Thronfolger. Ich werde sie heiraten.“

Sofia drehte das Schild der Boutiquetür auf ‚Geschlossen‘, streifte die High Heels ab und stellte sie hinter den Verkaufstresen. Dann füllte sie die Geldbombe mit den Tageseinnahmen.

Die Arbeit lenkte sie ab. Noch immer wusste Nik nicht, dass er Vater wurde. Seit Tagen überlegte Sofia, wie sie ihm die Nachricht übermitteln sollte. Die musste ja wie eine Bombe einschlagen. Immerhin ging es um einen Thronfolger.

Inzwischen wusste Sofia auch, wieso sie schwanger geworden war. Die Tabletten, die sie gegen ihre gelegentlichen Migräneanfälle einnahm, reduzierten die Wirkung der Antibabypille, hatte die Frauenärztin erklärt.

Das war Sofia nicht bewusst gewesen. Doch da das Baby nun einmal unterwegs war, wollte sie es auch behalten. Sie liebte das kleine Wesen schon jetzt. Auch wenn es ihr Leben auf den Kopf stellte. Ausgerechnet jetzt konnte sie das eigentlich nicht gebrauchen. Sie war ihrem Ziel so nah, als Modeschöpferin zu arbeiten. In der vergangenen Woche hatte sie eine Verkäuferin eingestellt, um selbst mehr Zeit fürs Designen zu haben.

Bei der Vorstellung, das Kind ganz allein großzuziehen, stellte sich mal wieder Panik ein. Sofia erinnerte sich nur zu genau, wie es sich anfühlte, bei einer alleinerziehenden Mutter aufzuwachsen. Doch was blieb ihr anderes übrig? Nik war ja so gut wie verlobt – mit einer anderen Frau.

Ich schaff das schon, dachte Sofia und versuchte tapfer, ihre Panikattacke zu bekämpfen. Die Tür ging auf. Nanu, da hatte wohl jemand das Schild nicht gesehen. Katharine eilte zur Tür, um der Kundin zu erklären, dass die Boutique geschlossen war.

Sofia zählte die Einnahmen noch mal nach und sah auf, als Katharine ein merkwürdiges Geräusch machte.

Der ungebetene Kunde war … Nik!

„Ihr solltet die Tür abschließen, wenn die Boutique geschlossen ist. Immerhin befinden wir uns hier in New York.“

Vor Schreck ließ Sofia die Geldbombe fallen. Ohne den Blick von Nik zu wenden, hob Sofia sie wieder auf.

Er kam näher, bückte sich nach zwei Zwanzig-Dollarscheinen und reichte sie Sofia. Dabei schaute er ihr tief in die Augen.

Als Sofia sich von ihrem ersten Schock erholt hatte, fand sie auch die Sprache wieder. „Was machst du denn hier, Nik?“

„Ich muss mit dir reden, Sofia.“

Wusste er etwa schon Bescheid? Nein, wie denn? Sie hatte doch selbst gerade erst erfahren, dass sie sein Kind erwartete. Aber was tat er hier? Wurde er nicht im Königreich gebraucht? Sie hatte gelesen, dass der aggressive Herrscher der Nachbarinsel sich Akathinia einverleiben wollte. Und warum schaute Nik sie so zornig an?

Katharine räusperte sich. „Bitte entschuldigt mich jetzt. Ich bin mit meiner Schwester verabredet. Bis morgen.“

Sofia wäre es lieber gewesen, nicht mit Nik allein zu sein. Andererseits musste sie ihm natürlich reinen Wein einschenken. Also rang sie sich ein Lächeln ab. „Okay, Katharine. Viel Spaß. Bis morgen.“ Sofia legte die Geldbombe zur Seite und konzentrierte sich.

„Es tut mir so unendlich leid, dass du deinen Bruder verloren hast, Nik“, sagte sie mitfühlend.

„Danke. Ich schlage vor, du machst die Kasse fertig, bringst die Geldbombe zur Bank, und dann reden wir.“

Sofia nickte. „Gut, aber wir können uns auch hier unterhalten.“

„Nein, Sofia. Wir reden zu Hause.“ Entschlossen hielt er ihr die Tasche hin.

Sofia war zu erschöpft, sich mit ihm zu streiten. Also machte sie alles so, wie er vorgeschlagen hatte. Schließlich saßen sie im Bentley, den Carlos durch die New Yorker Rushhour steuerte.

Während der Fahrt überlegte Sofia hin und her, wie sie Nik die Nachricht beibringen sollte. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass dies nicht die Route zu Niks Penthouse war. „Wollten wir nicht zu dir nach Hause fahren?“ Fragend sah sie Nik an.

„Ja, wir sind auf dem Weg nach Akathinia.“

Sofia richtete sich kerzengerade auf und musterte Nik verblüfft. „Wie bitte?“

„Ich dürfte gar nicht hier sein. Meine Berater haben strikt davon abgeraten, das Land zu verlassen, solange Idas plant, unseren Inselstaat zu annektieren“, erklärte Nik. „Deshalb reden wir in Akathinia, Sofia.“

„Das ist völlig unmöglich! Ich kann doch nicht einfach mal eben mit dir nach Europa fliegen. Was soll denn aus meiner Boutique werden? Nein, wir fahren zu mir nach Hause und reden dort.“

„Du hast mich nicht über deine Schwangerschaft informiert, Sofia. Dadurch hast du ein Mitspracherecht verwirkt“, entgegnete er wütend.

Nik wusste Bescheid! Damit hatte sie nicht gerechnet. Sofia lehnte sich zurück und versuchte, gelassen zu bleiben. „Ich wollte es dir noch diese Woche mitteilen.“

„Ach ja?“, brüllte Nik, der seine sprichwörtliche Selbstbeherrschung zum ersten Mal seit langer Zeit verloren hatte. „Ist dir eigentlich klar, was deine Schwangerschaft bedeutet?“

„Sicher. Deshalb habe ich ja so lange gezögert, es dir zu sagen. Ich wusste, dass du sofort hier auftauchen und alle Entscheidungen treffen würdest. Ich musste mir aber erst mal selbst darüber klar werden, was ich will.“

Er musterte sie scharf. „Was du willst?“

„Ja. Damit du mich nicht falsch verstehst: Ich will das Baby. Aber ich weiß noch nicht, wie ich es allein großziehen soll.“

„Das hätten wir schon vor Tagen besprechen sollen, Sofia.“

Oje, dachte Sofia. Es war also falsch gewesen, Nik nicht sofort zu informieren. „Warum können wir das nicht alles telefonisch besprechen?“

Nik umfasste ihr Kinn und sah sie wütend an. „Die Frage kannst du dir ja wohl selbst beantworten“, herrschte er sie an. „Noch etwas: Nach dem Gesetz von Akathinia wird dieses Kind mir auf den Thron folgen, egal ob es ehelich oder unehelich geboren wird. Das heißt aber auch, dass ich die Gräfin nicht heiraten kann. Damit ist die Allianz zwischen unseren beiden Familien hinfällig. Diese Allianz war nötig, um einen möglichen Krieg gegen Carnelia zu finanzieren. Das ist ein Riesenproblem, Sofia. Irgendwie müssen wir es schnellstens lösen.“

So kompliziert hatte Sofia sich die Situation nicht vorgestellt. Nik offensichtlich auch nicht. Der Ärmste sah völlig gestresst aus. Tiefe Linien zogen sich über sein markantes Gesicht. Die Schwangerschaft war fraglos ein einziges Desaster für ihn. Und das ist alles meine Schuld, dachte Sofia bekümmert.

„Du musst mit mir nach Akathinia kommen“, sagte er schließlich ausdruckslos. „Bevor jemand meine Abwesenheit bemerkt. Das könnte nämlich eine internationale Sicherheitskrise auslösen. Wir reden später in Ruhe. Uns wird schon eine Lösung einfallen, Sofia.“

„Okay, aber ich muss Katharine fragen, ob sie die Boutique vorübergehend allein leiten kann.“

„Dann ruf sie an.“

Wortlos zückte Sofia das Handy und wählte Katharines Nummer. Zu ihrer Erleichterung war ihre Assistentin bereit, die Modeboutique einige Tage allein zu führen.

„Sie ist einverstanden“, erklärte Sofia. „Ich komme mit, wir reden, und dann fliege ich wieder zurück.“

„Danke, Sofia.“ Nik rang sich ein müdes Lächeln ab.

An Bord des Privatjets wurde Sofia bewusst, dass sie Nik, dem König von Akathinia, nun völlig ausgeliefert war. Aber was sollte sie machen? Sie wollte Nik nicht noch mehr Stress bereiten.

Schließlich sprach sie aber doch das Thema an, das ihr auf der Seele brannte: „Wie sollen wir das alles organisieren, Nik? Du lebst auf deiner Mittelmeerinsel, ich in New York. Ich muss mich um das Baby und um die Boutique kümmern.“

„Als zukünftige Königin von Akathinia musst du nicht arbeiten, Sofia.“

Königin? Sie musterte ihn verblüfft. Dann wollte er sie heiraten? „Das ist nicht dein Ernst, oder, Nik?“

„Oh doch, Sofia. Es sei denn, das Kind wäre nicht von mir. Was ich stark bezweifele.“

Wütend funkelte sie ihn an. „Natürlich ist es dein Kind!“

„In welchem Monat bist du?“, fragte er zur Sicherheit nach.

„In der achten Woche.“

„Ein DNA-Test wird meine Vaterschaft dann ja bestätigen.“ Fragend zog er eine Braue hoch. „Seltsam, dass du schwanger geworden bist. Wir waren doch immer übervorsichtig. Nur nicht an unserem letzten Abend, als du mich gebeten hast, keinen Schutz zu tragen.“

„Willst du mir etwa unterstellen, ich hätte es darauf angelegt, schwanger zu werden?“

„Liegt doch nahe, oder?“

Entrüstet hob Sofia die Hand zur Ohrfeige. Geistesgegenwärtig wehrte Nik den Schlag ab und zog die wütende Sofia auf seinen Schoß.

„Du Schuft!“, zischte sie zornig. „Wie kannst du ausgerechnet mir so etwas Infames unterstellen? Ich war doch einverstanden mit unserer Abmachung. Außerdem habe ich die Beziehung beendet, nicht du.“

„Das kann auch Berechnung gewesen sein, Sofia. Du machst Schluss, und wenig später stellst du fest, dass du schwanger bist. Was soll ich denn davon halten?“

„Du bist wohl völlig verrückt geworden!“ Am liebsten hätte sie ihm die Augen ausgekratzt. „Sonst müsstest du wissen, dass ich nicht der Typ bin, der jemandem ein Kind unterschiebt.“

„Ich dachte, dich zu kennen. Aber dein Verhalten am letzten Abend war schon verdächtig. Ich habe gespürt, dass ich dir mehr bedeute, als gut ist. Vielleicht hast du es unbewusst darauf angelegt, schwanger zu werden.“

„So ein Unsinn! Dann hätte ich unsere Beziehung wohl kaum beendet.“

„Du wusstest, dass ich es sonst getan hätte.“

Er ist wirklich verrückt geworden, dachte sie und versuchte, sich aus seinem stahlharten Griff zu befreien. „Ich denke gar nicht daran, dich zu heiraten.“

„Dir wird nichts anderes übrig bleiben“, entgegnete Nik müde.

„Mein Leben spielt sich aber in New York ab. Und so soll es auch bleiben. Ich werde dich nicht heiraten, Nik.“

„Das wirst du aber müssen, Sofia“, erklärte er gereizt. „Was wir beide wollen, ist unerheblich. Die Staatsräson verlangt unsere Heirat.“

Schockiert musterte sie ihn.

Nik lächelte ironisch. „Ein Gutes hat es natürlich: Wir können so oft miteinander schlafen, wie wir wollen, und ganz nebenbei weitere Nachkommen produzieren.“

Bei der Vorstellung durchströmte Sofia heißes Verlangen. Wie oft hatten sie sich auf dem Rücksitz des Bentleys in dieser Position geliebt?

Energisch riss Sofia sich jedoch los. „Du musst den Verstand verloren haben, Nik.“

„Habe ich nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das nach den Ereignissen der vergangenen Wochen selbst überrascht.“ Nik lächelte sarkastisch.

4. KAPITEL

Noch immer außer sich vor Wut auf Nik und seine ungeheuerliche Unterstellung, sie hätte es darauf angelegt, von ihm schwanger zu werden, stand Sofia am Fenster der umfangreichen Palastbibliothek und sah hinaus auf die unzähligen Luxusjachten, die im Hafen von Akathinia vertäut waren.

Nik versuchte gerade, der Familie Agiero möglichst diplomatisch zu erklären, warum es nicht zu der vereinbarten Allianz und Heirat kommen konnte. Dieses Gespräch fand statt, nachdem ein Bluttest eindeutig bestätigt hatte, dass Nik Vater wurde. Sofort nach seiner Rückkehr wollte Sofia ein ernstes Wort mit ihm reden. Sie konnte einfach nicht hinnehmen, dass sie ihr erfolgreiches Leben in New York aufgeben sollte, um hier auf der Mittelmeerinsel Königin zu werden. Bevor Niks Mutter und seine Schwester von einer Wohltätigkeitsveranstaltung aus Athen zurückkehrten, wollte sie im Flieger nach Hause sitzen. Warum sollte sie Niks Familie kennenlernen, wenn es sowieso nicht zur Hochzeit kam?

Das Gespräch mit den Agieros verlief noch unangenehmer, als Nik befürchtet hatte. Natürlich hatte er damit gerechnet, dass die Familie enttäuscht sein würde, schließlich kam die Verbindung zu dem Königshaus nun nicht zustande. Aber Maurizios plötzliche Feindseligkeit, weil Nik statt Gräfin Vittoria lieber eine Amerikanerin heiraten wollte, schockierte ihn. Offensichtlich hatte der Mann sich Hoffnungen gemacht, politischen Einfluss in den höchsten Kreisen nehmen zu können. Vittoria hingegen hatte die Absage der geplanten Verlobung mit Nik eher gelassen aufgenommen.

Nik parkte den Wagen direkt vor dem Portal des auf den Hügeln von Akathinia erbauten Palasts seiner Familie. Der Ausblick auf das Ionische Meer war spektakulär.

Einer der Hausangestellten nahm den Autoschlüssel entgegen, und Nik eilte die Stufen hinauf. Nun gab es nur noch einen Partner, der vielleicht bereit wäre, einen möglichen Krieg gegen Carnelia zu finanzieren: Aristos Nicolades, Niks Erzfeind.

Sein Vater würde dieser Allianz garantiert nicht zustimmen, weil er genau wusste, was der Immobilienhai Aristos als Gegenleistung fordern würde – die Lizenz, ein Casino in Akathinia zu betreiben. Nik atmete tief durch. Leider gab es keine Alternative. Akathinia musste sich gegen die Annektierung wehren, und dafür brauchte die Regierung Geld. Das Gespräch mit dem alten König würde nicht leicht werden, das ahnte Nik.

Er war fast erleichtert, als er erfuhr, dass sein Vater bereits zu Bett gegangen war. Gut, dann rede ich jetzt mit Sofia, dachte Nik und machte sich auf den Weg zu seinem Privatflügel.

Sofia erwartete ihn bereits im Salon. Sowie Nik den elegant eingerichteten Raum betrat, wirbelte sie wütend herum. „Was fällt dir eigentlich ein, mich den ganzen Tag warten zu lassen, Nik? Wir wollten doch reden.“

Wortlos zog Nik sein Jackett aus und warf es über eine Sessellehne, dann sah er auf. „Tut mir leid, das Gespräch mit den Agieros hat länger als erwartet gedauert.“

„Mein Entschluss steht fest: Ich werde dich nicht heiraten. Was ich fühle, was ich möchte, ist dir nämlich völlig gleichgültig.“

Nik lockerte die Krawatte. „Ist es nicht. Ich weiß genau, was du sagen willst.“

„Gut, dann verstehst du ja, dass wir über einige Punkte verhandeln müssen.“

„Verhandeln ist wohl kaum die richtige Bezeichnung.“ Er warf die Krawatte aufs Jackett. „Wir müssen das Beste aus unserer Lage machen.“

„Aus deiner Lage, meinst du wohl.“

Nik knöpfte das Hemd auf. „Aus unserer, Sofia. Du trägst den Thronfolger unter deinem Herzen. Du befindest dich auf dem Territorium von Akathinia.“

„Du hast mich praktisch entführt, Nik.“ Wütend funkelte sie ihn an. „Du darfst mich nicht gegen meinen Willen hier festhalten.“

„Doch, als König darf ich das“, widersprach er und ließ das Hemd zu Boden gleiten. „Von Entführung kann keine Rede sein. Du bist freiwillig ins Flugzeug gestiegen.“

„Weil ich Mitleid mit dir hatte.“ Sofia bemerkte, dass Nik Anstalten machte, auch die Hose auszuziehen. „Was hast du vor, Nik?“, fragte sie misstrauisch.

„Ich gehe jetzt duschen. Anschließend essen wir zu Abend.“ Im nächsten Moment stand Nik splitterfasernackt vor ihr. Unwillkürlich ließ Sofia den Blick zum prachtvollen Objekt ihrer bisherigen Begierde gleiten.

Nik lächelte wissend. „Kommst du mit unter die Dusche?“

Ertappt zuckte sie zusammen. „Nein, vielen Dank!“

„Auch gut. Dann bis gleich. Machst du mir bitte einen Drink? Ich bin müde und schlecht gelaunt.“

Sofias wütender Blick folgte ihm. Der hat Nerven, dachte sie und beschloss, ihre Bedingungen zu stellen und dann den nächsten Flieger nach New York zu nehmen.

In Jeans und weißem Hemd setzte Nik sich einige Minuten später zu Sofia auf die Terrasse. Bei dem sexy Anblick empfand Sofia unweigerlich heißes Verlangen. Nik sah einfach unwiderstehlich aus.

Wortlos trank Nik einen Schluck aus dem Glas, das Sofia für ihn eingeschenkt hatte.

„Können wir jetzt reden, Nik?“, fragte sie schließlich ungehalten. „Ich werde dich nicht heiraten. Es muss einen anderen Weg aus diesem Dilemma geben. Das Baby kann doch bei mir in New York leben. Du kannst es jederzeit besuchen, wir kommen regelmäßig nach Akathinia. Wenn das Kind alt genug ist, kann es selbst entscheiden, ob es in New York oder hier leben will.“

„Der Thronfolger von Akathinia wird ganz sicher nicht in Manhattan aufwachsen“, erklärte Nik sie energisch. „Das Kind ist ein Symbol für den Fortbestand der Monarchie. Die Einwohner von Akathinia brauchen diese Gewissheit – besonders in der gegenwärtigen Situation. Unser Kind wird also hier aufwachsen. Es ist außerordentlich wichtig, von Anfang an mit den Sitten und Gebräuchen unseres Königreichs vertraut zu werden.“

„Aber ich will nicht hier leben, Nik, sondern in New York.“

Autor