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Liebesreise auf die kanarischen Inseln: Komm mit mir nach Teneriffa

Erschrocken muss Shaine O`Sullivan erfahren, dass ihre Jugendliebe Jake Reilly in ihr kleines Heimatdorf auf Neufundland zurückgekehrt ist. Sie wollte ihn nie wiedersehen, hatte er sie doch damals scheinbar grundlos verlassen. Doch Jake hat sich in den Kopf gesetzt, ihr Vertrauen zurückzugewinnen und überredet sie schließlich, ihn auf einer Reise nach Teneriffa zu begleiten. Werden sie hier einen neuen Anfang finden?


  • Erscheinungstag: 01.04.2016
  • Seitenanzahl: 130
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955766184
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Sandra Fíeld

Komm mít mír nach Teneríffa

Roman

Image

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright dieses eBooks © 2012 by MIRA Taschenbuch
in der HarperCollins Germany GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Surrender to Marriage

Copyright © 2004 by Sandra Field

erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln

Titelabbildung: Getty Images, München

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN eBook 978-3-95576-618-4

www.mira-taschenbuch.de

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eBook-Herstellung und Auslieferung:
readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

1. KAPITEL

Jake Reilly parkte sein Auto am Straßenrand und stieg aus, um das letzte Stück zur Kuppe von Heartbreak Hill zu Fuß zu gehen. Loses Geröll knirschte unter seinen Schritten, und der Seewind spielte mit seinem dichten dunklen Haar.

Der Ozean lag zu seinen Füßen, und Ghost Island, die kleine Insel am Eingang der Bucht, war von weißer Gischt umsäumt. Auf dieser Insel hatten Shaine und er sich geliebt – doch das war lange her.

Jake biss sich auf die Lippe und ließ den Blick vom Wasser zum Land schweifen, zu der kleinen Hafenstadt, die sich die Küste entlangzog und von Kiefern und Fichten umgeben war. Dreizehn Jahre war er nicht mehr hier gewesen, dennoch wusste er genau, wem jedes dieser sauber gestrichenen, typisch neufundländischen Häuser mit ihren weißen Holzzäunen gehörte.

Dort, in dem Haus ganz nah bei den Klippen, hatte Shaine mit ihren Eltern und Devlin, Padric und Connor, ihren Brüdern, gelebt. Alle Geschwister besaßen das für die O’Sullivans typische leuchtend rote Haar, doch bei Shaine wirkte die Farbe durch einen leichten Goldton am lebendigsten. Schon immer hatte ihn ihr Haar an die tanzenden Flammen eines lodernden Feuers aus trockenem Treibholz erinnert …

Er schob die Hände noch tiefer in die Jackentaschen und suchte nach dem kleinen Haus, in dem er aufgewachsen war. Seine Mutter hatte es verkauft, nachdem sie wieder geheiratet hatte und nach Australien gezogen war.

Was wollte er eigentlich an diesem herrlichen Septembertag hier in Cranberry Cove? Warum war er nicht am Strand seiner Luxusvilla auf Long Island und surfte? Warum war er nicht in New York, ging ins Theater oder verbrachte den Abend in seiner eleganten Eigentumswohnung mit Blick auf den Central Park? Warum bummelte er nicht durch die Straßen von Paris, wo er ein Apartment in der Nähe des Louvre besaß? Oder, praktischer gedacht, warum saß er nicht in einer Besprechung mit einem seiner zahlreichen Geschäftspartner zwischen Buenos Aires und Oslo?

Shaine hatte Cranberry Cove bestimmt schon vor Jahren verlassen. Ebenso wie ihm war ihr das Leben in der kleinen, abgelegenen Hafenstadt nicht genug gewesen. Ich bin nicht Shaines wegen gekommen, beruhigte er sein Gewissen.

Er wollte sie ebenso wenig wiedersehen wie sie ihn. Schließlich hatte sie sich vor dreizehn Jahren geweigert, mit ihm die Stadt zu verlassen. Er hatte ihr eine leidenschaftliche Liebeserklärung gemacht, und dennoch war sie nicht mit ihm gegangen, sondern hatte es vorgezogen, allein zurückzubleiben.

Würde er je den Schmerz und die Enttäuschung vergessen können, die sie ihm damit zugefügt hatte?

Vielleicht bin ich deshalb hierhergekommen, überlegte Jake. Ich wollte noch einmal den Ort sehen, an dem die einzige Frau, die ich je geliebt habe, sich von mir abgewendet hat. Als wäre es gerade gestern passiert, sah er Shaine vor sich, wie sich der Rock ihres blauen Kleides im Wind bauschte und die roten Locken ihr offen über die Schultern fielen.

Ärgerlich über sich selbst machte Jake auf dem Absatz kehrt, ging zurück zum Auto und ließ den Motor an. Er wollte kurz durch die Stadt fahren, vielleicht mit einigen alten Bekannten sprechen und unbedingt so zeitig am Flugplatz sein, dass er noch heute nach Hause fliegen konnte. Es war eine verrückte Idee gewesen, nach den Spuren der Vergangenheit zu suchen, denn sie war unwiederbringlich vorbei.

Wäre es nicht klüger, sofort zum Flugplatz zurückzufahren?, fragte er sich, als er das Auto am Stadtrand einparkte. Dann würde niemand von diesem spontanen Besuch erfahren.

Feigling, schimpfte er sich jedoch dann, hast du etwa Angst vor einigen unbedeutenden, armseligen Erinnerungen? Fürchtest du dich vor der Tatsache, dass Shaine längst glücklich verheiratet und Mutter ist? Was für ein Mann bist du eigentlich?

Jake war unbegreiflich, weshalb er so aufgeregt war. Sein Herz klopfte unregelmäßig, und er hielt das Steuer unnötig fest. So hatte er sich auch damals gefühlt, als er im Auto seiner Mutter Shaine abholte, um mit ihr einzukaufen oder einen Ausflug zu unternehmen. Hatte es je eine schönere Frau gegeben als Shaine O’Sullivan mit achtzehn? Kein Mädchen mehr, aber auch noch keine Frau und von einer natürlichen Sinnlichkeit, die sein Begehren ins Unerträgliche gesteigert hatte.

Er war auch ans Ziel seiner Wünsche gekommen – ein einziges Mal.

Jake stieg aus und schlug die Tür unnötig heftig hinter sich zu. Das Auto war ein unauffälliger Mittelklassewagen, wie man ihn am Flugplatz mieten konnte, und hielt keinem Vergleich mit seinem silberfarbenen Ferrari stand, den er zu Hause fuhr. Auch mit seiner Kleidung fiel er in Cranberry Cove nicht weiter auf: Jeans, sportliches Oberhemd ohne Krawatte und eine Fliegerjacke, die er schon seit mindestens fünf Jahren trug.

Er hatte nicht damit angeben wollen, wie reich er geworden war, wie sehr sich sein jetziger Lebensstil von dem der Bürger in der kleinen Hafenstadt im äußersten Winkel von Neufundland unterschied. Dabei hatte er jedoch vergessen, dass ihn die unsichtbare Aura eines erfolgreichen und befehlsgewohnten Menschen umgab, dass ihn die hohen Wangenknochen, das energische Kinn und sein dunkelbraunes Haar zu einem Mann machten, der allein durch seine Persönlichkeit auffiel und der die Herzen der Frauen höherschlagen ließ.

Tief atmete er die klare, würzige Luft mit dem vertrauten Geruch nach Tang, Holzfeuer und frisch gebackenem Brot ein. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Jake fühlte sich wieder wie als siebzehnjähriger Junge, der nur einen Wunsch kannte: der Enge der Bucht zu entfliehen und an einer berühmten Universität zu studieren. Shaine war damals dreizehn gewesen, und er hatte sich mit ihr angefreundet, weil auch sie eine Einzelgängerin war und in Cranberry Cove als Außenseiterin galt.

Er hatte den großen Sprung nach vorn geschafft und wirklich studiert. Als er, mit dem Diplom in der Tasche, nach fünf Jahren zurück nach Hause gekommen war, hatte er sich in die mittlerweile achtzehnjährige Shaine verliebt.

Am dritten Haus an der Hauptstraße saß ein alter Mann im Schaukelstuhl auf der Veranda und rauchte eine Pfeife, die nach billigem Tabak roch.

Jake räusperte sich. “Hallo Abe, erinnerst du dich noch an mich? Ich habe sechs Häuser weiter gewohnt.”

Abe spuckte zielgenau in das Dahlienbeet. “Jake Reilly! Du hast den Puck zu dem Tor geschossen, das uns den Sieg über St. John und den Pokal gebracht hat.” Er lachte krächzend. “Die anschließende Feier werde ich nie vergessen!”

Jake lächelte. “Ich auch nicht, denn ich war damals das erste Mal richtig betrunken. Der Kater am nächsten Morgen war der schlimmste meines Lebens, trotzdem ist es die Sache wert gewesen.”

“Es war wirklich ein Traumtor, das Stadion hat getobt.” Abe nickte gedankenverloren. “Und was bringt dich plötzlich zurück zu uns?”

“Nichts Bestimmtes, ich wollte einfach meine Kindheitserinnerungen auffrischen. Was gibt es Neues in Cranberry Cove, Abe?”

Abe stopfte seine Pfeife neu und erzählte, wer geheiratet oder ein Kind bekommen hatte, wer gestorben war und was für Skandale es gegeben hatte. Dabei ging er Haus für Haus vor, und als er endlich bei dem letzten, dem Haus der O’Sullivans, angekommen war, konnte Jake die Spannung kaum noch ertragen.

“Die drei Jungen haben sich prächtig entwickelt. Devlin ist Hummerfischer, Padric Tischler, und Connor ist gerade aus der Schule gekommen und will was mit Computern machen. Du weißt, dass die Eltern nicht mehr leben? Es muss passiert sein, kurz nachdem du die Stadt verlassen hattest.”

“Shaines Eltern sind tot?” Jake war fassungslos.

“Richtig. Ihr Wagen kam am Heartbreak Hill ins Schleudern – Blitzeis. Das hat dem Mädchen das Herz gebrochen. Sie hat ihr Studium aufgegeben und ist nach Hause gekommen, um ihre Brüder großzuziehen.”

Unter seinen buschigen weißen Brauen blickte Abe Jake prüfend an. “Wusstest du das nicht?”

“Nein.”

“So, so. Wenn man sich um nichts mehr kümmert, sondern einfach geht, gibt es später immer einige Überraschungen.”

Jake musterte Abe scharf, doch dieser kratzte in aller Seelenruhe mit seinem Taschenmesser die Pfeife aus.

“Du meinst also, ich hätte früher zurückkommen sollen.”

“Das habe ich nicht gesagt, Jake. Willst du Shaine besuchen?”

Entgeistert blickte Jake den Alten an. “Shaine? Sie lebt hier?”

“Ja, und immer noch in ihrem Elternhaus. Am anderen Ende der Straße hat sie ein Geschäft eröffnet – Kunstgewerbe. Soll gut laufen, obwohl ich nicht verstehe, was die Leute an solchem Kram finden.”

Für Jake war es immer noch unbegreiflich. “Ich hätte schwören können, dass sie längst fort ist.”

“Es gibt Dinge, die eine Frau an ihr Heim binden.” Wieder sah Abe Jake bedeutungsvoll an. “Dich dagegen hat hier nichts halten können. Hast du draußen wirklich gefunden, was du hier vermisst hast?”

Jake war irritiert. “Ja, wahrscheinlich … natürlich”, fügte er hastig hinzu.

“Und reich bist du bestimmt auch geworden?” Abe stand auf, als Jake nickte. “Dann kauf dir eins ihrer Kunstwerke, es ist für einen guten Zweck, und du wirst es dir leisten können. Und jetzt muss ich rein.” Er humpelte zur Tür. “Bis später, Jake.”

Wie ein Schlafwandler ging Jake zu Shaines Geschäft. Er hatte nicht geahnt, dass sie immer noch in Cranberry Cove lebte und ihre Eltern gestorben waren – er hatte sich auch nie danach erkundigt.

Eine innere Stimme warnte ihn vor einem Treffen mit Shaine. Noch hatte er die Wahl, er konnte auf der Stelle umkehren und zurück zum Flugplatz fahren. Doch dann stand er schon vor den Auslagen ihres Geschäfts, und es war zu spät.

Fasziniert betrachtete er ein Buntglasfenster, das auf einer Staffelei stand und von hinten beleuchtet wurde. Es zeigte einen Wal, der gerade Wasser ausblies, und war aus den herrlichsten Blau- und Grüntönen komponiert, die in lebendigem Kontrast zu dem Grau des Tieres und dem Weiß der Fontäne standen.

Das Fenster konnte nur von Shaine stammen, denn sie war schon immer künstlerisch überdurchschnittlich begabt gewesen. Jake legte die Hand auf die Klinke und betrat den Laden.

Er registrierte kurz die geschmackvolle Einrichtung und die ausgesuchten Kunstobjekte, doch dann wurde sein Blick wie magisch von der Frau hinter dem Ladentisch angezogen. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und war damit beschäftigt, ein Regal aufzuräumen. Beim Klang der Türklingel blickte sie über die Schulter. “Einen Moment bitte, ich …”

Die Worte erstarben ihr auf den Lippen, ihr Gesicht verlor alle Farbe, und die Schachtel, die sie gerade in der Hand gehalten hatte, fiel zu Boden. Ihre Augen, ihre wunderbaren grünen Augen, die er nie würde vergessen können, weiteten sich in Panik, sie schwankte und musste sich auf den Ladentisch stützen.

Jake sah, wie sie vornüber sank, doch noch ehe ihr Kopf auf die Tischplatte schlug, war er bei ihr und zog sie an sich. “Halt dich an mir fest”, befahl er.

Doch sie schien ihn nicht mehr zu hören, ihre Knie gaben nach, und ihre Stirn fiel gegen seine Brust. Obwohl sie ihm schlanker schien als damals, musste er die Füße fest auf den Boden stemmen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Vorsichtig hob er sie hoch und trug sie zu einem Stuhl, wo er sie absetzte und sich neben sie hockte. Sanft drückte er ihr den Kopf auf die Knie.

Sie trug ein leuchtend grünes Kleid, das mit Fischen in allen Regenbogenfarben bedruckt war – für gedeckte Muster hatte sie noch nie etwas übrig gehabt. Ihre Haut unter seinen Fingern zu spüren, berührte ihn eigenartig, und sie schien ihm noch weicher und zarter als früher.

Shaines Parfum duftete blumig, leicht und doch geheimnisvoll, und der Anblick ihres entblößten Nackens erweckte Gefühle in ihm, die ihn erschreckten. Wenn er vernünftig wäre, würde er auf dem Absatz kehrtmachen und gehen, doch er blieb.

Shaine war ohnmächtig geworden, weil sein Anblick sie in Angst und Schrecken versetzt hatte. Warum, fragte er sich verwundert. Wut hätte er verstehen können, auch Verachtung oder Gleichgültigkeit, aber nicht Furcht.

Jetzt seufzte sie leise, stützte die Hände auf die Knie und richtete sich langsam auf. Sie trug keinen Ring, auch keinen Ehering.

“Du hast dein Haar abgeschnitten”, stellte er fest.

Mit achtzehn war es ihr in ungebärdigen Locken über die Schultern gefallen, jetzt umrahmte es wie eine feurige Aureole ihr zartes Gesicht.

Shaine hob den Kopf und blickte Jake das erste Mal in die Augen. “Du bist es also wirklich, Jake Reilly.”

“Ich wollte dich nicht erschrecken.”

Sie lehnte sich zurück und schob Jakes Hand von ihrem Schenkel. “Was willst du hier?”

“Ich hatte geschäftlich in Montreal zu tun und wollte einen kleinen Abstecher nach Neufundland machen. Es interessierte mich einfach, was hier so passiert ist.”

“Nach dreizehn Jahren!”

“Ich hatte nicht damit gerechnet, dich hier zu treffen.” Er erhob sich und entfernte sich einige Schritte von ihr. “Ich war überzeugt, du wärst schon längst gegangen.”

“Wir haben uns nichts mehr zu sagen, Jake.”

“Abe hat mir von deinen verunglückten Eltern erzählt, Shaine. Es tut mir so leid für dich.”

“Du hast mit Abe gesprochen? Was hat er dir sonst noch erzählt?”

“Dass du dein Studium abgebrochen hast, um für deine Brüder zu sorgen.” Er rechnete schnell nach. “Connor müsste jetzt schon achtzehn sein und die Schule abgeschlossen haben, du hast also keine Pflichten mehr. Warum bist du trotzdem noch hier?”

“So einfach, wie du dir das vorstellst, ist das nicht. Mein ganzes Geld steckt in diesem Geschäft, und ich kann nicht einfach meine Koffer packen und gehen, so wie du es getan hast.”

“Damals hättest du es auch gekonnt, dennoch hast du dich geweigert, mit mir zu kommen.”

“Meine Entscheidung war die einzig richtige.” Ihr Kinn wirkte in diesem Moment ebenso energisch wie seins. Sie stand auf, lehnte sich gegen den Ladentisch und musterte Jake hochmütig von oben bis unten. “Du bist hier fehl am Platz, du gehörst hier ebenso wenig her wie all die Touristen aus den Großstädten, die Cranberry Cove jeden Sommer überschwemmen. Ich liebe dieses Fleckchen Erde, doch du hast hier nichts zu suchen.”

“Und wieso?”

“Du bist fort und hast dich nie wieder gemeldet, kein einziges Mal.” Sie lächelte bitter. “Dein Recht, Rechenschaft von mir zu verlangen, ist damit verwirkt.”

Wie gern er sie in die Arme genommen und geküsst hätte! Ob Jake es wahrhaben wollte oder nicht, er begehrte diese Frau immer noch.

“Dein Gesicht hat sich verändert, Shaine”, bemerkte er langsam. “Es wirkt reifer und entschlossener. Dein Leben ist bestimmt nicht einfach gewesen.”

“Das geht dich nichts an. Am besten du gehst und lässt dich hier nie wieder blicken.”

Doch Jake ließ sich nicht abschrecken. “Ich wollte damit sagen, dass du schöner bist denn je.”

Sie ließ sich nicht anmerken, ob sie sich über das Kompliment freute. “Spar dir deine Schmeicheleien für eine andere, an mir sind sie verschwendet.” Ihre grünen Augen blitzten vor Wut.

“Es gibt keine Frau in meinem Leben, Shaine. Ich habe bisher nie den geringsten Wunsch verspürt, zu heiraten. Und du?”

Ihre sonst so vollen, sinnlichen Lippen wirkten plötzlich schmal. “Hast du mich immer noch nicht verstanden? Verlass meinen Laden, Jake, verschwinde aus meinem Leben, denn ich will dich nie wieder sehen!”

“Darf ich dich daran erinnern”, antwortete er gefährlich leise, “dass ich mich nicht herumkommandieren lasse?”

“Du bist ein ausgemachter Egoist, Jake, du siehst nur deine eigenen Bedürfnisse, jedes Einfühlungsvermögen ist dir fremd. Wenn du nicht freiwillig gehst, rufe ich meine Brüder, die werden dir nachhelfen.”

“Shaine, warum hast du Angst vor mir?”

“Ich habe mich erschrocken, weil du so unverhofft hier aufgetaucht bist, das ist alles. Und jetzt geh endlich!”

“Ja, aber nicht, weil du es befiehlst, sondern weil ich es will.”

“Deine Motive interessieren mich nicht.”

Jake überkam ein Gefühl der Ohnmacht. Shaine und er waren sich einmal so nah gewesen, warum stritten sie sich plötzlich wie zwei Todfeinde? Er machte einen letzten Versuch, das Gespräch in freundschaftliche Bahnen zu lenken.

“Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute”, meinte er rau. “Du hast wunderschöne Dinge in deinem Laden. Das Glasfenster, das du ausgestellt hast, gefällt mir ganz besonders. Es ist eine Arbeit von dir, oder?”

“Ja”, antwortete sie widerwillig.

“Wenn du keinen Käufer findest, melde dich bei mir.” Er griff zur Brieftasche und legte eine Visitenkarte auf den Ladentisch. “Ich kenne Leute, die eine Menge Geld dafür bezahlen würden.”

“Ich habe schon einen Agenten!”, herrschte sie ihn an, ohne die Karte auch nur eines Blickes zu würdigen. “Was bildest du dir eigentlich ein, nach all den Jahren hier aufzukreuzen und mein Leben auf den Kopf stellen zu wollen?”

“Eines hat sich jedenfalls nicht geändert, Shaine. Dein Temperament entspricht deiner Haarfarbe.”

Der weite Rock wehte ihr um die Beine, als sie zur Ladentür lief und sie öffnete. “Goodbye, Jake. Viel Spaß im Leben.”

In wenigen Schritten war er bei ihr. “Goodbye, Shaine.” Bevor sie auch nur erraten konnte, was er plante, hatte er sie bei den Schultern gefasst und küsste sie leidenschaftlich auf den Mund.

Erst war sie starr vor Schreck, doch dann bebte sie am ganzen Leib. Jake schloss die Augen und zog sie näher zu sich heran, er spürte nur noch ihre weichen Lippen, die Wärme ihres feingliedrigen Körpers, und längst vergessene Gefühle lebten wieder in ihm auf.

Er sehnte sich nach Shaine und ihrer Liebe.

So fest, als wolle er sie nie wieder loslassen, hielt er sie in den Armen und küsste sie mit brennender Leidenschaft. Nur langsam drang in sein Bewusstsein, dass Shaine sich wehrte. Sie stemmte die Hände gegen seine Brust und versuchte sich seinem Kuss zu entziehen.

Benommen hob er den Kopf. “Du hast dich nicht verändert.”

“Alles hat sich geändert, nichts ist mehr so wie früher”, widersprach sie ihm, und ihre Wangen röteten sich zornig. “Glaubst du wirklich, du könntest wieder da anfangen, wo wir damals aufgehört haben, obwohl du mich vor dreizehn Jahren verlassen und dich nie wieder gemeldet hast?”

Das war ein Argument, doch Jake ging nicht darauf ein, denn er war immer noch mit sich selbst beschäftigt, so hatte die Heftigkeit seiner Gefühle ihn erschreckt. “Ich hatte wirklich nicht die Absicht, dich zu küssen”, entschuldigte er sich.

“Dazu wirst du auch nie wieder Gelegenheit bekommen, verlass dich drauf.”

“Schon auf Ghost Island war ich dir zuwider”, antwortete er bitter und bereute seine Offenheit sofort.

Entgeistert sah sie ihn an. “Wovon redest du eigentlich?”

“Das war doch der Grund, weshalb du nicht mit mir gegangen bist, weil ich als Liebhaber eine Enttäuschung für dich war.”

“Wie bist du nur auf eine solche Idee gekommen? Ich habe deine Umarmung genossen.”

“Stimmt das wirklich?” Für ihn hing viel von ihrer Antwort ab. Er war damals zweiundzwanzig gewesen und empfand es auch nach dreizehn Jahren noch als Schmach, versagt und die geliebte Frau enttäuscht zu haben.

“Es ist die reine Wahrheit. Doch es ist lange her und spielt heute keine Rolle mehr.”

“Für mich schon.”

“Das soll ich dir glauben?” Mit der Hüfte stieß sie die Tür weit auf. “Verschwinde aus meinem Leben, Jake Reilly, und lass dich nie wieder blicken.”

Sie meinte, was sie sagte. Shaine hatte noch nie kokettiert, daher kam er ihrer Aufforderung nach, drehte sich um und ließ sie ohne ein weiteres Wort stehen.

Wie betäubt ging er die Straße entlang. Er hatte nur noch einen Wunsch: Cranberry Cove möglichst schnell zu verlassen. Wenn Shaine ihn vielleicht auch damals nicht verabscheut hatte, jetzt tat sie es bestimmt.

Sein Verlangen war erloschen und tiefer Verzweiflung gewichen. So hatte er sich auch damals gefühlt, nachdem Shaine und er sich ebenso unerfahren wie stürmisch auf Ghost Island geliebt hatten. Er hatte ihr seine geheimsten Gefühle offenbart, doch Shaine war eiskalt geblieben. “Ich kann nicht mit dir gehen, Jake”, hatte sie erklärt. “Ich muss in Cranberry Cove bleiben.”

Und das hatte sie getan.

Er dagegen war noch am selben Tag abgereist und hatte alles getan, um Shaine zu vergessen. Der spontane Einfall, von Montreal aus einen Abstecher nach Neufundland zu machen, war eine schlechte Idee gewesen – er hatte alte Wunden wieder aufgerissen.

Shaine bebte am ganzen Körper, als sie Jake durch die Schaufensterscheibe nachblickte.

Es war ihr zwar gelungen, ihn fürs Erste in die Flucht zu schlagen, doch würde er trotzdem ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen? Würde er dann zurückkehren?

Erneut wurde sie von Panik ergriffen. Sie schloss die Ladentür ab, drehte das Schild in der Scheibe von “Offen” auf “Geschlossen”, um und lief in das Hinterzimmer. Dort ließ sie sich auf einen Stuhl sinken und schlug die Hände vors Gesicht.

2. KAPITEL

Unbewusst hatte Jake einen Weg eingeschlagen, der ihn an seiner alten Schule vorbeiführte. Hier war er Kapitän der Eishockeymannschaft gewesen, hier hatte man ihn als Helden gefeiert. Er verlangsamte seinen Schritt.

Es schien eine Ewigkeit her zu sein: das Kratzen der Schlittschuhe auf dem Eis, das Sirren, wenn der Puck ins Netz sauste, die Begeisterungsrufe der Fans und – natürlich – die bewundernden Blicke der Mädchen.

Doch was hatte das heute noch zu bedeuten? Er war jahrelang nicht mehr auf dem Eis gewesen. Die Karriere und der Aufbau seiner Firma hatten ihm keine Zeit für Mannschaftssport gelassen.

Auf dem Schulhof spielten einige Jungen Basketball, immer noch an der gleichen Stelle, an der auch er schon trainiert hatte, um sich während des Sommers in Form zu halten. Gedankenverloren sah er ihnen zu.

Ein Junge fiel ihm sofort auf. Seine Bewegungen waren geschmeidiger als die der anderen, und die Geschicklichkeit und Genauigkeit, mit der er den Ball ins Netz warf, waren beeindruckend. Jakes Aufmerksamkeit war geweckt. Der Junge, hoch aufgeschossen und schmal, tanzte regelrecht mit dem Ball, der mit seinen Fingerspitzen wie magisch verbunden zu sein schien. Die Mitspieler umkreisten ihn, versuchten ihm den Ball abzujagen, doch immer wieder warf der Junge ihn im perfekten Bogen gegen die Wand, sodass er durch den Ring fiel.

Das Spiel war nicht aggressiv, es ging den Schülern allein um den Spaß. Der Junge, der seinen Kameraden so weit überlegen war, überließ ihnen öfter den Ball und begnügte sich mit der Rolle des Verteidigers, die er ebenso meisterhaft beherrschte wie die des Stürmers.

Sein dichtes dunkles Haar und das offene Lächeln gefielen Jake auf Anhieb. Netter Junge, dachte er, was aus ihm wohl einmal werden wird? Würde es ihm genügen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und sein Leben auf See zu riskieren, um Krabben und Hummer zu fangen? Oder erwartete er mehr von der Welt und würde die Enge und Einsamkeit der abgelegenen Bucht einmal verlassen?

Jake zuckte die Schultern und machte sich wieder auf den Weg. Solch tiefe Anteilnahme am Leben anderer war nicht typisch für ihn. Wieso also machte er sich Gedanken über die Zukunft eines Jungen, den er überhaupt nicht kannte?

Er selbst hatte sich schon vor Jahren gegen Cranberry Cove entschieden. Die Würfel waren gefallen, und die Entscheidung ließ sich nicht rückgängig machen. Es war eine schlechte Idee gewesen, noch einmal hierherzukommen. Das, was sich in Shaines Laden abgespielt hatte, bedrückte ihn. Warum war er überhaupt dorthin gegangen? Auch Shaine hatte schon vor Jahren ihre Wahl getroffen.

Mit gesenktem Kopf eilte er weiter. Er konnte gar nicht schnell genug zu seinem Auto kommen, um sofort nach Deer Lake zu fahren, wo sein Privatjet stand. Wenn das Wetter so blieb, würde er noch am Abend starten können.

“Na, wenn das nicht Jake Reilly ist!”

Jake blickte auf. Im ersten Moment konnte er den Sprecher nicht einordnen, doch dann erkannte er ihn. Es war Padric. Aus dem achtjährigen Jungen, den er in Erinnerung hatte, war ein großer junger Mann mit einem auffallenden kastanienfarbenen Lockenkopf geworden.

“Ich habe schon gehört, dass du hier bist.” Feindselig sah Padric ihn an. “Hast du deine romantische Ader entdeckt? Der berühmt gewordene Sohn armer Leute kommt zurück in sein geliebtes Heimatdorf oder wie?”

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