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Macho-Mamas

Als Buch hier erhältlich:

Emanzipierte Frauen erwarten heute vom Leben all das, was für Männer selbstverständlich ist: einen befriedigenden Beruf, eine Beziehung mit erfülltem Sexleben, Freizeit und ein anständiges Gehalt. Sobald Paare aber Kinder bekommen, ändert sich alles: Frauen schicken den Mann an die Ernährerfront und geben ihre beruflichen Pläne auf. Wenn eine Frau dagegen trotz Familie Karriere machen will, braucht sie unerschöpfliche Energie, muss sich gegen Machtspiele am Arbeitsplatz durchsetzen - und dabei auch noch attraktiv aussehen. Warum das so ist und warum es nicht sein muss, zeigen die Autorinnen in ihrem provokanten und pointierten Ratgeber.
  • Erscheinungstag: 18.04.2012
  • Seitenanzahl: 176
  • ISBN/Artikelnummer: 9783312005338
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

 

 

Inhalt

 

Vorwort 7

 

Prolog 11

 

1

GENERATION GOLF RELOADED ODER GENERATION SPAGAT 21

Der Wind der Freiheit 24 · Die Versuchskaninchen der Emanzipation 26 · Die Mutter – das Stiefkind des Feminismus 29 · Der Macho in der Mama 33

 

2

DIE UNSICHTBARE MUTTER 37 ·

Der Gebärstreik 42 · Die unbefleckte Niederkunft 45 · Die Schwangerhaft 48 · Ich zeige, was ich habe, also bin ich 50 · «Man merkt gar nicht, dass du Mutter geworden bist»56 · Strukturwandel statt Quote 64

 

3

DER EMANZIPIERTE MANN 71

Die Politik des Privaten 74 · Männer in der Krise 77 · Die neuen Väter 80

 

4

DIE DOPPELTE ERNÄHRERIN 87

Die Ironie der Biologie 93 · Der Traumprinz 96 · Die Frage der Dominanz 100 · Alleinerziehend und glücklich 103

 

5

DAS COMINGOUT DER KARRIEREMUTTER 109

Die Vereinbarkeitsfrage 110 · Die Gewissensfrage 114 · Die Glücksfrage 117 · Die Frage nach der Work-Life-Balance 121 · Die Partnerfrage 127 · Die Vorbildfrage 130

 

6

DIE TÜCKEN DES ALLTAGS 135

Mutter werden 135 · Mutter sein 140 · Frau bleiben 145 · Der Spagat 150

 

Epilog 159

Zitierte Quellen (Auswahl) 171

Dank 173

 

 

Vorwort

 

Nach vierzig Jahren Emanzipation sind die Frauen scheinbar am Ziel: Sie haben die gleichen Rechte wie die Männer, sie sind genauso gut – wenn nicht besser – ausgebildet, sie sind in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen selbstverständlich aktiv, sie haben in vielen Staaten politische Schlüsselstellen erobert und erste Risse in die gläserne Decke der Wirtschaft geschlagen. Ja, vierzig Jahre nach der Frauenbewegung wird sogar einer der wichtigsten feministischen Kampfbegriffe in einigen europäischen Ländern ganz nüchtern als politisches Steuerungsinstrument diskutiert und sogar eingesetzt: die Frauenquote.

Dürfen wir uns also zurücklehnen und auf die Eigendynamik wirtschaftlicher Effizienz vertrauen? Darauf, dass eine sich international durchsetzende Frauenquote die Damen schon nach oben befördern wird? Weil wir endlich darin übereingekommen sind, dass Frauen nicht nur das Büro herausputzen, sondern auch den Umsatz?

Leider nein. Denn modernen Frauen stehen nicht mehr die Männer im Weg, sondern der gefühlte oder eingelöste Kinderwunsch. Die Biologie aber lässt sich nicht durch eine Frauenquote überwinden. Während kinderlose Frauen heute genauso Karriere machen können wie kinderlose Männer und Väter, gelingt das den Müttern praktisch nicht.

Es ist eine ernüchternde Erkenntnis: Wir Frauen der Generation Golf studierten und arbeiteten, wir verdienten Geld und Titel, wir schliefen, wo und mit wem wir wollten, wir verhüteten und trieben ab. Gerade schritten wir noch im Gleichtakt mit den Männern vorwärts. Dann wurden wir Mütter. Und mit einem Schlag glich unser Alltag demjenigen unserer Großmütter – und nicht mehr dem der Väter unserer Kinder.

Die Emanzipation hat zwar die Frauen aus ihrem kollektiven Lebenskorsett befreit, nicht aber die Mütter. Die Feministinnen haben die Büstenhalter verbrannt, aber die Still-BHs ignoriert oder sie noch ein bisschen enger geschnallt. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Kinderkriegen sich nicht wie der Lohn oder die sonstige Gleichbehandlung per Gesetz festlegen lässt. So können Frau und Mann sich heute nebeneinander entfalten, solange sie ein Paar bleiben und keine Familie werden. Mit den Kindern ziehen auch die Geschlechterideologien ins traute Heim, und vieles bleibt beim Alten: Mama bügelt öfter daheim und Papa im Büro.

Es ist deshalb Zeit, den Fokus vom Geschlecht weg und auf den Nachwuchs zu richten. Denn im Genderdiskurs bleibt die Mutter unsichtbar. So unsichtbar wie im Büro und in den Diversity-Programmen der Unternehmen.

Wenn die Wirtschaft heute nach mehr Frauen ruft und sich wundert, warum sich so wenige für eine Karriere anwerben lassen, dann hat das vorab damit zu tun, dass die meisten Frauen Mütter werden und Mütter sein wollen. Und dass fast alle davon überzeugt sind, eine Karriere lasse sich mit Mutterschaft nicht vereinbaren.

Dieses Buch rückt deshalb die Mütter ins Zentrum der Debatte. Und mit ihnen die Väter. Es zeigt, warum Frauen sich vom Ideal der omnipotenten Mutter befreien müssen. Warum beide Geschlechter gewinnen, wenn Väter nicht bloß für gleiche Rechte in der Familie kämpfen, sondern auch die gleichen Pflichten übernehmen. Warum Politik und Wirtschaft anfangen müssen, über die Familienverträglichkeit beruflicher Karrieren für beide Geschlechter zu diskutieren, statt in der Genderdebatte zu verharren. Und nicht zuletzt warnt dieses Buch davor, mit den Müttern das eigentliche Problem unserer Gesellschaft zu unterschlagen: nämlich die hohen und einseitig verteilten Kosten des Nachwuchses. Ohne eine Umverteilung dieser Kosten wird sich weder die Gebärfreude noch der Karrierehunger der nachrückenden Generationen von Frauen ankurbeln lassen.

 

 

Prolog

 

Dieses Buch heißt Macho-Mamas. Aber eigentlich handelt es von der Familie und davon, was Frauen in sie hineingeben. Davon, wie sehr Mutterschaft sie prägt – bis ins Arbeitsleben hinein. Und wie wenig die Arbeitswelt diese Tatsache bislang beachtet hat. Es handelt von einer der wichtigsten Ideen des 20. Jahrhunderts, der Emanzipation, und es spielt dort, wo diese mit den banalen kleinen Hindernissen des Alltags kollidiert, wo Frauen sich selber immer wieder behindern und behindern lassen: Es geht um Ehrgeiz, Körper, Mutterschaft, Macht. Und darum, dass man Mütter dazu ermuntern muss, manchmal ein bisschen mehr Macho gegen sich selbst und andere zu sein.

Um das zu veranschaulichen, soll hier die Geschichte zweier Frauen erzählt werden, die einen Traum hatten, aber sonst wenig gemein. Die eine wuchs in einem Einfamilienhaus auf dem Land auf, die andere in einer Siedlung in der Vorstadt. Die eine konnte als Kind aus gutem Hause schon in der ersten Klasse davon ausgehen, dass ihre Laufbahn lang und erfolgreich sein würde. Die andere wusste lediglich, dass die Schulpflicht neun Jahre dauert und dass ihr nichts geschenkt würde.

Doch ihr Traum verband sie mehr, als die Milieus sie trennten: Beide wollten irgendwann erwachsen und selbständig und frei sein. Sie glaubten an eine Chance, die irgendwo für sie bereitliegen würde. Vielleicht war es aber auch umgekehrt, und es war nicht ein Traum, der sie antrieb, sondern ein Alptraum. Darin kamen Frauen mit Lockenwicklern und einer fleckigen Schürze vor Bauch und Busen vor. Sie lehnten sich zur Mittagszeit aus dem Fenster und fragten die Nachbarin durch Wolken von Bratfett, was sie denn ihrem Mann und ihrer Familie zu Mittag richteten.

Von der Welt wussten die beiden Mädchen damals noch wenig. Aber im Einfamilienhaus wie in der Siedlung brachte Papa die Kohle nach Hause und Mama die Einkaufstaschen. Beide Mädchen verschwanden im Kindergarten nie freiwillig in der Puppenecke, weil sie gelernt hatten, dass man dort zwar die besseren Freundinnen findet, es aber viel aufregender war, mit den Jungs herumzutoben. Vielleicht war das noch nicht wirklich wichtig, aber bereits damals begannen sie zu ahnen, dass es dabei nicht bleiben würde. Und sie ahnten außerdem, dass es nicht reichen würde, die Spielregeln zu kennen, um dort mitzumischen, wo es aufregend war. Schon damals waren die Jungs nicht besonders daran interessiert, die Mädchen mitspielen zu lassen – geschweige denn, ihre Spielregeln zu ändern. Dafür interessierten sich die Jungs für seltsame Dinge, wie etwa dafür, was die Mädchen unter ihren Röcken trugen. Und es schien ihnen besonders Spaß zu machen, ihrerseits die Spielregeln zu brechen und einfach nachzuschauen, vor allem, weil sie merkten, wie sehr das die Mädchen ärgerte. Besonders wenn diese gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt waren, etwa damit, mit einer Freundin über eine Dritte zu lästern.

Irgendwann setzte eins der Mädchen dem Treiben ein Ende, indem es sich ohne Unterhose auf den Pausenplatz stellte, was die Jungs, als sie es entdeckten, dermaßen schockierte, dass das Röckelüpfen ein für alle Mal erledigt war.

Wer sich jetzt an die eigene Mädchenzeit erinnert fühlt, oder wer von den Männern jetzt ahnt, dass das Mädchen ohne Unterhose damals in der Bank hinter ihm saß, liegt nicht falsch. Denn Träume und Erfahrungen verbinden eine ganze Generation. Und zwar viel stärker, als wir es in unseren individualistischen Vorstellungen über uns selbst glauben. Wir mögen von unseren Eltern, unseren Genen, unseren Milieus geprägt sein. Aber Erfahrungen teilen wir vor allem mit den Menschen unserer Generation. Und auf jedem Pausenplatz gab es ein Mädchen, das die Spielregeln zu ihren Gunsten veränderte.

Knapp dreißig Jahre später hatten die beiden Frauen selber Kinder, interessante Jobs als Journalistinnen – und sie schrieben zusammen einen Blog, der einige Resonanz fand. Sie arbeiteten viel und ernteten dafür Anerkennung. Sie waren ihrem Traum gefolgt und der Falle aus Lockenwickler, Bratfett und Mittagstisch entronnen. Allerdings lehnten auch sie sich in jeder Hinsicht aus dem Fenster: was ihre Kinder, ihre Arbeit, ihre Lebenspartner betraf.

Am weitesten aber lehnten sie sich aus dem Fenster, um sich gegenseitig anzugiften, als der Blog ein Erfolg wurde – und als es darum ging, wessen Verdienst das war. Fast hätte der Streit darüber den Blog beendet. Die beiden Frauen waren impulsiv und angriffslustig genug, um sich in die Haare zu geraten. Und sie waren eitel genug, um zu merken, dass ihnen das nicht besonders schmeichelte. Das Journalistenmilieu bot für ihren Zickenkrieg einen fruchtbaren Boden.

Der Zwist, den sie ausfochten, steht am Anfang, weil er den Macho in den Mamas geweckt hat und gleich das erste der Märchen entsorgt, mit denen dieses Buch aufräumen will: das Märchen von der solidarischen Frau, der Harmonie über alles geht, vor allem über ihre Karriere. Und er steht am Anfang, weil den Macho-Mamas im Verlauf vieler Berufsjahre eingeschärft wurde, dass der Leser etwas geboten bekommen will, dass ihn nach Emotionen dürstet und nach konkreten Details. Erzählen wir also von den beiden Mamas.

 

Es war ein Freitagabend im August. Draußen dämmerte es, die Kollegen hatten sich ins Wochenende verabschiedet, die Redaktion lag verlassen da. Nur am Schreibtisch einer Macho-Mama brannte noch Licht. Unten auf der Straße eilten Menschen ihren Verabredungen entgegen. Auch die Macho-Mama hätte gern Schluss gemacht. Sie surfte im Internet, auf der Suche nach Themen, die sie nächste Woche aufbereiten könnte. Für den Blog, den sie seit ein paar Monaten für ein großes Medienunternehmen schrieb, über Mütter, Babys, Frauen, Männer, Väter, Kinder und all die Probleme, die sich daran anknüpfen. Der Job war nicht gut bezahlt, aber der Blog war ihr Baby. Sie hatte es ausgetragen und geboren, es saubergewischt und gestillt. Und sie wusste, dass der Blog ihre Chance war, die Themen zu lancieren, die sie schon so lange mit sich herumtrug. Themen, die man bisher gern am Rande abhandelte. «Mütter? Nicht sexy», hieß es. Und: «Das interessiert den Leser nicht.»

Diese Aussage war bis vor wenigen Jahren eine äußerst beliebte Abwehrformel von Chefredakteuren, wenn eine Idee ihre Vorstellungskraft sprengte. Oder aus einer Welt kam, die sie nur vom Hörensagen kannten. Die Schattenwelt zwischen Spielplatz und Spinatkuchen gehörte fast immer dazu. Das war damals, als es nur Printjournalismus gab, als man in nüchternen Konferenzräumen beisammensaß und herauszufinden versuchte, ob das, was täglich gedruckt wurde, irgendjemanden interessierte. Jeder Titel eine Nebelpetarde, von der man hofft, dass sie da draußen in der ominösen Leserschaft zündet, jeder Artikel ein Minnesang, bei dem nie klar wird, ob der Leser, diese launische Angebetete, überhaupt zuhört.

«Wir müssen den Leser da abholen, wo er ist», hieß es. Oder: «Wer soll das lesen?» Und so trugen die Redakteure meistens Themen vor, die sie selber interessierten, worauf ihr Vorgesetzter ihnen das aufs Auge drückte, was ihn selber interessiert: «Frauenquoten in Schweden? Interessant, aber schreib doch lieber was über diesen Jungstar, der sich so peinlich vor der Kamera aufführt.»

Und dann kam das Internet. Online-Journalismus unterscheidet sich vom Printjournalismus unter anderem darin, dass leichter messbar ist, was der Leser tatsächlich zu lesen wünscht. Im Internet kann er sich außerdem zum Geschriebenen direkt äußern und damit deutlich machen, was er von den ihm vorgesetzten Artikeln hält. Der Leser ist zwar immer noch eine launische Geliebte, aber eine, die laut und deutlich zu verstehen gibt, was sie von ihrem Verehrer erwartet und ob er diese Erwartungen befriedigt. Als ein kluger Chef das Konzept der Macho-Mama durchboxte und der Blog als Mamablog online ging, entwickelten sich die Einschaltquoten prächtig, die Resonanz war gut, der Blog wurde trotz der Mutter sexy. Die Autorin bekam sogar eine Kollegin aus der Redaktion zur Seite gestellt. Man verstand einander gut und spornte sich gegenseitig an.

Die Macho-Mama schlüpfte aus ihren Schuhen, streckte die Zehen und legte ihre Beine auf den Schreibtisch. Vielleicht konnte sie ihre Themen ja erst am Sonntagabend aufbereiten? Endlich das Wochenende mit Mann und Kindern verbringen, die sie ohnehin viel zu selten sah? Sie lehnte sich zurück, griff nach dem Smartphone und scrollte auf Facebook durch die Statusmeldungen. Und las, neben dem Profilbild ihrer Kollegin: «Am nächsten Dienstag Diskussionsrunde des Schweizer Fernsehens über Mutterschaft, ich werde da sein.»

Macho-Mama war fassungslos! So lange hatte sie für ihren Erfolg gearbeitet, hatte alles auf sich genommen, die Stunden im Büro, die Überzeugungsarbeit bei den Chefs, das atemlose Hin und Her zwischen Familie und Job – und jetzt, als sich endlich zeigte, dass ihre Ideen, an die die Gatekeeper niemals geglaubt hatten, wirklich taugten, rannte die andere los, diese Schlampe, noch bevor überhaupt der Startschuss gefallen war. Das war ihr Blog, sie hatte ihn aufgebaut, sie hatte die andere ausgewählt, sie war hier der Chef. Sie war außer sich. Sie war ratlos. Aber eins wusste sie: Nie wieder würde sie sich so über den Tisch ziehen lassen.

 

Die andere Macho-Mama war gerade beim Putzen, als der Anruf sie erreichte. Sie putzte nicht ungern, wenn sie mal Zeit dafür fand. Die Woche über war sie für ihren Job unterwegs, der Miete, Essen und Versicherungen der Familie bezahlte, und am Wochenende brauchte sie mal Pause. Natürlich hätte sie eine Putzfrau engagieren können, aber ihr gefiel die Vorstellung der ordnenden Hand, die sich dem Chaos entgegenstellt – auch wenn dann praktisch gesehen die Ordnung nie so richtig einkehrte.

Wichtiger als das Putzen war die Zeit mit ihren Kindern. Sie hatte bis zu den ersten Wehen gearbeitet und hatte kurz nach der Geburt wieder am Schreibtisch gesessen. Nach einem langen Studium wollte sie im Job, den sie endlich ergattert hatte, nicht gleich wieder pausieren. Außerdem wollte sie fähig sein, ihre Familie zu ernähren. Sie wollte ein Leben, wie ein Mann es hat, oder zumindest, dass sich ihr Leben wie das eines Manns anfühlt. Denn Männer können ihre Kinder lieben, ohne sich von dieser Liebe versklaven zu lassen. Männer brauchen in ihrem Leben mehr als Kinder, um sich als Mann zu fühlen. Sie sollte erst noch herausfinden, dass Mütter keine besonders guten Männer abgeben.

Immerhin, das mit der Arbeit hatte sie begriffen. Sie nahm sie aus dem Büro mit nach Hause, auch ins Wochenende. Dort herzte sie ihre schreienden und an ihrer Bluse zerrenden Kinder und kratzte die nach dem langen Arbeitstag verbliebene Konzentration zusammen, um den simultan erzählten Geschichten zu lauschen. Und die Fragen zu beantworten, die sich im Lauf des Tages an die Adresse der abwesenden Mutter ergeben hatten.

Zwei Stunden, manchmal drei. In dieser Zeit wurde das Abendessen durchgezogen, das Geschirr weggeräumt, der nächste Tag diskutiert, wurden die Kinder gefüttert, gewickelt, gewaschen, geküsst und besungen. Sobald das Licht im Kinderzimmer aus war, knipste sie die Schreibtischlampe an, packte ihre Texte aus, feilte und polierte, bis sie gut genug schienen, um am folgenden Morgen im Blog zu erscheinen. Sie ließ gerade den Computer hochfahren, als der Anruf sie erreichte. Der Mann am anderen Ende der Leitung stellte sich als Redakteur einer Diskussionssendung im Fernsehen vor. Er bereite etwas vor zum Thema Elternschaft, sie schreibe doch diesen Blog, sie könne doch an der Sendung teilnehmen und erzählen, was moderne Eltern seien. Das schaff ich nie im Leben, dachte sie. Und sagte: «Ja, klingt interessant, das mach ich gern. Wer ist denn sonst noch eingeladen?»

Es gibt nichts Schöneres, als für seine Leistung anerkannt zu werden, auch wenn eine gewisse Ironie darin lag, dass ausgerechnet sie als Expertin über Mutterschaft plaudern sollte. Schließlich fürchtete sie wie viele andere berufstätige Mütter, nicht immer die beste Mutter zu sein.

Egal. Sie hatte es geschafft, und so verbreitete sie die frohe Botschaft im Internet. Wie hätte sie ahnen können, dass dies eine äußerst sensible Angelegenheit war? Nun, sie hätte es sogar wissen müssen. Aber sie war Macho genug, ja zum Fernsehauftritt zu sagen, und deshalb war sie jetzt auch Macho genug, in der Öffentlichkeit des Internets damit zu prahlen. Sie hatte überhaupt nichts begriffen.

Hierarchien sind eine knifflige Sache. Die zweite Macho-Mama mochte nicht nur ihre Arbeit für den Blog, sie mochte auch die Arbeit ihrer Kollegin. Freundschaftlich spornten sie einander an. Was für die Arbeit gut ist, aber mit Freundschaft nichts zu tun hat. Männer kämen gar nicht auf den Gedanken, das miteinander zu vermengen. Frauen schon. Jedenfalls solche wie diese Macho-Mama, die in Gedanken schon bei der Kleiderfrage war und nicht eine Sekunde daran dachte, dass ihre Kollegin von der freudigen Nachricht vielleicht nicht besonders erfreut sein würde. Und ihr nicht gerade nach Garderobentipps zumute wäre.

 

Es gibt im Büro eine goldene Regel. Wenn man mit einer Person ein Problem hat, sei es, dass sie einen ausbremst oder sexistisch ist, dann frage man sich: Steht diese Person zwischen mir und dem, was ich erreichen will? Lautet die Antwort nein, dann ignoriere sie. Lautet die Antwort ja, suche dir mächtigere Verbündete. An diese Regel hielt sich die empörte Macho-Mama. Sie wütete beim Chef, der maßregelte die andere, worauf diese die eine für eine falsche Schlange hielt. Man schwieg sich eisig an. Es gab zahlreiche Gespräche – nicht zwischen den beiden Macho-Mamas, sondern zwischen ihnen und ihren jeweiligen Freundinnen. Die Worte Zicke und Schlampe fielen darin in hoher Frequenz, garniert mit den Attributen neidisch, gierig, verlogen, anmaßend und ungerecht.

Zickenkrieg: So nannten es die Kollegen. Die Männer zu Hause. So nannte es auch der Chef. Ihm behagte die Dynamik nicht sonderlich (obschon nicht abzustreiten war, dass sie dem Blog geholfen hatte), weshalb er schleunigst klare Regeln installierte, so dass Ruhe einkehrte, das Fieber sank und nach einer Weile auch die beiden Macho-Mamas die Diagnose bestätigten: Zickenkrieg. Natürlich erst, nachdem sie die Sache vom Tisch gewischt hatten. Das ist zwar nicht gut für die Dramaturgie dieser Geschichte, aber es war gut für den Blog, also die Arbeit, also die Macho-Mamas, also ihre Familien.

Die erste Macho-Mama kostete das sehr viel mehr Pragmatismus, als sie je geglaubt hatte, aufbringen zu können. Aber sie hatte sich vorgenommen, aus der Puppenecke des Berufslebens herauszutreten. Bisher hatte sie ihre Arbeit stets bescheiden vor sich hergetragen, wie eine schicke, aber schlichte Handtasche, von der man hofft, dass sie zwar bemerkt wird, aber nicht aufdringlich wirkt. Sie verhielt sich erst recht so, seit sie Mutter war und nicht mehr so flexibel wie die Kollegen. Damit war sie stets gut gefahren, aber nicht vorwärtsgekommen. Die andere Macho-Mama hatte ihr das deutlich gemacht. Und sie hatte entschieden, dass sie diese Kuh nicht lieben musste, aber von ihr lernen konnte. Also schluckte sie ihren Frust, ihren Hass, ihre Enttäuschung hinunter.

Die andere Macho-Mama war ebenfalls erzürnt, weil ihr schon wieder jemand vor die Nase gesetzt wurde, der zwischen ihr und der ersehnten Anerkennung stand. Aber sie begriff auch, dass sie die Spielregeln einhalten musste, wenn sie mitspielen wollte. Also setzten sich die beiden Frauen in eine Bar und knüpften dort an, wo der Faden vor Monaten gerissen war.

Die beiden Macho-Mamas machten sich gegenseitig Vorwürfe, bis das erste Glas leer war. Dann ärgerten sie sich bei einem zweiten Bier gemeinsam über den Begriff Zickenkrieg. Darüber, dass noch immer jeder Konkurrenzkampf unter Frauen so bezeichnet wird. Zickenkrieg schien ihnen nach einigem Überlegen plötzlich symptomatisch für vieles, was sie in ihrem Blog abgehandelt hatten: für den Ehrgeiz, den man ihnen als Töchter der Emanzipation anerzogen hatte und der sich nicht einfach kappen lässt mit der Nabelschnur des ersten Kindes. Für die fragwürdige, aber nicht totzukriegende Illusion, dass die Mehrheit der Menschen – die Frauen – sich qua Geschlecht solidarischer verhalten als Männer. Für den Mangel an Konkurrenzlust, der Frauen immer wieder vorgeworfen wird und für den sie sich tatsächlich nicht zu schön sein dürfen, wenn sie im Beruf weiterkommen wollen.

Also klopften die beiden Mamas einander auf die Schultern und beschlossen, Macho genug zu sein, um sich nach der Schlacht den Staub vom Rock zu wischen und weiterzumachen. Und zwar gerade nicht aus Solidarität, sondern aus Berechnung. Denn bei aller Verschiedenheit wollten sie eine gemeinsame Geschichte erzählen: die Geschichte einer Generation von Frauen, die sich zwar den Kinderwunsch erfüllt, dabei aber einen Kindertraum verloren hat. Den Traum nämlich, dass es keine Rolle spielt, zufälligerweise als Mädchen geboren worden zu sein.

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