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P.I.D. - Verborgene Erinnerung

Ryans Geschichte - Ein neuer Fall für die P.I.D.
Ohne Gedächtnis, dafür aber mit Verfolgern auf den Fersen - komplizierter könnte Ryans Lage kaum sein. Wie falsch er damit liegt, muss Ryan schon bald feststellen: Nach einer waghalsigen Flucht aus dem Krankenhaus findet er sich in einem Wochenendhaus wieder. Zusammen mit der attraktiven Krankenschwester Sylvie und einem Haufen Fragen, deren Antworten er nicht kennt. Doch nicht nur seine unklare Identität lässt ihm keine Ruhe. Auch die unerklärliche Anziehungskraft, die diese mutige und hinreißende Frau in ihm auslöst, gibt ihm Rätsel auf …
  • Erscheinungstag: 15.07.2016
  • Aus der Serie: P.I.D.
  • Bandnummer: 4
  • Seitenanzahl: 70
  • ISBN/Artikelnummer: 9783733785758
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Was führte der Mann, der ihm da entgegenblickte, nur für ein Leben? Nach dem zu urteilen, was er bisher gesehen und erfahren hatte, kein ganz ungefährliches. Er war von Hämatomen und Schürfwunden übersät, sein Kopf hatte hinten eine dicke Beule und vorne eine Platzwunde, und eine Rippenprellung ließ seine Seite bläulich schimmern.

„Wer bist du?“ Er stellte die Frage nicht zum ersten Mal. Doch wie auch zuvor erhielt er keine Antwort. Der Typ starrte ihn nur dümmlich an.

Er trat vom Spiegel zurück und ließ sich auf den zugeklappten Klodeckel sinken. Frustriert legte er sein Gesicht in die Hände und fluchte wirsch, als er dabei unsanft auf die frische Naht an der Stirn traf. Wo war er nur rein geraten? Wem war er derart auf die Füße getreten? Und womit? Er wusste es nicht. Alles, was er wusste, war, dass man ihn vor zwei Tagen am Rand irgendeines Feldwegs gefunden hatte. Zusammengeknüppelt und ohne Papiere war er dort zurückgelassen worden. Zweifellos, um zu sterben. Die Dezembernächte waren selbst in diesem Teil des Landes arschkalt und die Gegend rund um seinen Fundort von Gott und der Welt verlassen, sobald die Felder im Herbst abgeerntet waren. Es war purer Zufall gewesen, dass man ihn entdeckt hatte. Irgendein Tourist hatte sich in der Abfahrt vertan und war so nicht am Haus seiner Verwandtschaft gelandet, sondern direkt bei ihm.

Durch die offene Badezimmertür betrachtete er das Bett, in dem er zu sich gekommen war. Das war auch so eine Geschichte gewesen. Erfüllt von Schmerzen und völlig wirr im Kopf – etwas, das sich noch nicht gänzlich geändert hatte – war er gleich mal der hübschen, blonden Krankenschwester an die Kehle gegangen, die sich gerade um seine Infusion gekümmert hatte. Gott, ihm wurde immer noch speiübel bei dem Gedanken daran, was er fast getan hätte. Einzig die ruhige Stimme und der zwar ängstliche, aber ungeheuer sanftmütige Blick aus diesen wunderschönen kobaltblauen Augen hatten ihn davon abgehalten, eine nicht wiedergutzumachende Dummheit zu begehen. Als ihm klar geworden war, was er tat, hatte er sich unendlich schlecht gefühlt und sich zutiefst beschämt entschuldigt. Sylvie, wie sie sich ihm schließlich vorgestellt hatte, war jedoch nicht nur nicht nachtragend gewesen, sie hatte ihn beruhigt und von jeder Schuld freigesprochen. Seine Reaktion nach dem Aufwachen sei nur verständlich gewesen. Dasselbe hatte Dr. Bernard wenig später in dieser Nacht gesagt, als er auch ihn, unabsichtlich grob aus dem Halbschlaf gerissen, attackiert hatte. Er schüttelte verärgert den Kopf. Sie mochten ja vielleicht recht damit haben, dass es eine rein instinktive Selbstschutzreaktion gewesen sei, doch er hatte dem Arzt beinahe das Genick gebrochen, das war nun mal Tatsache.

Die Bilder, die letztendlich den Ausschlag für seine Attacke auf den Arzt gegeben hatten, stiegen auch nun wieder in ihm auf. Er spürte die Gefahr regelrecht wie eine zweite Präsenz heranwachsen und über sich aufragen. Allein diese Erinnerung reichte aus, um seinen Adrenalinspiegel emporschießen zu lassen. Ihm war, als sprenge sein Herz jeden Moment seinen Brustkorb. Das Rauschen in seinen Ohren und auch der Schleier, der seine Sicht trübte, wollten sich nicht vertreiben lassen. Getrieben davon eilte er aus dem kleinen Raum und blieb erst vor dem riesigen Fenster stehen, hinter dem tiefste Dunkelheit herrschte. Die Hände an die Scheibe gelegt, senkte er den Kopf und atmete langsam und tief ein und aus, um sich zu konzentrieren und wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Man hatte ihn attackiert, so viel war klar. Auch, dass ihn seine Instinkte selbst im Schlaf vor der Hand gewarnt hatten, die nach ihm gegriffen hatte. Einen hatte er erwischt. Doch wo war der andere gewesen? Es hatte einen zweiten Angreifer gegeben. Das wusste er so sicher, wie er wusste, dass draußen tiefste Nacht herrschte. Umzuschauen hatte er sich nicht erlauben können. Hätte er nicht die ganze Aufmerksamkeit auf den Gegner gerichtet, mit dem er gerungen hatte, hätte der ihn – und somit seinen Auftrag – erledigt.

Er riss den Kopf hoch, den pochenden Schmerz ignorierend, der seine hastige Bewegung begleitete. Der Auftrag! Er war der Auftrag!

Er hieb mit der Unterseite seiner Faust gegen die Scheibe. Verdammt, wenn er doch nur wüsste, was ihn zum Auftrag dieser Schläger gemacht hatte.

Vielleicht sollte er froh sein, dass es zumindest schon mal kleine aufblitzende Erinnerungsfetzen gab. Also welche, die mehr brachten als dieser dämliche Frosch, der ihm immer wieder durch die Gedanken schoss. Aber er war nicht froh darüber. Konnte er gar nicht sein. Er wusste vielleicht noch nicht, worum es ging oder wie er da hineingeraten war, aber er spürte mit jeder Faser seines Seins, dass die Erinnerung daran lebenswichtig war.

Und was, in drei Teufels Namen, hatte es mit diesem bescheuerten Frosch auf sich?

„Warum laufen Sie schon wieder rum? Sie sollen sich doch ausruhen.“

Erschrocken fuhr er herum. Trotz des schabenden Geräusches der Tür, die beim Öffnen über den Boden schliff, und den auf dem Linoleum quietschenden Schuhen hatte er die Krankenschwester nicht hereinkommen hören. Die schnelle Drehung ließ ihn taumeln. Sofort war Schwester Sylvie an seiner Seite und führte ihn zum Bett. „Sehen Sie, Roger, genau deshalb hat der Arzt Bettruhe verordnet.“

Roger. Er verzog den Mund beim Klang dieses Namens. Nicht, weil er ihn nicht mochte. Er hatte ihn ja selbst gewählt, nachdem Dr. Bernard ihn darum gebeten hatte – es sei irgendeine Therapieform, hatte er gesagt. Was ihm gehörig gegen den Strich ging, war, dass er sich an seinen eigenen nicht erinnern konnte.

Sylvie war sich der Blicke ihrer beiden Kolleginnen durchaus bewusst gewesen, als sie sich auf den Weg ins Zimmer 248 machte. Das hatte sie aber nicht abhalten können, weiterzulaufen. Sollten die Klatschbasen doch während ihrer Abwesenheit ihren Spaß haben. Sie hatte sich schon genug anhören dürfen. Dass sie daran nicht unschuldig war, war ihr natürlich klar. Ihre Argumente, dass sie ihm lediglich Gesellschaft leisten und ihm durch Gespräche beim Erinnern helfen wolle, waren ungehört abgeprallt. Ihr Widerspruch bezüglich eines anderweitigen Interesses war mit einem breiten Grinsen abgetan worden.

Nun, da sie hinter ihrem Patienten stand, war kaum noch zu leugnen, dass die Behauptungen ihrer Kolleginnen nicht ganz aus der Luft gegriffen waren. Aber er war auch ein Schmuckstück. Breite Schultern, die in einen muskulösen Torso übergingen. Schmale Hüften und stramme Beine. An den knackigen Hintern durfte sie gar nicht erst denken. Ja, es hatte durchaus seine Vorteile, als Krankenschwester neben der Wundversorgung auch für die Pflege eines Patienten zuständig zu sein. Sylvie spürte bei diesem Gedanken die Röte in ihrem Gesicht aufsteigen. Es war das erste Mal während ihrer Zeit als Schwester, dass sie auch einen zweiten, dritten und vierten Blick gewagt hatte. Ein wenig schämte sie sich dafür. Das hinderte sie allerdings nicht daran, ihren Blick in diesem Moment erneut über seine anbetungswürdige Kehrseite schweifen zu lassen.

Ihr Patient brummte etwas Unverständliches und riss abrupt den Kopf hoch. Sylvies Puls begann zu rasen. Hatte er sie dabei ertappt, wie sie ihn anstarrte? Sie sah zum Fenster. Klar, er hatte sie ganz sicher in der Spiegelung gesehen. Oh Mann, das würde peinlich werden.

Zurechtweisung und wissende Blicke blieben jedoch aus. Er hielt seine Augen weiter nach vorne gerichtet, während sich seine Muskeln mehr und mehr anspannten.

Sylvie schüttelte die Teenie-Allüren ab und konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit. Es war herrlich, ihn so eingehend zu betrachten, doch er sollte nicht herumstehen oder durch die Gegend rennen. Und das sagte sie ihm auch. Nur um sofort erneut von schlechtem Gewissen erfüllt zu werden. Durch ihre Worte erschrocken fuhr er herum, was ganz offensichtlich erhebliche Schwindelgefühle auslöste.

Roger ließ sich zum Bett führen und sank resigniert seufzend auf die Matratze.

„Danke, aber es geht schon wieder“, erwiderte er auf ihre Bemerkung, dass Dr. Bernard nicht umsonst Bettruhe für wenigstens weitere vierundzwanzig Stunden verordnet hatte.

„Es ist aber auch nicht die feine englische Art, sich einfach so anzuschleichen“, fügte er mit einem verschmitzten Grinsen hinzu.

„Ich habe mich gar nicht angeschlichen!“ Sylvie biss sich auf die Zunge. Man musste schon im tiefsten Koma liegen, um ihren verteidigenden Ton zu überhören. Roger zumindest war er definitiv nicht entgangen. Sein Grinsen wurde breiter. Er lehnte sich zurück, schob die Hand unter den Kopf und sah sie mit offener Neugierde an. „Was führt Sie denn in meine kleine aber feine Stube?“

„Ich wollte Sie sehen.“ Sylvie brauchte einen Moment, um die Worte zu begreifen, die sie ausgesprochen hatte. Ihr Gehirn musste zuerst die Auswirkungen niederringen, die das Spiel seiner Muskeln bewirkt hatte. Hastig räusperte sie sich. „Nach Ihnen sehen. Ich wollte nach Ihnen sehen.“ Ein weiteres Räuspern. Ihre Kehle war staubtrocken, was man dank einer hervorragend funktionierenden Fantasie von anderen Stellen nicht behaupten konnte. „Nach Ihren Rippen sehen. Und nach Ihrem Kopf.“ Und Ihren Beinen und Ihrem Hintern.

„Können Sie sich an etwas erinnern? Sie sahen gerade so …“ zum Anbeißen „… konzentriert aus. Als würden Sie über etwas nachdenken, das Ihnen eingefallen ist.“

Roger rieb sich mit der freien Hand langsam über den flachen Bauch – warum zum Teufel machte er so was denn nur? – und zuckte dann mit den Schultern. „Es direkt eine Erinnerung zu nennen, wäre wohl zu viel gesagt. Es sind eher einige Bilderfetzen und ein Gefühl.“

Der veränderte Klang seiner Stimme bewirkte das, was Sylvies eigentlich ausgeprägter Sinn für Anstand nicht geschafft hatte. Ihre ganze Aufmerksamkeit landete beim Gespräch. „Es scheint kein gutes Gefühl zu sein.“

„Nein. Ganz und gar nicht. Es mag sich paranoid anhören, aber irgendwie … Ich glaube, mir will jemand ans Leder.“ Er lachte humorlos auf. „Na gut, das ist wohl nichts Neues.“

In den folgenden Minuten lauschte Sylvie Rogers Erklärungsversuchen und suchte anschließend gemeinsam mit ihm nach Wahrscheinlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten seiner Theorie. Ohne ausreichende Informationen erwies sich letzteres allerdings recht schnell als aussichtlos. Das bedeutete jedoch nicht, dass das Thema sie losließ. Zwanzig Minuten später, sie war inzwischen wieder an ihre Arbeit gegangen, grübelte sie immer noch. Roger glaubte, aus welchem Grund auch immer ins Visier von jemandem geraten zu sein. Wer das war, konnte er natürlich nicht sagen, aber neben seinem Gefühl sprachen auch die Verletzungen und der Fundort eindeutig dafür. Sylvie hatte vorgeschlagen, diese Vermutungen Sheriff Moxley mitzuteilen, doch Roger hatte schon beim ersten Treffen am Vormittag extrem misstrauisch auf den Uniformierten reagiert. Otiz hatte Verständnis für sein Verhalten gezeigt, aber auf das Nehmen der Fingerabdrücke bestanden. Danach hatte er sich mit der Ankündigung eines weiteren Besuches zwecks Befragung verabschiedet. Natürlich könnte man dadurch den Eindruck gewinnen, ihr Patient habe etwas zu verbergen. Sylvie vertraute jedoch ihrem Bauchgefühl. Wer auch immer Roger war, er gehörte ganz sicher nicht zu den Bösen. Und wie sie inzwischen wusste, war sie mit dieser Einschätzung auch nicht alleine.

Felicia, die Oberschwester mit den bunten Strähnen in den braunen Haaren, trat aus dem Lager und sah sie schmunzelnd an. „Wie geht´s Mr. Niceguy? Habt ihr euch gut unterhalten?“

Sylvie zuckte mit den Schultern. „Es geht ihm zumindest schon mal gut genug, um sich den Anordnungen des Arztes zu widersetzen und durchs Zimmer zu turnen. Und wie es aussieht, kommen langsam vereinzelte Erinnerungsfetzen zurück. An seinen richtigen Namen kann er sich aber immer noch nicht erinnern.“

„Na, das wird schon. Bei so einer guten Betreuung kann es ihm ja nur besser gehen.“

Sylvie ignorierte sowohl den süffisanten Ton als auch das Zwinkern ihrer Kollegin. Was gab es auch schon dazu zu sagen? Nachdem sie den bewusstlosen Mann auf die Station begleitet hatte, hatte sie ihn ja praktisch adoptiert. Nun musste sie selbst schmunzeln. Ja, es hatte seine Vorteile, wenn man in einem kleinen Krankenhaus arbeitete. Es gab gerademal ein Dutzend Pflegekräfte auf den hier untergebrachten Stationen. Aus Kapazitätsmangel bestand die Klinik aus nur drei Stationen, auf denen verschiedene Fachbereiche zusammengelegt worden waren. Wirklich schwere Fälle wie starke Verbrennungen und ähnliches wurden ins nächstgrößere Krankenhaus geflogen.

Während Felicia sich einige Krankenakten griff, zupfte Sylvie an den Nadeln des kleinen Plastikweihnachtsbaums, der auf dem Tresen stand. In sechs Tagen war Weihnachten, doch bislang fehlte von der passenden Stimmung jede Spur. Das lag nicht daran, dass sie Dienst hatte. Sie hatte ihn sogar freiwillig übernommen, weil sie mit diesen speziellen Feiertagen einfach nichts anfangen konnte. Kaum einer der Kollegen riss sich wirklich darum, in diesen Tagen hier auf Station zu sein, und so tat sie ihnen allen einen Gefallen damit.

Sie ließ von der Dekoration ab, als sich durch ihre Puhlerei einige Nadeln lösten, und machte sich auf die Suche nach einer Beschäftigung. Dass bis zum nächtlichen Rundgang nicht mehr viel zu tun war, weckte erneut ihr schlechtes Gewissen. Felicia hatte bereits die Medikamente verteilt, die Notfallwagen und mobilen Medistationen kontrolliert und das Lager gecheckt, während sie mal wieder Zeit mit ihrem speziellen Patienten verbracht hatte.

Sylvie brauchte nicht nachzufragen, warum sich ihre Kollegin so ausgesprochen kulant zeigte. Die Neckereien und das Grinsen waren ihr Antwort genug. Felicia wusste genau, dass ihre letzte Beziehung bereits sechs Jahre zurücklag. Sie hatte es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, ihr jede potentielle Chance auf dem Silbertablett zu servieren. Dieses Mal wehrte sich Sylvie nicht dagegen. Jedes Leugnen bezüglich ihres Interesses wäre schlichtweg gelogen gewesen.

Um jedoch zumindest eine Zeit lang der Neugierde und den gut gemeinten aber unnötigen Tipps zu entkommen, schickte Sylvie Felicia kurzerhand in die wohlverdiente Pause.

Da es nichts weiter zu tun gab, bestand ihre vorerst letzte Amtshandlung darin, neuen Kaffee aufzusetzen, ehe sie sich den neusten Fachzeitschriften widmete. Nur weil sie keine Ärztin war, bedeutete das ja nicht, dass sie sich nicht auf den neusten Stand zu bringen brauchte. Doch gleich beim ersten Kapitel scheiterte sie mit Pauken und Trompeten. Zu sehr lenkte sie der Patient aus Zimmer 248 ab. Nicht in erster Linie seine Situation oder die Umstände seines Auffindens. So schlimm die Sache auch war – sie konnte sich nicht mal vorstellen, wie es sein muss, sich an rein gar nichts zu erinnern – es war mal wieder der Mann selbst, der ihre Gedanken beherrschte. Vom dem Moment an, in dem er die Augen geöffnet hatte, war sie Gefahr gelaufen, sich in dem hellen Braun mit den blattgrünen Sprenkeln zu verlieren. In ihnen lag ein Ausdruck, den sie gleichzeitig als alt und spitzbübisch beschreiben würde. So, als habe er schon unendlich viel gesehen und sich dennoch die Seele eines Jugendlichen bewahrt. Seine schmalen Lippen waren sanft geschwungen und luden definitiv zum Küssen ein. Der Dreitagebart betonte seine kantige Kieferpartie auf reizvolle Weise. Die kleine Narbe an seinem rechten Jochbein und die Nase, die wenigstens schon zweimal gebrochen worden ist, deuteten darauf hin, dass er auch schon früher das eine oder andere Mal in einen Kampf verwickelt gewesen war. Sylvie rieb sich über die Unterlippe, als ein Lächeln heraufschlich. Er hatte da diesen putzigen Schopf gleich über der Stirn, der ein wenig länger als das übrige Haar war und geradezu widerspenstig in alle Richtungen sprengte. Roger tat noch sein Übriges dazu, indem er immer wieder hindurch fuhr. Und verdammt, sein Körper … mit den Gedanken an den konnte sie sich stundenlang beschäftigen.

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P.I.D.