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Paula Lambert - Office Nights 17-20

Das Netz aus Verführung und Geheimnissen zieht sich immer enger um Stella Durigatti: Als sich ihr Liebhaber Giulio und ihr Geschäftspartner Mackenzie treffen, spürt sie, dass die beiden sich kennen … Was geht hier vor sich? Und warum macht sich Atlas plötzlich rar? Zum Glück steht eine berufliche Reise nach New York an. Stella freut sich, den Kopf freizukriegen, doch schon im Flugzeug zeichnet sich ab, dass John Mackenzie tatsächlich alles andere ist als ein hübscher Langweiler …


  • Erscheinungstag: 22.08.2019
  • Seitenanzahl: 50
  • ISBN/Artikelnummer: 9783745751154
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

TEIL 17

Eine Sache, die niemand über mich weiß, ist, dass ich in der Anfangszeit meiner Agentur unheimlich viel geweint habe. Nicht geweint, sondern geheult, geflennt, gejault, bis meine Augen rot und waren und meine Lider aussahen wie fleischige rosafarbene Raupen. Der Stress war der Wahnsinn. Das Gefühl, wenn das Konto leer war, aber die Gehälter trotzdem bezahlt werden mussten. Die Tage, in denen meine Sachbearbeiterin beim Finanzamt mein intensivster Sozialkontakt war, weil ich jeden Tag betteln musste, dass sie mir nicht einfach den Hahn abdreht. Zum Glück liegt das lange hinter mir. Und zwar, weil ich nicht nur zu mir knallhart war, sondern auch zu meinen Leuten. Natürlich hätte ich es mir leicht machen können wie Gigi, der sich in nonnos Papierfabrik ins gemachte Bett gesetzt hat. Aber ich wollte es unbedingt alleine schaffen und habe meinen Gewinnanteil aus unserem Papiertütenimperium nie angerührt. Und ich habe es auch geschafft. Derart geheult habe ich seit Jahren nicht mehr. Aber manchmal möchte ich.

Zum Beispiel, wenn ich sehe, wie John Mackenzie durch mein Büro stolziert, mit seiner ganzen schnittigen CEO-haftigkeit, während ich mich hauptsächlich mit privaten Problemen herumschlage, die ich bis vor ein paar Wochen gar nicht hatte. Inzwischen bin ich in einem Bermudadreieck aus Sex gefangen, in dem vor allem meine Gewinnerfähigkeiten verloren gehen. Wenigstens habe ich so viel Sex wie noch nie. Das kann ich zwar nicht in den Geschäftsbericht schreiben, aber immerhin.

Atlas war sehr still in den Tagen, und es hat sich ein bisschen so angefühlt, als wäre er mit etwas anderem oder, schlimmer, mit einer anderen beschäftigt. Wenn ich schon eine Nummer sein muss, dann bitte die Nummer eins – da bin ich eigen. Wäre ich Profiler, würde ich schätzen, dass er irgendwas zwischen 30 und 50 Jahren ist, ziemlich gut verdient und auf jeden Fall männlich ist. Vielleicht gut, dass ich kein Profiler geworden bin, aber anhand seiner Stimme kann ich es nicht erkennen, weil sie so komisch krächzend klingt. Als wir spazieren gegangen sind, ist mir klar geworden, dass er außerdem viel sensibler ist, als seine Mails durchblicken lassen. Ich grübele, warum er mich ausgewählt hat. Er hätte sich auch Alice widmen können oder irgendeiner anderen Frau hier im Büro, die alle leichter zu handhaben sind als ich. Vielleicht aber auch weniger abenteuerlustig. Und es hat natürlich seinen Reiz, sich mit Führungskräften zu beschäftigen, das gebe ich zu. Warum unten anfangen, wenn man nach oben will? Ich habe mich in letzter Zeit so stark dieser Geschichte mit Giulio gewidmet, dass ich Atlas vernachlässigt habe. Dabei hat mir unser kleines Spiel Spaß gemacht. Ich mag Atlas. Und ich vermisse ihn.

Der Tag in der Agentur verläuft ereignislos. Für den Abend hat meine mamma ein großes Essen geplant, und Giulio besteht darauf, mich abzuholen. Ich halte mein Privatleben gerne privat, darum habe ich ihn gebeten, um 19 Uhr 30 unten vor dem Gebäude zu warten. Aber er hält sich nicht daran und kommt um 19 Uhr 15 in die Agentur marschiert. Alice fallen fast die Augen aus dem Kopf, als er mit seiner Leinenhose und den teuren, handgenähten Schuhen über den Flur läuft und mit weit ausgebreiteten Armen auf mich zu stolziert. Plötzlich ist mir seine ganze italienische extravaganza peinlich. Das dunkle, lockige Haar sieht einen Tick zu gesund aus, die Haut ist ein bisschen zu golden und sein Körper definitiv zu adonishaft. Ich habe das Gefühl vom Weiß seiner Zähne geblendet zu werden. „Bellissima“, ruft er, „sieh dich nur an!“ Er nimmt mich an der Hand und dreht mich im Kreis, als wäre ich eine besonders erfolgreiche Zuchtstute auf einer Auktion. „Was für ein schönes Kleid!“ Durch den Lärm werden nicht nur das halbe Team und die gerade eintreffende Putzkolonne angelockt, sondern unglücklicherweise auch John Mackenzie, der aus seinem Büro kommt und mit verschränkten Armen im Türrahmen stehen bleibt. Ich löse mich aus Giulios Hand und streiche mir das Kleid glatt. „Schon gut“, knurre ich. „Es gibt hier nichts zu sehen.“ Mackenzie sieht das anders und geht auf Giulio zu. „John Mackenzie“, sagt er und streckt Giulio die Hand hin. „Giulio Menella“, sagt Giulio und schüttelt Mackenzies Hand. Und als sich ihre Hände berühren, durchfährt mich ein riesiger Schreck. Ich weiß nur nicht, warum.

Zuhause hat mamma mit Nonna Ilarias Hilfe alles auf den Tisch gezaubert, was die italienische Küche so hergibt. Da stehen Pane Fratau, Saltimbocca, eine Caprese Crema, Piccata Milanese, Minestrone verde und verschiedene Pasta-Gerichte. Und als wäre das nicht sowieso schon alles zu viel, verkündet sie auch noch, dass wir alle zusammen an den Gardasee reisen werden. „Wir waren lange nicht da, und es ist wichtig, dass die Familie Zeit miteinander verbringt.“ Dabei lächelt sie Giulio so intensiv an, dass er vor Verlegenheit auf seinen Teller schaut. Mein Bruder Gigi verdreht die Augen und lacht in seine Serviette.

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