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Play with me: Meagan und Sam

hier erhältlich:

TV-Produzentin Meagan hat eigentlich schon genug Stress beim Dreh von "Stepping Up". Da hat Sam ihr grade noch gefehlt. Denn der sexy Sicherheitschef des Senders, sorgt mit seinen sinnlichen Blicken dafür, dass ihr ganz heiß wird …


  • Erscheinungstag: 01.10.2015
  • Aus der Serie: Inside Out
  • Bandnummer: 1
  • Seitenanzahl: 120
  • ISBN/Artikelnummer: 9783956494918
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Lisa Renee Jones

Play with me: Meagan und Sam

Aus dem Amerikanischen von Johannes Heitmann

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der HarperCollins Germany GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright dieses eBooks © 2015 by MIRA Taschenbuch

in der HarperCollins Germany GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Watch Me

Copyright © 2012 by Lisa Renee Jones

erschienen bei: Harlequin Enterprises, Toronto

Published by arrangement with

Harlequin Enterprises II B.V./S.àr.l

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Covergestaltung: pecher und soiron, Köln

Redaktion: Maya Gause

Titelabbildung: Shutterstock; Thinkstock/Getty Images, München

ISBN eBook 978-3-95649-491-8

www.mira-taschenbuch.de

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eBook-Herstellung und Auslieferung:
readbox publishing, Dortmund
www.readbox.net

1. KAPITEL

Gellende Schreie rissen Meagan Tippan aus dem Schlaf. Gerade eben noch hatte die Produzentin von „Stepping Up”, Amerikas neuer Reality-Dance-Show, tief geschlafen, und jetzt saß sie aufrecht im Bett. Ihr Herz raste.

Keine zwei Sekunden später schaltete sich das Sprinklersystem in der restaurierten viktorianischen Strandvilla ein. Unwillkürlich drückte Meagan den Rücken durch, um den eiskalten Tropfen, die ihr dünnes T-Shirt durchweichten, zu entgehen.

Brannte es tatsächlich irgendwo im Haus? Der Gedanke kam wie ein dritter Schock.

Schnell schob sie die durchnässten Laken zur Seite und hastete zur Tür. Hier im Haus gab es zwölf junge Tanztalente, die all ihre Hoffnungen in die Show setzten. Diese jungen Menschen wollten ihren Traum leben und keinen Albtraum.

Tänzer und Crew mussten unbedingt so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden.

Sie ging auf den Flur hinaus und sah, wie Ginger Scott, eine der beiden Choreographen der Show, die sechs weiblichen Kandidaten die Treppe nach unten führte.

„Ist jemand verletzt?” Meagan musste schreien, weil das prasselnde Wasser die panischen Stimmen fast übertönte.

„Nein. Nur verängstigt.” Ginger, die für die Kandidaten wie eine Ersatzmutter war, schob sich die nasse blonde Mähne aus der Stirn.

Genau dasselbe tat Meagan gerade mit ihrem hellbraunen Haar. „Wo brennt es denn?”

„Ich habe überhaupt kein Feuer gesehen. DJ sagt, unten brennt auch nichts.”

DJ war Gingers Zwillingsbruder und trainierte die männlichen Kandidaten.

„Die Feuerwehr ist schon unterwegs.” DJ kam die Treppe herauf. „Könnte aber alles eine elektrische Fehlschaltung sein. In so einem alten Haus kommt das vor.”

Na, fantastisch, dachte Meagan, das fehlt gerade noch. Zehn Wochen lang sind wir jetzt kreuz und quer durchs Land gefahren und haben Castings abgehalten, bis wir die zwölf Kandidaten zusammenhatten, und ständig geht irgendetwas schief.

Gerüchte über einen Fluch, der angeblich auf der Sendung lag, machten bereits die Runde.

Und jetzt hatte anscheinend noch irgendein Kurzschluss gleich in der ersten Nacht, die sie hier im Haus verbrachten, zu einem Brand geführt.

„Alles okay da oben?”, rief einer der Tänzer aus dem Erdgeschoss. „Braucht ihr Hilfe?”

„Nein! Bleibt unten”, rief Meagan zurück, wobei sie Wasser in den Mund bekam. „Hier gibt’s kein Feuer.” Jedenfalls hatte sie noch keins gesehen, aber das behielt sie lieber für sich. Sie wollte Team und Tänzer nicht noch mehr in Panik versetzen.

„Alle nach draußen auf den Rasen, damit wir durchzählen können.” Sie scheuchte Ginger und DJ die Treppe hinab. Je eher sie die Situation in den Griff bekamen, desto besser. Allerdings machte sie sich keine falschen Hoffnungen mehr. Absolute Kontrolle war in diesem Geschäft einfach nicht möglich. Ihre eigene Karriere als Tänzerin war durch eine Knieverletzung abrupt beendet worden, und wann immer sie in ihren 32 Jahren geglaubt hatte, Herr der Lage zu sein, war wieder etwas anderes dazwischengekommen.

Schließlich standen alle Kandidaten der Show schlotternd vor Meagan im Garten vor dem Haus. Mit ihren durchtrainierten Körpern in durchnässten T-Shirts sahen sie aus, als würden sie für irgendein Erotikmagazin posieren.

Das müssen wir rausschneiden, dachte Meagan. Sicher war der ganze Vorfall von den festinstallierten Kameras gefilmt worden, und bestimmt würde der Sender darauf bestehen, Szenen von diesem Vorfall im Rahmen der Hintergrundberichte zu senden. Schließlich waren auch alle bisherigen Missgeschicke über den Sender gegangen. Umstürzende Kulissen, Transportbusse, die mit einer Panne liegen blieben, und auch noch ein verrückter Fan, der in einer Hotellobby Feuer gelegt hatte.

Gab es tatsächlich so etwas wie einen Fluch? Das war einfach unmöglich!

Sie fuhr zum Haus herum, als sei das Gebäude von einem bösen Geist besessen. Nein, sie würde sich ihren Traum nicht kaputtmachen lassen!

Die Idee zu dieser Show war ihr gekommen, nachdem sie in Dallas zehn Jahre lang eine sehr erfolgreiche News-Sendung produziert hatte. Diesen Posten aufzugeben, um mit einer Reality-Dance-Show vielleicht gute Quoten zu erzielen, war ein großes Risiko gewesen.

Die Kameras waren nass, und das Haus, in dem sie die nächsten zwölf Wochen hatten verbringen wollen, war vom Wasser zerstört.

Meagan wusste, wie die Verantwortlichen im Sender tickten. Keiner dieser Leute hatte viel Geduld. Ihre Show, die Erfüllung ihres Traums, verwandelte sich in einen einzigen Albtraum. Jederzeit konnte es passieren, dass die Sendung eingestellt wurde.

Der Gewinner der Show würde ein neues Auto bekommen, Bargeld und einen Vertrag beim Sender, aber auch die übrigen Kandidaten würden durch die Auftritte in den Sendungen so bekannt, dass sich ihre Leben von Grund auf verändern würden.

Fand das alles mit dem heutigen Tag ein jähes Ende?

Um sich zu beruhigen, rief sie sich die berühmten Jury-Mitglieder ins Gedächtnis, die sie für die Live-Shows hatte gewinnen können. Ein weltbekannter Choreograf, ein Talentscout einer angesehenen Casting-Agentur und ein echter Popstar. Ganz bestimmt wollte der Sender diese Leute nicht bezahlen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen.

Andererseits brauchte sie sich nichts vorzumachen: Die Chefetage im Sender entschied rücksichtslos. Was Gewinn versprach, wurde gefördert, was Verluste einbrachte, wurde gekippt.

Irgendetwas musste sie unternehmen, um das Haus und damit ihre Show zu retten.

Ohne auf die zu hören, die ihren Namen riefen, lief sie zurück zum Haus. Ganz offensichtlich brannte es nirgendwo. Die eigentliche Zerstörung richtete das Wasser aus der Sprinkleranlage an.

Sie lief ins Haus und in den Keller hinunter, um alle Sicherungen auszuschalten, die sie finden konnte. War nicht neben Waschmaschine und Trockner ein Sicherungskasten gewesen?

Ja, dort hing der Kasten. Leider so hoch, dass kein Normalsterblicher ihn erreichen konnte. Entnervt stapfte Meagan durch das Wasser, das auf dem Kellerboden stand, und erklomm die Waschmaschine.

Als sie hinter sich Schritte auf der Kellertreppe hörte, rief sie sofort: „Ich sagte doch: Alle raus in den Garten!” Dann zerrte sie an dem metallenen Abdeckblech des Kastens, aber er ließ sich nicht öffnen. „Alle sollen raus, dort seid ihr sicher!” Sie hörte platschende Schritte und verzog das Gesicht. „Was ist so daran so schwer zu begreifen, ich …”

„Komm da runter, bevor du dich noch verletzt.”

Bei dem Befehlston in der tiefen Stimme erstarrte sie. Samuel Kellar leitete das Security-Team des Senders. Er war knapp eins neunzig groß, blond, blauäugig und sexy. Außerdem war er selbstherrlich, machte sie mit jedem zweiten Wort rasend vor Wut, und leider dachte sie viel zu oft über ihn nach.

Alle nannten ihn Sam, und in den letzten Monaten hatte er, besonders bei den offenen Castings, sämtliche Sicherheitsmaßnahmen koordiniert.

In dieser Zeit hatte Meagan sich davon überzeugen können, dass es nur sehr wenige Menschen auf der Welt gab, die sie so schnell wütend machen konnten wie Sam. Niemals bat er um irgendetwas, er gab immer nur Befehle! Allerdings war es ihr ein absolutes Rätsel, wieso sie ihn nicht nur ständig anschreien wollte, sondern sich auch gleichzeitig wünschte, er würde vor ihren Augen einen Strip hinlegen.

Sie war nicht der Typ, der andere anschrie. Und mit einem Mann wie Sam zu schlafen, kam für sie auch nicht in Frage. Sie bevorzugte es sanft und fügsam. Arrogante und herrische Typen wie er waren ihr zuwider. Leider ließ Sam sich bisher von ihren bissigen Kommentaren in keiner Weise einschüchtern. Fast kam es ihr vor, als würden ihm die Wortgefechte Spaß machen.

Entnervt zerrte sie an der Abdeckklappe, reckte dabei den Po in die Höhe – und erstarrte vor Verlegenheit in dieser peinlichen Haltung.

Jetzt bekam Sam, der ihr tagtäglich allein dadurch auf die Nerven ging, weil er so sexy war, auch noch den perfekten Ausblick auf ihren Hintern! Sie ahnte, dass ihre durchnässte pinkfarbene Boxershorts nicht viel der Fantasie überließ.

Als ehemaliger Angehöriger der Special Forces, war Sam Kellar ein sehr disziplinierter Mensch. Er sah sich als Gentleman, aber letztlich war auch er nur ein Mann. Nicht mal die kalte Dusche aus der Sprinkleranlage konnte die Glut in ihm löschen, die der Anblick von Meagans herzförmigem, sexy Po in ihm auslöste. Anscheinend war er noch schärfer auf sie, als er gedacht hatte, obwohl sie natürlich ganz klar tabu für ihn war. Einerseits arbeiteten sie zusammen, und andererseits löschte sie konsequent jeden Funken Lust, der zwischen ihnen aufflackerte, mit ihrer routinierten Rolle der Eisprinzessin.

„Komm da runter, Meagan!” Ganz bestimmt würde sie ihm wie üblich widersprechen.

Vergeblich zerrte sie an der Abdeckklappe. „Erst wenn ich das Wasser abgeschaltet habe.”

„Das übernehme ich”, versprach er ihr. „Jetzt komm schon, bevor …”

Noch bevor er den Satz beenden konnte, rutschte sie ab, und Sam schlang die Arme um ihre langen schlanken Beine, damit sie nicht fiel.

„Sam!” Sie stützte sich mit beiden Händen an der Decke ab und sah zu ihm hinunter. Ihre Blicke trafen sich.

Sofort war die Glut wieder mit voller Kraft da. Ihnen war beiden klar, dass Meagan halb nackt war und dass Sam sie umschlungen hielt. Mit diesem Blick gestanden sie sich ein, dass sie sich so eine ähnliche Situation schon beide oft ausgemalt hatten.

„Lass mich los!” Es klang ein bisschen panisch.

Diese Panik hatte Sam fast immer in ihrer Stimme gehört, wenn diese überwältigende Hitze zwischen ihnen aufkeimte. „Damit du dir deinen hübschen Hals brichst? Ganz sicher nicht.”

Ohne ihr Zeit zum Widerspruch zu geben, strich er mit den Händen an ihren Schenkeln hinauf bis zur Taille und hob Meagan von der Waschmaschine herunter. Das war aus seiner Position heraus nicht ganz leicht.

Sie landete so eng an ihn geschmiegt wie die nasse Shorts ihr am runden Po klebte. Sam war schon viel zu lange scharf auf sie, um jetzt verbergen zu können, wie heiß ihr sinnlicher Körper ihn machte.

„Was fällt dir ein?”

Ihre Hüften pressten sich an seine, ihre Hände spürte er an der Brust. Wie oft hatte er davon geträumt, dass sie ihn mit diesen Händen berührte, und nicht nur an der Brust!

Das erotische Knistern war fast hörbar, obwohl nach wie vor das Wasser aus der Sprinkleranlage prasselte.

Meagan reagierte mit geballtem Zorn. „Sam, verdammt! Das Haus versinkt im Chaos!” Sie wand sich aus seinen Armen, und widerstrebend ließ er sie los. „Ich muss das Wasser abschalten.” Wieder wandte sie sich der Waschmaschine zu.

Auf keinen Fall wollte er sie dort noch einmal hinaufklettern lassen. Mühelos zog er sie am Arm zu sich herum.

Ihr Gesicht war so dicht vor seinem, dass er sie hätte küssen können. Er hätte dem Drang gern nachgegeben, aber leider hatte sie recht: Das Wasser musste abgeschaltet werden.

„Was für eine sture Frau!” Er sagte es leise und mehr zu sich. „Ich mach das schon. Deshalb bin ich doch überhaupt hier heruntergekommen. Außerdem habe ich dich ins Haus rennen sehen. Da habe ich gleich gewusst, dass du wieder irgendwas Unvernünftiges vorhast.”

Aus weiter Ferne hörte man Sirenen, und unwillkürlich glitt Sams Blick zu Meagans aufgerichteten dunkelroten Nippeln, die man durch das durchnässte T-Shirt deutlich sah. Er wollte nicht, dass eine ganze Horde Feuerwehrmänner diesen Anblick zu genießen bekam.

„Sam!” Empört verschränkte sie die Arme vor der Brust.

Er rieb sich übers Gesicht, als könnte er dadurch das Bild ihrer perfekten Brüste aus seinem Gedächtnis löschen. „Tut mir leid. War keine Absicht. Es ist einfach … so passiert.” Er zog sich die Regenjacke aus, die er sich angezogen hatte, bevor er ins Haus gelaufen war, und reichte sie ihr. „Zieh die hier an, bevor ein Dutzend Feuerwehrmänner auch ganz unabsichtlich die Blicke schweifen lässt.” Die Vorstellung gefiel ihm überhaupt nicht.

Er wandte sich ab, stemmte sich auf die Waschmaschine und schlug mit der Faust auf die Abdeckklappe, die sofort aufsprang.

Verblüfft sah sie zu ihm hoch. „Die hatte ich schon gelockert.”

Er musste schmunzeln, aber er antwortete nichts. Es gefiel ihm viel zu sehr, wie leicht er sie auf die Palme bringen konnte, ohne es überhaupt zu wollen.

Schnell unterbrach er den Sicherungskreis der Sprinkleranlage, und die Berieselung hörte schlagartig auf. Jetzt erklangen die lauten Stimmen der Feuerwehrleute, und aus dem Stockwerk über ihnen waren schwere Schritte zu hören.

Sam stieg von der Waschmaschine und stand wieder knöcheltief im Wasser. Zum Glück war Meagan in die viel zu große Regenjacke eingehüllt. Allerdings fand er es auch irgendwie erotisch, dass sie ein Kleidungsstück von ihm trug.

Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht, das auch völlig ungeschminkt unglaublich attraktiv war. Wassertropfen hingen an ihren dichten dunklen Wimpern und rahmten ihre grasgrünen Augen ein. Ihr Blick glitt über sein nasses T-Shirt mit dem Aufdruck des Senders und kehrte zu seinem Gesicht zurück.

„Leute, ihr müsst hier raus”, ertönte eine Männerstimme von der Treppe und riss sie beide von einer Sekunde zur anderen aus dem sinnlichen Zauber.

„Wir kommen”, rief Sam zurück und wandte sich an sie. „Ich werde erklären müssen, was hier vorgefallen ist. In der Zwischenzeit kümmert einer meiner Leute sich um Hotelzimmer für alle.” Mit einer Geste gab er ihr zu verstehen, sie solle nach oben gehen.

Mit einem Mal wirkte sie verletzlich.

„Ich … also bei all den Feuerwehrleuten und deinen Männern da oben … danke für die Jacke. Und dass du das Wasser abgestellt hast.”

Gerade dachte er, Meagan und er würden allmählich etwas besser miteinander auskommen, als sie fortfuhr: „Aber ich hätte es auch fast geschafft.”

„Natürlich hättest du das.” Mühsam verkniff er sich ein Lächeln. „Aber wenn ich schon mal hier bin, Meagan, dann kann ich mich doch auch nützlich machen.”

Bei seinen Worten öffnete sie den Mund, dann stemmte sie die Hände in die Seiten. „Du bist einfach unmöglich.” Einen Moment lang starrte sie ihn noch wütend an, dann machte sie kehrt und stapfte durchs Wasser zur Treppe.

Sam sah ihr nach. Unmöglich war nicht er, sondern der Glaube, sie könnten dieses Spielchen noch lange weiterspielen. Sie wollte ihn, und er wollte sie. Daran ließ sich nichts ändern, egal, auf wie viele Waschmaschinen er noch kletterte.

2. KAPITEL

Ganz konservativ in dunkler Bluse und dunklem Rock trat Meagan aus dem Fahrstuhl in das Büro der Sendeleitung. Während der paar Stunden im Hotelbett hatte sie nur an die Decke gestarrt und daran gedacht, wie Sams Körper sich an ihren geschmiegt hatte.

Konzentrier dich, sagte sie sich. Hier geht es um mehr als deinen Job. Es ging um ihren Traum, um ihre Karriere als Tänzerin, zu der es nie gekommen war. Diese Leidenschaft fürs Tanzen wollte Meagan nutzen, um anderen, die das Tanzen ebenso liebten, bei der Erfüllung ihrer Träume zu helfen. Genau das hatte ihre Tanzlehrerin damals für sie getan, als Meagan noch ganz jung gewesen war und von einer Laufbahn als Ballerina geträumt hatte.

Sie holte tief Luft. Sie wollte durchsetzen, dass sie die Show jetzt in dem Hotel drehten, in das sie spontan gezogen waren. Meagan ging zu June, der Sekretärin, die mit dem üblichen freundlichen Lächeln hinter dem riesigen Schreibtisch aus Mahagoni saß.

„Guten Morgen, Meagan. Ich sage Sabrina, dass du hier bist.”

Dicht hinter Meagan erklang eine tiefe Männerstimme mit sehr sinnlichem Tonfall. „Guten Morgen, Eisprinzessin. Wie geht’s dir heute?”

Meagan erstarrte. Wenn Sam hier war, bedeutete das höchstwahrscheinlich, dass der Sender beschlossen hatte, die Show abzusagen. Sam sollte für Schadensbegrenzung sorgen, wenn die Kandidaten erfuhren, dass sie alle nach Hause fahren konnten.

Bei dem Gedanken wurde ihr fast übel. Reiß dich zusammen, sagte sie sich. Gib ihm Kontra, genau wie er es von dir erwartet. Sie wandte sich zu ihm um, aber der belustigte Blick seiner blauen Augen hielt sie wie gefangen. „Die Eisprinzessin ist ziemlich durchgefroren, danke fürs Mitgefühl.”

Schnell wandte sie sich ab, auf der Flucht vor Sams durchdringendem Blick. Er würde sonst erkennen, dass ihr überhaupt nicht kalt war. Vielmehr war ihr so heiß, dass sie sich am liebsten Kühlung zugefächelt hätte. Sie konnte seinen heißen Blick förmlich spüren, mit dem er jede ihrer Bewegungen registrierte.

Sie setzte sich auf eines der Ledersofas, schlug die Beine übereinander und nahm sich eine Zeitschrift.

„Du bist heute ziemlich leicht reizbar.” Er setzte sich ihr gegenüber. „Normalerweise ist es nicht so einfach, dich auf die Palme zu bringen.”

„Unter Schlafmangel wird jede Prinzessin übellaunig.”

Er lächelte belustigt, doch bevor er etwas erwidern konnte, ging die Tür zum Büro ihrer Chefin auf. Sabrina hatte ihr langes blondes Haar sorgfältig am Hinterkopf zusammengesteckt, und ihr weißes Kostüm saß tadellos.

„Kommt rein, ihr zwei. Tut mir leid, dass ihr warten musstet.” Sobald sie eingetreten waren, deutete Sabrina zu einem kleinen Besprechungstisch, und auf einmal saß Meagan zwischen ihrer Chefin und Sam. Wie von Zauberhand tauchte eine Tasse Kaffee vor ihr auf.

Sabrina legte die Hände flach auf den Tisch. „Also, wo fangen wir an? Uns war von Anfang an klar, dass diese Show ein Tanz auf dem Vulkan wird, aber wer hätte gedacht, dass es in diesem Vulkan so stark brodelt? Die gute Nachricht lautet, dass viel Wirbel üblicherweise zu starken Quoten führt. Auf einigen der Klatsch- und Tratschseiten im Netz wird bereits über die Vorfälle der letzten Nacht berichtet, und immer wieder kommt das Gerücht hoch, dass ein Fluch auf der Show liegt. Auf Twitter und Facebook gibt es heiße Diskussionen, und deshalb werden wir einfach auf dieser Welle schwimmen und die Geschichten um den Fluch bestärken. Geplant ist, dass wir in den nächsten zwei Wochen Aufzeichnungen der Castings zeigen. Damit bleiben euch zwei Wochen Zeit, um euch in einem neuen Haus einzurichten. Wir werden auch eine Reihe von Promo-Spots zeigen, die den Fluch als Thema aufgreifen. Meagan, du bist dafür verantwortlich, dass wir entsprechendes Filmmaterial bekommen. Lass die Kandidaten über das sprechen, was gestern Nacht passiert ist. Dazu noch ein bisschen Unheimliches und Übernatürliches, was den Fluch unterstützt. Zwischen den ersten beiden Episoden bauschen wir die Geschichte mit dem Fluch auf, und anschließend sehen wir weiter, je nachdem, wie die Quoten aussehen.”

In Meagans Kopf drehte sich alles. Die Show wurde nicht abgesetzt! Das war fantastisch. „Ich weiß nicht genau, wie wir die Ausschnitte von den Kandidaten beim Tanzen und Üben mit dem Fluch zusammenschneiden sollen.”

Sabrina lächelte. „Für die erste Episode bekommt ihr zwei Stunden Zeit, anschließend senden wir im Standardformat abwechselnd Reality-TV und den Wettbewerb, bei dem die dreiköpfige Jury entscheidet, wer nach Hause geht. Beim Finale können die Zuschauer mitstimmen.”

„Was ist mit den Superstars für die Liveshows?”

„Die bekommst du als Belohnung, wenn die Promo-Spots mit dem Fluch das Interesse bei den Zuschauern wecken, das wir uns erhoffen. Wir investieren weiter in dich und die Show, solange die Quoten das rechtfertigen.”

Meagan konnte es kaum glauben. Inmitten der ganzen Katastrophen sah alles auf einmal spektakulär aus. „Sabrina, ich bin sprachlos. Ich werde dich nicht enttäuschen.”

„Das weiß ich. Aber hier im Sender geht es auch um Haftungsfragen. Wir müssen mehr in den Schutz aller Beteiligten investieren. Sam und du, ihr müsst gemeinsam ein neues Haus finden, in dem wir filmen und die Kandidaten sicher unterbringen können. Zu eurer Sicherheit gibt’s rund um die Uhr Security.”

Meagans Herz raste. Unwillkürlich sah sie zu Sam. „Was genau bedeutet das? Security rund um die Uhr?”

„Wir haben Sam gebeten, bei der Show persönlich den gesamten Schutz zu übernehmen”, erklärte Sabrina und stand auf. „Ihr zwei werdet uns großartige Quoten bescheren.”

Nach dem Meeting folgte Sam Meagan in den Aufzug. Sobald die Türen der Kabine sich geschlossen hatten, wandte sie sich zu ihm.

„Als Leiter der Security hast du bestimmt Besseres zu tun, als für mich und die Tänzer den Babysitter zu spielen.”

Fragend zog er eine Braue hoch. „Du kannst es wirklich nicht erwarten, mich loszuwerden, stimmt’s?”

„Das Einzige, was wir perfekt hinbekommen, ist das Streiten.”

„Dann wird es Zeit herauszufinden, ob wir auch noch anderes zusammen perfekt beherrschen.” Entspannt lehnte er sich zurück und musterte sie. „Wenn ich dem Sender nicht versichert hätte, dass ich mich um die Sicherheit kümmere, während du dich auf die Quoten konzentrierst, gäbe es jetzt überhaupt keine Show mehr. Mag sein, dass du mich für einen riesigen Mistkerl hältst, aber ich wollte verhindern, dass sie abgesetzt wird und ihr alle todunglücklich seid.”

Sie stieß die Luft aus und hielt sich den Magen. „Ich wusste, dass sie alles canceln wollten.”

„Haben sie aber nicht. Du hast noch eine Chance. Wir beide haben sie. Und das bedeutet …” Der Fahrstuhl hielt an, und einige Leute wollten einsteigen. „Lass uns das draußen besprechen.”

Meagan atmete tief durch und folgte ihm in die Lobby, wo einer von Sams Leuten auf ihn zukam.

„Genau nach dir habe ich gesucht, Mann.” Josh Strong war ein 28-jähriges ehemaliges Mitglied der SEALs. Den Dienst hatte er quittiert, damit er sich um seine kranke Mutter kümmern konnte.

Josh war immer hellwach, und Sam konnte sich glücklich schätzen, einen Mann wie ihn in seinem Team zu haben.

„Ich habe die Liste mit den Anwesen für das Team der Dance-Show fertig.”

Sam wollte Meagan ins Gespräch einbeziehen, aber sie war bereits weitergegangen. Natürlich. Sie flüchtete bei der ersten Gelegenheit. „Einen Moment, Josh, bin gleich zurück.” Schnell folgte er Meagan. Wenn sie die Show als Team zum Erfolg führen wollten, kam es nicht in Frage, dass sie sich aus dem Weg gingen.

Auf dem Parkplatz holte er sie gerade noch rechtzeitig ein, um die Fahrertür ihres Acura mit einer Hand zuzuhalten. Der Wind drehte sich, und eine Strähne ihres hellbraunen Haars streifte seine Wange. Es duftete nach Vanille und Honig, und sofort wurde ihm die Jeans eng.

„Wir müssen reden, Meagan.”

„Sam.” Sie reckte das Kinn vor, und ihr Mund war nur Zentimeter von seinem entfernt. „Wir müssen reden, aber nicht jetzt. Ich muss zurück ins Hotel, um erste Szenen zu schneiden und nach den Tänzern zu sehen. Und nur damit das klar ist: Nicht du entscheidest, wann wir reden oder sonst etwas tun. Frag mich, dann können wir diskutieren und zusammen entscheiden. Verstanden?”

Schon klar, er verstand sie blendend. Wahrscheinlich verstand er besser als sie selbst, was sie brauchte. „Geh heute Abend mit mir essen.”

„Das klang nicht nach einer Frage.”

„Und wenn ich es als Frage formuliert hätte, hättest du Ja gesagt?”

Zögernd senkte sie die langen Wimpern, dann sah sie ihm wieder in die Augen. Trotz lag in ihrem Blick. „Nein.”

Das Zögern war ihm nicht entgangen. Wenn er sich jetzt ein bisschen vorbeugte, würde er sie genau so wie gestern Nacht berühren. Alles in ihm sehnte sich danach. Ja, er war scharf auf sie. „Was, wenn ich die Liste mit den Häusern, die für die Sendung in Frage kommen, mitbringe?”

„Du kannst mir die Liste auch zumailen. Das ist Erpressung.”

„Schuldig im Sinne der Anklage.” Er stieß sich vom Auto ab, blieb aber weiter so dicht bei ihr, dass ihm ihr verführerischer Duft weiter in die Nase stieg. „Wir dürfen diese Unterhaltung nicht aufschieben. Schließen wir Waffenstillstand, dann können wir darauf hinarbeiten, dass die Show die Quoten bekommt, die du dir erträumst.”

„Also schön”, stimmte sie schließlich zu. „Und beim Dinner erkläre ich dir noch mal den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Befehl.”

Er musste lachen. „Einverstanden.” Es imponierte ihm, wie Meagan ihm immer wieder Kontra gab.

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