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Unter glutroter Sonne: Connal

In einer kleinen Kapelle erfüllt sich Pennies größter Wunsch: Sie wird C.C. Tremaynes Frau. Doch schon am Morgen nach der Hochzeit beginnt sie zu verstehen, dass mit einem "Ja" noch längst nicht alle Träume wahr werden …
  • Erscheinungstag: 20.05.2015
  • Seitenanzahl: 120
  • ISBN/Artikelnummer: 9783955764371
  • E-Book Format: ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Diana Palmer

Unter glutroter Sonne: Connal

Übersetzer: Angelika Eisold-Viebing

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MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der HarperCollins Germany GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Copyright dieses eBooks © 2015 by MIRA Taschenbuch

in der HarperCollins Germany GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Connal

Copyright © 1990 Diana Palmer

Übersetzt von: Angelika Eisold-Viebing

erschienen bei: Silhouette Books, Toronto

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Covergestaltung: pecher und soiron, Köln

Redaktion: Mareike Müller

Titelabbildung: Thinkstock / Getty Images, München

Autorenfoto: © by Harlequin Enterprises S.A., Schweiz / Chris Stanford

ISBN eBook 978-3-95576-437-1

www.mira-taschenbuch.de

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eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder

auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Alle handelnden Personen in dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

1. KAPITEL

Auf Grund des Datums wusste Penelope genau, dass sie C.C. Tremayne nicht in der Scheune finden würde. Normalerweise hielt er sich um diese Tageszeit immer dort auf, um die Tiere zu füttern, ganz besonders nachdem die Trockenzeit der letzten Wochen das Gras hatte braun werden lassen. Die Dürre traf Penelopes Vater hart. Obwohl der Rio Grande nur ein paar Meilen entfernt floss, war Wasser ein kostbares Gut, und mehr und mehr Brunnen trockneten aus; die Wassertanks blieben leer.

Mitte September war es in Westtexas meist heiß, doch an diesem Abend war es windig und außergewöhnlich kalt. Penelope hatte sich eine Jacke übergezogen und war jetzt froh darüber.

Es wurde gerade dunkel, und sie wusste, dass es zu einer weiteren unangenehmen Auseinandersetzung kommen würde, wenn sie C.C. nicht vor ihrem Vater fand. Ben Mathews und sein Vormann waren sich in den letzten Wochen oft in die Haare geraten, und Penelope hatte genug davon. Ihr Vater bekam immer so miserable Laune, wenn das Geld knapp war. Die Dinge konnten augenblicklich wirklich kaum schlechter stehen.

C.C. trank ab und an. Das war ihr bekannt, und es war wieder die Zeit dafür. Nur Penelope wusste um die Wichtigkeit dieses bestimmten Septembertages in C.C.s Leben. Sie hatte ihn einmal während einer schweren Grippe gepflegt, und in einem Fieberanfall hatte er ihr alles erzählt. Sie ließ sich natürlich nie anmerken, was sie wusste. C.C. – so wurde er genannt, und niemand hätte sagen können, wofür die Initialen standen – wollte nicht, dass irgendjemand etwas über sein Privatleben erfuhr.

Penelope hatte sich an dem Tag vor drei Jahren in C.C. verliebt, an dem ihn ihr Vater als Vormann eingestellt hatte. Ein einziger langer Blick auf den großen, schlanken und doch muskulös wirkenden Mann mit den dunklen Augen und den markanten Gesichtszügen hatte genügt, um ihr Herz höher schlagen zu lassen. Sie war damals erst neunzehn Jahre alt gewesen, und doch hatten sich ihre Gefühle seither nicht geändert.

Sie verzog das Gesicht, als sie sah, dass im Mannschaftshaus Licht brannte, obwohl es noch nicht dunkel war. Die anderen Männer waren draußen beim Vieh, denn das Kalben war in vollem Gang. Lange Arbeitstage und wenig Schlaf waren dann normal, und eigentlich konnte keiner der Männer sich um diese Tageszeit im Wohnhaus aufhalten. Das hieß, dass es C.C. sein musste und dass er trank. Alkohol war etwas, das Ben Mathews auf seiner Ranch nicht duldete, nicht einmal, wenn es dabei um einen Mann ging, den er mochte und respektierte.

Penelope strich sich eine vorwitzige Strähne aus der Stirn und atmete tief durch. Sie hatte das lange lockige Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, das Samtband passte genau zu ihren braunen Augen. Sie war nicht gerade hübsch, hatte aber eine gute Figur, auch wenn sie ein bisschen rundlich war. Ihr Haar glänzte im Sonnenschein fast rotgolden, und sie hatte etliche Sommersprossen auf der geraden Nase. Sie war ein sehr sportlicher Typ, ritt famos und schoss so gut wie ihr Vater. Manchmal wünschte sie sich, so auszusehen wie Edie, die wohlhabende geschiedene Frau, mit der C.C. sich regelmäßig traf. Edie war blond, blauäugig und sehr elegant. Eigentlich eine merkwürdige Bekanntschaft für den Vormann einer Ranch, aber Penelope versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken. Insgeheim glaubte sie, den Grund zu kennen, weshalb sich C.C. mit Edie traf, und das schmerzte sie.

Sie blieb kurz vor der Tür zum Arbeiterwohnhaus stehen und strich sich nervös über die Jeans. Dann klopfte sie vorsichtig.

Ein dumpfer Schlag war zu hören, wie vom Abstellen einer Flasche auf einem Tisch. “Lass mich in Ruhe!” herrschte eine männliche Stimme sie an.

Sie hatte das Geräusch erkannt und seufzte. Es würde ein langer Abend werden.

Penelope öffnete die Tür und trat in den warmen, großen Gemeinschaftsraum, in dem Schlafkojen die Wände säumten. Am anderen Ende gab es eine Küche, in der die Männer sich Essen zubereiten konnten. Doch niemand hielt sich hier lange auf. Die meisten von ihnen waren verheiratet und hatten eigene Wohnungen auf der Ranch, außer C.C. Während des Viehtriebs und wenn die Kühe kalbten, wohnten hier auch die Männer, die nur vorübergehend eingestellt wurden. Dieses Jahr waren es sechs, und damit war das Haus voll. Aber sie waren nächste Woche bereits fort, und C.C. hatte das Haus dann wieder für sich allein.

C.C. lag in einem Stuhl zurückgelehnt, die schlammverkrusteten Stiefel auf dem Tisch überkreuzt, den Hut schräg ins Gesicht gezogen. In den Händen hielt er ein Whiskyglas. Er schob den Hut zurück, musterte Penelope mit unverhülltem Spott und zog den Hut dann wieder über die Augen. “Was, zum Teufel, willst du hier?” fragte er unfreundlich.

“Deine jämmerliche Haut retten, wenn ich kann”, gab sie ebenso unfreundlich zurück. Sie schlug die Tür hinter sich zu, zog ihre Jacke aus, unter der ein flauschiger weißer Pulli zum Vorschein kam, und ging gleich in die Küche, um Kaffee zu kochen. Er sah ihr ohne größeres Interesse nach. “Rettest du mich wieder mal, Pennie?” Er lachte spöttisch und gebrauchte wie alle anderen ihren Spitznamen. “Warum eigentlich?”

“Ich bin eben unsterblich in dich verliebt”, erwiderte sie leichthin und füllte die Kaffeekanne. Es war die Wahrheit, aber sie ließ es so klingen, als sei es ein offensichtlicher Witz.

C.C. nahm es auch so und lachte noch lauter. “Na, sicher bist du das”, sagte er. Er trank sein Glas in einem Zug aus und langte nach der Whiskyflasche.

Pennie war schneller. Sie schnappte sie vor ihm, was sie nie geschafft hätte, wenn er nüchtern gewesen wäre, und goss den Inhalt in die Spüle, noch bevor er es schaffte, auf die Beine zu kommen.

“Verdammt noch mal, Mädchen!” rief er aufgebracht und starrte auf die leere Flasche. “Das war die letzte!”

“Gut. Dann brauche ich hier ja wenigstens nicht weiter zu suchen. Setz dich wieder, ich mache dir Kaffee. Das wird dich auf die Beine bringen, bevor Dad dich findet.”

“Aber das wird er nicht, stimmts, Schätzchen?” Er wankte zu ihr, fasste sie an den Schultern und zog sie an sich. “Du wirst mich wie immer beschützen.”

“Einmal werde ich zu spät kommen.” Sie seufzte. “Und was wird dann aus dir werden?”

Pennie sah ihn besorgt an, und dabei spürte sie, wie sie eine Gänsehaut bekam. Er berührte sie sonst nie, außer im Spaß oder beim Tanzen. Als sie ihm nun so nahe war und seine Wärme spürte, fand sie das sehr aufregend, und sie musste wegsehen, damit er ihre Empfindungen nicht bemerkte.

“Niemand außer dir hat sich je darum gekümmert”, murmelte C.C. “Ich weiß nicht, ob ich das gut finde, von einem Mädchen bemuttert zu werden, das erst halb so alt ist wie ich.”

“Ich bin nicht halb so alt wie du. Wo sind die Tassen?” fragte sie ruhig, um ihn abzulenken.

Aber es gelang ihr nicht. Er strich ihr die Haarsträhnen aus der Stirn, und ihr Herz klopfte so heftig, dass sie meinte, er müsste es spüren. “Wie alt bist du jetzt?”

“Du weißt sehr gut, dass ich zweiundzwanzig bin.” Sie musste ihre Stimme unter Kontrolle halten. Entschlossen sah sie zu ihm auf, um ihm zu zeigen, dass es ihr gleichgültig war, aber dem brennenden Ausdruck seiner schwarzen Augen konnte sie nicht standhalten.

“Deine zweiundzwanzig gegen meine dreißig. Und es sind verdammt junge zweiundzwanzig”, sagte C.C. langsam. “Warum gibst du dich mit mir ab?”

“Du bist unser Trumpf. Du weißt schließlich auch, dass wir kurz vor dem Bankrott standen, als du eingestellt wurdest”, stellte sie mit einem Lachen fest. “Dad verdankt deinem Geschäftssinn eine ganze Menge. Aber trotzdem hasst er Alkohol.”

“Warum?”

“Meine Mutter starb ein Jahr, bevor du zu uns kamst, bei einem Verkehrsunfall”, erklärte sie. “Mein Vater hatte betrunken am Steuer gesessen.” Sie löste sich geschickt aus seinem Griff und wandte sich wieder der Küche zu.

Pennie sah die Schränke durch und fand schließlich einen Becher, der noch nicht angeschlagen war. Sie füllte ihn mit Kaffee und trug ihn zu C.C., der sich wieder gesetzt hatte. Er rieb sich mit beiden Händen den Kopf.

“Hast du dir den Kopf verletzt?”

“Auf keinen Fall ausreichend”, erklärte er mit einem rätselhaften Unterton. Er nahm den Becher und nippte daran. “Was, zum Teufel, hast du da hineingetan, einen alten Schuh?” fragte er entsetzt.

“Nur die doppelte Menge Kaffee, das ist alles”, versicherte sie und setzte sich zu ihm. “Das wird dich schneller nüchtern machen.”

“Ich will aber gar nicht nüchtern werden”, erwiderte er störrisch.

“Ich weiß. Aber ich möchte nicht, dass du fliegst”, entgegnete sie geduldig und lächelte ihn unschuldig an, als sie seinen vorwurfsvollen Blick bemerkte. “Du bist der einzige Mensch hier, außer Dad, der keinen hoffnungslosen Fall in mir sieht.”

Er musterte ihre zarten Gesichtszüge, die weichen, dunklen Augen.

“Na ja, dann sind wir ja wenigstens schon zu zweit. Denn du bist seit Jahren der erste Mensch, der sich um mich kümmert.”

“Das stimmt nicht ganz”, korrigierte sie ihn. Sie lächelte, obwohl ihr gar nicht danach zu Mute war, und fügte hinzu: “Edie kümmert sich doch auch um dich.”

Er zuckte mit den Schultern und nickte langsam. “Wahrscheinlich. Wir verstehen uns, Edie und ich”, sagte er leise, und seine Augen waren plötzlich ganz woanders. “Sie ist etwas Besonderes.”

Im Bett wahrscheinlich, dachte Pennie, aber sie hatte sich so weit unter Kontrolle, das nicht zu sagen. Stattdessen stand sie auf und holte die Kaffeekanne, um C.C.s Becher aufzufüllen.

“Ich fühle mich jetzt schon wieder ziemlich sicher”, meinte er, nachdem er den zweiten Becher ausgetrunken hatte. “Äußerlich zumindest.” Er zündete sich eine Zigarette an, während er sich müde im Stuhl zurücklehnte. “Verdammt, ich hasse Tage wie diesen.”

Pennie konnte nicht zugeben, dass sie den Grund dafür kannte, ohne sich selbst in ein schiefes Licht zu setzen. Aber sie erinnerte sich nur zu gut an das, was er während seiner Fieberträume erzählt hatte, und wie er in Erinnerung daran geweint hatte. Er hatte seine Frau und sein ungeborenes Kind während einer Wildwasserfahrt verloren, während er selbst überlebt hatte. Pennie hatte den Eindruck, dass er sich seitdem mit Selbstvorwürfen quälte. Er warf sich vor, dass er lebte und die anderen nicht.

“Ich denke, wir alle haben gute und schlechte Tage”, begann sie ganz unverfänglich. “Wenn es dir recht ist, gehe ich jetzt wieder in die Küche rüber. Dad hat sich einen Apfelkuchen von mir gewünscht.”

“Du verstehst was vom Haushalt, stimmts?” fragte er plötzlich ganz merkwürdig ernst und suchte ihren Blick. “Kommt Brandon dich heute Abend besuchen?”

Ohne zu wissen, warum, wurde Pennie rot. “Brandon ist unser Tierarzt”, antwortete sie knapp, “nicht mein Freund.”

“Du könntest aber einen richtigen Freund brauchen, Schätzchen.” Seine Augen wurden schmal, die Falten auf seiner Stirn vertieften sich, während er mit dem leeren Becher herumspielte. “Du bist mittlerweile eine Frau. Du brauchst mehr als Kameradschaft von einem Mann.”

“Ich weiß genau, was ich brauche, vielen Dank”, erwiderte sie und stand auf. “Du solltest deinen Kopf lieber in einen Eimer mit kaltem Wasser stecken, damit deine Augen nicht mehr so blutunterlaufen aussehen. Und um Himmels willen, nimm ein Pfefferminzkaugummi.”

C.C. seufzte. “Noch etwas, Mutter Mathews?

“Ja. Betrink dich nicht mehr. Das macht alles nur noch schlimmer.”

“Du bist ja so weise, nicht wahr, Pennie?” stellte er sarkastisch fest. “Aber du bist noch nicht lange genug auf der Welt, um zu wissen, weshalb manche Menschen trinken.”

“Ich bin lange genug auf der Welt, um zu wissen, dass noch niemand ein Problem aus der Welt geschafft hat, indem er davor wegläuft”, versetzte sie und hielt seinem zornig funkelnden Blick stand. “Du solltest einmal versuchen, die Vergangenheit zu vergessen und in der Gegenwart zu leben, C.C. Es ist gar nicht so schlecht. Selbst wenn die Kühe kalben. Und denk doch mal an den Viehtrieb, den du vor dir hast”, fügte sie mit einem frechen Grinsen hinzu. “Bis dann also!”

Sie öffnete die Tür und trat aus dem Haus. Erst im Wind merkte sie, dass sie ihre Jacke drinnen vergessen hatte.

“Hier, sonst wird es dir kalt”, sagte C.C. plötzlich und ging mit der Jacke auf sie zu. “Zieh sie lieber an.”

Er hielt ihr die Jacke hin und ließ sie auch nicht los, als Pennie hineingeschlüpft war. Einen Augenblick lang standen sie so da, ihr Rücken an seiner Brust. Sein Kinn ruhte auf ihrem Kopf.

“Verschwende dein Herz nicht an mich, Pennie”, meinte er leise, mit solcher Zärtlichkeit in der tiefen Stimme, dass sie ganz automatisch dabei die Augen schloss.

“Du bist mein Freund, C.C.”, erwiderte sie gepresst. “Ich hoffe, ich bin eine Freundin für dich. Das ist alles.”

Seine Hände ballten sich einen Augenblick zusammen. Seine Brust hob sich, als er tief ein- und wieder ausatmete. “Gut”, erklärte er dann und ließ sie los. “Ich bin froh, dass das alles ist. Ich möchte dir nicht wehtun.”

Pennie ging weiter und zwang sich zu einem Lächeln, als sie sich noch einmal umblickte. Er hatte gerade all ihre Träume zerstört.

Ihr Vater war schon im Haus, als Pennie dort ankam. Er sah ihr aus dem Wohnzimmer entgegen.

“Wo warst du?” fragte er unwirsch.

“Schafe zählen”, antwortete sie unschuldig.

“Schafe, oder ein schwarzes namens C.C.?”

Sie biss sich auf die Lippe. “Na ja …”

Er schüttelte den Kopf. “Pennie, wenn ich ihn jemals mit einer Flasche erwische, kann er seine Sachen packen, egal was für ein guter Vormann er ist”, schimpfte er ärgerlich. “Er kennt die Regeln.”

“C.C. hat sich im Mannschaftsraum etwas zu essen gemacht. Ich habe nur schnell hineingeschaut, um zu fragen, ob er etwas von meinem … entschuldige, deinem … Apfelkuchen möchte.”

Ihr Vater runzelte die Stirn. “Es ist tatsächlich mein Kuchen. Und ich habe keine Lust, ihn zu teilen!”

“Ich habe ja zwei gemacht”, erklärte sie schnell. “Du alter Gauner, du könntest C.C. nie rauswerfen. Vorher würdest du dir selbst etwas antun, und das wissen wir beide.”

Ben zündete seine Pfeife an und sah dann Pennie eindringlich an. “Du vergeudest deine Gefühle bei ihm, weißt du das?” fragte er nach einem Augenblick.

Penelope wurde steif. “Ja. Ich weiß.”

“Er ist nicht das, was er zu sein vorgibt”, fuhr ihr Vater fort.

Sie drehte sich um und sah ihn aufmerksam an. “Was meinst du damit?”

“Das weißt du genau.” Er blickte nachdenklich aus dem Fenster. “C.C. ist hier reingeschneit ohne jede Vergangenheit. Keine Empfehlungen. Keine Papiere. Ich habe ihm damals den Job nur gegeben, weil mein Instinkt mir dazu geraten hat. Außerdem konnte er offensichtlich mit Tieren und auch mit Zahlen umgehen. Aber er ist bestimmt genauso wenig ein arbeitsloser Cowboy wie ich Bankier bin. Er ist selbstsicher und gewandt. Und er weiß für einen armen Mann zu viel über Geschäfte. Denk an meine Worte, Mädchen, es ist mehr an ihm, als er zu sein vorgibt.”

Pennie nickte bloß. Sie konnte nicht einmal ihrem Vater sagen, dass sie wusste, warum C.C. sich hier auf dieser entlegenen Ranch aufhielt. Aber auch sie hatte aus seinen Fieberträumen nicht erfahren, weshalb er alle Verbindungen zu früher abgebrochen hatte.

“Er könnte alles sein, oder nicht?” meinte ihr Vater. “Selbst ein entflohener Sträfling.”

“Das bezweifle ich.” Sie grinste. “Er ist zu ehrlich. Erinnere dich doch daran, wie du diesen Hundertdollarschein damals in der Scheune verloren hattest und C.C. ihn dir brachte. Ich habe auch oft gesehen, dass er anderen Cowboys aushalf, wenn sie Schwierigkeiten hatten. Er hat zwar ein ziemliches Temperament, aber er ist nicht jähzornig. Er schimpft und flucht, aber die Männer können darüber lachen, und nur wenn er wirklich wütend ist, müssen sie sich vor ihm in Acht nehmen. Doch selbst dann hat er sich immer noch unter Kontrolle. Die scheint er übrigens nie zu verlieren.”

“Das habe ich auch bemerkt. Aber ein Mann, der sich immer so gut unter Kontrolle hat, muss einen Grund dafür haben”, gab ihr Vater zu bedenken. “Es gibt noch andere Männer. Geh lieber kein Risiko ein.”

“Du alter Schwindler”, schimpfte Pennie. “Du bist doch derjenige, der mich immer mit ihm verkuppeln will.”

Er hob abwehrend die Hände. “Ich mag ihn. Aber ich kann es mir auch leisten. Verstehst du, was ich meine?”

Sie verzog das Gesicht. “Ich denke schon. Also gut. Ich werde Brandon sagen, dass ich mit ihm ins Kino gehe, was hältst du davon?”

Nun schnitt er eine Grimasse. “Was für ein Trostpreis”, murrte er. “Der arme Kerl ist doch ein Hampelmann. Ich frage mich, wie er jemals sein Studium absolvieren konnte, mit so wenig Temperament! Er ist die Art von Mann, die bei einer Zuchtausstellung eine ausgestopfte Kuh zeigen würde.”

“Genau mein Fall also”, versetzte Pennie triumphierend und lachte. “Er ist wenigstens unkompliziert. Aber jetzt lass mich die beiden Apfelkuchen fertig machen, ja?”

“Meinetwegen. Aber ich bringe C.C. seinen selbst”, kündigte Ben an. “Ich möchte mit eigenen Augen sehen, dass er beim Essen ist.”

2. KAPITEL

Brandon Hale kam vorbei, als Pennie und ihr Vater sich gerade zum Essen an den Tisch setzten.

“Oh, das duftet ja köstlich.” Brandon grinste und blickte auf den noch warmen Apfelkuchen, den Pennie gemacht hatte. “Hallo, Mr. Mathews, wie geht es Ihnen?”

“Ich bin hungrig”, antwortete Ben kurz angebunden. “Und starren Sie nicht so begehrlich auf meinen Apfelkuchen. Ich werde ihn nicht teilen.”

“Aber sicher doch.” Brandon lehnte sich zu ihm. “Ich meine, wenn Sie bedenken, dass Sie gern Ihre neuen Kälber untersucht haben möchten und dass der kranke Bulle behandelt werden muss, ganz zu schweigen von den Impfungen, die durchzuführen sind, wo der Viehtrieb kurz bevorsteht …”

“Verdammt, Junge, das ist Erpressung”, beschwerte sich Ben.

“Nur eine kleine”, gab Brandon gutmütig zurück.

“Also, meinetwegen, setzen Sie sich.” Ben Mathews seufzte. “Aber ich hoffe, es ist Ihnen klar, dass ich diesen Kuchen nicht mit jedem teilen würde. Und wenn Sie nicht aufhören, hier abends ohne triftigen Grund vorbeizukommen, werden Sie Pennie heiraten müssen.”

“Das wäre mir ein Vergnügen.” Brandon zwinkerte Pennie zu. “Sag mir nur das Datum, Liebling.”

“Am sechsten Juli in zwanzig Jahren”, versprach sie und reichte ihm einen Teller. “Ich möchte noch ein bisschen was erleben, bevor ich häuslich werde.”

“Du hast bereits zweiundzwanzig Jahre lang etwas erlebt”, stellte ihr Vater fest. “Ich möchte Enkelkinder haben.”

“Das ist dein Problem”, versetzte Pennie unbeeindruckt. “Ich überlege, ob ich mich nicht bei der UNO-Friedenstruppe bewerbe.”

Ben ließ fast seine Kaffeetasse fallen. “Du überlegst was?”

“Dabei könnte ich meinen Horizont ein bisschen erweitern”, erklärte sie ruhig. Was sie nicht sagte, war, dass sie dadurch von C.C. wegkam, bevor sie ihn womöglich versehentlich merken ließ, wie sehr sie in ihn verliebt war. Heute wäre es schon fast so weit gewesen. Er schien bereits Verdacht geschöpft zu haben, wegen all der Aufmerksamkeit, die sie ihm zuteil werden ließ.

“Du könntest in irgendeinem fremden Land ums Leben kommen”, sagte ihr Vater kurz. “Ich lasse dich nicht gehen.”

“Ich bin zweiundzwanzig”, erinnerte sie ihn. “Du kannst mich nicht aufhalten.”

Er seufzte ärgerlich. “Und wer soll kochen und das Haus in Ordnung halten und …”

“Du kannst ja jemanden anstellen.”

“Sicher.” Ihr Vater lachte bitter auf.

Das brachte ihr ihre finanziell angespannte Situation wieder unangenehm in Erinnerung, und es tat ihr sofort Leid, dass sie das Gespräch darauf gebracht hatte. “Ich werde nicht so schnell gehen”, versprach sie. “Und mach dir keine Sorgen, es kann nur noch besser werden.”

“Betet um Regen”, schlug Brandon zwischen zwei Bissen vor. “Alle tun das zurzeit. Ich habe noch nie so viele Rancher in der Kirche gesehen.”

“Ich habe schon öfter erlebt, dass Gebete Wunder vollbrachten”, bemerkte Ben und erzählte einige Geschichten, die Pennies Gedanken von C.C. ablenkten.

Nachdem sie die Hälfte des Apfelkuchens verzehrt hatten, machte sich Brandon mit Ben auf, um den kranken Bullen zu untersuchen. “Ich drücke mich ja meistens darum, abends noch zu arbeiten”, gestand Brandon Pennie im Hinausgehen. “Aber für einen solchen Apfelkuchen würde ich sogar um drei Uhr morgens beim Kalben helfen.”

“Ich werde mich zur gegebenen Zeit daran erinnern”, sagte sie vielsagend.

“Du bist süß”, meinte er. “Wirklich. Du bist richtig süß, und wenn du jemals ans Heiraten denken solltest, dann gib mir Bescheid.”

Vielen Dank. Ich merke dich vor, zusammen mit einem anderen Dutzend von Bewerbern”, erwiderte sie leichthin.

“Hast du nicht Lust, am Freitag mit ins Kino zu gehen? Wir fahren nach El Paso und essen vorher noch was.”

“Großartig”, stimmte sie zu. Es war immer unterhaltsam, mit Brandon zusammen zu sein, und es würde ihr gut tun, für einen Abend fortzukommen.

“Ich werde wahrscheinlich nicht vor Mitternacht zu Hause sein”, rief ihr Vater ihr zu. “Nachdem wir den Bullen angesehen haben, muss ich noch einen Blick auf Berrys Bücher werfen. Also warte nicht auf mich.”

“Okay. Viel Spaß”, rief sie zurück. Das war ein alter Witz zwischen ihnen. Jack Berry führte die Bücher in einer völlig unzulänglichen Weise.

Sie hätten eigentlich jemand Qualifizierteren einstellen müssen, aber Jack war schon älter und konnte auf der Weide nicht mehr arbeiten. Aus Gutmütigkeit hatte Ben ihm die Buchhaltung übertragen. Was leider hieß, dass Ben einen Großteil der Buchhaltung kurz vor der Steuerprüfung selbst noch einmal machen musste. Sein weiches Herz war ein Grund dafür, dass die Ranch so schlecht dastand. Er hatte eigentlich nicht das Zeug zum Geschäftsmann wie sein Vater. Ohne C.C.s geschickte Unterstützung wäre die Ranch schon vor drei Jahren unter den Hammer gekommen.

C.C.! Schon wieder schwirrte er ihr durch den Kopf. Pennie runzelte die Stirn und wandte sich zur Hintertür. Sie machte sich immer noch große Sorgen um ihn. Er schien nicht mehr allzu betrunken gewesen zu sein, und das war eigentlich unüblich. Sein jährlicher Rausch konnte sich immer sehen lassen. Es war besser, wenn sie noch einmal nach ihm sah, bevor ihr Vater ihm um Mitternacht noch einen Besuch abstattete.

Im Mannschaftshaus fand Pennie nur drei Arbeiter vor. C.C. war nicht da.

“Er sagte nicht, wohin er wollte, Miss Mathews”, erzählte ihr einer der Männer. “Aber ich denk mir, dass er nach Juarez wollte, der Richtung nach zu schließen, die er eingeschlagen hat.”

“Ach, du liebe Zeit”, entfuhr es Pennie. “Hat er den Jeep genommen oder sein eigenes Auto?”

“Sein eigenes – den alten Ford.”

“Danke.”

Sie nickte dem Mann freundlich zu und verließ hastig das Mannschaftshaus. Hoffentlich finde ich C.C. bald, dachte sie besorgt, als sie den Jeep bestieg und sich auf den Weg nach Juarez machte.

Sie bog in die Straße ein, die zur Grenze führte. Der Posten an der Grenze erinnerte sich an den großen weißen Ford – während der Woche gab es abends nicht so viel Verkehr. Sie bedankte sich, fuhr weiter und klapperte etliche Straßen ab, bis sie den weißen Ford zufällig auf einem Parkplatz stehen sah. Sie stellte den Jeep ab und stieg aus.

Nicht zu weit vom Parkplatz entfernt war eine Bar. Sie hatte so eine Eingebung, dass C.C. darin war. Als sie hineinsah, waren jedoch fast nur mexikanische Männer und ein oder zwei junge Amerikaner darin. Sie ging die anderen Straßen ab, spähte in Bars und wäre einmal beinahe festgenommen worden. Schließlich drehte sie ziemlich deprimiert und voller Sorgen um und machte sich auf den Weg zurück zum Parkplatz. Auf dem Rückweg blickte sie noch einmal in die erste Bar – und da saß er, zurückgelehnt auf einem Stuhl am Ecktisch.

Sie ging hinein zu dem Tisch in der Ecke.

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